renephoenix.de

Homepage von René Pönitz

Herr Schlichter, was spricht er?

Zugegebenermaßen bin ich auch etwas enttäuscht vom Ausgang der Stuttgarter Bahnhofsschlichtung. Auf der Homepage der Stadt Stuttgart kann man den Schlichterspruch komplett lesen, ich zitiere aus Seite 8:

Der am schwersten wiegende Nachteil liegt darin, daß aus heutiger Sicht eine Verwirklichung des Kopfbahnhofs 21 nicht als gesichert angenommen werden kann, da weder ausreichende Planungen und deshalb auch keine Planfeststellungen, also Baugenehmigungen vorliegen.

Und hier hat in meinen Augen Hr. Dr. Geißler als Schlichter versagt.

Natürlich kann es so eine ausreichende Planung nicht geben. Woher denn auch? Die Bahn wird sie jedenfalls freiwillig nicht liefern. Aber genau diese wäre wohl nötig gewesen, um zwischen zwei Fronten überhaupt eine sinnvolle Entscheidung fällen zu können. Wie kann denn die eine Seite für sinnvoller befunden werden, wenn die andere bei der gesamten Schlichtung wohl eine unbekannte Größe geblieben ist? Das Eingeständnis vor den prognostizierten Kosten bei einem Abbruch des Baus, es wird mit 1 bis 1,5 Mrd. Euro beziffert[*], enttäuscht ebenfalls. In diesem Kontext verwässern leider auch die demokratischen Visionen von künftiger Bürgerbeteiligung, wenn der Vorhabensträger dazu animiert wird, möglichst nur seine gewünschte Variante zu planen und die Aufträge schnell zu vergeben.

Bisher hielt ich diese Schlichtung für »ergebnisoffen« — aber es sind keine inhaltlichen Argumente (egal von welcher Seite), die den Ausgang bestimmen — sondern allein der Verfahrensstand. Dann hätte man sich die Schlichtung eigentlich schenken können.

[*] Wird bei der Errechnung der Schadenshöhe eigentlich auch berücksichtigt, daß man nicht in Anspruch genommene Leistungen auch auf andere Bauvorhaben verteilen könnte?

Die Chronologie der Paranoia

Eine kleine Zusammenstellung über evakuierte Bahnhöfe und gesprengte Koffer:

Zusammenfassend kann man nur sagen, es ist schon erschreckend. Es wird ein Feindbild geschaffen: der alleinstehende Koffer. Ähnlich wie das Feindbild Körtings zu unserer sich zurückhaltenden und merkwürdige Fremdsprachen sprechenden Bevölkerung. Aber wer sagt denn, daß so ein Attentat in einem Koffer geschehen muß. Sind Koffer in den PKW-Kofferräumen eigentlich auch schon verdächtig? Es könnte ja auch ne Robbe[*] am Straßenrand stehen — voll bepackt mit Koffern. Ein halbvolle Flasche Fanta im Bahnhofspapierkorb entsorgt... Nein, nein, es sind immer die bösen Koffer.

In einigen der Artikeln ist zu lesen, daß Schadensersatzansprüche gegenüber den Haltern gemacht werden wollen (wie die Bahn im Beispiel Düsseldorf). Mögen wir hoffen, daß es nicht den Reisenden aufgebrummt wird — die können zwar etwas dafür, daß sie ihr Gepäck vergessen haben. Aber für die mehrstündige Bahnhofsschließung können sie wahrhaftig nichts!

