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Homepage von René Pönitz

Nordseeradtour Tag 21 - Étretat

Ich merkte, dass ich durch die Küsten stärker auf Karten anschauen muss. Ich habe meine OpenStreetMap-Applikation auf dem Telefon gelöscht und durch Maverick ersetzt. Dort die OpenStreetMap-Karte für Radfahrer eingestellt. Sehr praktisch: die Radtoute ist eingezeichnet. Das ist auch praktisch, weil immer mal wieder Schilder fehlen. Und ich durch die Höhenprofile auch mal Abweichungen vornehmen kann. Insbesondere ist manchmal eine küstenfernere Strecke besser, weil sie insgesamt weniger Höhenunterschiede aufweist.

Der erste Berg bestand aus Schieben. Anstiege von gefühlt über 10% sind für ein vollbeladenes Rad nicht mehr befahrbar. Da sollte man auch keine Kraftakte auf dem Fahrrad machen. Außerdem ist Schieben auch immer wieder Balsam für die Füße.

Ich schaue auf Maverick und blicke auf die Höhenangaben der GPS-Anzeige. Alle paar Schritte kommt ein Meter hinzu.

Oben angekommen ging es dann richtig los:

Manche Kreuzung lässt mich ratlos zurück: vier Richtungen, vier Stop-Schilder:

(Bedingt durch die Häufigkeit dieser Schilder auf manchen Nebenstrecken nimmt die Schilder auch keiner wirklich ernst)

Ich erreichte Fecamp:

Bei diesem Ort gehen wieder alle Höhenmeter verloren:

Aber hier machte ein Umfahren im Tal auch keinen Sinn. Leider dieses Mal größtenteils in die Bremse.

Und der nächste Hang stand bevor:

Der Berg war nur zum Schieben geeignet. Bis zur Schranke.

Ich komme beladen nicht durch. Der im Bild zu sehende Herr bot mir Hilfe an. Zusammen heben wir das vollbeladene Fahrrad über die Schranke. Aus Sicht der Perspektive eines Fahrrades sieht das so aus:

Ehrlich: wie bescheuert war hier der Planer, den Radweg da lang laufen zu lassen, wo er nicht passierbar ist?

Wie auch immer: ich lande auf einem Campingplatz. An sich ja nicht schlecht. Nur auch der Ausgang ist ebenso bescheuert:

Ehrlich gesagt habe ich das nicht als passierbaren Weg empfunden und so irrte ich dann zwischen irgendwelchen Campingwagen herum, um einen Ausweg zu finden. Ein Tor ist zu! Das nächste ebenso unpassierbar. Ich verliere gut die Hälfte der Höhenmeter.

Ich schiebe das Rad wieder da hoch, wo ich zuvor im Campingplatz heruntergefahren bin. Genug geärgert. Weiter geht’s in nächste Tal und auf den nächsten Berg.

Ich erreiche Étretat. Hier ist das schöne, dass man kilometerweit das Rad ausrollen kann. In Etratat erreicht ich den Campingplatz. Ich lese, dass alles voll ist. Ich frage trotzdem mal vorsichtig nach. Aber glücklicherweise haben sie für einen Radfahrer noch Platz. Sie schicken lieber Autofahrer weg (was ja vernünftig ist). Ich baue das Zelt auf. Und treffe auch gleich noch ein Paar aus Berlin, was auch einen Teil so gefahren ist wie ich (insb. den Belgischen Abschnitt). Viele Grüße.

Der Campingplatz ist übrigens von der Kommune betrieben. Deshalb ist er auch sehr preiswert. Unter 9 Euro die Nacht. Inkl. Dusche. Theoretisch inkl. Internet, das hat aber nicht funktioniert.

Nordseeradtour Tag 20 - Hautot-sur-mer

Auf geht’s in die nächste Etappe. Dabei nehme ich erst mal die Promenade des eigentlichen Ortes mit. Im Ort hat man Lautsprecher installiert, mit der die Touristen beschallt werden. Muss das wirklich sein?

Hier gibt es keine Strandkörbe, sondern kleine Häuschen:

Die Steinküste erklärt auch, warum das Meeresrauschen so laut war:

Ich entscheide mich, die küstennahe Verbindung zum nächsten Ort Ault zu fahren. Rein kilometermäßig war das praktisch. Der Blick ging größtenteils auf einen aus Kieselsteinen bestehenden Damm. Und genauso kieselsteinig war auch der Boden.

Ich blicke auf Ault. Rechts nebem diesem Ort erstreckt sich eine Wand. Willkommen an der Steilküste!

Und ich wusste: es wird anstrengender:

An der Küste war ein Weiterfahren nicht möglich. Die bereits schon mehrfach erwähnte D940 hat keinen Radweg und war hier stärker befahren. Also fahre ich weiter im Landinneren. Das war sehr praktich – ein sanfter Anstieg und schönes Ausrollen. Ich erreiche das Örtchen Eu.

Dort besuche ich die Touristeninformation und erkundigte mich mal vorsichtshalber nach Radwegen. Ohne große Erwartungen. Dass die Franzosen es bekanntlich nicht so mit Fremdsprachen haben, ist ja bekannt. Aber dass man eine Touristeninformation mit einer Person besetzt, die überhaupt kein Englisch kann und einer Person, die gerade so Fragmente versteht, ist schon merkwürdig.

Nichts desto trotz bin ich hinter her schlauer: es gibt ab Le Tréport einen ausgeschilderte Route bis Le Havre. Ich erhalte eine Broschüre für den Abschnitt bis Dieppe. Mit Höhenprofil. Mehrfach von 0 auf 110.

Ich nutze den Halt auch zum Essen. Naja, eigentlich nutze ich den Halt, um das nachzuholen, was ich auf dem Campingplatz mangels Toiletten nicht konnte. Es gab Hacksteaks. Und weil die Gaststätte gegen 14:00 Uhr keine Pommes mehr zubereiten wollte, nur noch mit Bohnen. Mehr schlecht als Recht verständige ich mich. Beim Abräumen wurde versehentlich meine Radkarte mit abgeräumt.

Übrigens haben es viele Franzosen noch nicht verstanden, dass man den Motor auch ausmachen kann. Da gibt’s echt welche, die lassen den Motor laufen, während sie in die Bank rennen.

Dann geht’s nach Le Tréport. Bzw. auf den Berg. Ich schiebe! Noch einmal die Aussicht genossen.

Mit Gegenwind geht’s an der Küste entlang, bis ich am nächsten Dorf die schönen Hohenmeter wieder einbüse.

Ich blicke auf Criel:

Und in Criel blicke ich zurück:

(Der Hang sieht gefährlich aus. Die Straße ist da mittlerweile gesperrt)

Bei Criel geht’s einen sehr schönen, flachen Berg hinauf.

Die letzten vier Kilometer bis Dieppe. Die Beine stellen sich schon auf Bergab ein, doch ein letzter Hügel stellte sich in den Weg.

Das sollte man in Berlin auch einführen: ausgewiesene Wege für Bierbikes:

In Dieppe lege ich mich auf den Zeltplatz fest: im nächsten Dorf mit dem Namen Hautot. Nun machte ich nur einen kleinen Fehler: ich übersah die küstennahe Verbindung und nahme den Berg. Der Zeltplatz war an sich ja sehr nett:

Nur leider war er wieder ein Bring-your-own-device-Zeltplatz! (Also wo man die Klobrille mitbringen soll). Und er war etwas zu klein, um bis gefühlt Mitternacht Partymusik in der Bar spielen zu können.

Dieses Areal könnte man auch Tote Küste nennen. Nicht nur Hautot. Am nächsten Tag ging es durch Sassetot und Eletot. Und dann gab es da auch noch Le Tot.