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Campingplatz Margarethenhöhe in Pönitz

Auf Fehmarn überlegte ich schon, wo ich die folgende Nacht verbringen könnte – und hatte schon einen Zeltplatz im Blick: Den von meinem Namensort Pönitz. Oder genauer Pönitz am See direkt am Großen Pönitzer See. Was könnte es treffenderes geben als dort eine Nacht zu verbringen? Allerdings wusste ich aber noch nicht, ob ich den Ort erreichen werde – insbesondere da die Runde auf Fehmarn doch etwas größer wurde als gedacht (nach ca. 50 Kilometern war ich gerade mal so auf der Fehmarnsund-Brücke).

Als ich in Grömitz pausierte und sich doch abzeichnete, versuchte ich den Campingplatz anzurufen. Es ging keiner ran. Ich steuerte ihn trotzdem an. Als ich ihn gegen 21:00 Uhr erreichte, war niemand da. Die Öffnungszeiten waren nur bis 18:00 Uhr. Das ist ungewöhnlich kurz (um nicht zu sagen: Ich habe keinen anderen auf meiner Reise mit so kurzer Öffnungszeit gesehen. Auf der Webseite fand ich dazu keinerlei Hinweise). Ein Zettel an der Rezeption besagt, dass späteres Einchecken nicht möglich sei.

„Mist”, dachte ich. Aber es gab eine Notfall-Rufnummer. Ich wählte sie. Aber niemand ging ran. Ich checkte schon nach anderen Plätzen in der Nähe, als eine Frau hineinlief. Wir kamen kurz ins Gespräch. Sie sah, dass ich mit dem Fahrrad da war – und bot mir freundlicherweise an, auf ihrer Parzelle mein Zelt aufzuschlagen. Sie meinte, sie schöpfe ihren Platz nicht aus. Oder wie man sagen könnte: Platz auf der kleinsten Wiese. Zu fortgeschrittener Stunde habe ich da nicht lange nachgedacht und habe das Angebot angenommen. Wir unterhielten uns über die Reise – und dass mein Name wie der Ort heißt. Sie organisierte sogar noch einen Dusch-Chip. Falls die Frau es lesen sollte: Ich möchte mich noch einmal bedanken (Und falls sie kommentieren möchten: bitte nicht mit ihrem echten Namen)

(Aus Gründen gibt es vom Platz dieses Mal kein Bild)

Am nächsten Morgen meldete ich mich an der Rezeption, um die Nacht zu bezahlen. Es saß ein Herr und eine Frau da. Ich habe mit folgenden Worten gerechnet:

Herzlich Willkommen. Und vielen Dank, dass du dich meldest. Ich hoffe, du hattest einen guten Schlaf.

Warum ich das so schreibe? Als Kommunikations-Tipp für die Zeltplatzbetreiber. Was kam stattdessen?

Welche Parzelle war das? Die können abreisen!!!

So ein Wortlaut ist nicht nur unfreundlich. Du weißt, du hast es gerade mit Menschen zu tun, die entweder mit dem falschen Bein aufgestanden sind oder einen leichten Mangel an Empathie aufweisen. Oder beides. Es ist auch taktisch irgendwie doof. Weil selbst wenn ich die Parzellennummer wüsste: Würde sie ich dann noch verraten? Natürlich könnte ich nun irgendeine Nummer nennen, Ui, das wäre lustig, wenn die sich dann mit vermeintlich Unbeteiligten streiten. Nur nicht für die Unbeteiligten. Also meinte ich daraufhin nur kühl:

Ich kann auch so weiterfahren.

Uh, da waren sie aber ganz aus dem Häuschen.

Dann rufen wir die Polizei!

Ich erwiderte nur:

Tun sie, was sie nicht lassen können. So ein Polizeieinsatz am letzten Tag meiner Reise gibt noch etwas Würze in meinem Reisebericht!

Die Kommunikation erwies sich als äußerst schwerfällig und unerfreulich. Ich hätte mir lieber fünf Minuten Smalltalk zum noch tristen Grau des Morgenhimmels gewünscht. Aber das bot sich dann leider nicht an. Die Frau legte nach:

Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus.

Ich erwiderte nur:

Dass müsste ich eigenlich sagen. Denn die Unfreundlichkeit geht nicht von mir aus!

Ich halte also noch mal fest: Ich hätte zum unteren Tor am See auch heimlich, still und leise verschwinden können (Pro-Tipp für alldiejenigen, die da auch mal stranden sollten!). Stattdessen melde ich mich anstandshalber und bin bereit zu zahlen – und bekomme so eine geballte Ladung an Unfreundlichkeit entgegen geworfen, die ich zugegebenermaßen die letzten drei Wochen nicht vermisst habe. Und vor allem: Die Betreiber merken es nicht einmal, wie sehr ihre Tonart neben der Spur ist.

