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Hasselbrook - Kein Fahrstuhl für die Regionalbahn

Am Hamburger S-Bahnhof Hasselbrook werden Aufzüge installiert:

Das ist schön. Am zweiten Bahnsteig für die Regionalbahn dagegen nicht. Beide Bahnsteige hätte man wunderbar mit einer Baumaßnahme verbinden können.

Erster Gedanke: Wie bescheuert ist diese Deutsche Bahn?

Zweiter Gedanke: Wird der Bahnhof im Zuge der Inbetriebnahme der S4 eingestellt?

Also frage ich bei der Deutschen Bahn einmal nach:

Auf eine zusätzliche Sanierung des Regionalbahnsteiges in Hasselbrook wurde verzichtet. Als Hauptgrund ist der geplante Ausbau der S4 zu nennen.

Da werden über 600 Mio Euro für eine längst überfällige weitere S-Bahn-Linie investiert. Und dann dürfen mobilitätseingeschränkte Menschen an dieser Station nicht zwischen den Verkehrsmitteln wechseln!

Das ist ein Schildbürgerstreich erster Güte!

High-Deck-Siedlung in Neukölln

Willkommen in der Sonnenallee – im letzten Teilstück auf Neuköllner Seite vor der ehemaligen Mauer. Es sieht da absolut nicht so aus, wie uns der gleichnamige Kinofilm einst suggerierte. Es gibt keinen einzigen Altbau. Im Gegenteil: in den 70er und 80er Jahren ist dort eine Wohnsiedlung entstanden: die High-Deck-Siedlung

Alsterradweg und der NDR

Ein Bericht im NDR erhitzt dieser Tage die Gemüter von Fahrradfahrern:

Radweg abgerissen: Radfahrer sind empört

Die Hamburger Behörden gestalten zur Zeit die Radweginfrastruktur rund um die Alster um. Dies ist auch bitter nötig. Auf viel zu schmalen Zweirichtungsradwegen quetschen sich viel zu viele Leute.

Ich fahre öfters mal im östlichen Bereich und bekomme da regelmäßig Panikzustände. Vor allem von Leuten, die meinen, sie können auf der Breite des Weges auch nebeneinander fahren und dabei völlig vergessen, dass die Breite für zwei Richtungen vorgesehen ist!

Im westlichen Teil der Alster schien eine Lösung sehr naheliegend: der Harvestehuder Weg wird zur Fahrradstraße (im Sinne der StVO) umgewidmet (siehe eine Präsentation der Behörde) und der alte Radweg aufgegeben. Die Straße hat ohnehin nur die Funktion als Anwohnerstraße für einige pompöse Bauten und wird im Süden (also Richtung Innnenstadt) durch das US-Konsulat gekappt. Leider gibt es da noch zu viel Schleichverkehr, zu deren Bekämpfung der ADFC auffordert.

Über das grundsätzliche Ziel kann man ja diskutieren. Da kann man auch verschiedene Ansichten haben. Man kann da auch einfach drei Radfahrexperten fragen um vier Meinungen zu bekommen. Doch darum geht es hier gar nicht.

Die Behörde hat den alten Weg abgerissen, bevor der Ersatz fertig ist! Das ist in etwa so sinnvoll, wie Tegel schon mal zu schließen, weil der BER irgendwann eröffnet wird.

Nun haben in dem Video ADFC und die Pressesprecherin der Wirtschaftsbehörde den Blick auf’s Ziel, während sie nun den wütenden Beschimpfungen der Vorbeifahrenden ausgesetzt sind, die die Etappe sehen. Und in diesem Chor singt der Reporter mit und bewirft die Sprecherin mit Suggestivfragen. Und die steigt nicht drauf ein – und lächelte völlig zu Recht einfach nur in die Kamera! (Viel souveräner als Gabriel).

Dabei wären doch zwei Fragen wirklich spannend und wichtig gewesen:

  • Was plant die Behörde gegen den gebietsfremden Verkehr?
  • Und warum wird der zweite Schritt vor dem ersten gemacht?

Fazit: Kein guter Artikel!

