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Die neue Homepage von René Pönitz ist da!

Skript Version 1.10b vom 11.11.2018 (Prod)

Homepage von René Pönitz

Warum Hamburg nicht diesen Radentscheid braucht

Im ersten Teil schrieb ich, warum Hamburg einen Radentscheid (und vor allem ein Mobilitätsgesetz) braucht, in diesem Teil beschreibe ich, warum es nicht diesen benötigt.

Nach gut eineinhalb Jahren Arbeit habe ich mich aus dem Team zurückgezogen. Als einstiger Gründer spricht so eine Entscheidung durchaus Bände. Ich war auch nicht der Erste, der sich zurückgezogen hat. Auch andere in der Hamburger Fahrradszene aktive zogen sich zurück. Während ich letztes Jahr auf Weltreise war, nutzte ich die Gelegenheit, von außen auf das Team zu blicken.

Warum Hamburg einen Radentscheid braucht

(Radentscheid = Volksentscheid zur Verbesserung des Radverkehrs)

Dies ist der erste Teil. Der zweite Artikel trägt den Titel: Warum Hamburg nicht diesen Radentscheid braucht. Und im Dritten erläutere ich die Ziele.

Vielleicht hat es der eine oder andere schon mitbekommen: meine Wege führten mich Ende 2016 nach Hamburg. Daher endete auch meine aktive Mitarbeit beim Volksentscheid Fahrrad in Berlin. Allerdings war in meinem Koffer die Idee, so einen auch in Hamburg anzustoßen. Aus Gründen! Mit dem Beitrag möchte ich einiges zur Motivation sagen, zu meiner bisherigen Einschätzung und was ich aus Berlin mitgenommen habe.

Brillenversicherung

Bei einem Besuch beim Optiker Brillen Joseph in Hamburg-Harburg. In der Tischmitte liegen Flyer für eine sogenannte Brillenversicherung herum. Im Verkaufsgespräch war es auch ein zentrales Thema.

Die Tarife klangen zunächst verlockend. Und wann immer das passiert, sollten Alarmglocken läuten. Die Grundregel unseres Wirtschaftssystems lautet nun mal: Niemand hat etwas zu verschenken.

Das Angebot setzt sich zusammen aus einer Brillenbonusversicherung (monatlich 7,90 Euro) und einer Brillenbonuskarte (einmalig 7,90 Euro). In Kombinationen umfasst dies:

  • Bei Brillendefekt (unabhängig vom Schadenseintritt außer Vorsatz): Ersatzbrille
  • Nach 2 Jahren: Zuschuss bei Brillenneukauf von 280 Euro
  • Bei Sehstärkenänderung 75% des Rechnungsbetrages, maximal 210 Euro

Im Gespräch stellte sich der gegenüber als derjenige dar, der diesen Versicherungsdeal vor zwei Jahren angestoßen habe. Das Gespräch war durchaus sehr interessant. Kleingedrucktes haben sie nicht in der Filiale vorrätig, die bekäme man ohnehin dann mit der Vertragsannahme zugeschickt (Vertragsabschluss via App in der Geschäftsstelle). Auf Nachfrage bekam ich noch einmal ein altes Formular, doch auch dieses enthielt nicht die Klauseln. Lediglich einige Punkte zu Datenschutz- bzw. Schweigepflichtentbindung.

Zunächst war es bemerkenswert, dass die Brillenbranche allgemein degradiert wurde: die Brillen würden heute generell nicht mehr so halten wie früher. Alles würde nur noch so hergestellt werden, dass es eben an die 2 Jahre hält. Würde es wesentlich länger halten, würden ja kaum noch Brillen verkauft. Tränendrüse, jaja.

Diese Aussage bestätigte aber mein Gefühl, dass dieser Anbieter fast nur noch Kunststoffgestelle in Angebot hat. Und die sind allesamt etwas labriger als meine letzte Brille aus Metall, die ich bereits deutlich länger als zwei Jahre habe.

Auf der Webseite klingt es dann etwas schöner formuliert:

Trend! Alle zwei Jahre wieder im Trend sein.

