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Homepage von René Pönitz

Zauberei bei Galeria Kaufhof: aus drei Hosen zwei machen

Ich wurde beim Verlassen des Galeria Kaufhofs am Berliner Ostbahnhof von einem Ladendetektiv angehalten. Er meinte, ich hätte eine Jeans eingesteckt, die ich nicht bezahlt hätte. Sie begründeten den Verdacht durch Videoaufzeichnung — demnach soll ich wohl mit drei Hosen in eine Umkleidekabine gegangen sein, anschließend waren beim Herausgehen nur noch zwei nachvollziehbar gewesen.

(In der Tat hatte ich beim Suchen der Umkleidekabine noch drei Hosen gehabt. Spontan legte ich davon aber eine zur Seite, ehe ich diese betrat — nur das war nicht gerade in der Nähe dieser Kabine).

Gut, sie wollten in die Tasche schauen, mittlerweile waren sie zu Dritt. Das wollte ich nicht. Interessant fand ich die nun einsetzende Einschüchterungstaktik. Zum einen wurde mir vorgeworfen, ich würde nicht kooperieren (was aber in der Form nicht stimmt: ich bot an, die abgelegte Hose zu suchen — das wollten die Detektive dann doch nicht. Wäre wohl zu einfach gewesen). Man drohte mit Polizei. Der eine meinte, die Spielräume für Toleranz würden zu dem Zeitpunkt nur noch marginal sein, wenn die Polizei erst anrückt, gäbe es die volle Härte. Mehr als einmal musste ich die Detektive dann doch bitten, mich nicht anzufassen — nur weil ich nicht genau da stand, wo sie mich gerne hätten. Ich wollte die Aufzeichnung sehen — doch die solle ich wohl erst vor Gericht zu Gesicht bekommen. Auch Höflichkeit und gegenseitigen Respekt blieben auf der Strecke (Stichwort: Ausreden lassen statt Reinreden).

(Die Situation hatte mich schon etwas überrumpelt. Souverän wäre natürlich gewesen, selber die Polizei zu rufen.)

Gut, lange hat es nicht gedauert, dann kamen zwei Beamte. Die Detektive erklärten ihre Story.

Mein Fehler war an der Stelle: ich hätte die Tatsache abstreiten sollen — und Belege verlangen. Immerhin unterstellen mir die Detektive eine Straftat, bei der selbst die Warensicherungsanlage nicht angesprungen ist.

Wie zu erwarten: im Rucksack war die gesuchte Jeans nicht zu finden. Die Beamten konnten auch keine Werkzeuge zum Entfernen von Sicherungsetiketten finden (was man sich darunter auch immer vorstellen mag).

Der Tatverdacht hat sich also als nichtig herausgestellt. Die Polizei prüfte noch, ob ich denn in ihrer Langfingerkartei zu finden sei und sie müßten noch warten, ob die Detektive nun trotz alledem eine Anzeige erstatten (was wohl theoretisch möglich ist). Denn diese waren merkwürdigerweise immer noch der Meinung, ich wäre mit drei Hosen in die Kabine gegangen.

Eine Verkäuferin, die ich zuvor im gesamten Hosenareal nicht gesehen habe, schilderte wohl ihre Sicht der Dinge. Ich konnte nach kurzer Überlegung meiner Wege auch die Hose wiederfinden. Sie lag noch genau da, wo ich sie abgelegt habe. Sie glaubte mir aber nicht, ich hätte an diesem Punkt nie gestanden. Sie glaubte mir auch nicht, als ich ihr sagte, von wo genau ich die Hose her hatte. Sie berief sich lieber auf die Aussage der Detektive, dass ich mit drei Hosen die Kabine betreten habe — und war der Ansicht, dass ich die Hose nach dem Verlassen irgendwo nun abgelegt haben sollte. Helfen kann ich der guten Dame wohl nicht mehr.

(Ich verstehe nun auch, warum an den Kabinen steht, man solle maximal drei Kleidungsstücke mit reinnehmen — Detektive können wohl nur bis drei zählen)

Normalerweise dürfte man nun erwarten, dass man sich aufrichtig entschuldigt, vielleicht ein Wiedergutmachgutschein oder ein Freiessen im ladeneigenen Restaurant. Stattdessen fiel die Antwort eher nüchtern aus (sinngemäß): »Die Polizei ist weg. Sie können gehen.«

Nunja, die Videoaufzeichnungen würden mich nun doch interessieren.

Das Urteil ist sicherlich ganz interessant: 40 C 269/88

Der Kunde, der von einem Kaufhausdetektiv zu Unrecht eines Diebstahls verdächtigt und bis zum Eintreffen der Polizei am Weggehen gehindert wird, hat gegen den Detektiv ein Schmerzensgeldanspruch wegen Freiheitsentziehung.

Zivilcourage 2.0

Die Volks.Verdummung scheint wohl wieder eine Kampagne zu planen, mit der wieder unsere Straßen mit irgendwelchen Plakaten zugekleistert werden, auf denen Prominente irgendeine Aussage zur BILD machen. Nur eine Sängerin wird defintiv nicht dabei sein: Judith Holofernes von Wir snd Helden.

Die Anfrage der Werbeagentur und einen offene Antwort hat die Band auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Der Ansturm legte den Server in die Knie:

Die BILD-Zeitung ist kein augenzwinkernd zu betrachtendes Trash-Kulturgut und kein harmloses »Guilty Pleasure« für wohlfrisierte Aufstreber, keine witzige soziale Referenz und kein Lifestyle-Zitat. Und schon gar nicht ist die Bild-Zeitung das, als was ihr sie verkaufen wollt: Hassgeliebtes, aber weitestgehend harmloses Inventar eines eigentlich viel schlaueren Deutschlands.

Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument — nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.

Bewegungsprofile - einmal anschaulich

Wenn wir bisher über Vorratsdatenspeicherung gesprochen haben, so waren diese Diskussionen sehr theorielastig. Man speichert, wann wer wo mit wem telefoniert oder E-Mails geschickt hat. Oder man ortet das Telefon. Bewegungsprofile sind meist noch ein gutes Stichwort — auch uns dabei nicht klar ist, wie detailliert so ein Profil denn sein mag. Und auch wenn es sehr gute Aufklärungsvideos gab: es blieb eben doch nur eine abstrakte Wolke.

In diesem Zusammenhang ist die Ausklärungsarbeit von Malte Spitz sehr hilfreich. Bis das Bundesverfassungsgericht im März 2010 die VDS als nicht verfassungsgemäß eingestuft hatte, mussten diese in Deutschland erhoben werden. Malte Spitz hat diese Daten nun erhalten — oder besser gesagt: er hat sie gerichtlich bei den Telekomikern eingeklagen müssen. Innerhalb der zurückliegenden sechs Monate (September 2009 bis Februar 2010) sind ca. 35.831 Datensätze zusammengekommen. Das heißt 35.000 Koordinaten, wo er sich befunden hat. Und diese Datensätze stellt er nun der Öffentlichkeit zur Vergügung.

In der Zeit gibt es dazu eine Aufbereitung der Daten:

Man kann naturlich auch reinzoomen:

(Ich tippe, er war gerade in der U2)

Die Animation lässt sich fortlaufend als Film ansehen — und so werden Bewegungen flüssig und deutlich. Wann saß er im Flugzeug? Wann hat er geschlafen?

Natürlich sind das nur die Daten einer Person. Würde man nun die Profile von meheren Personen übereinanderlegen, ließen sich sicherlich noch weitere Rückschlüsse ziehen.

Ich hoffe jedenfalls, dass dieser Erkenntnisgewinn mit einfließt — denn die Bundesregierung will in den kommenden Wochen über eine neue Regelung entscheiden.

Mehr zum Thema gibt es in der Zeit!

Wenn ein Interviewter nur dämliche Fragen bekommt

Man kann ja von Stefan Raab halten, was man mag. Aber wenn eine Zeitung ein Interview mit jemand führt, sollte auch das größte Arschloch vernünftige Frage gestellt bekommen, die nicht permanent einen negativen Beigeschmack haben oder die Leistungen degradieren.

  • Wann, Herr Muba-Raab, treten Sie endlich zurück?
  • Man hört allerorten, Sie seien am Ende.
  • Das ist doch schon da, Ihr System wird doch nur noch von den Pro-Sieben- und ARD-Schutztruppen am Leben gehalten.

Das waren die ersten drei Fragen aus einem Interview mit Stefan Raab in der Süddeutschen. Wie soll da ein Interviewter anders reagieren als mit einer leicht arroganten Hochnäsigkeit?

Abgebloggt...

Wer um alles in der Welt ist denn Arcade Fire?

Grammys, Echos und wie die Auszeichnungen alle heißen. Alle haben so eine Eigenart, das man nicht unbedingt verstehen muß, warum jemand nominiert oder ein Preisträger wird. Und ich gebe zu: die meisten kenne ich auch nicht unbedingt. Um nicht zu sagen, es ist mir egal. Wer ist eigentlich Rihanna, Bruno Mars oder Lady Antebellum? Was verpaßt?

Und das schienen sich wohl die auch die Ausrichter des diesjährigen Grammys gedacht haben. Wir brauchen einen Überraschungseffekt. Etwas, womit keiner rechnet. Etwas, was auch mal andere Zielgruppen weckt (man könnte auch sagen: etwas, was gut ist). Und so würdigte man Arcade Fire mit dem Album »Suburbs« zum Album des vergangenen Jahres (hier Live in Berlin).

Zu dieser Entscheidung gibt es mittlerweile eine Spruchsammlung von Leuten, die sich nun fragen, wer den um alles in der Welt Arcade Fire ist?

Firmenprofil - einmal anders!

Eine romänische Firma stellt ihre Mitarbeiter auf der »Über uns«-Seite vor. Am besten draufklicken — und selber herumprobieren. Ich finde die Idee originell und witzig! In diesem Zusammenhang nimmt man ihnen auch den Spruch »Design & Technology with passion« ab:

Ursprünglicher Link

Auch auf den anderen Unterseiten stolpert man über so manche witzige Idee, die man hierzulande irgendwie nicht findet, z.B. auf der Kontaktseite: »We've got fresh coffee & cookies«. (via klog)

Lagebericht aus Kairo

Der Journalist Richard Gutjahr hat sich auf den Weg nach Kairo gemacht — und gibt einen umfangreichen Überblick über seine Eindrücke und die Lage vor Ort. Absolut lesenswert!

Zwei Dinge, mit denen ich hier überhaupt nicht gerechnet hatte:

Erstens, die Stimmung ist eher optimistisch und überhaupt nicht aggressiv. Die Menschen lachen viel, posen mit ihren selbstgebastelten Schildern und lassen sich bereitwillig fotografieren.

Zweitens: es sind unglaublich viele Frauen und Kinder unter den Demonstranten. Ganze Familien kommen herbei, um hier dabei zu sein. Und es werden immer mehr.

Anmerkung: es gibt einen zweiten Teil.