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Homepage von René Pönitz

Die Pendlerpauschale und das Klimaschutzprogramm

Oder um den offiziellen Terminus zu verwenden: Entfernungspauschale.

Im Umkreis von Menschen, die sich aktiv für die Verkehrswende einsetzen, höre ich immer wieder auch Forderungen nach Abschaffung der sogenannten Pendlerpauschale. Die Argumente sind einfach, im meinen Augen aber völlig falsch. Die Pendlerpauschale würde demnach:

  • die Zersiedelung von Städten fördern (also ein Anreiz sein, damit Leute anstelle von urbanen Gebieten lieber in die Vororte ziehen und weitere Entfernungen in Kauf nehmen)
  • den PKW-Verkehr bevorzugen (also dass Leute lieber mit dem Auto fahren als mit dem Fahrrad oder den Bus)

Ich nehme die Argumente auseinander, setze mich mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts auseinander und nehme die Maßnahmen des Klimaschutzprogramms auseinander.

Umzugsprämien

Die CDU in Thüringen möchte Menschen 5.000 Euro schenken, die ihre Hauptwohnung zusammen mit einem Arbeitsplatz zurück nach Thüringen verlegen. So beschlossen in ihrem Regierungsprogramm (siehe auch Ostthüringer Zeitung):

Thüringer Rückkehrprämie: Um dem demographischen Wandel entgegenzuwirken, wollen wir Thüringern, die aus ihrem Heimatland weggezogen sind, eine Prämie zahlen, wenn sie zurückkehren. Diese Rückkehrprämie von 5000 Euro sollen alle erhalten, die ihren Hauptwohnsitz wieder nach Thüringen verlagern und hier eine Arbeit aufnehmen. Für Lebenspartner und Kinder wird der Betrag entsprechend aufgestockt, auch wenn sie zuvor nicht in Thüringen gelebt haben.

Ich erinnere mich, dass ich im Jahre 2007 3.000 Euro bekommen habe – und zwar dafür, dass ich eine Arbeit aufgenommen habe, die mehr als 100 Kilometer von meinem bisherigen Wohnort entfernt liegt. Auf politischer Ebene stufe ich beides als Steuerverschwendung ein. Auf der privaten Ebene habe ich natürlich nicht Nein gesagt.

Zugegeben, ich kenne keinen Menschen, der damals eine ähnliche Prämie bekommen hat. Es gab 2007 irgendein Arbeitsmarkt-Förderprogramm, wo die örtlichen Arbeitsämter sich irgendetwas ausdenken konnten. Und im damals für mich zuständigen Arbeitsamt Pirna gab es dann eben diese sogenannte Mobilitätsprämie.

Im Endspurt meines Studiums wollte ich mich ausschließlich auf meine Diplomverteidigung konzentrieren – und habe damit in Kauf genommen, dass ich damit eine kleine Überbrückungszeit arbeitslos sein werde. Also meldete ich mich arbeitslos – und die Behörde ging mir damals schon auf den Senkel. Das machte aber nichts, ich ging auch der Behörde auf den Senkel. Das lustigste war, dass ich nach langer Diskussion ein Blanko-Formular für Reisekosten zu Vorstellungsgesprächen bekam. Die Behörde konnte sich zuvor nicht vorstellen, dass man so etwas auf den Folgetag legen kann (und die Formulare immer per Post ankam).

Pro-Tipp: Lege Vorstellungstermine immer auf Termine, wo dich das Arbeitsamt sehen will. Vorstellungstermine haben Vorrang!

Nachdem ich einen Arbeitsvertrag mit einer Berliner Firma unterzeichnete, bekam ich neben Formulare für die Übernahme der Reisekosten zum Jobantritt, Umzugskostenhilfe und eine Trennungshilfe (die in meinem Falle keinen Sinn machte) auch ein Formular mit dieser Mobilitätsprämie. Und ehrlich, da gab es ein Formular, in dem man einen Geldbetrag eintragen konnte, der eine beliebige Zahl zwischen 0 und 3000 sein konnte.

Es ereignete sich dann folgender Dialog beim Arbeitsamt:

Ich: Ich wäre also schön blöd, wenn ich eine geringere Zahl eintragen würde.

Arbeitsamt-Personal: Ja.

Damals war man froh über jeden Langzeitarbeitslosen, den man aus der Statistik streichen konnte. Damit passte ich sehr gut ins Raster: der Tag der Antragstellung dieser Mobilitätsprämie war am 20. Tag (!!!!) meiner Arbeitslosigkeit.