Im Grunde genommen wird das Ziel dieser sogenannten Versicherung klar: Es geht nur nebensächlich um eine Versicherung, es geht vor allem um die Frage, wo und wann du deine nächste Brille kaufen wirst. Denn rechnerisch hast du nach knapp 2 Jahren knapp 190 Euro einbezahlt. Dieser Betrag ist dann etwa auch der Zuschuss, der dann eben bei diesem Optiker (bzw. dessen Kette) gilt. Vor allem geht es aber auch darum, dass du möglichst nach diesen zwei Jahren eine neue Brille kaufst. Denn wenn du drei Jahre einzahlst, erhöht sich der Zuschussanteil nur noch geringfügig. Danach gar nicht mehr.

(Wie ich der FAQ entnehme, kann man diese Versicherung nach zwei Jahren jeweils jährlich kündigen. Der Brillenbonus käme also erst im dritten Versicherungsjahr. Wenn du also im Juli 2018 den Vertrag abschließt, würde der Bonus im Juli 2020 zur Verfügung stehen. Würde die Versicherung danach gekündigt werden, wurden für 2,5 Jahre diese Beiträge bezahlt (Anzahl also 237 Euro)).

Nun stellte ich die Frage, was im Falle einer Firmenpleite passieren würde. Ich wurde belächelt, nein ich wurde vom Verkaufspersonal ausgelacht. So eine Frage hatte noch keiner gestellt. Und er sei auch weit genug entfernt, sich darüber Gedanken machen zu müssen. Ja, bescheuerte Antwort, bei der ich mich als Kunde nicht ernst genommen fühlte. Mit „Nee, sorry. Muss ich mal prüfen” hätte man eine wesentlich elegantere Antwort mit ähnlichem Aussagegehalt. Aber auch hier gibt es eine interessante Antwort in der FAQ:

Ein zusätzliches Kündigungsrecht haben Sie, wenn der nächste angeschlossene Optiker mehr als 30 km von Ihrem Wohnort entfernt liegt. In diesem Fall besteht auch die Möglichkeit, in den leistungsähnlichen Tarif SuH umzustellen.

Wenn der Optiker also pleite geht, kann man diesen optikergebundenen Zuschuss in einen optikerneutralen umwandeln, kostet halt im Zweifel dann mehr Prämie (Eine genaue Höhe fand ich nirgends).

Neben der Zuschusskomponente gibt es noch die Risiko-Komponente. Verlust war nicht abgedeckt, Defekte schon. Auch zum Teil selbstverursachte Defekte. Ich hatte teilweise den Eindruck, dass das Gespräch die Grenze des Legalen bereits verlassen hatte und Vorschläge zum Vorsatzin locker-flapsiger Art im Raum standen.

Am Ende des Tages frage ich mich schon, ob man so einem Deal eingehen kann. Am Ende kann ich – auch aus Mangel des Kleingedruckten – diese Frage nur verneinen. Und lieber eine zuverlässige Brille, die länger als 2 Jahre hält. Wenn nicht hier, dann woanders.

Bytheway: Den Text habe ich im August 2018 geschrieben, aber noch nicht veröffentlicht. Als ich diesen im Mai 2019 nun vervollständigte, entdeckte ich, dass es Brillen Joseph bereits aufgekauft wurde – und auf deren Nachfolgerseite keine Silbe mehr von Brillenversicherung steht. Offensichtlich traf ich doch einen wunden Punkt. Der Versicherungskonzept selber scheint weiter um sich zu greifen. Mit wurde es zwischenzeitlich auch für Fahrräder angeboten.

Die Brückenschieber von Lübbenau

Durch meinen Job lerne ich immer wieder schöne Begriffe kennen: Heute ist es der Brückenschieber. In Lübbenau. Im Spreewald.

Der Spreewald ist voll von kleinen Kanälen. Viele davon wie ein Rinnsaal, manche auch beschiffbar. Um die Kanäle zu passieren, braucht es letztendlich Brücken. Davon gibt es viele.