An der Stelle noch eine kleine Anekdote von 2009: ich stand am Ostbahnhof und wartete auf den mit über einer halben Stunde verspäteten Fernbus. Eine etwas ältere Frau wartete auch. Sie beschloß, noch einmal etwas zu trinken zu kaufen. Und da sie alt und gebrechlich ist — und um ihr herum ca. 50 Leute standen, die auch alle nur auf einen Bus warteten, vertraute sie darauf, daß keiner das Gepäck klaut. Ihr direktes Umfeld hatte sie auch darauf hingewiesen, daß sie gleich wieder da ist. Wie es so wollte: sie war weg, der Bus war da. Und dann stürmten alle auf den Bus, keiner dachte mehr an den Koffer der Frau. Da ich lieber im warmen Vorraum wartete, bekam ich mit, wie zwei Sicherheitskräfte sich schon um den Koffer sorgten machten. Ich belächelte schon deren Paranoia — wahrscheinlich war das Zeitgewinn, daß der Bahnhof noch nicht sofort evakuiert worden wäre. Die Frau kam dann auch gleich wieder.

Passend dazu auch ein Lied von Marlene Dietrich:

Ich hab noch einen Koffer in Berlin.
Der bleibt auch dort und das hat seinen Sinn.
Auf diese Weise lohnt sich die Reise,
denn, wenn ich Sehnsucht hab, dann fahr ich wieder hin.

(Der Beitrag wird aktulisiert. Mit so einem ähnlichen Beitrag fing es übrigens vor zwei Jahren mit Datenleck an.)

Anmerkung: Es geht auch mal positiv aus!

[*] Für Nicht-Berliner: Kleiner Kastenwagen, benannt nach einer Berliner Autovermietung.

Abgebloggt...

Körtings Griff ins Klo

Wer bisher noch nicht wußte, wie Terroristen nun genau aussehen: der Berliner Innenminister Körting klärt uns endlich auf:

Wenn wir in der Nachbarschaft irgendetwas wahrnehmen, dass da plötzlich drei etwas seltsam aussehende Menschen eingezogen sind, die sich nie blicken lassen oder ähnlich, und die nur Arabisch oder eine Fremdsprache sprechen, die wir nicht verstehen, dann sollte man glaube ich schon mal gucken, dass man die Behörden unterrichtet, was da los ist.

Bei solchen Aussagen bleibt einem schon echt die Spucke weg. Wo liegt eigentlich die Grenze zu §130 StGB?

Parkraumbewirtschaftung in Pankow

Vor einigen Monaten wurde insbesondere im Prenzlauer Berg eine Parkraumbewirtschaftung eingeführt. Mit dieser Maßnahme erhofft man sich, die Parksituation etwas zu verbessern. Aber scheinbar wird mit zweierlei Maß zwischen Muttersprachlern und Nichtmuttersprachlern gemessen. Das Suchbild der besonderen Art: finde die beiden Unterschiede!

(via Kollege)

Personalausweis unpfändbar!

Eher unbemerkt hat der Gesetzgeber zum 01.11.2011 auch das Personalausweisgesetz an einer anderen Stelle geändert. Und zwar geht die Hinterlegung des Personalausweises als Pfand. Das war bisher so eine graue Materie, doch im neuen §1 PAuswG ist diese Sache nun endlich klar geregelt:

Vom Ausweisinhaber darf nicht verlangt werden, den Personalausweis zu hinterlegen oder in sonstiger Weise den Gewahrsam aufzugeben. Dies gilt nicht für zur Identitätsfeststellung berechtigte Behörden sowie in den Fällen der Einziehung und Sicherstellung.

Damit dürften solche Diskussionen hoffentlich der Vergangenheit angehören. Hoffentlicht!

Carl Werner - Foodscapes

Man soll zwar bekanntlich nicht mit dem Essen spielen — aber manchmal gibt es doch gute Gründe, es doch zu tun. Und wenn man sich die Bildergalerie »Foodscapes« von Carl Werner anschaut, dann weiß man warum. Es sind die reinsten Bilderrätsel, in den verschiednenen  Landschaften die versteckten Lebensmittel zu erkennen. Broccoli geben gute Bäume ab, Semmeln oder Parmesan Gebirge, mit Käse werden Häuser gebaut usw. Bei den 30 Bildern zu »Foodscpapes« sind viele schöne Hingucker verbaut! (Danke, Nini)