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Homepage von René Pönitz

Einreise in Japan - Takamatsu

Bedingt durch den Taifun und die Schäden am Flughafen Kansai flogen wir nach Takamatsu. Mit dem umgebuchten Flug klappte alles soweit – wir waren erleichtert. Leider gab es auf diesem Flug besonders viele Turbulenzen. Die Anzeigen für die Anschnallpflicht blinkten regelmäßig, die Crew ist kaum noch durchgekommen.

Der Landeanflug führte über’s Meer. Die vielen „getupften” Inseln waren hinreißend:

Es folgte die Einreise. Von Hong Kong kannten wir es schon: im Flugzeug wurden Zettel der Immigrationsbehörde verteilt, die man ausgefüllt bei der Passkontrolle vorzeigen sollte. Merkwürdig ist das Feld, für die Anschrift in Japan. Mmmh, bei regelmäßig wechselnden Unterkünften? Egal, wir tragen die Erste ein.

Erstes Mal Pass vorzeigen: sie biometrisieren dich.

Zweites Mal Pass vorzeigen: sie prüfen den Pass und nehmen dir das Formular ab.

Dann bekommst du deinen Koffer – und musst zwingend durch die Zollkontrolle. Hier fragten sie erst einige Dinge. Dem Zollbeamten schienen unsere Koffer ungewöhnlich schwer für einen Japan-Urlaub. Also wollte er reinschauen. Was ihn dazu bewogen hat, wissen wir bis heute – die Vermutung liegt nahe, dass es um die Einfuhr von Waren geht. Als er Wäsche und Schuhe sah, ließ er nach. Er fragte, ob man Früchte im Gepäck hat (Scheinbar gibt es hier ähnliche Paranoia wie in Neuseeland), Nüsse waren ok. Laut den Bestimmungen sind Fleischprodukte sehr kritisch. Dann fragten er eher Smalltalk-mäßig, was wir anschauen wollten und half uns sehr höflich, die Wäsche wieder einzupacken.

Wer Deutschland bürokratisch findet, sollte Japan kennenlernen.

Der Flughafen selbst war klein. Wir fragten dennoch nach dem Bus ins Zentrum. Eine Angestellte zeigte uns den Ticketautomaten. Die Besonderheit hier ist, dass man Tasten für den Preis der Strecke hat, aber keine weitere Erläuterung. Dummerweise funktioniert dieser Automat nicht mit Kreditkarten. Dieselbe Frau zeigte auf den Geldautomaten ein paar Schritte weiter. Wir zogen Geld. Und die Frau wartet immer noch, gab sogar dem Busfahrer Bescheid, der ebenso auf uns wartete. Sie bediente noch einmal den Ticketautomaten für uns. Der Fahrer nahm das Gepäck entgegen – und sie winkte uns kurz nach. – Wir hatten nicht mehr damit gerechnet, diesen Bus zu bekommen.

Nachdem der Bus das Flughafen-Plateau (hier hat man in einer hügeligen Landschaft alles aufgeschüttet) verlassen hat, ging es einige Kilometer durch unbebaute Hügellandschaften. Es folgten kleinere Häuser hier und da. Erst in den letzten Kilometern wurde es städtischer – und das eine oder andere höhere Haus war zu sehen.

Getreu der Redewendung „Ich verstehe nur Bahnhof” schauten wir gespannt auf die Anzeigetafel, auf der irgendwann das Wörtchen „Station” erscheinen sollte. Es war die Endhaltestelle des Busses. Doch es erschien nicht, stattdessen schlängelte sich der Bus durch immer kleinere Gassen.

Takamatsu ist eine Stadt mit 420.000 Einwohnern. Auf dem Bahnhofsvorplatz kamen schon Kleinstadtgefühle auf.

Die Reiseagentur für den Umtausch des Japan Rail Passes schloss gut 10 Minuten vor unserer Ankunft. Also kauften wir Tickets, um zwei Regio-Stationen bis zum Hotel zu überbücken.

Die Nebenstrecke selbst ist eher überraschend. Zumindest für Japan. Eine eingleisige nichtelektrifizierte Strecke verläuft aufgeständert durch die Landschaft. Am Haltepunkt Ritsurin-Koen-Kitaguchi gab es weder eine Rolltreppe, noch einen Fahrstuhl. Es gab minimalen Regenschutz und ca. vier Sitze. Und der Zug hatte auch keinen festen Takt. Eigentlich wie in Deutschland.

Nach wenigen Minuten zu Fuß erreichten wir das Hotel. Am Eingang ein riesiges Schuhregal. Erster Kulturschock. Wir ziehen die Schuhe aus. Es geht mit Pantoffeln weiter. Wer weiß, wie viele Japaner schon ihre Füße darin hatten? Egal.

Das Zimmer war klassisch eingerichtet. Es gab kein Bett, nur dünne Matratzen mit Decken, sie sogenannten Futons. (Davon abgeleitet ist das Futonbett – nur gab es hier kein Holz). Zudem ein Tisch mit ca. 20 Zentimeter hohen Beinen. Ein paar Kissen als Sitz. Das Zimmer selbst war mit Tatami-Matten ausgelegt. Das sind Strohmatten, die man in Deutschland am ehestens am Badesee ausrollen würde.

Nun das WC. Hier lagen noch mal andere Pantoffeln. Abtenteuerlich war der WC-Sitz. Nicht einfach nur eine Klobrille, nein, daneben blinkten LEDs und es gab einige Tasten. Ich drückee und wurde nass gespritzt. Juhu. Ich saß drauf, plötzlich spritzte Wasser. Ich zog den Stromstecker. Und fand auch einen klassischen Wasserspülhebel. Die sind nicht so modern, sondern eher klassisch 80er.

Ja, und dann der Kardinalfehler: Mit Klopantoffeln ins Zimmer zurück. Ups.

Auf den Betten ließ sich überraschend angenehm schlafen, auch wenn das Hotel direkt neben der aufgeständerten Bahntrasse war und hin und wieder ein Zug vorbeibretterte. Ab und zu vibrierte der Boden. (Wie sich auch später auf der Reise noch zeigte – anscheinend stören sich die Japaner nicht am Zuglärm.)

Wir waren da. In Japan. Juhu!