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Arnsdorf

Wenn im Dresdner Raum jemand sagt, er komme aus dem beschaulichen Örtchen Arnsdorf, so ist ihm ein Schmunzler immer sicher. Denn der Ort ist nur für eine Sache bekannt: die psychiatrische Klinik. Oft auch abwertend als Irrenanstalt bezeichnet. Es gibt in Dresden sogar die Redewendung „der kommt aus Arnsdorf” für jemand Verwirrtes. Und die im Lied „Goldener Reiter” besungenen Nervenklinik mit dem Fassungsvermögen sämtlicher Einkaufszentren der Stadt wird (auch wenn es vom Sänger dementiert wurde) ein Bezug zu Arnsdorf unterstellt.

Und dieser Ruf wurde durch die Ereignisse in einem netto-Markt leider bekräftigt. Involviert war ein irakischer Asylbewerber (21), der in jener Nervenklinik gerade behandelt wird – und vier Irre, über deren Behandlungsstatus leider nichts bekannt ist. Einer der vier Irren soll immerhin CDU-Stadtrat sein.

Ich bin ehrlich gesagt nicht ganz sicher, was ich von Videos halten soll, in dem irgendwelche Menschen andere bei ganz alltäglichen Dingen filmen – und in ihrem Recht der informationellen Selbstbestimmung eingreifen. Fakt ist nun, dass es im Internet dieses Video mit der Szene gibt und es in diesem Fall hilft, das Geschehene besser einzuordnen:

Wir sehen also eine Meinungsverschiedenheit mit Sprachbarriere zwischen einem Kunden und einer Kaufhalle. Wenn man den Geschichten anderer Medien Glauben schenken darf, ging es um Guthaben für ein Mobiltelefon, was scheinbar – je nach Seite – nicht funktionierte oder schon verbraucht wurde. Deshalb war er bereits mehrfach schon im Laden erschienen.

Wir sehen überfordertes Personal, was ich gewissermaßen nachvollziehen kann. Renne du mal mit einem Guthabencode in deine Kaufhalle zurück und reklamiere, dass dies nicht funktioniert. Bei Vor-Ort-Eingabe des Codes spuckt das Gerät aus, dass der Code schon verwendet worden ist und du bist der festen Meinung, dass du es nicht ausgelöst hast. Und das in einem Land, in dem das Verkaufspersonal eine andere (Mutter-)sprache spricht als du selbst.

Wir sehen diesen Kunden, der zwei Flaschen in seiner Hand hielt. Es hieß, er hätte mit den Flaschen gedroht. Im Video ist dies nicht belegt, was aber nicht völlig ausschließt, dass es zuvor eine weitere Auseinandersetzung gegeben haben könnte. Ich las, dass er diese als Ersatz für das Guthaben sich aneignen wollte. Allerdings gab es dazu keine Bestätigung in der polizeilichen Pressemitteilung.

In so einer Situation die Polizei zur Klärung anzufordern, ist nicht verkehrt.

Und dann dass Unfassbare: Diese vier Irren stürmen den Laden. Sie fragen nicht nach. Sie klären nicht. Sie vermitteln nicht. Sie zerren den Kunden aus den Laden. Er wehrt sich. Es artet in einer Schlägerei 4 gegen 1 aus. Sie schreien ihn an. Als sie den Laden verlassen, endet das Video mit dem O-Ton „Schon schade, wenn man eine Bürgerwehr braucht”. Eine Bürgerwehr, die vor Irren schützt?

Als die Polizei am Ort eintraf, war der Iraker mit Kabelbindern (!) auf dem Parkplatz des Nettos an einen Baum gefesselt.

Das Statement des Polizeipräsidenten zeugt eher davon, dass er Nachhilfe in Sachen Recht benötigt:

Durch die Erregtheit des Asylbewerbers war das Festhalten sinnvoll, ich tu mich schwer zu sagen, notwendig.

Zwar sieht das Gesetz eine Möglichkeit der Jedermann-Festnahme vor, doch die setzt Fluchtverdacht und fehlende Identitätsfeststellung voraus. Beide Voraussetzungen lagen hier nicht vor. Wenn die Flasche tatsächlich als Gefahr für den Einsatz als Wurfgeschoss oder Schlaggerät angesehen wurde, hätte man ihm mittels Notwehr die Flasche entreißen können. Aber spätestens ab dem Moment der Wegnehme wäre auch diese nicht mehr gegeben.

Und während nun dieser Vorfall durch die Medien hoch und runter kocht und Ansdorf leider eine unrühmliche Bekanntheit auch außerhalb des Dresdner Raumes erlangt, ist neben der ganzen strafrechtlichen Aufarbeitungen doch eine Frage spannend: ist das eigentliche Problem des Telefonguthabens gelöst? Oder ist dies ein Indiz für die Servicewüste Deutschland?

