Hier findet ihr Bilder aus Dresden und der Umgebung (insbesondere Pirna).
- Weltkulturerbe adé (René, 26.06.2009)

Nun ist es geschehen: Dresden wurde das Weltkulturerbe aberkannt.
Viel gibt es nun nicht mehr dazu zu sagen. Man kann sich vielleicht noch mal bei der CDU, der sächsischen FDP und dem ADAC für ihr großartiges Engagement im unermüdlichen Kampf gegen die Dresdner Elbwiesen bedanken.
Einige Stimmen von bekannten Bloggern vor Ort:
Als »Trost« ist nun ein zweiter Anlauf geplant, allerdings mit kleinerem Gebiet geplant. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, aber was soll denn Miss Piggy sonst sagen?
Und die gute Nachricht zum Abschluß: das Wattenmeer an der Nordseeküste wurde zum Weltnaturerbe erklärt!
- Fête de la Musique vs. Bunte Republik Neustadt (René, 22.06.2009)
Am vergangenen Wochenende wurde in Dresden wieder die »Bunte Republik Neustadt« ausgerufen – und dieses Mal wohl ohne Ausschreitungen. Die Sächsische Zeitung berichtet drüber:
Spontane Gags, die für viele Besucher den Reiz der BRN ausmachten, sind heute dank der schnellen Truppe vom Ordnungsamt kaum noch möglich. Was nicht angemeldet ist, kostet bis zu 500 Euro Strafe. [..]
Auch bei den Anwohnern, die vor ihren Häusern verkauften, maßen die Leute vom Ordnungsamt millimetergenau nach, ob die Standgrößen eingehalten wurden.
Wenn nicht gerade das Spontane der Reiz dieser Veranstaltung war, so kann man den Artikel einer Todeserklärung der BRN gleichsetzen. Das Satire-Magazin BILD untermauert das mit gelungenen Sarkasmus (Oder meinen die das ernst?).
Das es anders geht, zeigt Berlin mit der »Fête de la Musique«. Hier erlaubte die Verwaltung das »Musizieren auf allen öffentlichen Straßen, Plätzen sowie in Park- und Grünanlagen am 21.06.2009, 16:00 Uhr – 22:00 Uhr im gesamten Berliner Stadtgebiet«, ausdruckbar als PDF.
Update: Das Ordnungsamt hat Stellung genommen:
Erst einmal waren wir zufrieden, dass Medien mangels Krawallen uns ins Visier genommen haben. Allerdings ist die Darstellung so nicht ganz korrekt.
Wir haben gewerbliche Aktivitäten tatsächlich nur zugelassen, wenn sie angemeldet waren. Die Hausgemeinschaft, die spontan vor der eigenen Haustür aktiv wurde, indem sie Tische und Stühle herausgestellt hat oder auch Kinder die mit altem oder überzähligem Spielzeug getrödelt haben, wurden geduldet.
- Vom Protestklo zum Pflanzenkübel (René, 18.06.2009)
Vielleicht erinnert sich noch jemand an die Dresdner Protestklos?. Sie haben Wirkung gezeigt. Zweieinhalb Monate später veröffentlicht die Stadt die folgende Pressemitteilung:
Heute, 17. Juni stellt das Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft fünf weitere neue Pflanzkübel auf. Die Kübel finden ihren Platz am Postplatz in unmittelbarer Nähe zu den vorhandenen Bänken vor dem SAP-Gebäude. Bepflanzt werden die Kübel unter anderem mit Schmucklilien. Ein Kübel mit Einsatz und Bepflanzung kostet etwa 1700 Euro. Das ist eine weiterer Schritt im Rahmen des Konzeptes »Aufwertung Innenstadt«.
Ich kann mich der Ruhestörung nur anschließen: so eine Meldung hat eher den Charakter von sehr harten Sarkasmus.
- Zwei Plätze - zwei Wirkungen (René, 11.05.2009)
Bezugnehmend zur Debatte um den Postplatz: Finde den Unterschied zwischen den beiden absolut zentral gelegenen Brunnenanlagen:


Richtig: der zweite Brunnen bietet Sitzmöglichkeiten. Deshalb verweilen da auch Leute.
(Lizenzhinweis zum oberen Bild: Quelle, CC-Lizenz)
- Der VVO-Hack (René, 04.05.2009)
Tarifsysteme für den öffentlichen Nahverkehr sind schon eine Wissenschaft für sich. Und da gibt es Dinge, die kann man verstehen – man muß sie aber nicht. Beispielsweise gibt es in Dresden (VVO) eine Fahrtkarte der Preisstufe 4 und die Vierer-Karte. Entwertet man letztere komplett, gibt es keinen Unterschied zur Preisstufe 4 – es kostet nur 6,50 Euro anstelle von 7,00 Euro.

