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Skript Version 1.10 vom 08.03.2016 (Prod)

Mit dem Rad zur Arbeit

Als es nach Hamburg ging, stand auch die Wahl des passenden Verkehrsmittels zur Debatte. Diese war in Berlin sehr einfach, da ich mit dem Fahrrad binnen 5 Minuten in der Firma war. In Hamburg beträgt die Strecke derzeit ca. 20 Kilometer.

Dass der öffentliche Nahverkehr in Hamburg schon extrem grenzwertig ist, ist kein Geheimnis. Wenn es über die Elben geht, dann erst Recht, da vor allem beim Bau der S3 viele Unterwegshalte geschlossen worden sind. Das hieße dann ab Rathaus Harburg oder Harburg mit dem Bus weiter.

Multimodal mit Stadträdern kann man in Harburg dann auch vergessen, da die Stationsdichte einfach unzureichend ist.

Multimodal mit eigenen Rad kann man auch vergessen, da es Sperrstunden im Berufsverkehr (von der Überlast mal ganz zu schweigen) gibt.

Mit dem Artikel möchte ich die Strecke mit dem Fahrrad aufzeigen. Ja, es geht. Es dauert auch gut eine Stunde. Es gibt schöne Bereiche, vor allem zwischen S Veddel und Alter Harburger Brücke. Aber es gibt auch lästige Bereiche.

Im groben habe ich den Weg auf dieser Skizze aufgezeigt:

Nördlich der Elbe

Richardstraße

Die Richardstraße ist eine kleine überschaubare Straße. Mit beiseitigen Streifen in Doring-Zonen:

Wandsbeker Chaussee

Auf der Wandsbeker Chaussee begrüßen einen jede Menge Wackelplatten. Und häufig auch Hinternisse. Dieses Mal stehen nur Mülltonnen herum, mal parkt ein Auto quer und sehr gerne können Fußgänger die Farben nicht unterscheiden:

Hinter der Kreuzung Wartenau wird’s dann ziemlich eng, weil der Radweg Slalom um zwei Bäume macht. Dann fehlen zwei Platten, deren Kanten man deutlich im Reifen spürt. Der Fußweg verengt.

Da aber gerade Porsche seine Prestige-Zentrale baut, ist der Steinhauerdamm derzeit für Radverkehr in Fahrtrichtung Berliner Tor gesperrt. Bei drei Fahrspuren in dieser Richtung! Also Umweg über Angerstraße und Bürgerweide.

Kreuzung Wallstraße / Bürgerweide

Ampelkreuzung mit doppelter Wartezeit für Radfahrer. Die erste Wartephase, um die Rechtsabbieger der Bürgerweide zu kreuzen. Sie zweite für die hier beginnende Wallstraße.

Bürgerweide / Berliner Tor

Auf Wackelplatten geht’s den Berg herunter – und mit ordentlich Tempo zwischen Ausgang der S-Bahn, Fußgängerampel und Bushaltestelle. Hohes Konfliktpotential. Durch die Lage der Fußgängerampel und das Wartehäusschen können Fußgänger auch kaum den Radweg einsehen. Konflikte vorprogrammiert.

(In der Gegenrichtung noch schlimmer, weil Fußgänger keinen Platz an der Ampel Fußgängerampel haben. Zudem noch holpriger)

Heidekampsweg

Der Heidekampsweg ist leider schon eine alternativlose Strecke. Es gibt Parallelen wie den Ausschläger Weg, doch die machen noch weniger Freude.

Hier ein positives Beispiel: Er wartete noch und schaute umher. Alle machen das da leider auch nicht.

Zwischen den Kreuzungen Wendenstraße und Süderstraße herrscht rote Welle für Radfahrer insbesondere da das Signal für Radfahrer extrem kurz ist.

(Funfact: Man erkennt an der Kreuzung Wendenstraße sehr wohl die Radfahrenden, die da häufiger lang fahren. Sie befahren den Abschnitt auffallend langsam)

Billhorner Brückenstraße

Eine extrem gefährliche Ampelschaltung:

Die Rechtsabbieger von der Billhorner Brückenstraße sind an der Ampel bereits baulich getrennt und haben ein volles Signal. Dieses schaltet nahezu zeitgleich mit den Radfahrern grün. Nun ist es Auslegungssache, ob die abbiegenden Fahrzeuge dann noch Abbiegen im Sinne der StVO oder schon zuvor abgebogen sind.

Es sind genau solche Kreuzungen, wo man für den Radverkehr gleich eine komplette Brücke widmen könnte, um die gesamten Kreuzung zu passieren.

