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Homepage von René Pönitz

korrupter Lobbyismus ...

Berlin verkündet, daß sie nun auf Linux umsteigen wollen. Schön und gut — und einen Tag danach, gibt Microsoft einen Lobbyabend, um die Abgeordneten doch von Windows zu überzeugen. Doch sie haben die Pinguine unterschätzt. Der komplette Verlauf des Abends gibt es bei Netzpolitik.

Ich denke, es wäre schlauer gewesen, anstelle auf Linux aufmerksam zu machen (schließlich wollte die Stadt ja umsteigen), einfach nur die Korruption den Lobbyismus anzuprangern — aber es war dennoch auf eine öffentlichkeiswirksame Maßnahme! (Danke, Andi)

Urheberschutz und Wohlfahrt

Endlich spricht einer das aus, was ich schon lange gedacht habe: weniger Urheberrecht ist für die Gesellschaft besser.

Jochen Haller hat sich in seiner Dissertation mit der ökonomischen Analyse des Urheberrechtsschutzes in der Musikindustrie befaßt — und hat das gesamte aus Wohlfahrtsaspekten betrachtet. Der Kern seiner Aussage ist, daß ein liberaleres System für die gesamte Gesellschaft förderlicher ist. Im Moment gilt das deutsche Urheberrecht als eins der restriktivsten (vgl. golem)

Ich denke da z.B. an den §64 UrhG: der Urheber hat davon keinen Nutzen mehr.

Und passend zum Thema Urheberschutz: die Antwort auf Raubkopierer sind Verbrecher habe ich beim CCC gefunden:

Model vs. Realität - Weltjugendtag

Aus der Lehrveranstaltung Informatik und Gesellschaft von Prof. Pfitzmann:

Wenn sie einen Unterschied zwischen Model und Realität feststellen, was würden sie dann ändern? [kurze Denkpause] Nun, jeder vernünftige Mensch würde natürlich sagen: das Model! Informatiker fangen jetzt erst einmal an, zu überlegen.

Aber schlimmer als die Informatiker ist die katholische Kirche: sie hält an ihrem Model fest, bei dem sich die Realität über die Jahrhunderte schon meilenweit entfernt hat. Und das hat sie wieder einmal zum Weltjugendtag bewiesen: Surfen ohne Sünde.

Aber wer Zensur betreibt, wird dabei nicht unbedingt seine Ansicht durchdrücken können. Im Gegenteil: bei der Veranstaltung hat die Kirche die Möglichkeit, mit ihren Ansichten die Leute zu überzeugen. Wenn aber die Diskussion gesperrt wird (wie eben hier durch Informationsbeschneidung), verlagert sich lediglich der Diskussionsort — und dann scheidet die Kirche als Diskussionspartner aus. Zugegeben: so ein veraltetes Model verkauft sich schlecht, aber es verkauft sich noch schlechter, wenn keiner auf die Fragen der Kunden eingeht!

Abgebloggt ...

Ein kleiner Überblick über interessante Beiträge aus anderen WebLogs bzw. Nachrichtenportalen:

Telefonterror gegen Erwerbslose

Das Arbeitsamt läßt ein CallCenter bei Arbeitslosen anrufen, um einen »Datenabgleich« durchzuführen. Dabei soll überprüft werden, ob die Person wirklich arbeitslos ist — bzw. relevant ist für die Arbeitslosenstatistik. Ahja, wir haben ja Wahlkampfzeit ...

Aus Sicht des Datenschutzes ist so eine Aktion sehr fragwürdig: es gehen sehr viele sensible Daten an Vivento Customer Service (Telekom-Tochter) über. Offiziell sei es nur eine Identifikationsnummer Kundennummer — aber damit ein Anruf zu Stande kommt, müßte mindestens die Telefonnummer ins Spiel kommen. Und anhand der Telefonnummer ist eine Inverssuche möglich. Aber es wird auch die gute Sitte beim Telefonieren außer Acht gelassen: ein »Ja« oder »Hallo« am Telefon gilt allgemein als unhöflich. Zu einer freundlichen Begrüßung gehört mindestens ein Namensbestandteil dazu. Damit weiß der Anrufende automatisch, daß er sich nicht verwählt hat (und ehe Handynutzer nun auf ihr Telefonbuch verweisen, aus dem sie direkt anrufen: die Besitzer hinter den Nummern können sich auch ändern). Wie soll aber hier diese Überprüfung stattfinden? »Guten Tag, sind sie der Arbeitslose, der bei der Bundesirgendwas für Arbeit die Kundennummer xyz hat?«

Aber solche Telefonanrufe lassen wieder jede Menge Spielraum für Betrüger. Der Datenschutzbeauftragte Peter Schaar bemängelt in dem Zusammenhang, daß der Angerufene vorher schriftlich zu informieren ist (an der Stelle meine Anerkennung an Peter Schaar für seinen Einsatz für den Datenschutz) (vgl. Schockwellenreiter)