Und während ich mir am Wochenende mal Gedanken am Bahnhof Pirna gemacht habe, fiel mir folgender Trick ein:
Nehmen wir an, es starten zwei Personen in Coschütz, Max will zum Bahnhof Neustadt (eine Tarifzone), Moritz nach Radebeul (2 Zonen). Korrekt bräuchte Moritz eine Karte der Preisstufe 2 oder zwei Streifen der Viererkarte. Max dagegen die Preisstufe 1 oder ein Streifen auf der Viererkarte. Macht in Summe drei Streifen.
Würden Max und Moritz mit zwei Streifen auf der Vierer-Karte ihre Fahrt beginnen, haben sie im Falle einer Kontrolle ausreichend entwertet. Nun trennen sich ihre Wege und Moritz steigt in die S-Bahn ein, er könnte mit diesen zwei Streifen sich auch alleine in der nächsten Tarifzone dazu legitimieren – vor allem nach Wechsel des Verkehrsmittel weiß keiner, daß diese Karte zuvor Max mitbenutzt hat.
(Selbst wenn Moritz nicht nach Radebeul, sondern innerhalb der Preisstufe 1 nun nach Weixdorf fahren möchte, kann er nun durch die zwei Streifen 90 anstelle von 60 Minuten fahren).
Ich möchte an der Stelle natürlich nicht zum Tricksen animieren. Ich möchte nur zeigen, daß selbst seit Jahren etablierte Tarifsysteme Schwachstellen haben können.
Übrigens: im Verkehrsverbund Berlin/Brandenburg ist so ein Trick ausgeschlossen!
(Bild wurde am S-Bahnhof Yorckstraße aufgenommen)
- Von öffentlichen Toiletten und Teppichklopfstangen (René, 01.05.2009)
Am ersten April werden bekanntlich viel gescherzt, nur einer dieser Scherze war keine Zeitungsente: ein Unbekannter stellte auf dem Dresdner Postplatz eine mit Blumen bepflanzte Toilette ab, dahinter ein Schild mit durchaus zutreffenden Aufschrift:
Scheiße gebaut, Stadt versaut
Und wenn man sich heute den Postplatz anschaut, so wird man diese Aussage auch nicht leugnen können. Leider stand dieses »Denkmal« nur für kurze Zeit, denn die Stadtverwaltung hat dieses Klo »sichergestellt«. So richtig zum Politikum wurde die Toilette, als sich Schauspieler Uwe Steimle reingehangen hat und bei der Stadtverwaltung die (Achtung Neudeutsch:) »Installation« gegen Lösegeld abgeholt hat. Und seit dem macht dieses Klo nahezu jeden Tag irgendeine Schlagzeile.
Interessant ist, daß dieses Klo auch im Rathaus angekommen ist. Zumindest scheinen da auch gleich die »betroffenen Hunde zu bellen«, wie bspw. Lars Kasper (CDU-Chef):
Die Stadt darf nicht zur Betonwüste mit technisch unausgereifter Brunnenarchitektur wie am Postplatz verkommen.
(via DNN-Online, 20.04.2009)
Währenddessen legt auch gleich der Schauspieler zusammen mit Tom Pauls (Ise Bähnert) nach und funktionieren die Brunnenarchitektur am Postplatz zur Teppichklopfstange um. Auch wenn es altmodisch klingt: vielleicht sollte man doch lieber einen gewöhnlichen Brunnen mit Steinen und Ornamenten hinstellen...
Aber auch aus anderen Stadtteilen gibt es interessante Neuigkeiten: im Februar hat der Stadtrat das Aus für den Löbtau-Boulevard beschlossen. Nun kommt durch ein neues Gutachten wieder Wind in die Debatte: zum einen fehlt der Platz, da die zugehörigen Gebäude der Passage bereits gebaut sind, zum anderen wird die Ampel der Engpaß. Wenn jemand das Gutachten haben möchte: ich habe es griffbereit! (via Sächsische Zeitung. Wer das Gutachten haben will: Melden!).
Aktualisierung: Die Aktion hat erst Nachahmer gefunden, vier neue Toiletten im Dresdner Zentrum. Eine wunderbare Idee für ein Flash-Mob!
Aktualisierung, die 2.: Eins der vier neuen Protestklos stand zumindest am Sonntag noch – und zwar am Wiener Loch:

Aktualisierung, die 3.: Und noch ein weiteres Protestklo auf der Prager Straße.
- Der Zug nach Kötzschenbroda (René, 07.04.2009)
Entschuldigen Sie, vielleicht kennen sie den Sonderzug nach Pankow. So ein Lied von Udo Lindenberg, in dem er sich über Honecker amüsierte. Nun entdeckte ich eher zufällig, daß das Lied nicht wirklich aus seiner Feder stammt. Die Melodie selber stammt aus Big-Band-Zeit von Glenn Miller.