Zwischen den Elben

Elbbrücken

Es gibt für Radfahrende im gesamten Hamburger Stadtgebiet exakt 3 Querungsmöglichkeiten über die Norderelbe (ohne Fähren):

  • Alter Elbtunnel
  • Freihafenelbbrücke
  • Billhorner Brückenstraße (am Ende der Autobahn).

Wenn man bedenkt, dass die beiden letzten direkt nebeneinander liegen, sind es auch nur 2. Vom Hamburger Osten aus sind die Elbbrücken nicht vermeidbar.

Der Radweg ist wellig und extrem schmal. Es ist kein Überholen möglich (auch wenn es einige meinen, es geht doch irgendwie). Schlimmer noch: die beidseitigen Radwege werden häufiger durch Geisterfahrer befahren.

Unmittelbar westlich der Brücke ist noch am Südufer ein alter Brückenpfeiler zu sehen – Wie toll wäre, wenn hier eine Radfahrerbrücke entstehen könnte?

Veddeler Marktplatz

Nach den Elbbrücken erwartet eine Meisterleistung jüngsten Datums an verfehlter Radverkehrsführung:

Man wird auf eine kleine Straße geführt, eine kleine Sackgasse – in die laut Bemalung weder rein- noch rausgfahren werden darf. Es gibt einen Sreifen, der zu einer Radfahrerampel führt. Es sind die Momente, wo man über die StVO sinnieren kann. Muss ich zwingend dieser Bemalung folgen? Nein. Nun stehe ich vor einer Kreuzung, die ich nicht befahren darf und doch (weil es eine Sackgasse ist) muss. Und für diese Seite gibt es auch keine Ampel.

Nutzt man dagegen diese Radfahrerampel, so hat man hier das Konstrukt der doppelten Bettlerampel. Man muss zweimal warten. Der zweite Betteltaster ist vom Radweg nicht zu erreichen. Also doch lieber die Fahrbahn am Bahndamm?

Hier kommt hinzu, dass die von Links fahrenden Autos nicht einsehbar sind.

Loop

Einmal quer durch Veddel, dann beginnt eine Perle des Radverkehrs in Hamburg: der Loop!

Die nächsten Kilometer gehen auf asphalitierten Strecken, die auf vielen Abschnitten auch als Zufahrtswege für Kleingärten genutzt werden, jedoch stets für den Kfz-Verkehr gekappt sind. Soll heißen: Man kann da mal nem Auto begegnen, aber eher selten.

Hier kann man wirklich mal seine Kondition ausleben lassen, ohne ständig im Rundumblick sein zu müssen.

Leider, auch das muss man hier ehrlich sagen: Die Wurzelschäden kommen so langsam. Die erste Stelle wurde sogar schon ausgebessert oder sagen wir verschlimmbessert. Statt Wurzeln gibt es Wellenpiste.

Entlang der Wilhelmsburger Reichsstraße. Noch vor Monaten war es hier idyllisch grün. Aber weil die Reichsstraße ja verlegt wird, sind auch in diesem Bereich massiv Bäume gerodet worden.

Rathaus Wilhelmsburg

Erst im letzten Jahr wurde die Kreuzung am Rathaus Wilhelmsburg umgebaut – und doch ist es ein Desaster erster Güte:

Es gibt einen schmalen Radstreifen und nach der Ampel gibt es eine Radfahrerampel, um in den Park zu kommen. Das heißt: erst muss an der Ampel mit den KfZ gewartet werden, um nach wenigen Metern auf dem Radfahrstreifen zu warten, um da mit der Fußgänger/Radfahrerampel die Fahrbahn zu queren. Radfahrer müssen hier also Radfahrer behindern, es gibt keine Aufstellfläche.

Wesentlich einfacher (und ampelphasenschonender) ist hier das Benutzen der Fahrbahn über den Linksabbieger.

In der Gegenrichtung kann man diese Kreuzung nicht durchgehend legal befahren, da die Ampel etwas versetzt zum Loop ist. Würde man legal fahren, wären die Umwege schon enorm (für ca. 10 Meter fehlenden Radweg).

FanFact: Als diese Kreuzung freigegeben wurde, waren die Bordsteinkanten bei der Ampel zum Park schmerzhaft hoch, da wurde nun Asphalt drangeklatscht, also notdürftig ausgebessert.

Inselpark bis Alte Harburger Brücke

Es folgen wieder entspannte Kilometer quer durch den Inselpark. An der Anschlussstelle Wilhelmsburg-Süd gibt es keinen Tunnel für Radfahrer. Sehr angenehm.

Am Ende trifft die Straße den König-Georg-Deich, wo es wieder holpriger und unübersichtlicher wird.

