Hier findet ihr Bilder aus Dresden und der Umgebung (insbesondere Pirna).
- Marx plant Murks (in Dresden) (René, 16.08.2009)
Nein, es geht nicht um Karl Marx oder diese MLDP. Der Dresdner Baubürgermeister heißt auch Marx und hat in der dieser Woche seine Verkehrsvisionen von Dredsen verkündet:

(Grafik von Umgebungsgedanken direkt eingebunden, von SZ-Online)
Die wichtigsten: vier neue Tunnelbauwerke, drei davon im Zentrum. Und eine weitere Elbquerung im Bereich des blauen Wunders, also ehemaliges Weltkulturerbegebiet. Damit es nicht so aussieht, daß man nur den Autoverkehr fördern will, tendiert man dazu, die Willsdruffer Straße zur Fügängerzone zu erklären.
Wie konnte das passieren?
Nun, zunächst wurde die »Hauptabteilung Mobilität« aufgelöst, da der Leiter nicht nur den Autoverkehr im Blicke hatte. Verbesserungen konnte man bspw. in den vergangenen Jahren durchaus sehen: so erhielt die Petersburger nun durchgehend einen Radweg. Vorher endete er auf der Bürgerwiese und durch den Tunnel am Pirnaischen Platz mußte das Gebiet eher weitläufig umfahren werden. Interessant ist, daß die Fraktionschefin der (selbsternannten) »Partei der Ewiggestrigen«, Christa Müller, durchaus die politische Absicht zugibt:
Die Prioritäten Ritschers gefielen uns nicht.
Nun gut.
Die Willsdruffer Straße zur Fußgängerzone zu erklären, mag zwar eine nette Idee sein – nur wie soll das gehen, wenn man gerade erst die Zufahrt zu einer neuen Tiefgarage in diesen Bereich gelegt hat? (Wieviel Tiefgarage fehlt eigentlich, um vom Hauptbahnhof komplett unterirdisch bis zur Frauenkirche durchlaufen zu können?)
Der Tunnel am Pirnaischen Platz scheint alte Ideen wieder aufleben zu lassen. Als die Petersburger Straße gebaut wurde, wurde diese mit einem breiten Mittelstreifen versehen. Fast wie ein kleiner Park in der Mitte der Straße, der bedingt durch Straßenlärm keinerlei Erholungsfunktion bietet. In der Sächsischen Zeitung vom 15.08. fand sich folgender Leserbrief von einem Herrn Ramb:
Bereits in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts gab es zu diesem Problem und dessen Lösung konkrete Vorstellungen. So war vorgesehen, die Hochstraße Budapester Straße über den Dr.-Külz-Ring, Georgplatz, Pirnaischen Platz bis zur Carolabrücke weiterzuführen. Aus Geldmangel wurden die Arbeiten jedoch eingestellt.
(Leider schlägt der Autor des Kommentars den Bau dieser kompletten Hochstraße vor – was aus stadtästhetischen Aspekten noch schlimmer ist)
Und nun, nachdem Unesco weg ist, gleich die nächste Brücke zu bauen, mag etwas eigenartig sein. Und dann noch mit Argumenten, die man bei der Waldschlößchenbrücke unter die Leute geworfen hat: die Entlastung des blauen Wunders.
Siehe auch:
- Die Bebauung der Pirnaischen Vorstadt (René, 16.08.2009)
In meiner alten Dresdner Wohnung in der Pirnaischen Vostadt (Zirkusstraße, Mathildenstraße, ...) waren die Keller sehr verwinkelt und hatten teilweise sogar Gewölbe gehabt. Und dabei stammen die dortigen Gebäude aus den 50er Jahren. Eine Erklärung fand ich nun in einem Reiseführer, welcher nicht nur die touristischen Ziele vorstellt:
Der Wohnungsbau begann 1951 an der Grunaer Straße und verlief in mehreren Etappen, die heute noch an den unterschiedlichen Bauweisen erkennbar sind. In diesem Wohnviertel spiegeln sich die geringen technischen Möglichkeiten der Bauindustrie in den 1950er Jahren wieder. Um die Kosten für den Abbruch der alten Hauskeller einzusparen, baute man die vier- bis fünfgeschossigen, sehr einfach gestalteten Häuser in einigem Abstand zur Straße. Davor, auf den alten Hausfundamenten, legte man breite Grünstreifen an.
