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Berlin - Die Hauptstadt der Gaslaternen

Wir sehen hier eine gewöhnliche elektrische Beleuchtung:

Und hier eine Gaslaterne:

Bisher habe ich mir nie darüber Gedanken gemacht, bis ich irgendwann mal auf den Berliner Verkehrsseiten auf eine Auseinandersetzung über diese Lampenart gestoßen bin — und hier ist wieder eine Spezifika von Berlin: Berlin hat heute noch den Status als Hauptstadt der Gaslaternen. Von den ca. 80.000 Gaslaternen in Deutschland stehen noch 44.000 in Berlin — überwiegend im Westteil der Stadt und überwiegend in Anwohnerstraßen (nur selten auf Hauptstraßen). Dazu gibt es einen Beleuchtungsstadtplan, in dem die Bauformen unterschieden werden.

Und wenn man mit diesem Vorwissen belastet einmal durch Kreuzberg läuft, erkennt man durchaus den Unterschied. Gaslaternen blenden nicht, sie geben ein klares, weißes Licht ab, was auf den ersten Blick dunkler wirkt. Und trotzdem die Straße erhellt — ohne die Nacht zum Tag zu machen.

Wäre da nicht die etwas schlechtere Energiebilanz der Gaslaternen im Vergleich zur elektrischen Beleuchtung — eines der absoluten Totschlagargumente in der EU. Um Betriebskosten zu sparen, will der Berliner Senat in den nächsten Jahren mehr als 90% dieses Bestandes austauschen.

Eine Initiative zum Erhalt der Gasleuchten hat sich bereits gegründet. Sie schätzen vor allem den Charakter des Gaslichtes. Gegen die geplanten Einsparungen bei den Energiekosten durch die Umstellung gibt es auch Gegenberechnungen, in dem der Umrüstungsaufwand gegenübergestellt wird. Ich will mich in diese ganzen Zahlenspiele jetzt gar nicht so sehr vertiefen. Aber irgendwie wünschte ich mir im Moment eine stärkere öffentliche Debatte bei so einem umfassenden Stadtsanierungsprogramm (wenn man Stromkabel verlegen will, müßte man praktisch jeden Gehweg aufhacken).

Auch die anderen deutschen Gasstädte planen verstärkt eine Demontage. In Dresden sollen künftig nur wenige hundert noch leuchten. Frankfurt stellt auch bereits um. In Düsseldorf scheint die Bevölkerung noch starken Druck aufzubauen.

In anderen europäischen Hauptstädten erneuert eine Berliner Firma die Gaslaternen und stellt sogar neue auf: zum Beispiel auf der Karlsbrücke.

Bisherige Kommentare (3)

Kommentar von Markus

Hallo René,
künstlerisch betrachtet haben die Gaslaternen wahrlich schöne Motive zu bieten.

Das goldene Licht reizt den Fotografen, es auch möglichst echt zu dokumentieren. Die Straßen werden durch die spezielle Lichtfarbe zur beleuchteten Kulisse.

Zum Thema Gaslicht möchte ich noch auf das neue Forum des Vereins Progaslicht verweisen:
http://www.progaslicht.de/forum

Kommentar von René

Ich würde schon annehmen, daß man im Straßenbereich Lampen verbaut, die nur geringe Wärmeentwicklung haben. Stell dir schon alleine eine geschlossene Glaskugel vor — wenn die eine ganze Nacht leuchtet, wo soll die Wärme hin? LED wird sicher die Zukunft sein, aber das wird vermutlich noch ein weiter Weg sein. Es soll schon erste Versuche gegeben haben (siehe auch Pressespiegel bei Progas).

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