Nun will also die CDU für den Wohnortswechsel Geld verteilen. Nur die Richtung ist umgekehrt. Anstelle von „Raus aus der Statistik” gilt nun „Wir freuen uns auf deine Schlüsselzuweisung”. Die Idee wirkt noch etwas unausgegoren, denn wie soll im Sinne von Artikel 3 Absatz 1 Grundgesetz ein Thüringer von einem Nichtthüringer gesetzlich unterschieden werden? Das geht zugegebenermaßen bei den Bratwürsten etwas einfacher.

Aber ehrlich: Wen wird dieser einmalige Geldbetrag motivieren, nach Thüringen zu ziehen? Es werden sich aber Leute freuen, die es ohnehin vor hatten. So wie ich damals. 2007.

(Siehe auch Blog von Heidrun)

Nutri-Score und Ernährungsampeln

Ich bin heute über folgende Schlagzeile zu einem Artikel der Süddeutschen Zeitung über Lebensmittel-Ampeln gestolpert:

Umfrage zu Ernährungs-Siegeln blamiert Ministerin Klöckner

Aus dem Artikel zitiert:

Mehr als drei Viertel der 1000 Befragten halten den Nutri-Score für schnell erfassbar und leicht verständlich. 60 Prozent denken, dass er die Auswahl gesunder Lebensmittel erleichtert.

Zugegeben: Klöckner ist in ihrem Ministerium eine Fehlbesetzung – und ich habe bisher den Eindruck gewonnen, dass sie zu tief im Allerwertesten unserer Nahrungsmittelindustrie steckt. Dennoch kann ich hier nicht nachvollziehen, warum sie sich blamieren sollte. Zunächst einmal ist es nie verwerflich, eine Alternative zu prüfen. Allerdings wirken beide Modelle gegeneinander gestellt wie Tag und Nacht (oben links gegen unten rechts):

Während der französische Nutri-Score sämtliche Nährwerte auf einen von fünf Buchstaben herunterbricht, so stellt Modell des Max-Rubner-Institute (MRI) in einer wesentlich dezenteren Darstellung wesentlich mehr Daten dar. Frage ich nun, was schneller erfassbar ist, so ist ein farbiger, einzelner Buchstabe immer verständlicher als sechs Einzelwerte. Was sind das für knapp 25%, die das anders sehen?

Doch erleichtert es wirklich die Auswahl? Da habe ich viel größere Zweifel. Denn hinter dem Nutri-Score steckt ein Algorithmus. Genauso wie hinter den Sternen beim MRI-Modell. Die werden mit Sicherheit kein Geheimnis sein, schließlich sollen ja genug Firmen danach ihre Lebensmittel ausweisen müssen. Ob Hinz und Kunz diese verstehen wird? Mit Sicherheit nicht. Viele Verbraucher sollen also diesem Algorithmus vertrauen.

Und was macht die Lebensmittelindustrie? Sie wird ihre Lebensmittel optimieren. Mit Sicherheit. Kein Hersteller wird seine Produkte mit C kennzeichnen wollen, wenn er auf ein winziges Müh Zucker oder Fett verzichten kann, um dann doch ein B zu bekommen. Sozusagen Grenzwertoptimierung.

Sehr hilfreich ist die Datenbank OpenFoodFacts, in der die Nutri-Scores verschiedener Lebensmittel aufgeführt werden. Das mache ich – und hier zwei Beispiele:

  • Seeberger Mandeln (Also reine Nüsse ohne weitere Zutaten) würde ein D bekommen. Also schlecht.
  • Danone Fruchtzwerge (Frischkäse mit mind. 6% Zuckerzusatz) bekommt ein B. Also gut.

Der NutriScore sagt also, dass unnötig gezuckerte Lebensmittel deutlich gesünder sind als reine Nüsse. Wirklich?

Nun könnte man mir vorhalten, ich würde sprichwörtlich Äpfel mit Birnen vergleichen. Also vergleiche ich zwei Lebensmittel der gleichen Art Frischkäse:

  • Danone Fruchtzwerge (Frischkäse mit mind. 6% Zuckerzusatz) bekommt ein B. Also gut.
  • Penny Frischkäse (Ohne Zucker, nur Käse, Salz und Johannisbrotkernmehl) bekommt auch ein B. Also auch gut.