Bauverbot für Investoren

In Berlin eine Demo? Nichts neues! So auch wieder am vergangenen Samstag auf der Warschauer Straße. Ursprünglich ging es da um Henkels Machtspiele in der Rigaer Straße, aber scheinbar auch um Neubauten. Zumindest deutet folgendes Flugblatt, was wir Stunden später auf besagter Straße zwischen Konfetti fanden.

75 Meter Elbradweg

Ganz, ganz große Sensation in Dresden:

Östlich des Heilstättenwegs soll ein 75-Meter-Abschnitt [des Körnerwegs] im Juli und August dieses Jahres grundhaft ausgebaut werden.

So, die Sächsische Zeitung am 20.04. Ja, 75 Meter! Oder besser: 75000 Millimeter! Anderswo fallen Reissäcke um!

Leider wurden die Erwartungshaltungen vom Vorjahr drastisch gesenkt. Damals hieß es noch in der selben Zeitung:

Dann [2016] nämlich will der Chef des Straßen- und Tiefbauamtes (STA), Reinhard Koettnitz, ein rund 140 Meter langes Teilstück des Weges erneuern lassen. Derzeit ist der unebene Sandsteinbelag, der auf rund 710 Metern liegt, eine Gefahrenquelle für Radfahrer und Fußgänger.

Zuvor gab es Debatten, in wie weit das Denkmalschutzensemble Dresdner Elbtal dafür herhalten kann, dass abgefahrene, holpernde Sandsteine mit all ihren zum Teil auch gefährlichen Fugen nicht erneuert werden können. Dank der Hufeisennase ist es wenigstens keine Unesco-Weltkulturerbe-Diskussion mehr! Es fanden historische Ausgrabungen in den Stadtarchiven statt, doch die ursprüngliche Bauakte zum historischen Leinpfad blieb verschollen. 1908 gab es eine professionelle Umgestaltung, 1951 eine halbherzige Neupflasterung, seitdem nur Verschlimmbesserungen.

Doch der mittlerweile nicht mehr wiedergewählte Baubürgermeister Marx interessierte sich nicht für die Fakten – Denkmalschutz, Denkmalschutz, Denkmalschutz! Aus diesen Gründen wurde jüngst ein Geländer für’s Geländer auf der denkmalgeschützten Albertbrücke installiert. Mit Verlaub: diese Maßnahme sieht weit alberner für ein Denkmal aus als ein vernünftiger Belag am Ufer. Und da traut sich der ADFC noch nicht einmal das Wort „Asphalt” in den Mund zu nehmen.

Aber so hat jede Stadt ihre Großbauprojekte. In Berlin ist es ein Flughafen, in Hamburg ein Konzerthaus, in Stuttgart ein Bahnhof, in Köln ein Straßenbahntunnel und in Dresden ein knapper Kilometer Radweg.

Hasselbrook - Kein Fahrstuhl für die Regionalbahn

Am Hamburger S-Bahnhof Hasselbrook werden Aufzüge installiert:

Das ist schön. Am zweiten Bahnsteig für die Regionalbahn dagegen nicht. Beide Bahnsteige hätte man wunderbar mit einer Baumaßnahme verbinden können.

Erster Gedanke: Wie bescheuert ist diese Deutsche Bahn?

Zweiter Gedanke: Wird der Bahnhof im Zuge der Inbetriebnahme der S4 eingestellt?

Also frage ich bei der Deutschen Bahn einmal nach:

Auf eine zusätzliche Sanierung des Regionalbahnsteiges in Hasselbrook wurde verzichtet. Als Hauptgrund ist der geplante Ausbau der S4 zu nennen.

Da werden über 600 Mio Euro für eine längst überfällige weitere S-Bahn-Linie investiert. Und dann dürfen mobilitätseingeschränkte Menschen an dieser Station nicht zwischen den Verkehrsmitteln wechseln!

Das ist ein Schildbürgerstreich erster Güte!

High-Deck-Siedlung in Neukölln

Willkommen in der Sonnenallee – im letzten Teilstück auf Neuköllner Seite vor der ehemaligen Mauer. Es sieht da absolut nicht so aus, wie uns der gleichnamige Kinofilm einst suggerierte. Es gibt keinen einzigen Altbau. Im Gegenteil: in den 70er und 80er Jahren ist dort eine Wohnsiedlung entstanden: die High-Deck-Siedlung

Alsterradweg und der NDR

Ein Bericht im NDR erhitzt dieser Tage die Gemüter von Fahrradfahrern:

Radweg abgerissen: Radfahrer sind empört

Die Hamburger Behörden gestalten zur Zeit die Radweginfrastruktur rund um die Alster um. Dies ist auch bitter nötig. Auf viel zu schmalen Zweirichtungsradwegen quetschen sich viel zu viele Leute.