Die wenigstens haben Rampen, fast alle mit Treppen. Und von denen haben zwar viele eine Schieberinne, um ein Fahrrad hoch zu schieben. Aber bei weitem noch nicht alle. Und zudem sind nicht alle Menschen kräftig genug ein Fahrrad hoch – und vor allem wieder sicher herunterzuschieben. Zudem sind Fahrräder mit elektrischer Unterstützung auch etwas schwerer, so dass die Brücken dadurch auch Schäden erhalten. So gibt es eben Überlegungen, diese Räder anders aufs andere Ufer zu befördern. Und da kommt eine Art Schlepplift ins Spiel, der sogenannte Brückenschieber.

Das ganze basiert auf einen Förderprojekt. Noch steht nicht ganz fest, welche Brücken es werden sollen (Siehe hier Präsentation Rad Statt Auto) . Dafür hakelt es auch schon Protest.

Sicherlich kann man über Optik noch streiten – und eine andere Gestaltung fordern. Man darf auch die Wahl des Weges diskutieren, wie es das NABU Calau tut (ich kenne nun den Wotschofskaweg – der ist nicht wirklich breit, andererseits die einzige Möglichkeit, Lübbenau in Richtung Nord-Ost zu verlassen). Man darf auch gerne Alternativen einwerfen, ich erinnere mich nur zu gut an die handbetriebene Fähre bei Den Haag (wobei dafür viele Kanäle zu schmal wären):

Die örtlichen Braunen reagieren aber mit Totalverweigerung und sehen das Abendland in Gefahr, wenn eine Kommune etwas für den Radverkehr tut. Und deshalb sammeln die nun Unterschriften für einen Einwohnerantrag:

Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Lübbenau möge beschließen, dass keine Brückenschiebe auf kommunalen Spreewaldflächen der Stadt Lübbenau gebaut werden.

Begründet wird dies wie folgt:

Der Bau solch einer industriellen Krananlagen über Spreewaldfließe im von der UNESCO geschützten Weltkulturerbe Biosphärenreservat Spreewald widerspricht den geltenden Richtlinien für das Naturschutzgebiet Biosphärenreservat Spreewald und geltenden Paragrafen aus dem Naturschutzgebiet, welches 1990 aus der DDR in das bundesdeutsche Recht übernommen wurde. Eine ausführliche Begründung erfolgt mündlich vor der Stadtverordnetenversammlung.

(Da ich auf braune Seiten nicht verlinke, tue ich es auch dieses Mal nicht!)

Wenn das Vorhaben gegen geltende Richtlinien verstoßen würde, so ist ein politischer Antrag das falsche Instrument. Es müsste viel mehr eine Klage erhoben werden. Aber so kann man gleich ein paar Horrorszenarien in die Welt streuen: eine industrielle Krananlage. Und eins haben diese Anti-Petitionen gemein: wenn es darum geht, etwas zu verhindern, dann können die lobpreisenden Umschreibungen des aktuellen Standes nicht wichtig genug klingen. Unter UNESCO, Biosphärenreservat und Naturschutzgebiet ist nicht. Konstruktive Ansätze für das eigentliche Problem sucht man dagegen vergeblich.

So viel zu der Frage, was Braune in der Lokalpolitik machen, wenn sie mal nicht gegen Menschengruppen hetzen…

Paritätsgesetz

In Kenntnis der verfassungsrechtlichen Problematik…

Am 31.01.2019 beschloss der brandenburgische Landtag, dass Wahllisten künftig alternierend von Männer und Frauen zu besetzen ist. Dieses Gesetz wird uns einen Bärendienst erweisen auf dem Weg in eine Gesellschaft, in welche die Geschlechtsmerkmale von politisch agierenden Personen keine Rolle mehr spielen. Und ehrlich: Da will ich hin. Weg mit Geschlechterklischees oder die Reduzierung von Menschen auf angeborene Merkmale.

