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Lesbarkeit der Belege

Wir sehen hier zwei Belege der Elektronik-Kette Conrad. Der eine ist, wie man klar und deutlich erkennen kann, aus dem Jahre 2007. Der andere, wie man bei genauen Hinschauen noch erahnen kann kann, von 2015:

Ist das Taktik, dass das Papier nicht einmal die zweijährige Gewährleistung übersteht? Habe ich als Kunde Nachteile, wenn mir der Händler Belege liefert, die ich – ohne Eigenverschulden – nicht mehr lesen kann? Oder wird von mir erwartet, jeden Beleg noch einmal durch einen Kopierer zu jagen?

Fanartikel-Gedöns

Irgenwie muss demnächst wieder ein Länderwettbewerb in irgendeiner Sportart stattfinden. Anders ist es nicht zu erklären, wenn auf irgendwelchen Produkten Nationalfarben kleben, mir irgendwelche Leute irgendwelche Spielpläne in die Hand drücken wollen und an Supermarktkassen Papiermüll in Form von Spielerfotos mir nachgeworfen wird.

Ja, es ist schwer, sich dem zu entziehen. Und es fällt auch schwer, immer freundlich klar zu machen, dass ich diesen Scheiß nicht möchte!

Letzens an der Kasse: „Dann geben sie es doch den Kindern da draußen?” – „Was sollen die Kinder mit dem Müll?”

Nun landet eine Aktion besonders kapitalismuskritscher Menschen unter dem sogenannten Label „Antifa” in meinen Radar (siehe https://linksunten.indymedia.org/de/node/180328 ). Sie rufen zum kollektiven Sammeln dieser Fan-Artikel auf – in Form von Diebstahl. Besessene werden sich wohl nicht lange ärgern und Ersatz beschaffen. Besser kann die Fifa den Verkauf der Fanartikeln auch nicht ankurbeln! Kopf zu Tisch

Grenzüberschreitende Bestellung

Beim Elektronikkonzern Conrad in Österreich entdeckte ich einen Artikel, den es in Deutschland zur Zeit nicht gibt. Auch der Hersteller meldet bereits Lieferschwierigkeiten. Warum also dann diesen Artikel nicht in Österreich bestellen?

Theoretisch geht es nicht:

Aber mit einem kleinen Hack hat’s funktioniert! Das Paket ist tatsächlich angekommen. Nach nur sechs Tagen. Inklusive Addressnacherfassung bei der Post.

(Die Postleitzahl musste ich aufteilen, weil nur vier Stellen zulässig waren)

Der wird Millionär

Es ist sicher kein Geheimnis, dass im Fernsehen nichts durch Zufall passiert. Bestes Beispiel heute: Wer wird Millionär?

Es ist nahezu unmöglich, heute ein Presseerzeugnis zu verfolgen, ohne auf den gestrigen Mio-Gewinn bei „Wer wird Millionär” hinewiesen zu werden. Die entscheidende Frage war nach den Anzahl der Steinchen eines Zauberwürfels. Auf die Antwort 26 kann man zur Not durch Zählen mit Händen und Füßen kommen. Und schaue ich mir die anderen 14 Fragen dazu an, so wundere ich mich nicht. Es war wohl wieder an der Zeit, diese Sendung durch die Presse zu promoten. Und verglichen mit den Anzeigepreisen der Bundespresse ist die 1 Mio Euro auch nicht so übermäßig teuer.

Picture Quality Index statt Bildwiederholrate

Wissenschaften, die eigentlich keine sein müssten: Samsung gibt bei seinen Fernsehgeräten keine Bildwiederholrate an, sondern erfindet stattdessen eigene Parameter: der Picture Quality Index. Eine willkürliche Zahl, die scheinbar auf verschiedene Parameter fußt und vermutlich bewusst auch höher ausfällt als die nachvollziehbare Bildwiederholrate.

Wie soll der Verbraucher denn Geräte miteinander vergleichen können, wenn jeder Hersteller andere Messgrößen erfindet? Doch leider ist diese Verwirrung der scheinbare Zweck. Und dann wundere sich noch jemand, wenn es in einigen Jahren eine EU-Norm gibt, in der erklärt wird, was genau eine Bildwiederholrate ist, wie sie zu messen und anzugeben ist.

Toyotas Spaghetti-Code

Im Jahr 2007 gab es in den USA einen schweren Unfall: durch einen (scheinbaren) technischen Defekt beschleunigte ein Auto, obwohl es Bremsen sollte. Die Betätigung der Handbremse hinterließ eine sehr lange Bremsspur hinter sich. Fahrerin tot, Beifahrerin verletzt. Im Rahmen des Verfahrens wurde der Programm-Code analysiert… Toyota Unintended Acceleration and the Big Bowl of “Spaghetti” Code

Haven Höövts

In Bremen wurde ein Einkaufszentrum größer gebaut, als es der Bebauungsplan hergibt. Im Weser-Kurier werden die strukturellen Probleme (Wegfall einer Werft) des entsprechenden Ortsteils geschildert. Beim anschließenden Satz bin ich durchaus sprachlos:

Vor diesem Hintergrund hätten es alle relevanten Behördenvertreter und politischen Entscheidungsträger für richtig gehalten, das Haven Höövt zu bauen – und bei der Auslegung von Vorschriften nötigenfalls ein wenig Kreativität walten zu lassen.

Wenn die politischen Entscheidungsträger ebenso das Problem gesehen hätten (und für solche Entscheidungen werden sie schließlich gewählt), dann hätte der Bebauungsplan 1218 angepasst werden müssen. Dann hätte es dazu entsprechende Bürgerbeteiligung gegeben. Dann hätte es ggf. noch die eine oder andere Kompensationsmaßnahme für die dichte(re) Bebauung gegeben.

camerawoman

Dinge, die die Welt nicht braucht: ein Kameramagazin für Frauen

Die Macher des Kameramagazins camera stellen fest, dass es kein Kameramagazin für Frauen gibt – und wollen eins initiieren:

Eine Frau erklärt, dass Fotografieren mittlerweile auch für Frauen allgegenwärtig sei. Ich frage mich, ob ich von einem anderen Stern komme. In meiner Welt kenne ich es jedenfalls nicht anders.

Eine andere Frau erklärt, dass Frauen intuitiver, weniger technisch fotografieren. Und dass sie nicht so verliebt in die Pixel seien – wie eben Männer. Ich halte das ja nun ehrlich gesagt nicht für ein Frau-Mann-Ding, sondern es sind schlicht und ergreifend zwei verschiedene Themen. Kameras. Und Fotografieren. Der Hammer. Und das Hämmern. Ein Herr ergänzte daraufhin, dass die meisten Magazine eher technisch lastig seien.

Die nahe Schlussfolgerung wäre die Erweiterung des vorhandenen Themenspektrum um den Schwerpunkt Motivauswahl. Denn dieser scheint wohl zu wenig Beachtung zu finden. Das wäre Inklusion. Hier wird der Weg der Exklusion gewählt: es werden die Geschlechterklischees verfestigt, in dem ein Crowdfunding-Projekt für eine Frauen-Fotozeitschrift ins Leben gerufen wird.