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Sind wir nicht alle ein bißchen Pieschen?

Das, was wir auf diesen Bildern sehen, ist das Ergebnis einer verfehlten Verkehrs- und Förderpolitik in Sachsen:

Es geht um Dresden, ausnahmsweise einmal nicht die berühmt berüchtigte Brücke, sondern um die Leipziger Straße. Der Belag war – zumindest stadtwärts – in einem sehr schlechten Zustand, die Flut 2002 (es sind mittlerweile sechs Jahre) gab der Straße teilweise den Rest. Zwischenzeitlich sanierte man viele Abschnitte, nur der Abschnitt zwischen Konkordienstraße und Alexander-Puschkin-Platz ist noch offen.

Und dieses Stück ist sehr alleenartig: es gibt viele alte und hohe Robinien, die der Straße Schatten spendeten. Schon im Vorfeld des Ausbaus erhitzten sich die Debatten, wie man diese Straße entwickeln kann. Es gab verschiedene Varianten, zu letzt standen zwei auf der Tagesordnung. Bei einer würde die Allee geringfügig kleiner und es entsteht ein Mischverkehr zwischen Straßenbahn und MIV, bei der anderen vernichtet man die Allee und baut auf volle vier Fahrstreifen aus.

Nach intensiver Debatte favorisierte die Stadt den Erhalt der Allee. Förderungswürdig sei aber nur der Vollausbau. Kostet insgesamt auch zwei Millionen mehr, aber für die Stadt entfiele nur ein Bruchteil. Mit Allee trägt die Stadt aber die vollen Kosten. Föderalismus eben, die Stadt muß ja Fördermittel nicht nutzen. Stephan erkundigte sich damals beim Regierungspräsidium nach den Förderbedingungen – die Regeln sind absolut schwammig. Unter einer Verbesserung versteht schließlich jeder etwas anderes. Und wen es interessiert: er veröffentlichte im Februar auch die Lagepläne des Ausbaus.

Und der Irrsinn der vier Spuren wird besonders deutlich, wenn man sich die gesamte Straße einmal anschaut. In Richtung Zentrum gibt es ein zweispuriges Nadelöhr unter der Eisenbahnbrücke. Nicht einmal die Bahn, die im Moment die Brücken saniert, vergrößert die Brückenlänge. Am alten Schlachthof wurde an einer Straßenbahnhaltestelle ein Nadelöhr erst mit dem Ausbau geschaffen. Und auf der andren Seite gibt es das Elbcenter Pischen. Dort treffen zwei Straßenbahnlinien zusammen, da müßte man für den Vollausbau Immobilien abreißen.

Und so steht man da, Mitten auf der Leipziger Straße. Die Straße aufgerissen, die Kettensägen dröhnen an mehreren Bäumen gleichzeitig. Ein Herr vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) erklärt uns das Prozedere. So müsse bei Baumfällarbeiten stets ein Sachverständiger vor Ort sein, was in diesem Falle geschehen ist. Und so entdeckte man noch eine seltene Käferart (ich habe den Namen vergessen, aber scheinbar schreibt keine Tageszeitung über diesen Fund). Für das Tier ist der Lebensraum mit der Fällung beendet und so werden noch verschiedene Gehölze genommen und in den Mordgrund gefahren.

Auf seinem Fahrrad hatte er noch ein Stück Baumrinde befestigt – als Andenken, so meint er. Und er war nicht der einzige, der sich an den Baumresten bediente. Wie damals beim Mauerfall. Und leider ist diese Verkehrsprojekt nicht der einzige Alleetod: einen Tag zuvor wurde die Tharandter Straße für den Verkehr freigegeben.

Update: es gab auch Protest.

Bisherige Kommentare (1)

Kommentar von Nini

Mehr gibt es leider dazu nicht mehr zu sagen. :-(
Was mich aber auch noch aufregt:
Der Fahrradstreifen auf dem Fußweg kommt weg, stattdessen sollen sich Radfahrer und Fußgänger zukünftig den Platz teilen. Brillante Idee!

Man muss ja bereits jetzt aufpassen, als Fußgänger nicht umgefahren zu werden, da an dieser Stelle der Elberadweg fehlt und entsprechend viele Radfahrer unterwegs sind.

Ach ja: die Straße wird ja auch für Autos ausgebaut! Lasst uns doch 5 Spuren machen, denn wer braucht schon einen Bürgersteig?!

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