Ein optisch schönes Bauwerk ist die Alte Harburger Brücke, die nur noch für Radfahrer und Fußgänger freigegeben ist. Der Asphalt auf der Brücke hat Blasen. Die südliche Abfahrt besteht aus übelsten Kopfsteinpflaster. Wozu?

Südlich der Elbe

Südlich der Elbe gibt es nun drei sinnvolle Strecken:

  • Über die Harburger Hafenschleuse und weiter größtenteils entlang des Deiches
  • Über Nartenstraße und weiter über Holzhafen
  • Über Nartenstraße, Harburger Schlossstraße, Unterführung, Buxdehuder Straße.

Hier folgen Szenario 2 und 3:

Nartenstraße

Die Hauptrichtung der Radfahrer am Ende der Alten Harburger Brücke ist die Nartenstraße. Eine Straße ohne jegliche Radinfrastruktur, dafür mit ordentlich Schwerlastverkehr und vielen Radfahrern.

(Die Alternative wäre hier die Hannoversche Straße. Deren durchgehenden Radweg ist in einem miserablen Zustand).

Holzhafenbrücke

Die Holzhafenbrücke ist nur noch für Fußgänger passierbar und kürzte das Gebiet durch verkehrsarme Straßen ab. Dafür gibt es nerviges Kopfsteinpflaster:

(Jo, ist denn schon wieder Weihnachten?)

Seehafenstraße

Die Seehafenstraße ist eine gefährliche Hauptstraße mit viel Schwerlastverkehr. Man kann auf dem Fußweg fahren, stellenweise gibt es dafür Radwegbenutzungspflicht. Doch dieser ist mangels Grundstückszufahtren nicht minder gefährlich.

Der Abschnitt wäre nicht so dramatisch, würde es gleich an der Kreuzung einen Bahnübergang über die Gütergleise geben. Auf der anderen Seite liegt sogar 1A-Asphalt bei der Graffitimeile.

Deich

Es wird wieder angenehmer: der Borstelbeker Hauptdeich. 1A-Belag. Richtig breit. Einfach treten. So müssen Radschnellwege aussehen!

Leider liegt mit Abstand Hamburgs bester Radweg für viele Menschen in Hamburg nicht auf dem Weg.

Moorburger Bogen

Am Ende des Deiches folgt der Moordburger Bogen. Diese Straße hat einen Fußweg, der beidseitig als benutzungspflichtiger Holperradweg ausgewiesen ist. Da am Ende des Deiches aber keine Schilder stehen, ist das Nutzen der Fahrbahn nicht völlig abwägig. Zumal es hier auch noch mal bergab geht.

Variante Harburger Schlossstraße

Eine weitere Variante ist die Querung des Bahndammes in Höhe der Harburger Schlossstraße. Hier gibt es eine beradelbare Unterführung. Soweit so schön.

Am anderen Ende gibt es Cafés. Eins wirbt damit, dass bei Ihnen noch nie ein Fahrrad geklaut wurde:

Aber ich bin noch nicht am Ziel. Ich kann nicht nach links in die Buxdehder Straße einbiegen. Der Umweg über Schwarzenbergstraße hat ordentlich Gefälle. Schwere Frage.

Ab der Seehafenbrücke kann die Straße gequert werden. Dort gibt es nun einen Handtuch-Radweg, der benutzungspflichtig (und aufgrund der Verkehrsmenge auch empfehelenswert) ist:

Dieser wird in die Beifahrer-Doring-Zone geführt – und teilweise parken Autos drauf.

Sprich: so schnell wie möglich verlassen über Unterelbstraße. Zunächst wenige Meter übelstes Kopfsteinpflaster, dann Asphalt auf Nebenstraße. Bis zu diesem kleinen, ulkigen Bahnübergang:

Ab da dann weiter entlang des Deiches.

Fazit

Hamburg ist keine Fahrradstadt. Davon ist sie noch Meilen entfernt. Das traurige ist nur: es wird so bleiben. Selbst die jüngsten Baumaßnahmen machen deutlich, dass diese Verwaltung schlicht keine Ahnung von Radverkehr hat.

Radfahren in Hamburg ist schon eine Zumutung.

(Ich werde demnächst noch einen Artikel machen – dann mit einer Variante über dem Alten Elbtunnel)

Bisherige Kommentare (1)

Kommentar von Christian

Ich habe den südlichen Punkt als Startpunkt interpretiert und den Punkt im Norden als Ziel. Wenn ich diese Strecke bei Komoot.de plane, und als Fortbewegungsform „Fahrrad” wähle… Wie denkst du über diese Strecke nach? Wäre die nicht fahrradfreundlicher?

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