Ich fahre öfters mal im östlichen Bereich und bekomme da regelmäßig Panikzustände. Vor allem von Leuten, die meinen, sie können auf der Breite des Weges auch nebeneinander fahren und dabei völlig vergessen, dass die Breite für zwei Richtungen vorgesehen ist!

Im westlichen Teil der Alster schien eine Lösung sehr naheliegend: der Harvestehuder Weg wird zur Fahrradstraße (im Sinne der StVO) umgewidmet (siehe eine Präsentation der Behörde) und der alte Radweg aufgegeben. Die Straße hat ohnehin nur die Funktion als Anwohnerstraße für einige pompöse Bauten und wird im Süden (also Richtung Innnenstadt) durch das US-Konsulat gekappt. Leider gibt es da noch zu viel Schleichverkehr, zu deren Bekämpfung der ADFC auffordert.

Über das grundsätzliche Ziel kann man ja diskutieren. Da kann man auch verschiedene Ansichten haben. Man kann da auch einfach drei Radfahrexperten fragen um vier Meinungen zu bekommen. Doch darum geht es hier gar nicht.

Die Behörde hat den alten Weg abgerissen, bevor der Ersatz fertig ist! Das ist in etwa so sinnvoll, wie Tegel schon mal zu schließen, weil der BER irgendwann eröffnet wird.

Nun haben in dem Video ADFC und die Pressesprecherin der Wirtschaftsbehörde den Blick auf’s Ziel, während sie nun den wütenden Beschimpfungen der Vorbeifahrenden ausgesetzt sind, die die Etappe sehen. Und in diesem Chor singt der Reporter mit und bewirft die Sprecherin mit Suggestivfragen. Und die steigt nicht drauf ein – und lächelte völlig zu Recht einfach nur in die Kamera! (Viel souveräner als Gabriel).

Dabei wären doch zwei Fragen wirklich spannend und wichtig gewesen:

  • Was plant die Behörde gegen den gebietsfremden Verkehr?
  • Und warum wird der zweite Schritt vor dem ersten gemacht?

Fazit: Kein guter Artikel!

Noch einige Anmerkungen:

  • Busverkehr: Da findet kein Linienverkehr statt, aber Stadtrundfahrten. Also die Busse, die sonst als Verkehrshindernis angesehen werden, damit die Touris auch alle fleißig Fotos machen. Mich würde es wundern, wenn die da schneller fahren als sie sonst auf Tempo-50-Straßen fahren.

Ab Jahr 2032 von Chemnitz nach Aachen

Chemnitz ist eine der größten Städte ohne Anschluss ans Fernbahnnetz. Doch das soll bald anders werden. Die Deutsche Bahn hat ganz, ganz große Pläne – nur etwas Geduld bitte:

Die aktuellen Planungen der DB Fernverkehr AG [sehen] ab dem Jahr 2022 die Anbindung von Chemnitz und Zwickau an die IC-Linie 17 (Rostock-Berlin-Dresden-München) vor. Dies setzt jedoch die Elektrifizierung des Streckenabschnitts Hof-Regensburg voraus [..]. In einem zweiten Schritt soll dann ab 2032 die IC-Linie 51 (Aachen-Gera) nach Chemnitz verlängert werden. Grundvoraussetzung hierfür ist die Elektrifizierung des Streckenabschnitts Weimar-Gera-Gößnitz.

(Quelle: Schreiben der Bahn an Chemnitz Obermürgermeisterin)

Realsatire in Reinform!

Heute gibt es weder die IC-Linie 17, noch eine Linie 51. Ob die Elektrifizierung kommt, steht ebenso in den Sternen. Zudem provoziert die Bahn politische Auseinandersetzungen wegen Abriss und Neubau einer denkmalgeschützten Brücke der Moderne in der Stadt der Moderne.

Nein, wenn die Deutsche Bahn ernsthaft Großstädte wieder ans Fernbahnnetz integrieren will, dann wäre der erst 2013/2014 eingestellte Franken-Sachsen-Express zwischen Dresden und Nürnberg der erste Schritt.

Hamburg: Park verschwindet

In Hamburg zufällig entdeckt: ein kleiner Park ohne Namen, der bald keinen benötigt:

Der alte Durchführungsplan von 1956 sicherte an dieser Stelle zwischen Papenstraße und Hasselbrookstraße eine Erholungsfläche, doch die Bezirksversammlung Wandsbek beschloss mit Stimmen der SPD, Grünen und Neue Liberale ohne Ausschussberatung einen neuen Bebauungsplan Eilbek 15 – und dann sieht das da eben so aus: