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Dresden

Deutsche Botschaft in Syrien

Ich habe mich bisher in der Asyldebatte zurückgehalten, weil ich davon ausging, dass andere schon genügend zur Materie geschrieben haben. Und auch weitaus tiefer mit der gesamten Materie vertraut sind.

Wenn ich die Meldungen verfolge, so wird Angst und Bange. Kaum ein Tag, an dem nicht irgendeine Notunterkunft brennt. Kaum ein Tag, an dem nicht irgendwo Leute ihre Abneigung über Menschen zum Ausdruck zu bringen. Oder irgendwelche obskuren Gerüchte streuen.

Der (Ein?) Gipfel der Geschmacklosigkeit ist die Leugnung des syrischen Bürgerkrieges von Lutz Bachmann bei der Pegida-Rede vom 28.09.2015 (Ich verlinke es nicht. Kann man bei Youtube suchen). Verbunden mit der Naivität, die Flüchtenden könnten ja in Damaskus bei der Deutschen Botschaft ein Visum schon beantragen.

Hust, die Botschaft ist schon seit dreieinhalb Jahre geschlossen.

Elberadweg zerstört

Mit Fassungslosigkeit lese ich gerade die Artikel über die vorsätzlichen Zerstörung des Dresdner Elberadwegs. Mit dem Ziel, Baurecht für den Marina Garden zu erzwingen, ließ Regine Töberich ca. 50 Meter des Elberadwegs aufbaggern. Zu so einer Kurzschlussreaktion kann nur jemand fähig sein, der nicht mehr ganz richtig im Köpfchen tickt!

Update: Ich lag eben vor Lachen am Boden. Sie hat den falschen Abschnitt des Elberadwegs weggebaggert – also nicht der Abschnitt, der zu ihrem Grundstück formell gehört.

Update, die 2.

Regine Töberich:

Ich werde weiter jedes mir zur Verfügung stehende Mittel nutzen, um für mein Recht und gegen selbstherrliche, diktatorisch ambitionierte, inkompetente Volksvertreter zu kämpfen.

Demokratische gewählte Vertreter als selbstherrlich, diktatorisch ambitioniert und inkompetent hinzustellen kann man ja mal machen, nachdem man selbstherrlich, diktatorisch ambitioniert und völlig inkompetent den falschen Abschnitt wegbaggern ließ.

Dresdner Treppenwitz

Die Waldschlößchebrücke ist nicht nur völlig überdimensioniert, die direkten Treppenabgänge zum Elberadweg sind in den Wintermonaten nicht mehr benutzbar. Aus einem Bericht der Sächsischen Zeitung:

Wie die Stadt mitteilt, könne während der Winterzeit mit Überfrierungen, Schnee und Glätte die Sicherheit auf den Stufen nicht gewährleistet werden. Im Frühjahr sollen die Treppen wieder geöffnet werden.

Ursache sei, dass die besonders leichten Stahlgitterroste eben im Winter nicht bestreut werden können. Die Grundregel der Architekten, Form follows function (Die Form folgt aus der Funktion), wurde hier wohl nicht beachtet. Zyniker werden sich wohl fragen: Welche Funktion?

Wer Karriere macht, sollte sächsische Werbekampagnen verstehen

Ich laufe von der Baustelle der wohl sich nicht mehr abzuwendenden Autobahn zum Bahnhof Plänterwald. Noch schnell an zwei Plakatwänden vorbei… und dann das:

Wir finden, wer Karriere macht, sollte sich einen Sportwagen leisten können – So geht Sächsisch

Ich verstehe es nicht. Was soll mir diese Werbung sagen? Was soll es bei mir auslösen – außer Kopfschütteln und Kopfkratzen?

Soll ich auf die exorbitant hohen Verdienstmöglichkeiten in Sachsen hingewiesen werden? Oder auf die extrem günstigen Sportwagen-Preise? Möglicherweise soll auch all denjenigen, deren Karrieren weniger ertragreich sind, klargemacht werden, dass sie nicht ins sächsische Bild passen.

Oder ist der Sportwagen nicht als Auto gemeint, sondern eine Metapher zum abgebildeten Kinderwagen? Also wer Karriere macht, sollte sich auch Kinder(wagen) leisten können? Also eine Aufforderung an Karrieristen zur Kinderzeugung. Nur warum hängt das dann nicht in Sachsen?