Interessanter ist dagegen, daß diese Melodie bereits in den 40er Jahren einmal auf Dresden bzw. dessen Umland gewidmet war: und zwar Kötzschenbroda, heute Teil von Radebeul. Und zu dem Lied hat sich bereits ein Mythos entwickelt: der Bahnhof Kötzschenbroda soll nach dem Zweiten Weltkrieg der einzige noch intakte Bahnhof im Dresdner Umland gewesen sein – und somit endeten Züge aus Berlin an diesem Bahnhof mit dem witzigen Namen. Daher die Idee, die Transportbedingungen der Bahn aufs Korn zu nehmen. Die Geschichte ist allerdings schon dahingehend kurios, denn der Bahnhof wurde noch während des Krieges in »Radebeul – West« umbenannt. Dazu hat sich in einer anderen Quelle selbst Ingolf Roßberg ausgelassen.
Verzeihn Sie, mein Herr,
Fährt dieser Zug nach Kötzschenbroda?
Er schafft's vielleicht,
Wenn's mit der Kohle noch reicht.
Ist hier noch Platz,
In diesem Zug nach Kötzschenbroda?
Das ist nicht schwer,
Wer nicht mehr stehn kann, liegt quer.
Ja, für Geübte ist das Reisen heute gar kein Problem.
Auf dem Puffer oder Trittbrett steht man bequem.
Und dich trifft kein' Fußtritt, Fährst du auf dem Dach mit,
Obendrein bekommst du dort noch frische Luft mit!
Morgens fährt der Zug an Papestraße vorbei,
Mittags ist die Fahrt nach Halensee noch nicht frei.
Nachts in Wusterhausen Läßt du dich entlausen
Und verlierst die Koffer auch noch leider dabei. [..]
Zum kompletten Liedtext. Eine Neuauflage mit verändetem Text.
Was ich dabei nicht verstehe, ist die Reihenfolge der Bahnhöfe: Papestraße – Halensee – Wusterhausen.
(Übrigens: Etwas östlich von Pankow liegt der Lindenberg)
- Aprilscherze? (René, 01.04.2009)
Es gibt Dinge, darüber macht man keine Aprilscherze. Die Waldschlößchenbrücke ist eines davon. Für Dresden hoffe ich, daß das hier keiner ist. Ich befürchte aber doch!
Anmerkung: die Dresdner Neuste Nachrichten berichten auch (Kein Link dazu)
Anmerkung: die SZ klärt auf, daß es doch keinen Brückenstop geben wird. Dies klingt allerdings nicht nach einem Aprilscherz, sondern basiert auf übereifrigen Spekulationen der Medien. Das Geld soll nun aus anderen Töpfen abgezweigt werden.
- Disziplinierte Autofahrer (René, 11.03.2009)
Mit einigen Jahren Verspätung macht man sich auch im verschlafenen Dresden nun allmählich Gedanken, wie die Verkehrswegebeziehungen nach dem Bau der neuen, umstrittenen Brücke aussehen werden. Naja, zumindest haben die Grünen das Thema auf die Tagesordnung geholt und ein Verkehrskonzept für die betroffenen Wohngebiete gefordert. Die Befürchtung ist naheliegend, daß die Autofahrer sich Schleichwege durch die Wohngebiete suchen werden.
Den Optimismus von Karlheinz Hauser (Ortsbeirat Blasewitz, CDU) möchte ich gerne haben:
Die Autofahrer sind diszipliniert genug, auf den Hauptstraßen zur Brücke zu bleiben.
Mein Verstand sagt mir da nur leider etwas anderes! (vgl. Ruhestörung, Zitat aus Sächsischer Zeitung vom 5.3.)
- Grillen an der Elbe (René, 26.02.2009)
Nachdem das Welterbe nun sprichwörtlich den Bach die Elbe runtergeht, kommt überraschenderweise auch wieder neuer Wind in die Debatte bzgl. des Grillens.
Nachdem es zugegebenermaßen ein gewisses Müllproblem an den Elbwiesen gab, verordnete die Stadt ein komplettes Grillverbot an den Elbwiesen. Es gab fünf offizielle Grillplätze, alle etwas suboptimal gelegen. Kopfsteinpflaster statt Wiese. 30 Euro waren zu zahlen, weit im Voraus zu beantragen. Und bei schlechten Wetter durfte man trotzdem grillen – Geld gab es keins zurück. (Und aus eigener Erfahrung: es dauerte keine 30 Minuten, dann stand der erste vom Ordnungsamt da und prüfte die Erlaubnis). Einziger Vorteil der offiziellen Grillplätze: man kann die Plätze problemlos zum Lagerfeuer nutzen.
Nunja: es soll für diese Grillsaison weitere Grillflächen freigegeben werden – kostenfrei. Keine Anmeldung. Sogar in interessanteren Lagen. Und die offiziellen Grillplätze werden günstiger: 10 Euro für Lagerfeuer ist doch in Ordnung – selbst wenn es am Ende doch ins Wasser fällt. Nun bleibt nur die Hoffnung an die Vernunft der Grillenden... (vgl. SZ)