Die unnötige Beimengung von mehr als 6% Zucker (zusätzlich zum Zucker aus den Früchten) ändert hier nichts am Nutri-Score.

Ich werfe die These in den Raum, dass dieser Nutri-Score mehr Schaden als Nutzen für die Verbraucher bringen könnte. Eben weil Leute glauben, dass dieser Wert einem gesunde Dinge suggeriert.

Zum Vergleich noch eine Darstellung aus dem Vereinigten Königreich:

Während der Nutri-Score keine weiteren Angaben macht, werden beim RMI-Modell und im Vereinigten Königreich auch einzelne Nährwerte dargestellt und mit Farben deutlich gemacht. Der Unterschied: Beim RMI wird pro 100g, im Vereinigten Königreich die Packungs-/Portionsgröße. Das mag für so eine kleine Tüte ganz passend sein, am Ende stehen diese Farben und Zahlen auch in der Nährwerttabelle auf der Rückseite. Mir fehlen aber bei beiden Darstellungen die Kohlenhydrate. Bekanntermaßen wandelt der Körper Stärke in Zucker um, so dass der Zuckerwert alleine nur bedingt hilfreich ist.

Mein Fazit: Vertraue keinem Algorithmus, sondern lerne mit der Nährwerttabelle umzugehen.

Anmerkung: In der OpenFoodFacts-Datenbank gibt es noch den Nova-Wert, der den Verarbeitungsprozess und die Zutaten beleuchtet. Da bekommen die Mandeln die grüne 1 (= Unverarbeitete oder minimal verarbeitete Lebensmittel), die Fruchtzwerge eine hellrote 3 (= Verarbeitete Lebensmittel). Dieser Wert könnte, erster Eindruck, tatsächlich etwas mehr Einblick bringen. Er beleuchtet bspw. auch bestimmte Zutaten wie Invertzucker oder Maltodextrin (Automatisch Kategorie 4, rot).

Anmerkung, die 2.: Nachdem ich mich mit Nutri-Score beschäftigt habe, verstehe die Abwehrhaltung der Nahrungsindustrie nicht. Höchstens die Bürokratie bei der Ermittlung der Werte?

Zwei Wochen für ein Link zu einem Handbuch.

Aus der Kategorie: Das Ende des Internets.

Es gibt Webseiten, die bieten dir Bedienungsleitungen von längst nicht mehr verfügbaren Geräten zum Download an. So etwas kann hin und wieder nützlich sein. Insbesondere dann, wenn du Küchengeräte (konkret Zeran-Kochfeld) in deiner Wohnung hast, die du ohnehin nur von den Vormietern übernommen hast. Es gibt viele kostenlose (werbefinanzierte) Seiten. Aber ich kann auch das Geschäftsmodell nachvollziehen, dafür einen gewissen Obolus zu verlangen. Soweit sogut.

Im konkreten Fall wollen sie $19.95 für eine PDF-Datei. Immerhin versandkostenfrei. Das grenzt schon fast an Wucher. Aber wenn die Not groß genug ist, kann ich mir schon durchaus zahlende Kundschaft vorstellen.

Nur dann lese ich:

Availability: Link to this manual is usually sent within 1 – 2 weeks (max. 2 – 3 weeks).

Also nach Zahlungseingang wird ein Link zu diesem Handbuch innerhalb von 1 bis 2 Wochen versendet. Es können auch 3 Wochen sein.

Ich stelle mir nun eine Person vor, die vor Verzweiflung in die Tischkante beißt, 20 Dollar bezahlt – und dann geduldig auf das Handbuch wartet.

Nicht minder witzig sind die scheinbaren Kundenkommentare:

A really high quality document. Much better than expected. Perfect deal. Thanks.

https://www.manuals-in-pdf.com/download-30109881IKEA-WHIRLPOOL-p-1396615.html

Anmerkung: Die Seite erweckt den Eindruck, dass es gut möglich ist, auch nach 3 Wochen keinerlei Handbuch zu sehen. Oder anders formuliert: Ich hege auch Zweifel an der Seriösität.

Zimmerausstattung: Bodenbelag

Ich habe mal wieder ein Hotel gebucht. In einem kleinen Örtchen, was auch nur ein Hotel hat. Dort darf ich Ende August aus beruflichen Gründen hin.

Ich gebe ja zu, dass bestimmte Ausstattungsmerkmale, mit denen die Hotels und Zimmer beworben werden, mich zum Schmunzeln bringen.

