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Homepage von René Pönitz

Der Milchkannen-ICE

Wahnsinn. Der ICE1602 von München nach Berlin:

  • München
  • Pasing
  • Augsburg
  • Donauwörth
  • Treuchtlingen
  • Nürnberg
  • Erlangen
  • Bamberg
  • Lichtenfels
  • Saalfeld
  • Paradies
  • Naumburg
  • Leipzig
  • Bitterfeld
  • Wittenberg
  • Südkreuz
  • Lehrter Bahnhof
  • Gesundbrunnen

Und die Fahrt dauert länger als 7h.

Es wird Zeit, daß die Bahn ihre ICE-Züge mal wieder einteilt in InterRegios, InterCity und echte InterCityExpress. Letztere Kategorie gibt es gefüht nur noch in Norddeutschland (Hamburg-Berlin, Hamburg-Hannover, ...) und mit Zusatzaufschlag zum ICE-Aufschlag zwischen Berlin und Frankfurt. Warum reicht nicht für die schnellste Zugkategorie, dem Express, ein Halt in Leipzig und Nürnberg aus?

Olympische Verlinkungsregeln

Im Jahre 2012 macht sich das Internationale Olympische Komitee ins Hemd:

You may create your own link to the Site, provided that your link is in a text-only format. You may not use any link to the Site as a method of creating an unauthorised association between an organisation, business, goods or services and London 2012, and agree that no such link shall portray us or any other official London 2012 organisations (or our or their activities, products or services) in a false, misleading, derogatory or otherwise objectionable manner.

(aus den Nutzungsbedingungen von London 2012)

Die Begriffe der Bahn einmal umdeuten

Die »BahnCard 50« berechtigt Inhaber, Fahrkarten zum Normalttarif zu kaufen. Dafür ist eine Registrierung notwendig und eine Jahresgebühr in Höhe von 240 Euro (2. Klasse) zu entrichten. Andernfalls gibt es einen Strafzuschlag in Höhe von 100% des Normaltarifes. Mit der BahnCard 25 reduziert sich die Strafe lediglich auf einen 50%igen Aufschlag. Mit viel Glück erhält man im Einzelfall mit mind. drei Tagen Vorlauf für ausgewählte Züge auch ohne BahnCard 50 Tickets zum Normaltarif oder nur mit einem 50%igen Aufschlag erhalten, ist dann aber an genau diesen Zug gebunden.

Der Effekt ist der gleiche, die Kommunikation ehrlicher. Würden sich dann mehr Leute registrieren, um künftig keine Strafzuschläge mehr zu erhalten?

Öffentliche Klausursitzung

Die Saarbrücker Zeitung schreibt, die dortige Piratenfraktion habe eine achtstündige, öffentliche Klausursitzung abgehalten.

Zugegeben: ich habe den Fehler auch schon gemacht. Ich habe zu einem anderen Fraktionär gesagt: »Wir bräuchten so langsam mal eine Klausur!« — »Wie, du willst die Öffentlichkeit ausschließen?«

In der Tat steht der Begriff »Klausur« für Verschluß / Verschließen. In dem Sinne also unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Eine »öffentliche Klausur« ist demnach ein Contradictio in adiecto, also so etwas wie ein rundes Quadrat.

Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit

Es ist immer wieder erstaunlich, wie häufig uns unsere Richter erinnern müssen. Oftmals sind es die Verfassungsrichter, im Fall von religiös motivierter Beschneidung war es das Kölner Landgericht.

»Moment«, sagen nun die Europas Rabbiner, »wie war das noch mal mit eurer Religionsfreiheit?« — und bezeichnen das Urteil als »schwersten Angriff seit dem Holocaust.«

Doch wer entscheidet eigentlich, welche Religion der Nachwuchs annehmen wird? Doch nicht etwa die Eltern? Die Religionsfreiheit mit der dieses Ritual begründet wird ist die gewisser Hinsicht die selbe Religionsfreiheit, mit der sie dem Kind genommen wird.