Soll mir erklärt werden, dass Familie und Job in Sachsen besonders gut unter einem Hut gebracht werden kann? Nur dazu gibt es keinen Bezug im Spruch. Aber es würde zum klassischen Familienbild der CDU passen.

Vermutlich denke ich viel zu kompliziert und es soll nur heißen: in Sachsen gibt’s schönes Wetter!

Oder soll, vermutlich ist das das Ziel, ich fragend stehen gelassen werden, damit ich zu Hause mal nach „so geht sächisch” suche, um mich von Hochglanz-Werbung berieseln zu lassen. Ok, versuche ich:

45 Sekunden Diashow. Und? Für Emotionen wechseln die Motive zu schnell.

Power-Tipp: In der HTML5-Version von youtube kann man Videos auch verlangsamen

Das Leibzscher Blog Weltnest beschreibt das Video wie folgt:

Ja, der Film würde auch als verspäteter Wahlwerbespot der sächsischen CDU durchgehen. Fehlt eigentlich nur noch ein milde lächelnder Souverän Stanislaw am Ende.

Vielleicht ist es auch ein Beitrag für die Debatte gegen den Länderfinanzausgleich. Alle Jahre wieder rütteln ja vor allem Hessen und Bayern dran. Und die Kampagne kostet verteilt über vier Jahre 32 Mio Euro

Diese hohe Summe sähen nun hinter vorgehaltener Hand auch CDU-Kreise in Kommunen oder beim Straßenbau besser angelegt.

Ja, ich gestehe: Ich kann mit Image-Kampagnen für politisch definierte Gebiete nichts anfangen. Meine grundsätzlichen Bedenken hatte ich vor einigen Monaten mal in Bezug auf Tourismus-Konzept niedergeschrieben. Diese Kampagnen vermischen viele kleine Dinge zu einem Best-Of. Und so liegt der Schwerpunkt den oben eingebundenen Videos in Leipzig und im Elbsandsteingebirge. Beides Orte, die für sich stehen. Beides Orte, die von sich aus laufen. Ich könnte ja noch eine Werbekampagne für das östliche Sachsen verstehen. Da gibt es Probleme. Da läuft die Bevölkerung davon.

Wahrscheinlich soll uns die Kampagne etwas anders sagen: das unten im Bild ist Berliner Filz. Und für Filz ist auch Sachsen bekannt. Das Blog Dresdner Rand schlägt “Sachsen, Land der Sümpfe” vor. Die beauftragte Marketingagentur Ketchum-Pleon (Eselsbrücke: Ketchup-Blähung) hat den Büroleiter der CDU/CSU-Fraktion ausgelöst:

Mit Thomas Helm erweitern wir unser Public-Affairs-Profil bewusst um einen Experten aus dem Bereich der Koalitionsfraktion. Damit sind wir noch breiter aufgestellt und vernetzt und können unsere Kunden optimal durch das Wahljahr 2013 und die kommende Legislaturperiode navigieren.

Bullshitbingo als Wahlplakat

Während die SPD in Berlin zur Europawahl mit wahnsinnig originellen Sprüchen wie Berlin statt Stillstand wirbt, bekommen die Dresdner für die zeitgleich stadtfindende Stadtratwahl eine Liste von Begriffen für ein Bullshit-Bingo an die Laternenmasten gehangen:

Ich habe die Begriffe in meinen Bullshitbingo-Generator gehauen. Viel Spaß!

SPD-Dresden-Bullshitbingo

Bullshit-Bingo ist eine humoristische Variante des Bingo-Spiels, bei dem inhaltslose Wörter und Phrasen, die in Vorträgen oder Besprechungen oft genannt werden, abgestrichen. Bei einer vollen Zeile, Spalte oder Diagonale wird Bullshit gerufen. Die nachfolgende Tabelle ist zufällig erzeugt und enthält eine Sammlung von Begriffen.

Die Dresdner SPD hat ein unsortiertes Bullshit-Bingo auf die Plakate gedruckt.

StadtteilzentrumLebensartVillenviertelElbflorenzFußballfans
SilhouetteWachstumskursElbuferAussichtenKreativwirtschaft
BürgersinnFamilienstadtSpielplatzZuhauseOrtsämter
WeitsichtZukunftsortOstmetropoleExzellenzuniversitätMittelstand
BaukunstSoziale StadtAltstadtElbwiesenKulturkraftwerk

Bytheway: Auch die FDP hat in Dresden Plakate an Masten gehangen, bei deren Betrachtung man aufpassen muss, dass man nicht gegen selbige läuft. Leider habe ich kein Foto gemacht. Eins der Sprüche war: „Damit Autofahrer eine Lobby haben!”