Einige klassische Beispiele:

  • Heizung.
  • Fenster. Wobei: In London fand ich schon Zimmer ohne. Aber da stand das dann explizit so da.
  • Toilettenpapier (sehr beliebt in Großbritanien)
  • Überhaupt: WC.
  • In Japan waren es dann immer so Dinge wie „Kostenfreie Pflegeprodukte” oder „Schallisolierung”.

Überhaupt hatten die japanischen oder britischen Zimmer immer wesentlich mehr dieser Ausstattungsmerkmale als in Deutschland.

Wenn ich ehrlich bin, schaue ich lieber auf so Dinge wie „Du bist in Deutschland! Nein, wenn du WLAN willst, musst du ordentlich zu zahlen.”

Das nun gebuchte Zimmer verfügt über das Merkmal „Bodenbelag”. Meine Kollegen scherzten schon, in was für Gegenden ich mich herumtreibe. Vielleicht ein Iglu in Alaska? Nun gut, ich konnte es nicht unterlassen – und fragte mal freundlich beim Hotel nach:

Auf ihrer Webseite preisen sie das [gebuchte] Zimmer mit dem Ausstattungsmerkmal „Bodenbelag“ an. Da bin ich zugegebenermaßen beruhigt und gleichzeitig neugierig, ob es bei Ihnen auch Zimmer ohne „Bodenbelag“ gibt.

Sie nahmen es mit Humor und wollen das Merkmal auswechseln. Ich bin schon gespannt, was es werden wird. Bis dahin warte ich gespannt auf die Reise und freue mich, dass das gebuchte Zimmer auch über das Merkmal „Fenster können geöffnet werden” verfügen wird.

Skandinavien-Reise - Die Tour ist vorbei!

Die Tour ist nun schon ein paar Tage zurück – und ich blicke gerne noch zurück:

(Die Karte dauert ein wenig mit Laden. Die GPX-Datei ist 7 MB groß. Ansonsten auch als Bild)

Für die gesamte Rundreise durch Dänemark, Norwegen, Schweden und Zurück habe ich 24 Tage gebraucht. Ich bin 2506 Kilometer geradelt. Weitere 187 Kilometer legte ich auf insgesamt 11 Fähren zurück, zudem 33 Kilometer im Zug über die Öresund-Brücke. Wenn ich den GPS-Werten trauen darf, bin ich 9720 Meter bergauf bzw. bergab geradelt. Erwartungsgemäß lagen die meisten Höhenmeter in Norwegen und im nördlichsten Teil von Schweden. Mein persönlicher Tagesrekord liegt bei 175 Kilometern. Darauf bin ich schon ein wenig stolz. So etwas gelingt natürlich nur, wenn alles auch zusammenpasst.

Einen besonderen Dank muss ich meinem Fahrrad zollen. Denn die beliebte Frage, ob ich Pannen hatte, konnte ich diese stets verneinen. Zumindest keine, die an der Weiterfahrt mich hinderte. Allerdings hatte ich in Larvik (Norwegen) eine Werkstatt aufgesucht:

  • Hinterrad neu einrichten
  • Steuerkranz wieder festziehen
  • Fahrradständer auswechseln (wobei er in Kopenhagen erneut kaputt ging und ich danach nicht mehr reparieren lies. Aber immerhin hat dieses Provisorium einige Tage gehalten)

Verglichen mit Erfahrungen anderer Reisender während meiner Tour scheint das außergewöhnlich zu sein. Nicht wenige, die ich auf Zeltplätzen kennenlernte (und mit Rad unterwegs waren), hatten Erfahrungen mit platten Reifen.

Da ich oft schon nach dem Wetter gefragt worden bin: Es hätte nicht besser sein können. Es gab an zwei Tagen etwas Regen. In Fredrikstad stand das Zelt allerdings schon, so dass es mich beim Fahren absolut nicht störte. Am Folgetag musste ich die letzten Kilometer in Norwegen im Poncho radeln. Ich bin (zumindest wissentlich) zweimal an stärkeren Regenfronten nahe vorbei gekommen:

  • Als ich Schweden erreichte, musste es an der Küste heftig geregnet haben. Da verlief der Nordsee-Radweg aber einige Hügel weiter im Inneren.
  • Und wäre ich einen Tag eher in Kopenhagen gestartet, hätte es mich in Koge erwischt

Die ersten beiden Tage in Deutschland waren sommerlich sehr heiß, danach kühlte es sich ab. Und im skandinavischen Raum hatte ich fast jeden Tag Temperaturen um die 20°. An den ersten beiden Tagen in Dänemark hatte ich mit enormen Gegenwind zu kämpfen (am Tag Numero 4 bin ich nur 68 Kilometer gekommen), danach drehte sich der Wind und pustete mich nach Hirtshals hoch. Vor allem in Schweden hatte ich fast nur Rückenwind (was in dieser Form wohl ungewöhnlich sei – tendentiell weht es da eher nach Norden).

Bei so einer Radtour lerne ich vor allem die (Rad-)Wege, Campingplätze und Kaufhallen kennen. Natürlich auch Wälder, Seen, Berge und Ortschaften. Und die eine oder andere schöne Aussicht. Aber ich habe keine Museen oder Burgen besucht – mit einer kleinen Ausnahme: die Festung Königstein in Fredrikstad (Kongsten Fort). Unweit meines Geburtsortes gibt es das Namenspendant in Deutschland und unmittelbar am Kongsten Fort einen Campingplatz. Es gab einige Orte, bei denen sich ein Wiedersehen lohnt. Zum Beispiel Göteborg, wo ich auch gerne mal abweichend von den üblichen Campingplätzen genächtigt hätte, aber aufgrund eines Metallica-Konzertes war die Stadt und das nähere Umland komplett ausgebucht.

Die Lebensmittelpreise in Norwegen waren schon deutlich teurer als in Deutschland. Zumindest manche. Auffallend war es vor allem bei Getränken und Süßwaren (z.B. eine große Cola-Flasche für umgerechnet 4 Euro). In Schweden und Dänemark war es ok.

In Schweden ließ ich mich auf das Experiment des bargeldlosen Feldversuches ein – und habe keinerlei Geldautomat in Anspruch genommen. Auf den Campingplätzen bekam ich 5-Kronen-Stücke für Duschen ausbezahlt und habe selbst an Erdbeerständen mit Kreditkarte bezahlt (Glücklicherweise verlangt meine Bank einen prozentualen Aufschlag bei Fremdwährungen ohne Mindestgebühr – da kamen ne Menge Einzelbelege zusammen). Es gab exakt einen Erdbeerstand und einen Zeltplatz, wo keine Kreditkarte möglich war – da galt dann der Euro als Ersatzwährung.

Nun bin ich wieder zurück – und darf mich wieder über die beschissene Radinfrastruktur von Hamburg aufregen. Als ich am ersten Tag nach der Ankunft wieder in Hamburg radelte, fühlte es sich ganz anders an. Ich eierte die ersten Kilometer total herum. Es fehlten schlicht die Gewichte der Vorderradtaschen, die ich nun drei Wochen lang gewöhnt war.

Tag Zielort Land Radkilometer Fähre/Zug Ø-Speed Max. Speed Anstieg Besonderheiten
1 Friedrichskoog-Spitze D 125,16 0,2 17,8 33,9 106
2 Oben D 105,74 0 17,2 35,1 245
3 Høyer DK 87,32 0 11,8 26 23
4 Darum DK 68,02 0 13,3 27,1 60 Extremer Gegenwind
5 Søndervig DK 105,6 0 15,2 36,2 108
6 Klitmøller DK 134,08 3 19,4 43,2 175
7 Hirtshals DK 159 0 19,1 45,4 229 Extremer Rückenwind
8 Hirtshals DK 7,33 0 15,7 42,3 10 Fähre fällt wegen Sturm aus
9 Lillesand NO 40,67 135,69 26,1 58,7 704 Fähre nach Norwegen
10 Gjeving NO 93,29 0 14,3 45,3 816
11 Brevikstranda NO 78,56 6,47 12,3 48,6 1061 Fähren in Norwegen
12 Horten NO 111,24 9,59 14 45,9 978
13 Fredrikstad NO 64,52 11,08 14,1 44,1 415 Fähre Horten-Moss, Festung Königstein
14 Strömstad S 77,99 2,34 14,9 43 668 Regen
15 Insel Malo S 120,64 0,26 16,8 47,9 828
16 Kungsbacka S 153,9 0,2 17,2 50,3 875 Metallica-Konzert in Göteborg
17 Gullbrandstorp S 140,66 0 19,1 41,2 338
18 Ängelholm S 120,49 0 16,3 37,8 389
19 Ishøj DK 174,55 33,45 19 195,3 535 Öresund-Brücke
20 Ishøj DK 98,39 0 14,8 31,5 148 Kopenhagen-Rundtour
21 Præstø DK 103,06 0 16,4 33,6 143
22 Fehmarn D 113,21 18,57 15,6 46,9 328 Fähre Fehmarn
23 Pönitz D 132,38 0 15,6 41,9 294 Erlebnisse auf dem Campingplatz
24 Hamburg D 90,2 0 17,1 36,6 244
Summe 2506 220,85 9720

