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Brillenversicherung

Bei einem Besuch beim Optiker Brillen Joseph in Hamburg-Harburg. In der Tischmitte liegen Flyer für eine sogenannte Brillenversicherung herum. Im Verkaufsgespräch war es auch ein zentrales Thema.

Die Tarife klangen zunächst verlockend. Und wann immer das passiert, sollten Alarmglocken läuten. Die Grundregel unseres Wirtschaftssystems lautet nun mal: Niemand hat etwas zu verschenken.

Das Angebot setzt sich zusammen aus einer Brillenbonusversicherung (monatlich 7,90 Euro) und einer Brillenbonuskarte (einmalig 7,90 Euro). In Kombinationen umfasst dies:

  • Bei Brillendefekt (unabhängig vom Schadenseintritt außer Vorsatz): Ersatzbrille
  • Nach 2 Jahren: Zuschuss bei Brillenneukauf von 280 Euro
  • Bei Sehstärkenänderung 75% des Rechnungsbetrages, maximal 210 Euro

Im Gespräch stellte sich der gegenüber als derjenige dar, der diesen Versicherungsdeal vor zwei Jahren angestoßen habe. Das Gespräch war durchaus sehr interessant. Kleingedrucktes haben sie nicht in der Filiale vorrätig, die bekäme man ohnehin dann mit der Vertragsannahme zugeschickt (Vertragsabschluss via App in der Geschäftsstelle). Auf Nachfrage bekam ich noch einmal ein altes Formular, doch auch dieses enthielt nicht die Klauseln. Lediglich einige Punkte zu Datenschutz- bzw. Schweigepflichtentbindung.

Zunächst war es bemerkenswert, dass die Brillenbranche allgemein degradiert wurde: die Brillen würden heute generell nicht mehr so halten wie früher. Alles würde nur noch so hergestellt werden, dass es eben an die 2 Jahre hält. Würde es wesentlich länger halten, würden ja kaum noch Brillen verkauft. Tränendrüse, jaja.

Diese Aussage bestätigte aber mein Gefühl, dass dieser Anbieter fast nur noch Kunststoffgestelle in Angebot hat. Und die sind allesamt etwas labriger als meine letzte Brille aus Metall, die ich bereits deutlich länger als zwei Jahre habe.

Auf der Webseite klingt es dann etwas schöner formuliert:

Trend! Alle zwei Jahre wieder im Trend sein.

Im Grunde genommen wird das Ziel dieser sogenannten Versicherung klar: Es geht nur nebensächlich um eine Versicherung, es geht vor allem um die Frage, wo und wann du deine nächste Brille kaufen wirst. Denn rechnerisch hast du nach knapp 2 Jahren knapp 190 Euro einbezahlt. Dieser Betrag ist dann etwa auch der Zuschuss, der dann eben bei diesem Optiker (bzw. dessen Kette) gilt. Vor allem geht es aber auch darum, dass du möglichst nach diesen zwei Jahren eine neue Brille kaufst. Denn wenn du drei Jahre einzahlst, erhöht sich der Zuschussanteil nur noch geringfügig. Danach gar nicht mehr.

(Wie ich der FAQ entnehme, kann man diese Versicherung nach zwei Jahren jeweils jährlich kündigen. Der Brillenbonus käme also erst im dritten Versicherungsjahr. Wenn du also im Juli 2018 den Vertrag abschließt, würde der Bonus im Juli 2020 zur Verfügung stehen. Würde die Versicherung danach gekündigt werden, wurden für 2,5 Jahre diese Beiträge bezahlt (Anzahl also 237 Euro)).

Nun stellte ich die Frage, was im Falle einer Firmenpleite passieren würde. Ich wurde belächelt, nein ich wurde vom Verkaufspersonal ausgelacht. So eine Frage hatte noch keiner gestellt. Und er sei auch weit genug entfernt, sich darüber Gedanken machen zu müssen. Ja, bescheuerte Antwort, bei der ich mich als Kunde nicht ernst genommen fühlte. Mit „Nee, sorry. Muss ich mal prüfen” hätte man eine wesentlich elegantere Antwort mit ähnlichem Aussagegehalt. Aber auch hier gibt es eine interessante Antwort in der FAQ:

Ein zusätzliches Kündigungsrecht haben Sie, wenn der nächste angeschlossene Optiker mehr als 30 km von Ihrem Wohnort entfernt liegt. In diesem Fall besteht auch die Möglichkeit, in den leistungsähnlichen Tarif SuH umzustellen.

