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Bauverbot für Investoren

In Berlin eine Demo? Nichts neues! So auch wieder am vergangenen Samstag auf der Warschauer Straße. Ursprünglich ging es da um Henkels Machtspiele in der Rigaer Straße, aber scheinbar auch um Neubauten. Zumindest deutet folgendes Flugblatt, was wir Stunden später auf besagter Straße zwischen Konfetti fanden.

75 Meter Elbradweg

Ganz, ganz große Sensation in Dresden:

Östlich des Heilstättenwegs soll ein 75-Meter-Abschnitt [des Körnerwegs] im Juli und August dieses Jahres grundhaft ausgebaut werden.

So, die Sächsische Zeitung am 20.04. Ja, 75 Meter! Oder besser: 75000 Millimeter! Anderswo fallen Reissäcke um!

Leider wurden die Erwartungshaltungen vom Vorjahr drastisch gesenkt. Damals hieß es noch in der selben Zeitung:

Dann [2016] nämlich will der Chef des Straßen- und Tiefbauamtes (STA), Reinhard Koettnitz, ein rund 140 Meter langes Teilstück des Weges erneuern lassen. Derzeit ist der unebene Sandsteinbelag, der auf rund 710 Metern liegt, eine Gefahrenquelle für Radfahrer und Fußgänger.

Zuvor gab es Debatten, in wie weit das Denkmalschutzensemble Dresdner Elbtal dafür herhalten kann, dass abgefahrene, holpernde Sandsteine mit all ihren zum Teil auch gefährlichen Fugen nicht erneuert werden können. Dank der Hufeisennase ist es wenigstens keine Unesco-Weltkulturerbe-Diskussion mehr! Es fanden historische Ausgrabungen in den Stadtarchiven statt, doch die ursprüngliche Bauakte zum historischen Leinpfad blieb verschollen. 1908 gab es eine professionelle Umgestaltung, 1951 eine halbherzige Neupflasterung, seitdem nur Verschlimmbesserungen.

Doch der mittlerweile nicht mehr wiedergewählte Baubürgermeister Marx interessierte sich nicht für die Fakten – Denkmalschutz, Denkmalschutz, Denkmalschutz! Aus diesen Gründen wurde jüngst ein Geländer für’s Geländer auf der denkmalgeschützten Albertbrücke installiert. Mit Verlaub: diese Maßnahme sieht weit alberner für ein Denkmal aus als ein vernünftiger Belag am Ufer. Und da traut sich der ADFC noch nicht einmal das Wort „Asphalt” in den Mund zu nehmen.

Aber so hat jede Stadt ihre Großbauprojekte. In Berlin ist es ein Flughafen, in Hamburg ein Konzerthaus, in Stuttgart ein Bahnhof, in Köln ein Straßenbahntunnel und in Dresden ein knapper Kilometer Radweg.

Hasselbrook - Kein Fahrstuhl für die Regionalbahn

Am Hamburger S-Bahnhof Hasselbrook werden Aufzüge installiert:

Das ist schön. Am zweiten Bahnsteig für die Regionalbahn dagegen nicht. Beide Bahnsteige hätte man wunderbar mit einer Baumaßnahme verbinden können.

Erster Gedanke: Wie bescheuert ist diese Deutsche Bahn?

Zweiter Gedanke: Wird der Bahnhof im Zuge der Inbetriebnahme der S4 eingestellt?

Also frage ich bei der Deutschen Bahn einmal nach:

Auf eine zusätzliche Sanierung des Regionalbahnsteiges in Hasselbrook wurde verzichtet. Als Hauptgrund ist der geplante Ausbau der S4 zu nennen.

Da werden über 600 Mio Euro für eine längst überfällige weitere S-Bahn-Linie investiert. Und dann dürfen mobilitätseingeschränkte Menschen an dieser Station nicht zwischen den Verkehrsmitteln wechseln!

Das ist ein Schildbürgerstreich erster Güte!

High-Deck-Siedlung in Neukölln

Willkommen in der Sonnenallee – im letzten Teilstück auf Neuköllner Seite vor der ehemaligen Mauer. Es sieht da absolut nicht so aus, wie uns der gleichnamige Kinofilm einst suggerierte. Es gibt keinen einzigen Altbau. Im Gegenteil: in den 70er und 80er Jahren ist dort eine Wohnsiedlung entstanden: die High-Deck-Siedlung

Alsterradweg und der NDR

Ein Bericht im NDR erhitzt dieser Tage die Gemüter von Fahrradfahrern:

Radweg abgerissen: Radfahrer sind empört

Die Hamburger Behörden gestalten zur Zeit die Radweginfrastruktur rund um die Alster um. Dies ist auch bitter nötig. Auf viel zu schmalen Zweirichtungsradwegen quetschen sich viel zu viele Leute.

Ich fahre öfters mal im östlichen Bereich und bekomme da regelmäßig Panikzustände. Vor allem von Leuten, die meinen, sie können auf der Breite des Weges auch nebeneinander fahren und dabei völlig vergessen, dass die Breite für zwei Richtungen vorgesehen ist!

