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CSYou - Eine Plamage erster Güte!

Aus der Kategorie „Fremdschämen für die CSU”:

Die CSU hat nach dem Rezo-Video endlich Youtube entdeckt – und unternimmt einen weiteren Versuch, sich wohl jüngeren Wählerschichten anzubiedern – mit dem Titel #CSYou! Anstelle des CDU-Youngsters Philipp Amthor gibt es nun ein neues Gesicht: der Armin. Mit seinem Ergebnis und der Erwähnung im Satire-Magazin ist er sehr zufrieden. Wenigstens einer.

Tatsächlich ist das Video ein Musterbeispiel wie man es nicht macht. Die krassen Schnitte und Soundeffekte waren meines Erachtens zuletzt in den 90ern mal populär. Nur krasser. Man könnte fast meinen, der Cutter wird gerade gefoltert und setzt damit einen Hilferuf ab.

Es geht weiter mit dem gesamten Konzept, dass vor allem die scheinbaren Verfehlungen vor allem aus dem Grünen Lager in den Vordergrund rückt. Nicht die eigenen Erfolge und Leistungen. Oder vielleicht auch um eine kritische Auseinandersetzung dessen. Oder vielleicht der Versuch, zu erklären, warum die CSU so handelt, wie sie handelte. Es hat auch nicht den Charakter, dass Armin hier in den Dialog treten möchte. Es ist eher ein Monolog mit Besserwisserei. Nur ohne Quellen. Zumal Quellen ja auch das waren, was einst die CDU am Rezo-Video auseinander seziert hatte.

Nehmen wir aber mal den Inhalt auseinander:

Als „Aufreger der Woche„ wird die Überfahrt von Greta Thunberg nach New York mit einem Segelschiff prämiert. Das mag vielleicht für die CSU ein Aufreger sein, für die meisten dürfte das allenfalls eine Randnotiz sein. Um ehrlich zu sein, ging mir diese Meldung am Allerwertesten vorbei. Soviel zur Auswahl, was der Aufreger diese Woche gewesen sei.

Es wird die angepriesene Klimaneutralität dieser Überfahrt in Frage gestellt. Ohne irgendeinen Beleg erwähnt er, dass die fünfköpfige Besatzung zurückfliegt und eine andere Besatzung nach New York fliegt. Und diese zehn Flüge seien nun weniger klimaneutral, als wäre sie alleine nach New York geflogen. Ein Musterbeispiel einer Nebelkerzendiskussion, denn der eigentliche Aufreger ist doch die Ungewissheit des Klimas in unserer Zukunft – und welche Weichen wir heute dafür stellen sollten.

Aber wenn wir schon bei diesen Nebensächlichkeiten sind, geht es auch gleich um die Flüge der Grünen Abgeordneten: diese hätten wohl die meisten Flüge in dieser Wahlperiode bisher gehabt. Kann man ja machen, aber dann wenigstens korrekt wiedergeben: Sie haben die meisten Flugpreisen pro Abgeordneten.

Als „Klartext der Woche„ wurde die Unteilbar-Demo kritisiert, bei der die Veranstalter die Deutschland-Flaggen als nicht erwünscht eingestuft haben. Zu einer Zeit, in der viele Menschen (und gerade auch viele in Sachsen und Dresden) die Deutschlandflagge zur nationalen Abgrenzung verwenden, kann ich die Halter der Veranstalter einer Demo gegen Ausgrenzung durchaus nachvollziehen. Im Video wird stattdessen die Kommunismus-Flagge bemängelt und als Nostalgie abgetan. Im Beispiel wird das Parteilogo der 1986 aufgelösten KPD/ML gezeigt. Hätte man nun das Gewehr auf einer friedlichen Demo bemängelt, hätte ich es verstanden, aber es wird der Kommunismus kritisiert. Und ja, auf so einer Demo darf man durchaus auch verschiedener Meinung sein, welches Wirtschaftssystem nun präferiert wird – denn das war ja nicht Gegenstand der Demo. Ich würde es mal so formulieren: Wenn der Kommunismus sich für eine offene und freie Gesellschaft ohne Ausgrenzung einsetzt, so hätte sich daneben auch die CDU doch hinstellen können und zeigen können, dass seine offene und freie Gesellschaft auch mit einer Marktwirtschaft in Einklang gebracht werden kann.

Als „Good News der Woche„ gibt es nun mächtig Eigenlob für die GroKo. Der erste Lacher ist die politisch unabhängige Bertelsmann-Stiftung (Sie mag vielleicht noch parteipolitisch unabhängig sein, eine politische Hidden-Agenda hat sie aber dennoch). Und diese soll festgestellt haben, dass 2/3 der Versprechungen aus dem Koalitionsvertrag in den ersten 15 Monaten ganz oder teilweise umgesetzt wurde. Also nicht das Wahlversprechen wird als Maßstab genommen, sondern der Koalitionsvertrag. Und dann reicht auch nicht die komplette Umsetzung, sondern auch nur ein Teil dessen aus. Nun werden die scheinbaren Errungenschaften im Schnelldurchlauf durchgespult. So schnell, dass man nicht ernsthaft einen Gedanken zu den einzelnen Punkten fassen kann. Dabei steckt die Musik ja in diesen Beispielen. Also muss das Video pausiert werden.

Ich picke mal die Mietpreisbremse heraus. Ja, sie wurde umgesetzt. Und zwar so, dass sie praktisch ein zahnloser Tiger ist. Nun darf man sich auf die Schulter klopfen, dass man politisch etwas eingeführt hat. Persönlich würde ich mir erst dann auf die Schulter klopfen, wenn auch die geplante Wirkung eingetreten ist.

Und zum Schluss das „Thema der Woche„: Freie Fahrt für Soldaten bei der Deutschen Bahn. Nun gibt es bei diesem Thema sicher viele Fragen. Warum nur Soldaten? Warum unter Wert? Ist es nicht eine Querfinanzierung aus dem Finanzetat für den Wehretat. Stattdessen wird nun eine Frage der Grünen erörtert, warum sie denn nicht mit am Verhandlungstisch saßen. Interessiert das irgendjemand?

Fazit: Es waren ja auch nur fünf Minuten.

Übrigens noch ein Fundstück aus den offiziellen Reihen der CSU. Das war ein offizielles Wahlwerbevideo von Stoiber 2005. Aber nur für verdammt kurze Zeit:

Anmerkung:

Cooles Plagiat:

Folge 2 ist draußen:

Die Braunen der AfD sollen also endlich mal anerkennen, dass die CSU deren Politik schon gemacht hat. Wusste wir schon lange, endlich sagen zeigen sie es auch eindrucksvoll.

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