Der eigentliche Vorwurf der Staatsanwaltschaft (»eine andere Person mittels eines gefährlichen Werkzeugs körperlich misshandelt und an der Gesundheit geschädigt zu haben«) ist natürlich quark und dem ist weder das Amtsgericht, noch das Landgericht gefolgt. Viel mehr beschäftigte sich das Landgericht mit dem Wohl des Kindes. Aus der Pressemitteilung des Landgerichtes:

Dieser Eingriff sei insbesondere nicht durch die Einwilligung der Eltern gerechtfertigt, weil sie nicht dem Wohl des Kindes entspreche. Denn im Rahmen einer vorzunehmenden Abwägung überwiege das Grundrecht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit vorliegend die Grundrechte der Eltern.

Liest man sich den vollständigen Urteilstext durch (151 Ns 169/11), so ist ein Knackpunkt des Urteils eine Abwägung des Artikel 4 (Freiheit des Glaubens) sowie Artikel 6 (Ehe und Familie) der Eltern mit dem Artikel 2 (freie Entfaltung seiner Persönlichkeit / körperliche Unversehrtheit) des Kindes.

Der Presse war heute zu entnehmen, daß der Bundestag eine Resolution verabschiedet hat, mit der mit Hilfe eines Gesetzentwurfes die religiös motiverte Beschneidung erlaubt werden sollen. Doch was soll so ein Gesetz bringen? Solange die Abwägung im Grundgesetz nicht gelöst wird, wird das Gesetz in Karlsruhe zu Fall gebracht. Dazu muss man kein Jurist sein, um das zu erkennen.

Die einzige Möglichkeit wäre eine Änderung des Grundgesetzes. Doch wollen wir wirklich Artikel 2 abschaffen oder abschwächen?

Dabei befindet sich die Lösung des Konfliktes in der Urteilsbegründung:

Eine Einwilligung des seinerzeit vierjährigen Kindes lag nicht vor und kam mangels hinreichender Verstandesreife auch nicht in Betracht.

Das Kind soll einwilligen. Es soll selbst entscheiden — und den Artikel 2 und 4 selbst für sich in Anspruch nehmen.

Update: So langsam erkennen auch die Abgeordneten, daß diese Entscheidung ein Schnellschuß war.

Kandidatenumfrage zur BVV-Wahl

Was es nicht alles gibt: eine britische Hochschule beschäftigt sich mit den Wahlen in Berlin (bzw. wenn ich das Begleitschreiben richtig lese auch in den anderen Landtagen der letzten Monate). So erreichte mich vor wenigen Tagen ein starker Briefumschlag mit einer 20-Seitigen Umfrage. Ich bin auf die Ergebnisse gespannt.

Vor allem bin ich gespannt, wie sich Dinge bei den Piraten verändert haben! In Berlin war ja alles noch ein Überraschungserfolg, bei den späteren Wahlen war vieles schon berechenbarer gewesen.

Alanis Morissette in der Zitadelle

Eher durch Zufall und aus einer Laune heraus orderte ich mir vor einigen Monaten Karten für das Alanis-Morissette-Konzert. Auch wenn ich heute diesen Stil weniger anhöre, so finde ich nach wie vor „Jagged Little Pill”, das Album ihres Durchbruchs vor 17 Jahren, immer noch als Meilenstein der 90er, für den man sich nicht schämen muß. Aus Zeitmangel hatte ich es vorher nicht mehr geschafft, mich in ihre neueren Alben mal reinzuhören.

Wie war nun das Konzert?

Ich war noch nie in der Zitadelle in Spandau. Für ein OpenAir-Konzert ein schöner Ort.

Schon weit vorm Eingang bildete sich eine lange Schlange entlang der Straße Am Juliusturm. Mit lediglich drei Einlaßschleusen schien man mächtig gespart zu haben. Die Veranstaltung war bestuhlt. Mit einer halben Stunde Verspätung ging es ohne Vorband los.