Noch eine Anmerkung zur Durchschnittsgeschwindigkeit: Diese Werte sind bereinigt von Pausenzeiten, nicht aber von Fährfahrten bzw. dem Öresund-Zug. Im ersten Moment wirken die Zahlen von 11 bis 19 durchschnittlichen Stundenkilometern gering. Zumal die 19 von einem Tag mit gutem Rückenwind war. Allerdings macht sich die Ladung des Fahrrades schon bemerkbar, allen voran auch bei Bergen. Waren diese zu steil, so habe ich auch gerne mal geschoben. Das dauert dann zwar wesentlich länger, schont aber ungemein die Knie. Bei den besonders steilen Anstiegen ähnelt das Schieben des Fahrrades eher dem Gewichtstemmen.

Weitere Artikel:

Updates:

Ich liste hier nennenswerte Updates auf, die ich noch nachträglich ergänze – wie Bilder, Videos oder Storys.

Skandinavien-Reise - Kosten

Zum Abschluss noch ein Blick auf die Finanzen. Während der 24-tägigen Reise hatte ich Gesamtausgaben in Höhe von 1252,55 Euro. Also dafür dass ich gereist bin – und während dessen mich auch versorgt habe.

Ich habe es ein wenig aufgeschlüsselt:

Kostenart Kosten
Lebensmittel 481,09
Zeltplatz 380,02
Fähre 153,38
Erdbeeren 71,60
Porto 48,05
Kleidung 28,63
Werkstatt 27,82
Bewirtung 23,04
Zug 17,38
Postkarten 12,33
Waschen 9,22

Skandinavien-Tour: Die Fähren von Norwegen

Am Tag 11 und 12 meiner Reise, also mitten im norwegischen Teil, habe ich meine Radreise durch drei Fähren abgekürzt:

  • Risør – Øysang (ca. 4km, 85 NOK)
  • Stabbestad – Kragerø (ca. 2,5km, 85 NOK)
  • Langesund – Helgeroa (ca. 9,5km, 200 NOK)

Allen drei war gemein, dass der Weg zur Umfahrung der Fähren recht umfangreich war, teilweise auch über verkehrsreichere Straßen verlief und die Fernradroute einfach auch auf diese Fähren ausgelegt sind.

Die erste Fähre war ein ziemlich antiquiertes Schifflein, was sogar bis zu 3 PKW transportierte und den Touri-Ort Risør mit einem völlig zersprengten Dorf verband, wo es gar nichts gab. Als die Fähre ankam, war ein 1 PKW und gut 30 Leute drauf. Auf meiner Überfahrt waren nur drei zahlende Gäste an Board.

Die zweite Fähre war eine moderne Autofähre mit etwas mehr Andrang. Hier war Stabbestand das unbedeutende Örtchen und Kragerø der Touri-Hotspot. Menschliche Bedürfnisse zwangen mich jedoch, diese Überfahrt in einer fensterlosen Einzelkabine zu verbringen.

Am spannensten war aber die dritte Fähre. Schon auf einem der zurückliegenden Zeltplätze schwärmte ein Pärchen, die die Tour entgegengesetzt fuhren, von dieser Überfahrt. Allen voran die Fahrt durch die engen Klippen zwischen den Arøya-Inseln. Während der ca. 1 stündigen Fahrt hatte ich hier die Gelegenheit, auch einige schöne Fotos zu schießen (was sonst bei einer klassischen Radreise nur bedingt möglich ist). Und die gibt es hier:

Skandinavien-Reise - Reisegepäck

Ich bin öfters während der Reise gefragt worden, wie schwer meine gesamtes Reisegepäck. Während der Reise musste ich immer sagen: Keine Ahnung. Bei der Ankunft habe ich alle Taschen einmal gewogen.