Es werden noch „Probleme” angeführt mit ihrer Parzellierung, über die man ja nicht diskutieren müsse. Ich fragte, welche das seien. Genannt wurden keine. Also zumindest nichts, was irgendwie logisch nachvollziehbar ist, denn ich lag ja auf ohnehin schon vergebenen Bereich. Dann wollte sie meinen Personalausweis sehen. Dummerweise kenne ich nun das Bundesmeldegesetz (Siehe Abschnitt 5) besser als sie – und weiß, dass die Beherbergungstätten dieses Recht nur bei ausländischen Besuchern haben.

Die Frau legte mir den Meldeschein vor, inklusive Kurkarte. Ich merkte noch an, dass eigentlich nur die Person abzurechnen sei, da ich ja keinen eigenen Stellplatz in Anspruch genommen habe. Zugegeben war diese Anmerkung provokativ, denn ich wusste ja auch vorher, wie teuer dieser Platz ist. In den Augen der Frau erkenne ich, dass es ihr nur noch um die Euronen ging. Und sie drohte wieder hektisch mit der Polizei. Und fuchtelte auch schon mit dem Telefon in ihrer Hand herum. Nur letztendlich getraut hat sie sich dann doch nicht. Schade.

(Zugegeben: Da es der letzte Tag der Reise war und nur noch 90 Kilometer vor mir lagen, hätte mich das Warten auf die Polizei nicht weiter gestört. Also falls sie überhaupt wegen dieser Lapalie rausgefahren wäre – mancherorts haben die auch Wichtigeres zu tun, als Kindergartenbetreuer zu spielen. An allen anderen Tagen hätte mich ne Stunde Zeitverschwendung nur am Reisefortschritt aufgehalten.)

Ich attestierte ihnen noch, dass mir das bei den anderen 21 Zeltplätzen nie so eine Unfreundlichkeit entgegensprang. Das wollten sie nicht hören. Aber das war mir egal.

Nach der Bezahlung fuhr ich zum unteren Ausgang am See – und kam noch mit anderen Gästen ins Gespräch. Die waren auch sehr verwundert über diese Kommunikationsformen. Einer meinte noch: „Naja, haben vielleicht auch schlechte Erfahrungen gemacht.” – Das kann ja sein. Aber es ist auch ein Unterschied, ob ein Fahrradcamper da abends sein Zelt aufbaut, wo Platz ist, niemanden stört und morgens, bevor er verschwindet, noch bezahlen will, oder ob jemand mit Campingwagen und voller Montur sich da ausbreitet.

An sich ist der Campingplatz aber in Ordnung. Nicht zu groß und sehr idyllisch am See gelegen. Die sanitären Einrichtungen sind aber soweit in Schuss. Sollten die Betreiber mal wechseln: Gerne eine Notiz an mich!

Vielleicht noch drei Mankos:

  • Feste Kopfüber-Duschen sind ein Relikt von Campingplätzen, die es immer wieder mal gibt. Keine Ahnung, wer mal dachte, dass das toll ist. Praktisch ist es jedenfalls nicht. Gab es auch immer wieder mal auf meiner Tour. Hier auch. Hier war nur der Duschstrahl auch noch so eingestellt, dass möglichst viel Wasser neben dir landet.
  • Die Küche ist ab 21:00 Uhr geschlossen (Warum schließt man so etwas überhaupt ab? Denkt man, da klappert um Mitternach jemand noch laut mit den Töpfen? Trauen die das ihren Gästen wirklich zu?)
  • Und das neue, toll angepriesene W-LAN kostet selbstverständlich. Wir sind in Deutschland. (Dummerweise liegt der Zeltplatz auch noch in einem Funkloch, wo ich auch über Mobilfunk überhaupt keine Daten durchbekam. Das war in soweit schlecht, als dass ich mich abends immer schon etwas auf die Tour des nächsten Tages vorbereite. Für diesen Standortnachteil kann der Campingplatz aber nix.)

Nun bin ich ja ein positiv denkender Mensch – und versuche auch hier das Positive zu sehen. Ohne die 15,50 Euro (inklusive der 2 Euro Kurtaxe) hätte ich gar kein blutdruckerhöhendes Erlebnis auf meiner Reise gehabt. Das wäre doch schade gewesen. Und für diese Story war es das auf jeden Fall wert. Und so ganz kurz vorm Abschluss der Reise holen sie mich auch gut in den Alltag in Deutschland zurück: Hier muss man mit solchen Menschen rechnen.

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