Das Halbzeit-Studium, das doppelt so lange dauert
Als ich vor fünf Jahren in England war, lernte ich bereits sogenannte Halbzeitstudenten kennen. Studenten, die nur die Hälfte ihrer Zeit studieren und die andere Hälfte arbeiten. Teilweise, weil sie bereits vorher schon einen Job hatten und das Studium nebenbei absolvieren, teils aber auch zur Studienfinanzierung, z.B. für die dortigen Studiengebühren. Auf jeden Fall waren die Halbzeitstudenten anstrengend – wenn man mit Ihnen zusammenarbeiten mußte. Sie waren dann meist nur an zwei Tagen präsent, die andere Hälfte teilweise in anderen Städten. Dabei wurde es hingenommen, daß ein Bachelor dann gute sechs Jahre dauerte. Vom Idealkandidaten der Wirtschaft (25 Jahre, Diplom, fünf Jahre Berufserfahrung) ist man damit noch weiter entfernt als wir.
Nun soll es solche Studienangebote auch in Deutschland geben, die Uni Heidelberg macht den Vorstoß.
Ich frage mich, wozu wir in Deutschland eigentlich vor Jahren das BAföG eingeführt haben? Das soll eigentlich den Lebensunterhalt sicher stellen, damit sich Studenten auf ihr Studium konzentrieren können – und nicht in die Lage versetzt werden, für die Finanzierung des Studiums selbiges in die Länge zu ziehen. In dem Kontext ist auch der Titel des Artikels völlig absurd: »Studierende sollen ohne Druck jobben«.
Bisherige Kommentare (5)
Kommentar von René
Ähh.. schonmal was von einem BA-Studium gehört (berufs-akademie)? Das ist studium kombiniert mit ausbildung in einer Firma. Aber zugegeben da gibt es nur einen niederwertigeren abschluss in der gleichen zeit (minus semesterferien und praxissemester in denen gearbeitet wird).
Wie wäre es mit einem dualem studium? Da wird das Studium länger, man macht nebenbei einen zusätzlichen berufsabschluss, hat den normalen abschluss und auch da gibts geld.
...nur um mal zu zeigen dass es solche konzepte auch in .de schon länger gibt (sogar in verschiedensten abstufungen)
Kommentar von René
Ich sehe beim Halbzeitstudium durchaus Unterschiede zur Berufsakademie bzw. dualem Studium, insbesondere das hierbei Praxis und Theorie ineinander übergehen. Mag ein Halbzeitstudium ggf. noch wirklich für den Sinn machen, der bereits seine Arbeit hat und nicht pausieren möchte (hier wäre eher die Fernuniversität der Vergleich), wer aber zur Finanzierung des Studiums arbeiten muß, wird nicht in allen Fällen etwas studienbegleitendes tun (ich denke da vor allem an die Geisteswissenschaften).
Kommentar von Ni.ni
Berufsbegleitendes Studieren gibt es aber auch schon?
Kommentar von Jobber
Dein »Beitrag« zeigt mal wieder die Meinung eines Studenten der von seinen Eltern Geld in den Allerwertesten geschoben bekommt bis er Stop sagt.
Hast du eine Ahnung wie viel Bafög man bekommt? Hast du eine Ahnung wie gut man selbst mit dem maximalen Bafögsatz Leben kann?
Wir reden hier nur mit Bafög von Beträgen die sich WEIT unterhalb der Armutsgrenze bewegen.
Soll ich von den 40 Euro Leben die mir Monatlich bleiben nachdem ich alle Rechnungen bezahlt habe? Also Wohnung, Strom, Studiengebühren, Fahrtkosten.
Soll ich von 10 Euro die Woche Essen? Jemand der sein Studium selbst Finanziert und nicht bei Mama wohnt oder schön von den Eltern unterstützt wird MUSS nebenbei arbeiten. Aber das ist nicht während allen Studiengängen möglich.
Ein Halbzeitstudium ermöglicht vor allem Leuten aus armen Familien ein Studium und das macht natürlich keinen Sinn....
Kommentar von René
@Jobber: die Vermutung im ersten Satz trifft leider nicht zu. Ich bin mit meinem »BAföG-Bedarfssatz« (Der Begriff »Höchstsatz« ist in dem Kontext falsch!) um die Runden gekommen – und konnte mich folglich voll und ganz auf mein Studium konzentrieren. Damals gab es auch noch keine Studiengebühren (die auch den Zielen des BAföG gegenüberstehen), wir hatten Semesterticket und zugegebenermaßen ist Dresden nicht das teuerste Pflaster.
Durch meine Zeit im Studentenrat kenne ich durchaus auch Härtefälle, bspw. waren selbständige Eltern oft ein Problem. Oder ein gut verdienender, aber unerrreichbarer Vater. Auch der bundesweit einheitliche Zuschuß zur Miete trifft die Realität leider nicht ganz. Da, wo die Mieten höher sind, geht es dann eben zu Lasten des Grundbedarfs.
Von daher sollten solche Probleme aus der Welt geschaffen werden. Da müssen eben zur Not die Regelsätze erhöht werden. Für den Staat rechnet sich das allemal: wenn künftige Akademiker bis zu ihrem Meisterabschluß 10 (anstelle 5) Jahre benötigen, so zahlen sie auch frühstens 10 Jahre Studienbeginn 'richtig' Steuern. Unter Annahme eines nicht von der Studiendauer abhängigen Renteneintrittsalters sind diese fünf Jahre aufgehoben, nicht aufgeschoben. Ein Halbzeitstudium mag zwar auch eine Möglichkeit für Studenten mittelloser Eltern – im Interesse eines schnellen Studienabschlusses aber eben nicht die richtige.
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