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Beschleunigter U-Bahn-Bau in Hamburg - seit 40 Jahren

Nach dem Wahlausgang in Hamburg war klar, dass diese Stadt auch weiterhin auf den Bau eines Straßenbahnnetzes verzichten muss. Und dass die Grünen in Koalitionsverhandlungen dabei keine Chance haben, ist absehbar gewesen.

Damit hat sich Hamburg so allmählich einen tollen Titel erarbeitet: die einzige Millionenstadt in Europa ohne Straßenbahn.

Und schuld daran ist nur die SPD! Natürlich hat die SPD viele Ausreden parat:

Diese Stadt ist nicht als ehemaliger Regierungssitz eines Fürsten mit großen Prachtstraßen versehen, die schon immer breit waren, weil man dort Militäraufmärsche abhalten wollte.

Die SPD will lieber eine U-Bahn bauen. Zugegebenermaßen schließt eine U-Bahn (insbesondere in Richtung Lurup) den Bau von Straßenbahnen nicht aus. Aber ich bekam auch im Hamburger Wahlkampf mit, dass SPDler es einfach nicht verstehen wollen, dass Naherschließung und Fernerschließung zwei verschiedene Sachen sind.

Der größte Witz aus Hamburg ist aber das Zugeständnis der SPD – wenn man dem NDR Glauben schenken darf:

Im Gegenzug soll der U-Bahn-Bau deutlich beschleunigt und der Radverkehr massiv ausgebaut werden, wie Grünen-Parteichefin Katharina Fegebank und SPD-Fraktionschef Andreas Dressel am Montag im Anschluss an die mehr als fünfstündige Verhandlungsrunde mitteilten.

Diese Erkenntnis ist bemerkenswert. Zum einen weil das mitten in den Koalitionsverhandlungen kommt. Das mag man sich kaum vorsellen: bei einer weiteren Alleinregierung hätte die SPD wohl ihre selbst geforderte U-Bahn verschleppt.

Noch viel bemerkenswerter ist aber, dass die SPD-Fraktion so eine ähnliche Erkenntnis schon 1974 hatte. Schon damals wollte man die Verbindung zwischen Altona und Osdorfer Born bauen. Beschleunigt. Der Start sollte schon 1976 sein. Diese Pläne sind 40 Jahre alt. Aber 2015 fällt der SPD wieder auf, dass man das Vorhaben ja noch mal beschleunigen kann.

Auch die damalige Kostenschätzung ist eine Farce: Eine U-Bahn wurde mit 525 Mio Mark beziffert. Die S-Bahn, die von Stelligen aus ebenso Lurup und Osdorfer Born erschließen könnte, mit 540 Mio Mark. Der Unterschied: die S-Bahn hätte ins bestehende Netz schon integriert werden können, die U-Bahn wäre ein Inselbetrieb gewesen, für deren Anbindung ein weiterer Tunnel hätte gebaut werden müssen. (Die doppelten Bahnsteige am Hauptbahnhof und Jungfernstieg der U2 sind Vorleistungen für diese U-Bahn gewesen).

Völlig auf dem Holzweg war die SPD damals bei der Einschätzung zum damaligen Bahnhof Altona. Der sah bis in die 70er Jahre hinein noch wie ein Bahnhof aus. So schreibt die SPD-Fraktion 1974:

Die festungsartige rote Backsteinfassade im Baustil der Jahhundertwende ist bereits der Spitzhacke zum Opfer gefallen. Vorgesehen ist ein mehrstöckiger Neubau, der in seinem Ostflügel ein Kaufhaus aufnimmt.

Heute sieht der Bahnhof gesichtslos aus! Wie sich eine Partei nur so gravierend irren konnte…

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