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Homepage von René Pönitz

Kyoto

Nach Takamatsu, Hiroshima und Osaka war unsere vierte Station Kyoto. Hier haben wir sechs Nächte geplant, wobei wir von hier auch einige andere Orte ansteuerten (zu denen es eigene Artikel geben wird):

Kyoto ist eine sehr interessante Stadt mit über 1 Mio Einwohner, die trotzdem nicht wie eine Metropole wirkt.

Wir kamen am Bahnhof an – und wechseln vom Shinkansen in den Regionalbereich (das sind immer abgetrennte Teile des Bahnhofes). Was wir dabei nicht mitbekamen: der Bahnhof selbst ist auch eine Attraktion. Dazu aber später.

Unsere Bleibe ist in der Nähe des Bahnhofes Emmachi, drei Haltestellen entfernt. Obwohl das nur ein Regionalbahn-Halt ist, gibt es sogar gepolsterte Stühle. Das würde in Deutschland wohl keinen Tag überleben, ehe es aufgeschlitzt ist.

Von da aus ist es ein kleiner Fußmarsch bis zum Hotel. Es ist unsere erste Bleibe in Japan, die nicht an einer Bahntrasse lag. Im Gegenteil: in einer ruhigen Nebenstraße – und sogar da noch zurückgesetzt. Das Hotel funktioniert ohne Personal. Im Eingangsbereich gibt es für den Check-In ein Tablet. Nach Angabe der Reservierungsnummer darf man seinen Ausweis scannen – und bekommt dann einen vierstelligen Zimmercode. Theoretisch. Praktisch haben wir ihn bekommen, aber nicht über das Tablet, sondern per E-Mail. Ohne Hinweis. Das sind die Momente, wo man wieder zum Telefonhörer greifen muss.

Das Zimmer war durchaus in Ordnung. Erstaunlich geräumig. Mit Kochplatte (Induktionsherd, ich bin begeistert), Kühlschrank, Wasserkocher. Sogar mit (sehr kleinem) Balkon. Und Waschmaschine. Die wir auch prompt nutzten. Noch schnell um die Ecke zur 24/7-Kaufhalle was holen. Ja, die hat nie die Pforten geschlossen.

Leider haben die personalfrei3n Hotels auch einen Nachteil. Nämlich dann, wenn etwas nicht funktioniert. Am Abend der letzten Nacht hatten wir nur kaltes Wasser. Im Erdgeschoss gab es einen Hinweis eines möglichen Stromausfalles. Weder die Begleitmappe noch der Mensch am anderen Ende der Telefonleitung konnte helfen (und las auch nur aus der Mappe vor). Irgendwann entdeckten wir durch Zufall das Steuerelement für warmes Wasser. Juhu.

Am Tag 1 schlenderten wir durch Kyoto. Zunächst das Nijo-Castle. Nachdem wir den vollen Eintritt bezahlten (das war nicht viel, ca. 300 Yen), lesen wir, dass wegen Taifun-Schäden die Gartenanlagen komplett gesperrt seien.

Egal. Wir schauen an, was wir anschauen können:

Schuhe wechseln am Eingang:

Ein Fußgängerüberweg. Den schafft man locker in einer Grün-Phase.

Zweite Station war Nishiki-Markt:

Solche Marktzeilen sind hier sehr beliebt. Also wo eine Straße komplett überdacht wurde – und man schlendern kann. Leider hatten schon einige Läden geschlossen.

So kleine, Achtung Ironie, Leckereien zum Mitnehmen:

Und ein Fußmarsch nach Hause, wo wir gleich die nächste überdachte Marktgasse fanden:

Gegenüber des Emmachi-Bahnhofes gab es ein Spielecenter. Wir trauten uns mal hinein. Nur kurz. Ne Minute oder so.

Es ist die Hölle auf Erden. Unzählige Reihen von Spielemaschienen. Und obwohl diese zu dem Zeitpunkt nur spärlich besucht war, dröhnte einen Höllenkrach durch die Räume mit richtigen fetten Bässen. Es ist auch nicht vergleichbar mit diesem Bowlingbahn-Lärm, wo irgendwelche Technoschlager dudeln. Da dudelt keine Musik, das ist das Gehämmer der Automaten. Könnte aber auch mal Musik werden.

