renephoenix.de

öde Musik

Klagekraftwerk

Kaum ein Nachrichtenportal berichtete die letzten beiden Tage nicht über einen Markenstreit zwischen der Band Kraftwerk und einer Firma, die ein kleines Taschenkraftwerk mit Feuerzeugbenzin entwickelte, zu berichten. Für das Dresdner StartUp kann wohl nichts besseres zur Berühmtheit verhelfen. Für die alte Band ist es zugegebenermaßen peinlich – sofern die Meldung stimmt, denn noch scheint die Klage nicht beim Empfänger eingegangen zu sein. Wundern würde es mich nicht – schon im Jahre 2009 musste sich das Bundespatentgericht mit der Verwechselungsgefahr zu einem Kulturkraftwerk beschäftigen.

Right In The Night 2013 vs. 1993

Was habe ich den Titel früher verflucht. Aber nicht wegen dem Lied an sich, sondern wegen meiner Aiwa-Musikanlage von Aiwa. Das Kassettendeck lief nicht sehr präzise und verzerrte ständig die Layenda-Gitarren im Intro. Das Ergebnis: unhörbar! Nein, das Lied selber gefiel mir. Melodie, Rythmus und das Sample passten gut zueinander. Das zugehörige Album „Tripomatic Fairytales 2001” liegt noch bis heute in meinem CD-Regal.

Im Jahre 2013 gibt es eine Neuauflage des Liedes, in dem die damalige Sängerin Plavka erneut singt. Mittlerweile ist Mark Spoon verstorben. Dafür nun mit Rapper im typischen 90er-Jahre-Culture-Beat-Stil, den ich im Original nun wirklich nicht vermisste! Der Auftakt der 2013er Version ist nahezu identisch: nicht nur die Layenda-Sampels, sondern auch das dazugehörige Arrangement – einschließlich des Überganges. Der passt nicht zu der überzogenen Basslinie, die danach die Führung im Lied übernimmt. Überhaupt sind Übergänge keine Stärke der neuen Version, denn diese retten sich in Ruhephasen. Im Refrain gibt es Synthieeffekte im Offbeat, die schon in der Blütezeit des Dancefloors die Spreu vom Weizen trennte.

Videoüberwachung als Sprungbrett in die Musikerkarriere

Für irgendetwas müssen Überwachungskameras ja gut sein — wenn sie schon keinen Sicherheitsgewinn bringen. Die Band The Get Out Clause aus Manchester nutzte die Videoüberwachung aus, um ein Musikvideo zu produzieren. Sie positionierten sich vor 80 Kameras und forderten anschließend die Herausgabe der entsprechenden Mitschnitte — das britische Datenschutzgesetz macht es möglich.

Und das ist das Ergebnis: Paper

Aber sie waren nicht die Ersten: vor einigen Jahren gab es diese Idee auf der anderen Insel schon einmal mit The Frames — Revelate. Und wenn man diese beiden Videos hintereinander betrachtet, kann man auch den Qualitätsfortschritt der Glasaugen von 12 Jahren erkennen.

Wir haben bezahlt - der freie Sampler!

Eine Sammlung von DRM-freier und kostenloser Musik im Netz: Wir haben bezahlt — der freie Sampler.

Darunter sogar bekannte Größen wie Rainbirds (bekannt durch »Blueprint«) und die Smashing Pumpkins. Von letzeren gibt es sogar ein ganzes Album frei zum Herunterladen! (Danke Anderl, vgl. Gulli)

Update: der Regensburger CCC hat auch einen Sampler zusammengestellt.

Groove Coverage, Blank & Jones und Sylver

Hilfe, sie taten es wieder: Groove Coverage (ja, das waren die mit Moonlight Shadow und dem »Stern von Bethlehem«) vergriffen sich diesmal an einen der bekannteren Titel von den Prinzen, »Mann im Mond«. Schon das Original hatte eine ziemlich gerade Melodie (fast alle Silben des Refrains sind Viertelnoten), das kombiniert mit einer piepsigen Stimme und einem einfallslosen Text (»Everybody everywhere please call the dj on the air«) wird das Lied mit Sichereit sehr schnell nervig!