Wenn der Optiker also pleite geht, kann man diesen optikergebundenen Zuschuss in einen optikerneutralen umwandeln, kostet halt im Zweifel dann mehr Prämie (Eine genaue Höhe fand ich nirgends).

Neben der Zuschusskomponente gibt es noch die Risiko-Komponente. Verlust war nicht abgedeckt, Defekte schon. Auch zum Teil selbstverursachte Defekte. Ich hatte teilweise den Eindruck, dass das Gespräch die Grenze des Legalen bereits verlassen hatte und Vorschläge zum Vorsatzin locker-flapsiger Art im Raum standen.

Am Ende des Tages frage ich mich schon, ob man so einem Deal eingehen kann. Am Ende kann ich – auch aus Mangel des Kleingedruckten – diese Frage nur verneinen. Und lieber eine zuverlässige Brille, die länger als 2 Jahre hält. Wenn nicht hier, dann woanders.

Bytheway: Den Text habe ich im August 2018 geschrieben, aber noch nicht veröffentlicht. Als ich diesen im Mai 2019 nun vervollständigte, entdeckte ich, dass es Brillen Joseph bereits aufgekauft wurde – und auf deren Nachfolgerseite keine Silbe mehr von Brillenversicherung steht. Offensichtlich traf ich doch einen wunden Punkt. Der Versicherungskonzept selber scheint weiter um sich zu greifen. Mit wurde es zwischenzeitlich auch für Fahrräder angeboten.

Lesbarkeit der Belege

Wir sehen hier zwei Belege der Elektronik-Kette Conrad. Der eine ist, wie man klar und deutlich erkennen kann, aus dem Jahre 2007. Der andere, wie man bei genauen Hinschauen noch erahnen kann kann, von 2015:

Ist das Taktik, dass das Papier nicht einmal die zweijährige Gewährleistung übersteht? Habe ich als Kunde Nachteile, wenn mir der Händler Belege liefert, die ich – ohne Eigenverschulden – nicht mehr lesen kann? Oder wird von mir erwartet, jeden Beleg noch einmal durch einen Kopierer zu jagen?

Fanartikel-Gedöns

Irgenwie muss demnächst wieder ein Länderwettbewerb in irgendeiner Sportart stattfinden. Anders ist es nicht zu erklären, wenn auf irgendwelchen Produkten Nationalfarben kleben, mir irgendwelche Leute irgendwelche Spielpläne in die Hand drücken wollen und an Supermarktkassen Papiermüll in Form von Spielerfotos mir nachgeworfen wird.

Ja, es ist schwer, sich dem zu entziehen. Und es fällt auch schwer, immer freundlich klar zu machen, dass ich diesen Scheiß nicht möchte!

Letzens an der Kasse: „Dann geben sie es doch den Kindern da draußen?” – „Was sollen die Kinder mit dem Müll?”

Nun landet eine Aktion besonders kapitalismuskritscher Menschen unter dem sogenannten Label „Antifa” in meinen Radar (siehe https://linksunten.indymedia.org/de/node/180328 ). Sie rufen zum kollektiven Sammeln dieser Fan-Artikel auf – in Form von Diebstahl. Besessene werden sich wohl nicht lange ärgern und Ersatz beschaffen. Besser kann die Fifa den Verkauf der Fanartikeln auch nicht ankurbeln! Kopf zu Tisch

Grenzüberschreitende Bestellung

Beim Elektronikkonzern Conrad in Österreich entdeckte ich einen Artikel, den es in Deutschland zur Zeit nicht gibt. Auch der Hersteller meldet bereits Lieferschwierigkeiten. Warum also dann diesen Artikel nicht in Österreich bestellen?

Theoretisch geht es nicht:

Aber mit einem kleinen Hack hat’s funktioniert! Das Paket ist tatsächlich angekommen. Nach nur sechs Tagen. Inklusive Addressnacherfassung bei der Post.

(Die Postleitzahl musste ich aufteilen, weil nur vier Stellen zulässig waren)

Der wird Millionär

Es ist sicher kein Geheimnis, dass im Fernsehen nichts durch Zufall passiert. Bestes Beispiel heute: Wer wird Millionär?