Fahrradfreundliches Bad Harzburg

Sternstunden der Kommunalpolitik, heute die CDU-Fraktion in Bad Harzburg. Im Oktober 2018 reichten sie beim Rat der Stadt einen Antrag mit dem Titel Fahrradfreundliche Stadt Bad Harzburg – Regelungen in der Fußgängerzone ein:

Die Stadtverwaltung wird beauftragt, den Bereich der Fußgängerzone eingeschränkt auch für Radfahrer freizugeben. In der Zeit von 18 Uhr bis zum Ende des Lieferverkehrs am nächsten Morgen soll die Nutzung auch für Fahrradfahrer mit Schritttempo möglich sein. Die Umsetzung soll bis zum 1.4.2019 abgeschlossen sein.

Totalausfall

Die letzten beiden Wochen gab es hier leider einen Totalausfall. Während ich gerade das andere Ende der Welt bereitste, hatte ich absolut keine Zeit, mich darum zu kümmern. Das ganze ist natürlich ärgerlich – aber ich habe eben auch für mich klare Prioritäten gesetzt ;-)

Was ist passiert?

Host Europe hat PHP 5.6 abgeschalten. An sich richtig und längst überfällig: So uralte Versionen birgen Sicherheitsrisiken. Das Ärgerliche daran: Ich hatte die Seite schon im Dezember 2017 umgestellt, jedoch noch nicht scharf geschalten.

Als mich die Botschaft der geplanten Abschaltung erreichte, war ich bereits auf großer Weltreise unterwegs. Und unterwegs hatte ich keinen Zugriff auf meinen letzten Stand. Und dann nahte der Stichtag 25.10.2018. Nun läuft wieder alles. Betroffen waren übrigens auch meine beiden Seiten Datenleck (auch wenn die Seite derzeit nicht aktuell gepflegt wird) und Zweitwohnungsteuer. Auch diese sind nun wieder ans Netz gegangen.

Sagte ich etwas von einer Weltreise? Ja! Davon wird es demnächst dann auch den einen oder anderen Artikel geben.

Die A100-Verschwörung von Treptow

Zwei Meldungen, die ich in diesen Tagen so beiläufig aufgeschnappt habe:

  • Auf der Elsenbrücke wurden Risse in der Konstruktion festgestellt – allerdings nur in der östlichen Fahrbahn (also Richtung Friedrichshain) – Siehe Berliner Zeitung
  • Das Kino am Treptower Park soll abgerissen werden, auch wenn der Inhaber noch nichts davon weiß (siehe Berliner Zeitung)

Hoppla, da ist zur Zeit der Weiterbau der A100 politisch nicht durchzusetzen – und plötzlich hat die Elsenbrücke Risse. Aber auch nur auf der Seite, deren Abriss nötig wäre, um die A100 durchzuziehen – denn der Abstand zwischen Elsenbrücke und Bahnbrücken ist zu gering.

Selbstverständlich wird der Radstreifen gestrichen, Fußgänger werden auf den Gehweg verbannt. Die BVG kappt die Busverbindungen und schneidet den Treptower Park ab. Ganz so, als ist das Mobilitätsgesetz noch nicht in den Köpfen der Verwaltung angekommen. Nun kommt Bezirksbürgermeister Oliver Igel angerannt – und fordert den Weiterbau der A100:

Die Probleme mit der Elsenbrücke zeigen uns, in was für einem Dilemma wir stecken. Da brauchen wir nicht den Bau einer Behelfsbrücke an dieser Stelle. Dann wird dort in ein paar Jahren wieder gebaut und die Autofahrer stehen in unserem schönen Treptower Park im Stau. Der Weiterbau der A 100 nach Friedrichshain ist im Bundesverkehrswegeplan bereits enthalten. Wir sollten dafür jetzt das Planfeststellungsverfahren in die Wege leiten.

Ich bin kein Freund von Verschwörungen, aber hier kam der Riss manchen wohl zu gelegen, um das aktuelle Leid mit noch schrägeren Forderngen zu verbinden. Es ist kein Geheimnis, dass Oliver Igel kein Freund der Verkehrswende ist. Ansonsten würde er nicht darauf hinarbeiten, dass bei künftigen Rissen die Auswirkungen noch dramatischer ausfallen werden.