Das erklärt dann auch, warum die Häuser – obwohl sie zur gleichen Zeit errichtet und eine einheitliche Fassade haben, völlig unterschiedliche Grundrisse im inneren hatten.
- Ausbau des Individualverkehrs (René, 01.07.2009)
Beim Trio gefunden: ein Interview mit Helma Orosz (auch bekannt als Miss Piggy):
Frage: Ist der Ausbau des Individualverkehrs nicht eine Politik aus dem vergangenen Jahrhundert?
Orosz: Nein.
Ich habe mir den ganzen Mitschnitt angetan. Das war eine der wenigen Fragen, bei der sie nicht erst groß herumeierte. Und so braucht man sich auch nicht über die Petition des ADFC zum zügigen Ausbau der Königsbrücker wundern (nach jahrelangen Streit ist der Stadtrat zu einem Kompromiß gekommen, bei dem die Straße nicht vierspurig ausgebaut werden soll – und das widerstrebt ihr nun)
- Weltkulturerbe adé (René, 26.06.2009)

Nun ist es geschehen: Dresden wurde das Weltkulturerbe aberkannt.
Viel gibt es nun nicht mehr dazu zu sagen. Man kann sich vielleicht noch mal bei der CDU, der sächsischen FDP und dem ADAC für ihr großartiges Engagement im unermüdlichen Kampf gegen die Dresdner Elbwiesen bedanken.
Einige Stimmen von bekannten Bloggern vor Ort:
Als »Trost« ist nun ein zweiter Anlauf geplant, allerdings mit kleinerem Gebiet geplant. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, aber was soll denn Miss Piggy sonst sagen?
Und die gute Nachricht zum Abschluß: das Wattenmeer an der Nordseeküste wurde zum Weltnaturerbe erklärt!
- Fête de la Musique vs. Bunte Republik Neustadt (René, 22.06.2009)
Am vergangenen Wochenende wurde in Dresden wieder die »Bunte Republik Neustadt« ausgerufen – und dieses Mal wohl ohne Ausschreitungen. Die Sächsische Zeitung berichtet drüber:
Spontane Gags, die für viele Besucher den Reiz der BRN ausmachten, sind heute dank der schnellen Truppe vom Ordnungsamt kaum noch möglich. Was nicht angemeldet ist, kostet bis zu 500 Euro Strafe. [..]
Auch bei den Anwohnern, die vor ihren Häusern verkauften, maßen die Leute vom Ordnungsamt millimetergenau nach, ob die Standgrößen eingehalten wurden.
Wenn nicht gerade das Spontane der Reiz dieser Veranstaltung war, so kann man den Artikel einer Todeserklärung der BRN gleichsetzen. Das Satire-Magazin BILD untermauert das mit gelungenen Sarkasmus (Oder meinen die das ernst?).
Das es anders geht, zeigt Berlin mit der »Fête de la Musique«. Hier erlaubte die Verwaltung das »Musizieren auf allen öffentlichen Straßen, Plätzen sowie in Park- und Grünanlagen am 21.06.2009, 16:00 Uhr – 22:00 Uhr im gesamten Berliner Stadtgebiet«, ausdruckbar als PDF.
Update: Das Ordnungsamt hat Stellung genommen:
Erst einmal waren wir zufrieden, dass Medien mangels Krawallen uns ins Visier genommen haben. Allerdings ist die Darstellung so nicht ganz korrekt.
Wir haben gewerbliche Aktivitäten tatsächlich nur zugelassen, wenn sie angemeldet waren. Die Hausgemeinschaft, die spontan vor der eigenen Haustür aktiv wurde, indem sie Tische und Stühle herausgestellt hat oder auch Kinder die mit altem oder überzähligem Spielzeug getrödelt haben, wurden geduldet.
- Vom Protestklo zum Pflanzenkübel (René, 18.06.2009)
Vielleicht erinnert sich noch jemand an die Dresdner Protestklos?. Sie haben Wirkung gezeigt. Zweieinhalb Monate später veröffentlicht die Stadt die folgende Pressemitteilung:
Heute, 17. Juni stellt das Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft fünf weitere neue Pflanzkübel auf. Die Kübel finden ihren Platz am Postplatz in unmittelbarer Nähe zu den vorhandenen Bänken vor dem SAP-Gebäude. Bepflanzt werden die Kübel unter anderem mit Schmucklilien. Ein Kübel mit Einsatz und Bepflanzung kostet etwa 1700 Euro. Das ist eine weiterer Schritt im Rahmen des Konzeptes »Aufwertung Innenstadt«.
Ich kann mich der Ruhestörung nur anschließen: so eine Meldung hat eher den Charakter von sehr harten Sarkasmus.
- Zwei Plätze - zwei Wirkungen (René, 11.05.2009)
Bezugnehmend zur Debatte um den Postplatz: Finde den Unterschied zwischen den beiden absolut zentral gelegenen Brunnenanlagen:


Richtig: der zweite Brunnen bietet Sitzmöglichkeiten. Deshalb verweilen da auch Leute.
(Lizenzhinweis zum oberen Bild: Quelle, CC-Lizenz)
- Der VVO-Hack (René, 04.05.2009)
Tarifsysteme für den öffentlichen Nahverkehr sind schon eine Wissenschaft für sich. Und da gibt es Dinge, die kann man verstehen – man muß sie aber nicht. Beispielsweise gibt es in Dresden (VVO) eine Fahrtkarte der Preisstufe 4 und die Vierer-Karte. Entwertet man letztere komplett, gibt es keinen Unterschied zur Preisstufe 4 – es kostet nur 6,50 Euro anstelle von 7,00 Euro.

Und während ich mir am Wochenende mal Gedanken am Bahnhof Pirna gemacht habe, fiel mir folgender Trick ein:
Nehmen wir an, es starten zwei Personen in Coschütz, Max will zum Bahnhof Neustadt (eine Tarifzone), Moritz nach Radebeul (2 Zonen). Korrekt bräuchte Moritz eine Karte der Preisstufe 2 oder zwei Streifen der Viererkarte. Max dagegen die Preisstufe 1 oder ein Streifen auf der Viererkarte. Macht in Summe drei Streifen.
Würden Max und Moritz mit zwei Streifen auf der Vierer-Karte ihre Fahrt beginnen, haben sie im Falle einer Kontrolle ausreichend entwertet. Nun trennen sich ihre Wege und Moritz steigt in die S-Bahn ein, er könnte mit diesen zwei Streifen sich auch alleine in der nächsten Tarifzone dazu legitimieren – vor allem nach Wechsel des Verkehrsmittel weiß keiner, daß diese Karte zuvor Max mitbenutzt hat.
(Selbst wenn Moritz nicht nach Radebeul, sondern innerhalb der Preisstufe 1 nun nach Weixdorf fahren möchte, kann er nun durch die zwei Streifen 90 anstelle von 60 Minuten fahren).
Ich möchte an der Stelle natürlich nicht zum Tricksen animieren. Ich möchte nur zeigen, daß selbst seit Jahren etablierte Tarifsysteme Schwachstellen haben können.
Übrigens: im Verkehrsverbund Berlin/Brandenburg ist so ein Trick ausgeschlossen!
(Bild wurde am S-Bahnhof Yorckstraße aufgenommen)
- Von öffentlichen Toiletten und Teppichklopfstangen (René, 01.05.2009)
Am ersten April werden bekanntlich viel gescherzt, nur einer dieser Scherze war keine Zeitungsente: ein Unbekannter stellte auf dem Dresdner Postplatz eine mit Blumen bepflanzte Toilette ab, dahinter ein Schild mit durchaus zutreffenden Aufschrift:
Scheiße gebaut, Stadt versaut
Und wenn man sich heute den Postplatz anschaut, so wird man diese Aussage auch nicht leugnen können. Leider stand dieses »Denkmal« nur für kurze Zeit, denn die Stadtverwaltung hat dieses Klo »sichergestellt«. So richtig zum Politikum wurde die Toilette, als sich Schauspieler Uwe Steimle reingehangen hat und bei der Stadtverwaltung die (Achtung Neudeutsch:) »Installation« gegen Lösegeld abgeholt hat. Und seit dem macht dieses Klo nahezu jeden Tag irgendeine Schlagzeile.