Es ist nahezu unmöglich, heute ein Presseerzeugnis zu verfolgen, ohne auf den gestrigen Mio-Gewinn bei „Wer wird Millionär” hinewiesen zu werden. Die entscheidende Frage war nach den Anzahl der Steinchen eines Zauberwürfels. Auf die Antwort 26 kann man zur Not durch Zählen mit Händen und Füßen kommen. Und schaue ich mir die anderen 14 Fragen dazu an, so wundere ich mich nicht. Es war wohl wieder an der Zeit, diese Sendung durch die Presse zu promoten. Und verglichen mit den Anzeigepreisen der Bundespresse ist die 1 Mio Euro auch nicht so übermäßig teuer.

Picture Quality Index statt Bildwiederholrate

Wissenschaften, die eigentlich keine sein müssten: Samsung gibt bei seinen Fernsehgeräten keine Bildwiederholrate an, sondern erfindet stattdessen eigene Parameter: der Picture Quality Index. Eine willkürliche Zahl, die scheinbar auf verschiedene Parameter fußt und vermutlich bewusst auch höher ausfällt als die nachvollziehbare Bildwiederholrate.

Wie soll der Verbraucher denn Geräte miteinander vergleichen können, wenn jeder Hersteller andere Messgrößen erfindet? Doch leider ist diese Verwirrung der scheinbare Zweck. Und dann wundere sich noch jemand, wenn es in einigen Jahren eine EU-Norm gibt, in der erklärt wird, was genau eine Bildwiederholrate ist, wie sie zu messen und anzugeben ist.

Toyotas Spaghetti-Code

Im Jahr 2007 gab es in den USA einen schweren Unfall: durch einen (scheinbaren) technischen Defekt beschleunigte ein Auto, obwohl es Bremsen sollte. Die Betätigung der Handbremse hinterließ eine sehr lange Bremsspur hinter sich. Fahrerin tot, Beifahrerin verletzt. Im Rahmen des Verfahrens wurde der Programm-Code analysiert… Toyota Unintended Acceleration and the Big Bowl of “Spaghetti” Code

Haven Höövts

In Bremen wurde ein Einkaufszentrum größer gebaut, als es der Bebauungsplan hergibt. Im Weser-Kurier werden die strukturellen Probleme (Wegfall einer Werft) des entsprechenden Ortsteils geschildert. Beim anschließenden Satz bin ich durchaus sprachlos:

Vor diesem Hintergrund hätten es alle relevanten Behördenvertreter und politischen Entscheidungsträger für richtig gehalten, das Haven Höövt zu bauen – und bei der Auslegung von Vorschriften nötigenfalls ein wenig Kreativität walten zu lassen.

Wenn die politischen Entscheidungsträger ebenso das Problem gesehen hätten (und für solche Entscheidungen werden sie schließlich gewählt), dann hätte der Bebauungsplan 1218 angepasst werden müssen. Dann hätte es dazu entsprechende Bürgerbeteiligung gegeben. Dann hätte es ggf. noch die eine oder andere Kompensationsmaßnahme für die dichte(re) Bebauung gegeben.

camerawoman

Dinge, die die Welt nicht braucht: ein Kameramagazin für Frauen

Die Macher des Kameramagazins camera stellen fest, dass es kein Kameramagazin für Frauen gibt – und wollen eins initiieren:

Eine Frau erklärt, dass Fotografieren mittlerweile auch für Frauen allgegenwärtig sei. Ich frage mich, ob ich von einem anderen Stern komme. In meiner Welt kenne ich es jedenfalls nicht anders.

Eine andere Frau erklärt, dass Frauen intuitiver, weniger technisch fotografieren. Und dass sie nicht so verliebt in die Pixel seien – wie eben Männer. Ich halte das ja nun ehrlich gesagt nicht für ein Frau-Mann-Ding, sondern es sind schlicht und ergreifend zwei verschiedene Themen. Kameras. Und Fotografieren. Der Hammer. Und das Hämmern. Ein Herr ergänzte daraufhin, dass die meisten Magazine eher technisch lastig seien.

Die nahe Schlussfolgerung wäre die Erweiterung des vorhandenen Themenspektrum um den Schwerpunkt Motivauswahl. Denn dieser scheint wohl zu wenig Beachtung zu finden. Das wäre Inklusion. Hier wird der Weg der Exklusion gewählt: es werden die Geschlechterklischees verfestigt, in dem ein Crowdfunding-Projekt für eine Frauen-Fotozeitschrift ins Leben gerufen wird.