Tasche Gewicht
Vorderrad links 4,1kg
Vorderrad rechts 5,1kg
Hinterrad links 6,9kg
Hinterrad rechts 7,6kg
Zelt 2,4 kg
Isomatte und Zeltstange 1,1 kg
Rucksack 8,3 kg
Lenkertasche 2,1 kg
Summe 37,6 kg

Wie erwähnt: das waren die Werte bei der Ankunft. Das variierte natürlich während der Reise. Nicht zuletzt auch wegen der Getränke und Nahrung. Am Anfang hatte ich noch einige Lebensmittel von zu Hause mitgenommen, am Ende auch einige Mitbringsel aus Dänemark im Gepäck. Und letztendlich ist auch Wasser ein wichtiger Punkt.

Das wichtige ist aber auch, dass ich eine strenge Systematik der Taschen hatte. In den Vorderradtaschen und im Rucksack sind die Dinge drin gewesen, die ich während des Tages zugreifen musste.

Vorderradtasche links

  • Regenjacke (Zugegeben für sehr kalte Tage – ich habe sie nicht gebraucht)
  • Klapphocker – (Das war eher Luxus. Aber er kam durchaus hin und wieder zum Einsatz. Bei manchem Erdbeerstand war es praktisch, sofort eine Pause einzulegen – und nicht die Erdbeeren mehrere Kilometer zu befördern, ehe es eine Bank gab)
  • Powerbank Charmast 26800 (Sehr praktisch, damit habe ich während der Tour das GPS betrieben. Sprich: Aus der Tasche lugte dann immer ein Kabel raus)
    • Die Powerbank ist in einer kleinen Stoffhülle. Da drin habe ich dann immer ein USB-Ladegerät mitgeführt. Die Schlaufen der Hülle erwiesen sich als praktisch, wann immer die Stockdosen in Duschräumen ungünstig waren. Manchmal konnte ich so die Powerbank an einem Nagel oder so befestigen.
  • Handtuch
  • Frisch gekaufte Lebensmittel
  • Notfall-Wasser

Vorderradtasche rechts

  • Campingkocher mit Ersatzkartusche (am letzten Abend in Dänemark konnte ich endlich wechseln)
  • kleine Campingpfanne (Praktisch, um mal Spiegel-Ei, Bacon oder Hühnchen zu braten)
  • Campingteller
  • Wechselweise: Sandalen oder Sportschuhe (je nachdem, was ich trug)
  • Erste-Hilfe-Tasche für mich (Mal von zwei Pflaster abgesehen nie zum Einsatz gekommen)
  • Erste-Hilfe-Tasche für das Fahrrad (Ich brauchte es nicht. Aber auf der Fähre nach Puttgarden konnte ich einem anderen Radler damit aushelfen)
  • Sonnencreme, Wunddesinfektion, Autan, …

Hinterradtasche links

  • Schlafsack
  • Waschtasche
  • Badeschlappen
  • Nacht-T-Shirt und Wechselunterhose
  • Handtuch
  • Akkuladegerät (Das führte ich nur spazieren, nachdem ich das GPS mit der Powerbank betrieb)
  • Steckdosenverteiler (Wann immer alle Steckdosen in einem Aufenthaltsraum belegt waren – du kommst an Strom. Und nahm nicht viel Platz weg)
  • Tüte mit Heringen (Sie kamen exakt zweimal zum Einsatz)

Die Tasche nutzte ich so, dass ich nach dem Zeltaufbau die Schuhe wechselte, den Schlafsack herausnahm und mit der Tasche sowie der Lenkertasche zu den Duschen gehen konnte

Hinterradtasche rechts

  • Unterwäsche (Als Hülle ist eine ausrangierte Schlafsackhülle sehr praktisch)
  • Shirts und Hosen
  • Badehose (Teilweise auch in den Vorderradtaschen)

Ich habe wäschemäßig so geplant, dass ich ca. 8 bis 10 Tage ohne Waschen auskomme. Somit habe ich unterwegs zweimal waschen müssen. Zudem hatte ich auch noch sicherheitshalber etwas wärmere Kleidung mit dabei, die ich aber nie brauchte.