Die Setlist war im Grunde genommen Jagged Little Pill mit einigen zwischengeschobenen Titeln. Das war für mich vorteilhaft, ich hatte mir die neueren Sachen noch nicht angehört. Aber gleichzeitig ist das nicht gerade ein Lob an die Sängerin.

Positiv waren die Übergänge zwischen den Liedern. Kein großes Gefasel. Meist erklangen schon die Takte des nächsten Liedes. Bei Ironic hielt ein Gast eine große Kanada-Flagge hin. Hier ließ sie großzügiger auch das Publikum singen. Das Publikum war auch super drauf. Ich finde es nur schade, wenn der Künstler darauf gar nicht eingeht. Es hätte nicht geschadet, zweimal den Refrain unplugged zu wiederholen. Nun gut.

Die Zugabe war perfekt eingeplant. Von der Seite konnte ich den Gitarrenmann sehen, wie er geduldig die Gitarre hielt.

Der Abgang nach 90 Minuten Spieldauer war etwas unüblich. Anstatt nochmal ins Publikum zu winken, verschwindet sie hinter der Bühne und läßt die Band noch alleine ausspielen.

Der Abbau beginnt. Und irgendein Honk von der Technik spielt Musik mit Sommerrythmus. Der Braten ist noch nicht richtig verdaut, aber ich verderbe mir den Geschmack mit dem nächsten.

Alles in allem ein schöner Abend. Aber sein Geld war es nicht (ganz) wert.

Politik-Gespräche im mdr

mdr: Fakt ist — die Piratenpartei, 14.05.2012.

Prof. Astrid Lorenz, Politikwissenschaftlerin der Universität Leipzig:

Die Piraten und andere Nichtetablierte sollen Probleme lösen, die die Bürger selbst geschaffen haben. Ihren Erfolg verdanken sie aber weniger protestierenden Wählern als schweigenden Nichtwählern.

Ihr Ansatz ist interessant, aber auch daran ist etwas wahr. Die Sendung vergeht ohne große Momente. Man lässt sich meistens aussprechen (was nicht immer selbstverständlich ist). Die Gäste sind breit gestreut (Freie Wähler, CDU, Professorin, Pirat). Die Moderatorin geht nicht neutral ins Rennen, sondern versucht ihre Position in den Fragen zu verbauen (das ist beim rbb auch sehr auffällig). Am deutlichsten — und da bin ich vor Lachen fast vom Stuhl gefallen, war dann die folgende Frage:

Sie haben in Dresden gesagt: Parteien wie sie [die Piraten] vergiften die
Demokratie. Ist das tatsächlich ihr Ziel, die Demokratie zu vergiften oder
war es nur eine reine Provokation?

Das war am 1. April eine Comedy-Veranstaltung.

Allgemein wird sehr häufig darüber spekuliert, ob es die Piraten noch lange geben wird, ob sie sich bis zur Bundestagswahl selbst zerlegt haben oder ob sie erst am Anfang stehen. Immer und immer wieder die selbe Fragestellung — und nahezu immer sind die Antworten Schwarz oder Weiß.

Es weiß natürlich keiner, wie lang es die Piratenpartei geben wird. Auch die langsam nervenden Vergleiche mit der Anfangszeit der Grünen lösen die Diskussion nicht. Letztendlich ist es doch auch egal, ob es die Piratenpartei in der Zukunft geben wird. Wichtiger sind die Ideen und die Vorgehen.

Vielleicht gibt es ja künftig auch mehrere Piratenparteien — mit ganz unterschiedlichen Ausrichtungen und Schwerpunkten. Zur Zeit scheinen die Freien Wähler sich für die Bundesebene zu firmieren, vielleicht schaffen sie es als Gegenpol.

Und ebenso wichtig ist es, dass die Themen — von wem auch immer — vorangetrieben werden. Nehmen wir Hamburg: da hat die Bürgerschaft auch ohne Piraten das Transparenzgesetz verabschiedet.