Im westlichen Teil der Alster schien eine Lösung sehr naheliegend: der Harvestehuder Weg wird zur Fahrradstraße (im Sinne der StVO) umgewidmet (siehe eine Präsentation der Behörde) und der alte Radweg aufgegeben. Die Straße hat ohnehin nur die Funktion als Anwohnerstraße für einige pompöse Bauten und wird im Süden (also Richtung Innnenstadt) durch das US-Konsulat gekappt. Leider gibt es da noch zu viel Schleichverkehr, zu deren Bekämpfung der ADFC auffordert.

Über das grundsätzliche Ziel kann man ja diskutieren. Da kann man auch verschiedene Ansichten haben. Man kann da auch einfach drei Radfahrexperten fragen um vier Meinungen zu bekommen. Doch darum geht es hier gar nicht.

Die Behörde hat den alten Weg abgerissen, bevor der Ersatz fertig ist! Das ist in etwa so sinnvoll, wie Tegel schon mal zu schließen, weil der BER irgendwann eröffnet wird.

Nun haben in dem Video ADFC und die Pressesprecherin der Wirtschaftsbehörde den Blick auf’s Ziel, während sie nun den wütenden Beschimpfungen der Vorbeifahrenden ausgesetzt sind, die die Etappe sehen. Und in diesem Chor singt der Reporter mit und bewirft die Sprecherin mit Suggestivfragen. Und die steigt nicht drauf ein – und lächelte völlig zu Recht einfach nur in die Kamera! (Viel souveräner als Gabriel).

Dabei wären doch zwei Fragen wirklich spannend und wichtig gewesen:

  • Was plant die Behörde gegen den gebietsfremden Verkehr?
  • Und warum wird der zweite Schritt vor dem ersten gemacht?

Fazit: Kein guter Artikel!

Noch einige Anmerkungen:

  • Busverkehr: Da findet kein Linienverkehr statt, aber Stadtrundfahrten. Also die Busse, die sonst als Verkehrshindernis angesehen werden, damit die Touris auch alle fleißig Fotos machen. Mich würde es wundern, wenn die da schneller fahren als sie sonst auf Tempo-50-Straßen fahren.

Ab Jahr 2032 von Chemnitz nach Aachen

Chemnitz ist eine der größten Städte ohne Anschluss ans Fernbahnnetz. Doch das soll bald anders werden. Die Deutsche Bahn hat ganz, ganz große Pläne – nur etwas Geduld bitte:

Die aktuellen Planungen der DB Fernverkehr AG [sehen] ab dem Jahr 2022 die Anbindung von Chemnitz und Zwickau an die IC-Linie 17 (Rostock-Berlin-Dresden-München) vor. Dies setzt jedoch die Elektrifizierung des Streckenabschnitts Hof-Regensburg voraus [..]. In einem zweiten Schritt soll dann ab 2032 die IC-Linie 51 (Aachen-Gera) nach Chemnitz verlängert werden. Grundvoraussetzung hierfür ist die Elektrifizierung des Streckenabschnitts Weimar-Gera-Gößnitz.

(Quelle: Schreiben der Bahn an Chemnitz Obermürgermeisterin)

Realsatire in Reinform!

Heute gibt es weder die IC-Linie 17, noch eine Linie 51. Ob die Elektrifizierung kommt, steht ebenso in den Sternen. Zudem provoziert die Bahn politische Auseinandersetzungen wegen Abriss und Neubau einer denkmalgeschützten Brücke der Moderne in der Stadt der Moderne.

Nein, wenn die Deutsche Bahn ernsthaft Großstädte wieder ans Fernbahnnetz integrieren will, dann wäre der erst 2013/2014 eingestellte Franken-Sachsen-Express zwischen Dresden und Nürnberg der erste Schritt.

Hamburg: Park verschwindet

In Hamburg zufällig entdeckt: ein kleiner Park ohne Namen, der bald keinen benötigt:

Der alte Durchführungsplan von 1956 sicherte an dieser Stelle zwischen Papenstraße und Hasselbrookstraße eine Erholungsfläche, doch die Bezirksversammlung Wandsbek beschloss mit Stimmen der SPD, Grünen und Neue Liberale ohne Ausschussberatung einen neuen Bebauungsplan Eilbek 15 – und dann sieht das da eben so aus:

Sachsen-Lied

Das mit Abstand geschmackloseste Geburtstagsgeschenk dieses Jahres: der Sender (S)Hitradio RTL veröffentlichte am 16.02. eine Hymne über Sachsen. Schwere Kost mit piepsender Stimme und aggressiver Fröhlichkeit. Und mit selbstironischen Text:

Zu lachen, füreinander da zu sein, bei Regen und bei Sonnenschein.

Denn am Tage der Veröffentlichung eigneten sich auch die Vorfälle in Clausnitz (nicht mit ß!). Ich ordne den syrischen Bürgerkrieg unter die Metapher Regen ein. Das mit dem „füreinander da zu sein” klappte also nicht.

Wer es sich antun möchte: hier die Fassung u.a. mit Clausnitz-Einspielung:

Ja, es ab schon gute Lieder über Sachsen. Und Nein, in Sachsen gibt es keinen vernünftigen Radiosender.