Noch einige Anmerkungen:

  • Busverkehr: Da findet kein Linienverkehr statt, aber Stadtrundfahrten. Also die Busse, die sonst als Verkehrshindernis angesehen werden, damit die Touris auch alle fleißig Fotos machen. Mich würde es wundern, wenn die da schneller fahren als sie sonst auf Tempo-50-Straßen fahren.

Ab Jahr 2032 von Chemnitz nach Aachen

Chemnitz ist eine der größten Städte ohne Anschluss ans Fernbahnnetz. Doch das soll bald anders werden. Die Deutsche Bahn hat ganz, ganz große Pläne – nur etwas Geduld bitte:

Die aktuellen Planungen der DB Fernverkehr AG [sehen] ab dem Jahr 2022 die Anbindung von Chemnitz und Zwickau an die IC-Linie 17 (Rostock-Berlin-Dresden-München) vor. Dies setzt jedoch die Elektrifizierung des Streckenabschnitts Hof-Regensburg voraus [..]. In einem zweiten Schritt soll dann ab 2032 die IC-Linie 51 (Aachen-Gera) nach Chemnitz verlängert werden. Grundvoraussetzung hierfür ist die Elektrifizierung des Streckenabschnitts Weimar-Gera-Gößnitz.

(Quelle: Schreiben der Bahn an Chemnitz Obermürgermeisterin)

Realsatire in Reinform!

Heute gibt es weder die IC-Linie 17, noch eine Linie 51. Ob die Elektrifizierung kommt, steht ebenso in den Sternen. Zudem provoziert die Bahn politische Auseinandersetzungen wegen Abriss und Neubau einer denkmalgeschützten Brücke der Moderne in der Stadt der Moderne.

Nein, wenn die Deutsche Bahn ernsthaft Großstädte wieder ans Fernbahnnetz integrieren will, dann wäre der erst 2013/2014 eingestellte Franken-Sachsen-Express zwischen Dresden und Nürnberg der erste Schritt.

Hamburg: Park verschwindet

In Hamburg zufällig entdeckt: ein kleiner Park ohne Namen, der bald keinen benötigt:

Der alte Durchführungsplan von 1956 sicherte an dieser Stelle zwischen Papenstraße und Hasselbrookstraße eine Erholungsfläche, doch die Bezirksversammlung Wandsbek beschloss mit Stimmen der SPD, Grünen und Neue Liberale ohne Ausschussberatung einen neuen Bebauungsplan Eilbek 15 – und dann sieht das da eben so aus:

Sachsen-Lied

Das mit Abstand geschmackloseste Geburtstagsgeschenk dieses Jahres: der Sender (S)Hitradio RTL veröffentlichte am 16.02. eine Hymne über Sachsen. Schwere Kost mit piepsender Stimme und aggressiver Fröhlichkeit. Und mit selbstironischen Text:

Zu lachen, füreinander da zu sein, bei Regen und bei Sonnenschein.

Denn am Tage der Veröffentlichung eigneten sich auch die Vorfälle in Clausnitz (nicht mit ß!). Ich ordne den syrischen Bürgerkrieg unter die Metapher Regen ein. Das mit dem „füreinander da zu sein” klappte also nicht.

Wer es sich antun möchte: hier die Fassung u.a. mit Clausnitz-Einspielung:

Ja, es ab schon gute Lieder über Sachsen. Und Nein, in Sachsen gibt es keinen vernünftigen Radiosender.

Das Geländer für's Geländer

Das auflagestärkste Satiremagazin betitelt es richtig:

Dresden muss Geländer fürs Geländer bauen!

Die Dresdner Albertbrücke wird gegenwärtig saniert. Dabei wurde festgestellt, dass die alten Geländer wegen Rost nicht weiter zu verwenden sind – und es mussten ohnehin neue angefertigt werden. Der Denkmalschutz gab die Vorgabe, dass die Geländer originalgetreu wieder errichtet werden sollen (inkl. ihrer Abmaße und Proportionen), allerdings waren diese nur ca. 1 Meter hoch. Nach den den aktuellen Anforderungen müssen diese 1,30 Meter hoch sein.