Blank & Jones verkürzten die Halbwertszeit guter Titel und greifen bereits auf Erfolge dieses Jahrtausends zurück. Kosheens »Catch« mußte dran glauben, allerdings versagte die Sängerin klanglos beim Refrain.

Ahja, und Sylver — also die, die es doch einmal schafften, mit eigenen Titeln auch Erfolge zu verzeichnen, griffen auf Abbas »Lay All Your Love On Me« zurück. Reicht es nicht langsam zu mit den Abba-Nachahmungen? Erasure, E-Rotic, A-Teens, dazu zahlreiche einzelne Cover, und dazu ein Dutzend-Abba-Revival-Bands?

Haben Sie es bis zum Ende durchgehalten?

Siehe dazu auch der Spiegel. Oder war das alles nur genial geplant?.

Wie auch immer, liebe Grup Tekkan! Genießt den Rummel um das Lied, vertickt ein paar Scheiben an die Minderheit derer, die euer Lied sich freiwillig bis zum Ende angehört haben — oder gar ein zweites Mal. Aber bitte sprecht nicht von einem Album, professioneller Musikerzeugung oder vom Starsein: lang hält der Rummel nicht! Oder wie Andy Warhol sagte: In the future everyone will be world-famous for 15 minutes.

Update: Doch nicht so genial geplant?

Tokio Hotel in Dresden - Lärmschutz!

Am 15.03. wird die Kindergruppe in Dresden ein Konzert geben. Im Spiegel gab es dazu vor einiger Zeit einen umfangreichen Artikel zum Hype dieser Band, u.a. ging es um die Lautstärke:

»Zwölf Jahre mache ich den Tourzirkus, aber jetzt trage ich das erste Mal Ohrstöpsel«, sagt Richter, und er klingt, als wäre ihm das sehr peinlich. Neulich, bei einem Konzert in der Schweiz, mussten die Tourveranstalter den Lärmpegel messen. Die zugelassene Obergrenze liegt bei 105 Dezibel und wird meist nicht überschritten. Beim Tokio-Hotel-Konzert wurden 126 Dezibel gemessen — während die Band nicht spielte.

(Danke, Nini)

Wo bist du, mein Sonnenlicht?

Kennt ihr noch »Go, Karli Go« der österreichischen Band Erste Allgemeine Verunsicherung?

Go, Karli go!
Der Bub ist jetzt auch im TV!
Wo — das weiß ich nicht genau!

Und das trifft wohl auch auf dieses etwas merkwürdige Lied zu. Und im Spreeblick gibt es schon die Fortsetzung: das erste Cover. Richtig Angst macht mir dagegen die Anmerkung:

(Anmerkung: Die Autoren des Originals könnten sich bitte mal per Mail melden, hier trudeln Anfragen von Plattenfirmen ein.)

Möge dieses dunkle Kapitel zeitgenössischer Musik schnell vorbeigehen. Das Internet hatte auch schon bessere Titel hervorgebracht! (Danke, Jens)

Update: Liebe Grup Dekkan. Der Witz an eurer Musik ist langsam raus, alles was jetzt noch kommt, wird maximal noch peinlich werden!

Apoptygma Berzerk - Shine On

Is das ein besserer Abklatsch von Modern Talking?

Diese Frage mußt ich eben hören, als ich »Shine On« hörte — dem neuen Titel der norwegischen Band Apoptygma Berzerk. Und zugegen: mir kam eher Fancy (auch ein Vertreter der 80er-Disco-Fox-Bewegung) in den Sinn, als ich die Strophen hörte.

Jedenfalls dache ich nicht an jene Band, deren »Paranoia« 1998 zusammen mit »Solitary« von VNV Nation auf meiner Musikanlage in Endlosschleife lief!

Der Titel selber ist lediglich eine Coverversion von The House Of Love aus dem Jahre 1990 und steht bereits auf Platz 13 der deutschen Singlecharts.

(Foto aus Wikipedia, beachte GNU-FDL)