Kyoto selbst besteht noch aus vielen traditionellen japanischen Holzhäusern. Diese sind oft zweigeschossig (selten höher), die Front ist mit dünnen Gitterstäben verdeckt:

Diese fanden wir im gesamten Stadtgebiet.

Das war eine kleine Nebenstraße am Hotel:

Oder im Ortsteil Gion, der wohl sehr populär für Touristen ist:

Gegen Entgelt wird man von kräftigen Herren um den Block kutschiert. Wir nahmen das Angebot nicht an.

Auch fanden wir im Stadtgebiet so manchen Altbau, der nicht anders in England hätte auch stehen können:

In vielen Zeilen von Kyoto sind die Straßen als Schachbrettmuster angeordnet. Alles parallel. Die vielen kleinen Straßen haben oft keine Bürgersteige, maximal aufgemalte Linien. Es gibt keine Stellplätze für Autos. Wer eins hat, muss es auch eigenem Grund abstellen. Das erklärt dann auch, warum die Autos eher kompakt sind.

Für Kyoto ebenfalls typisch: Viele Sehenswürdigkeiten sind am Stadtrand verteilt. Da, wo die Stadt aufhört und in Berge und Wälder übergeht. Selbst der Imperialpalast (den wir nicht uns angeschaut haben) liegt schon fast außerhalb.

Beim öffentlichen Nahverkehr lernt man die Vorteile eines Verkehrsverbundes sehr zu schätzen. So etwas scheint es in Japan nicht zu geben.

  • Es gibt die U-Bahn mit zwei Linien, dafür gibt es eine Tageskarte, die nur in der U-Bahn gilt.
  • Es gibt viele Busse. Auch dafür gibt es eine Tageskarte, die nur für Busse gilt.
  • Es gibt viele Privatbahnen, wo jeder für sich seine Tarife hat.
  • Im Westen der Stadt gibt es noch zwei Straßenbahnlinien.
  • Und es gibt diverse Zuglinien von JapanRail (die wir mit Japan Rail Pass nutzen können)

Du zahlst am Ende für jedes Verkehrsmittel extra. Hin und wieder gibt es Interchange-Tickets. Man kann das zwar alles mittlerweile mit diversen Bezahlkartensystemen nutzen (die eigentlich überall anerkannt werden), aber mich schrecken solche Tarifkonstukte ab. Praktisch heißt zum Beispiel ein Umsteigen an bestimmen Stationen, dass du erst zur Bezahlschranke der einen Gesellschaft musst – und dann nebenan – wieder durch eine andere Bezahlschranke musst. Die Stationen selbst sind mit Gitterzäunen abgetrennt.

Bei der Abfahrt schauten wir uns noch einmal den Bahnhof von Kyoto genauer an. Wenn man nur aus- oder umsteigt, nimmt man die Dimension des Bahnhofs kaum war. 11 Geschosse befinden sich noch darüber. Es gibt an allen Ecken und Kanten Besucherplattformen, die bis zur letzten Etage hochgehen.

Den Bahnhof als Lego nachgebaut:

Unter den Treppen sind auch gleich wieder Einkaufsmöglichkeiten. Und diverse Restaurants. Das witzige hier: Jedes dieser Restaurants hatte Wartestühle vor der Tür. Wie beim Arzt. Und Leute sitzen da – und warten, bis sie einen Tisch bekommen. Und damit das alles zügig geht, darf man beim Warten schon die Speisekarte studieren.

Gegenüber vom Bahnhof trauten wir uns in einen Laden, der vom Sortiment her in etwa einem Mediamarkt entspricht – und um Weiten größer und umfangreicher:

Die Abteilung der Massagestühle (Im Hotel von Osaka konnten wir solche einmal probieren):

Ich habe GoPro-Zubehör recht günstig bekommen. Was man in Japan nicht kaufen sollte: Speicherkarten. Die kosten ca. das vierfache.

Und draußen vor der Tür fanden wir das:

Vibrierte lustig – und soll der Fettverbrennung dienen. Nun ja.

Es gibt noch so vieles, was man in Kyoto sich anschauen konnte. Der Kyoto-Tower zum Beispiel. Oder der schon erwähnte Imperialpalast mit Garten. Aber es geht halt auch nicht alles! In Summe waren es sehr schöne Tage in und um Kyoto. Und das Wetter spielte – mit Ausnahme von Himeji – auch fast immer mit!