Wenn Denkmalschützer nun ihre Aufgabe ernst nehmen, würden sie ihre Position überdenken. Etwas Fantasie hilft dabei. Ich wette, es gab mit Sicherheit viele kreative Lösungen, die dem Denkmalschutzempfinden näher stehen, als dieses nun wirklich schrecklich aussehende Doppelgeländer-Lösung.

Übersichtlichkeit von Linienplänen

Liniennetzpläne (auch Netzspinnen genannt) sind schöne Experimente, komplexe und vielfältige Informationen zum öffentlichen Nahverkehr in einer (oder meheren) Übersichten darzustellen. Aber nicht jeder Plan ist gut.

Ich fand auf meinem Rechner einen alten Linienplan der Dresdner Verkehrsbetriebe aus dem Jahre 2003 – und habe den aktuellen Linienplan gegenübergestellt:

Volksentscheid Radverkehr - Hackathon

Anfang Dezember habe ich die Initiative zum Volksentscheid Radverkehr vorgestellt, nun bin ich mittlerweile Mitglied dieser Initiative. Und auch beim Hackathon der Gesetzesentwicklung mit involviert.

Das, was mir bei dieser Initiative besonders gefällt, sind die greifbaren Ziele. Das Gesetz fordert keine Revolution im Verkehrswesen, wenngleich die Anforderungen im Detail auch nicht ohne sind. Aber sie sind realistisch. Sie sind umsetzbar. Vor allem fordern sie etwas ein ohne andere Verkehrsteilnehmer vor den Kopf zu stoßen.

Aber das war eines der Themen beim Kickoff-Treffen am 7.1. mit über 70 Interessierten. Trotz eisiger Kälte radelte ich nach Neukölln. Dem Wetter geschuldet stellten sich in der Vorstellungsrunde einige als „Fast-Ganzjahresradler” vor. Mindestens genauso viele als „kritische ADFC-Mitglieder”. Aber auch das hatte seinen Hintergrund, da der ADFC sich distanzierend zum Volksentscheid verhalten hatte (was sich aber spätestens nach dieser Pressemeldung legen dürfte).

Bei den grundsätzlichen Zielen ging eben die Meinung bis hin zu Leuten, die der Meinung sind, dass man am liebsten die ganze Stadt vollständig autofrei haben wollte. Oder die These, dass ja nur 30% der Berliner ein Auto hätten, also könnte man mit den anderen 70% locker den Autoverkehr in der Stadt verbannen. Aber diese Positionen schienen in der Runde nicht mehrheitsfähig zu sein. Und das finde ich auch gut: ich möchte für eine Sache sein, den Radverkehr zu stärken. Dass dies auch mit Einschränkungen für den PKW-Verkehr verbunden ist, lässt sich nicht vermeiden. Aber anderen Verkehrsteilnehmern die Existenz zu nehmen, erzeugt nur Provokation und Konfrontation.

Daneben ist aber auch die Diskussion im Kleinen nötig, also die Konkretisierung der Themen. Beim Thema „Jede Hauptstraße mit sicheren Spuren” entsteht beispielsweise die Frage, wie damit umgegangen werden soll, wenn dies eben nicht erfüllbar ist (bspw. aufgrund von Baumbestand).

In kleineren Teams ging es an die Ausarbeitung: mein inhaltlicher Schwerpunkt sind dabei die Fahrradstraßen. Hier sollen über die gesamte Stadt verteilt insgesamt 200km entstehen. Gut sichtbar mit Piktogrammen. Mit Vorrang gegenüber querenden Nebenstraßen. Mit Maßnahmen zur Reduzierung von Schleichverkehr. Mit Lieferzonen für den Lieferverkehr. Als Bestandteil eines integrierten Radwegnetzes. Und vieles mehr!

Als Ergebnis des zweitägigen Hackathon stehen nun schon einige Paragrafen (ich war aber nur am zweiten Tag dabei), so auch zu den Fahrradstraßen. Einige Abschnitte sind noch im Entstehen. Im Ergebnis der Debatte werden wir für das Radwegnetz noch ein eigenes Kapitel brauchen.

Auch wenn in der letzten Stunde des heutigen Tages die Stimmung zwischen Optimismus und Ernüchterung in der Gruppe schwankte, so bin ich doch guter Dinge!