Keine Kaffee- und Teeplantagen in Sachsen

Aus einer Anfrage eines Mitgliedes der PDS-Fraktion im Jahre 2001 in Sachsen:

Warum werden in der sächsischen Staatskanzlei nicht auch sächsische Kekse, zB Wurzener Kekse, gereicht?

[..] Um eventuelle Nachfragen zu vermeiden, soll hier aber gleich zugestanden werden, dass weder der Kaffee noch der Tee von sächsischen Plantagen stammt. Die Staatsregierung erwartet von der bevorstehenden Erderwärmung allerdings als vermutlich einzigen uneingeschränkt positiven Effekt, dass diesem Problem mittelfristig abgeholfen werden (kann).

Das erinnert an Rainalds Grebes Lied zu Sachsen (im Kontext der Erderwärmung):

Opiumfelder, Weinanbau. Und Kaffeeplantagen, Kaffeeplantagen, Kaffee’s coming home.
zum Kaffeesachsen, das ist Sachsen.
Sonniges, sonniges Sachsen.

Und noch eine Brücke für Dresden

Es war ja kein Geheimnis mehr, dass neben der überdimensionierten Waldschlößchenbrücke weitere Elbbrücken in Dresden geplant sind. Schon in der Abstimmungsbroschüre zum Bürgerentscheid argumentierten die Brückenbefürworter mit Verkehrsprognosen einer sogenannten Brücke Erfurter Straße.

Nun ist der sächsischen Presse zu entnehmen, dass die Stadt eine weitere Brücke geprüft hat. Zwar steht noch nicht fest, ob es nur eine Fußgänger- und Radfahrerbrücke am Ballhaus Watzke werden soll – oder gleich die eben erwähnte Brücke Erfurter Straße.

Diese Streu macht deutlich, dass es wohl keinen wirklichen Bedarf gibt. Schon vor fünfeinhalb Jahren tauchten bereits Dokumente auf – und ich kann mich der Haltung von Stephan auch nach all den Jahren noch anschließen:

Wenn eine große Fähre zwischen Pieschen und dem Ostragehege wegen Überbeanspruchung nicht mehr ausreicht, bin ich gern bereit, über eine Brücke zu reden. Vielleicht auch ein bis zwei Jahre eher. Aber sonst nicht.

Prognosen an der Waldschlößchenbrücke nicht bewahrheitet

Wahnsinn. Nun haben die Betonköpfe in Dresden eine Brücke für 45.000 Autos je Tag hingebaut – und nun fährt nur die Hälfte der prognostizierten Autos tatsächlich da drüber. Damit wurde viel Steuergeld zum Fenster hinausgeworfen, denn die Brücke hätte kleiner dimensioniert werden könne. Ich wünschte, diese Erfahrung könnte in Berlin noch fruchten – und uns vor dieser A100-Verlängerung retten!

Und die ersten Pannen gibt es auch schon: die LEDs fallen aus und der Hersteller ist pleite.

Die Flut, die die Mitbestimmung der Bürger fortspült

Wenn ich die Äußerung von Stanislaw Tillich, Ministerpräsident im Freistaat, zum Hochwasser in Grimma lese, so werde ich grimmig:

Ich bin dazu geneigt, die Mitbestimmung der Bürger bei so einem wichtigen Projekt außer Kraft zu setzen.

Wir schreiben das Jahr 11 anno fluctus (im Jahre der Flut): die neue Flut bricht herein. 5 anno fluctus begann der zehnjährige Bau der Hochwasserschutzwand. Deren Fertigstellung wird also 15 anno fluctus erwartet.

Nun will der Herr Ministerpräsident nicht wirklich erklären, daß die Planer und die Behörden – bei vollkommen ausgeschalteter Bürgerbeteiligung – noch vor Ende des ersten Jahres schon baubereit gewesen wären. So gesehen kommt für diesen Griff ins Klo die Flut zwei Jahre zu früh.

Oder will er bei solchen wichtigen Bauprojekten auch die Spielregeln der öffentlichen Auftragsvergabe gleich ebenso über Bord werfen. Irgendein gut befreundeter Bauherr wird sich im schwarzen sächsischen Sumpf schon finden lassen (Danke, Nini).