Rucksack

  • Poncho (Ich habe ihn nur einmal gebraucht. Aber wenn, dann muss es schnell gehen!)
  • Besteckset inklusive Taschenmesser
  • Stirnlampe
  • Softshell-Jacke und dünnes Langarm-Shirt (War praktisch zum Variieren – was man gerade brauchte)
  • Warme Sacken (für den Notfall)
  • Laptop (Ich nahm meinen alten T420 mit. Wiegt leider etwas mehr.)
  • Kleine Tüte mit Halterungen für GoPro, Ersatz-SD-Karte, Ersatzakkus
  • Links und Rechts außen: Platz für Wasserflaschen
  • Oben drauf lies sich an zwei Schnallen das Schloss gut befestigen
  • Teilweise auch Lebensmittel

Als sehr praktisch erwies sich, den Rucksack nicht auf dem Rücken zu tragen, sondern am Fahrrad. Mit dem Gepäckträger war er mit einem Karabiner befestigt. Und seitlich konnte ich ihn mit zwei Bändchen jeweils um die Hinterradtaschen befestigen. Das saß gut.

Zelt und Iso-Matte

Kurz vor der Abreise stellte ich fest, dass mein altes Zelt nicht mehr tut. Drei Gründe:

  • Gummi der Zeltstangen porös (das lässt sich wohl aber fixen)
  • Nähte gehen auseinander
  • es riecht muffig

Die alte Zeltform hat sich als praktisch erwiesen. Es steht einerseits ohne Heringe (Ich habe keinen Bock, jeden Abend da erst was in den Boden zu rammen), andererseits ist es auseinandergebaut eine Rolle. Das ist wichtig, weil ich es so gut zwischen die Hinterrad-Taschen befestigen kann.

Also in der Kürze der Zeit so ein Zelt finden, was kein Vermögen kostet. Und bin bei Decathlon gelandet. Ich entschied mich für das kleinere Zelt für 2 Personen (reicht auch aus, das alte war größer). Dafür mit einer Beschichtung. Da die Tage im Norden im Sommer recht lang sind, war es im Zelt recht dunkel. So dunkel, dass ich auch tagsüber meine Stirnlampe im Zelt brauchte.

Was suboptimal ist der Sack: Man bekommt das Zelt nicht so zusammengefaltet, dass alles wieder im Zeltsack verstaut werden kann. Oder ich habe die Falttechnik noch nicht verstanden.

Zudem kam noch die Iso-Matte dazu. Und seit dem zweiten Tag: Zwei Rollen Klopapier! (Da der erste Campingplatz kein Klopapier hatte, wollte ich nicht in die prekäre Lage kommen. Hatte ich aber nie gebracht.

Ein Kopfkissen habe ich nicht dabei gehabt. Wäsche in einem Beutel tut unterwegs genauso.

Lenkertasche

Ich habe den Allrounder Mini von Rixen&Kaul. Da kann man zwar keine Karte oder so von reinstecken, dafür hat man einen Griff und braucht keine Extra-Schlaufe. Da sind dann die wichtigen Sachen drin:

  • Telefon
  • Geld
  • Kamera
  • und abends: GPS und GoPro

Garmin Oregon G700

Zur Aufzeichnung von Strecken. Und gleichzeitig Kartenmaterial. Die Navi-Funktion habe ich erst gegen Ende genutzt.

Nervig ist, dass man ein GPS-Gerät kauft und sich dann selbst um Karten kümmern muss (oder nen Aufpreis zahlt). Und die Dinger fressen Batterien. Zwei R6-Batterien reichen für ca. 80 Kilometer.

Ortlieb-Taschen

Die Taschen habe ich nun auch schon einige Jahre – und sie sind sehr praktisch. Nicht nur auf Radtouren. Auch wenn sie beim Kauf nicht gerade billig sind.

In Kopenhagen traf ich einen, der es mit den schönen, dünnen, schlapprigen Fahrradtaschen und den vielen kleinen Riemchen probierte – und diese Taschen wegen des Kunststoffs ablehnte. Zugegeben: bei Produkten, die ich ein Jahrzehnt und länger in Benutzung habe (und eine Firma, die auch ersatzteilmäßig gut aufgestellt ist), würde ich solche Überlegungen hinter dem praktischen Nutzen stellen. Die eine Vorderrad-Tasche reist nun auch schon einige Jahre mit einem Flicken.

(Eher liebäugel ich noch mit dem RackPack. Damit auch das Zelt und die Iso in einer richtigen Tasche verschwinden kann. Da bin ich mir aber noch nicht sicher.)

Packen

Noch ein Tipp: Zu Hause nie das Gepäck für die Taschen durchoptimieren, sondern immer Luft lassen. Ansonsten setzt man sich dem Zwang aus, dass jeden Tag wieder so zu packen. Das macht dann sicher keinen Spaß!