Interessant ist, daß dieses Klo auch im Rathaus angekommen ist. Zumindest scheinen da auch gleich die »betroffenen Hunde zu bellen«, wie bspw. Lars Kasper (CDU-Chef):
Die Stadt darf nicht zur Betonwüste mit technisch unausgereifter Brunnenarchitektur wie am Postplatz verkommen.
(via DNN-Online, 20.04.2009)
Währenddessen legt auch gleich der Schauspieler zusammen mit Tom Pauls (Ise Bähnert) nach und funktionieren die Brunnenarchitektur am Postplatz zur Teppichklopfstange um. Auch wenn es altmodisch klingt: vielleicht sollte man doch lieber einen gewöhnlichen Brunnen mit Steinen und Ornamenten hinstellen...
Aber auch aus anderen Stadtteilen gibt es interessante Neuigkeiten: im Februar hat der Stadtrat das Aus für den Löbtau-Boulevard beschlossen. Nun kommt durch ein neues Gutachten wieder Wind in die Debatte: zum einen fehlt der Platz, da die zugehörigen Gebäude der Passage bereits gebaut sind, zum anderen wird die Ampel der Engpaß. Wenn jemand das Gutachten haben möchte: ich habe es griffbereit! (via Sächsische Zeitung. Wer das Gutachten haben will: Melden!).
Aktualisierung: Die Aktion hat erst Nachahmer gefunden, vier neue Toiletten im Dresdner Zentrum. Eine wunderbare Idee für ein Flash-Mob!
Aktualisierung, die 2.: Eins der vier neuen Protestklos stand zumindest am Sonntag noch – und zwar am Wiener Loch:

Aktualisierung, die 3.: Und noch ein weiteres Protestklo auf der Prager Straße.
- Der Zug nach Kötzschenbroda (René, 07.04.2009)
Entschuldigen Sie, vielleicht kennen sie den Sonderzug nach Pankow. So ein Lied von Udo Lindenberg, in dem er sich über Honecker amüsierte. Nun entdeckte ich eher zufällig, daß das Lied nicht wirklich aus seiner Feder stammt. Die Melodie selber stammt aus Big-Band-Zeit von Glenn Miller.
Interessanter ist dagegen, daß diese Melodie bereits in den 40er Jahren einmal auf Dresden bzw. dessen Umland gewidmet war: und zwar Kötzschenbroda, heute Teil von Radebeul. Und zu dem Lied hat sich bereits ein Mythos entwickelt: der Bahnhof Kötzschenbroda soll nach dem Zweiten Weltkrieg der einzige noch intakte Bahnhof im Dresdner Umland gewesen sein – und somit endeten Züge aus Berlin an diesem Bahnhof mit dem witzigen Namen. Daher die Idee, die Transportbedingungen der Bahn aufs Korn zu nehmen. Die Geschichte ist allerdings schon dahingehend kurios, denn der Bahnhof wurde noch während des Krieges in »Radebeul – West« umbenannt. Dazu hat sich in einer anderen Quelle selbst Ingolf Roßberg ausgelassen.
Verzeihn Sie, mein Herr,
Fährt dieser Zug nach Kötzschenbroda?
Er schafft's vielleicht,
Wenn's mit der Kohle noch reicht.
Ist hier noch Platz,
In diesem Zug nach Kötzschenbroda?
Das ist nicht schwer,
Wer nicht mehr stehn kann, liegt quer.
Ja, für Geübte ist das Reisen heute gar kein Problem.
Auf dem Puffer oder Trittbrett steht man bequem.
Und dich trifft kein' Fußtritt, Fährst du auf dem Dach mit,
Obendrein bekommst du dort noch frische Luft mit!
Morgens fährt der Zug an Papestraße vorbei,
Mittags ist die Fahrt nach Halensee noch nicht frei.
Nachts in Wusterhausen Läßt du dich entlausen
Und verlierst die Koffer auch noch leider dabei. [..]
Zum kompletten Liedtext. Eine Neuauflage mit verändetem Text.
Was ich dabei nicht verstehe, ist die Reihenfolge der Bahnhöfe: Papestraße – Halensee – Wusterhausen.
(Übrigens: Etwas östlich von Pankow liegt der Lindenberg)