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Homepage von René Pönitz

Der Hamburger Generationskonflikt

Der Magdeburger Blogger kLog hat schon vor ein paar Tagen auf die großen Unterschiede der Kinderbetreuung zwischen den alten und neuen Bundesländern hingewiesen:

71 Prozent der Einjährigen und 88 Prozent der Zweijährigen besuchen in Sachsen-Anhalt eine frühkindliche Bildungseinrichtung oder werden in der Tagespflege betreut. ... In den alten Bundesländern liegen die Betreuungsquoten für Einjährige bei 12,4 Prozent und für Zweijährige bei 29,7 Prozent.

So ein Artikel aus der Volksstimme — wobei man der Statistik allerdings nicht Vorsicht genießen sollte: sie ist von der Bertelsmann-Stiftung!

Nun entdeckte er noch einen weiteren Artikel aus der Zeit, in der die Situation der Kindergärten in Hamburg dargestellt wird:

Wenige Tage später hat die leitende Pädagogin im Briefkasten einen Zeitungsbeitrag gefunden, in dem es unter eindrucksvollen Flammenfotos um eine abgebrannte Kindertagesstätte ging. Es war kein Kommentar dabei, doch verstanden hat sie auch so.[..]
Einer habe Fotos verteilt, auf denen er die Kinder zu nicht genehmigter Stunde im Garten spielend geknipst hatte, erinnert sich die Pädagogin. Ein anderer, der nicht einmal neben einer Kita wohne, habe sich über den »mangelnden Schallschutz innerhalb des Hauses« beschwert.[..]
Dass er gerade 19 Fotos von schief geparkten Autos beim Verwaltungsgericht eingereicht hat, um ein angeblich erhöhtes Verkehrsaufkommen durch den benachbarten Kindergarten zu dokumentieren, sagt er nicht. M. stellt klar, dass sein Angriff nicht den Kindern gelte, sondern »explizit dem Träger SterniPark«, den er im Weiteren als »Gelddruckmaschine in der Maske des Sozialen« bezeichnet.[..]

Der ganze Artikel ist sehr lang, aber lesenswert — und durchaus vielseitig recherchiert! Und wenn man diesen so durchliest, so versteht man nicht, wie assozial einige Bewohner in den besseren Wohnlagen sich anstellen können. Sicher fürchten diese um den Wertverlust Ihrer Häuser — aber man sollte mal die Verhältnismäßigkeiten bewahren. Natürlich treffen solche Phänomene nicht auf die ganze Stadt zu — aber es leider nicht das erste Mal, in der Hamburg durch die Kinderhasser in die Presse gerät — bereits vor fünf Jahren mußte ein Kindergarten schließen — weil er ein Lärmgutachten nicht vorlegen konnte — die davor verlaufende Straße war einfach zu laut.

In dem Haus, in dem ich in Berlin wohne, ist nun mittlerweile schon der zweite Kindergarten eingezogen. Ja, in einer Wohnung eines Mietshauses — in Hamburg streiten sie um ganze Villen. Beim ersten Kindergarten habe ich den Baulärm während der Umbauarbeiten noch gehört — vom Betrieb bekomme ich quasi nichts mit — außer wenn ich die Gruppe im Hausflur antreffe oder mal ein Paket dort abholen darf. Den zweiten habe ich mal so eben zufällig im Vorbeigehen entdeckt: durch ein Hinweisschild an der Tür, man möge wegen des Mittagsschlafes der Kinder nicht zu bestimmten Zeiten klingeln. Dafür haben sie auch den Hinterhof etwas ansehnlicher gestaltet, sicher werden diese die Anwohner zum Hinterhof auch etwas mehr zu hören bekommen. Aber von Anwohnerprotesten habe ich nichts mitbekommen. Nur die direkt drüber Wohnenden hatte es nicht erfreut, daß sie auf die geplante Nutzung beim Einzug nicht hingewiesen worden sind. Für die Kindergärten gibt es aber trotz alledem noch den Treptower Park als Rückzugsgebiet — an Spielplätzen mangelt es dazumindest nicht — trotz der finanziellen Schwierigkeiten der Stadt!

Da kann man sich durchaus fragen, welche der beiden deutschen Metropolen eigentlich ärmer dran ist!

Belauscht.de - Deutschland im O-Ton

Das Schäuble-Portal schlechthin: belauscht.de. Diverse Situation aus dem Alltag werden von verschiedenen Leuten zusammengetragen. Vom Grundkonzept her ähnlich wie German Bash — nur die Situationen sind aus dem Alltag und nicht aus virtuellen Gesprächen. Mein Favorit ist Skandal um rosie.

Zu diesen Auszügen gibt es bereits auch ein Buch (»Entschuldigung, sind sie die Wurst?«), welches bei »Was liest du« von Jürgen von der Lippe sehr amüsant vorgelesen wurde: Teil 1 und Teil 2!

Die Halbtagsgesellschaft

Visionäre Konzepte gibt es sicher zahlreiche, über die Umgebungsgedanken bin ich auf ein Konzept zur sogenannten Halbtagsgesellschaft gestoßen.

Die Konzept geht auf Prof. Dr. Carsten Stahmer zurück, Volkswirt an der Uni Bielefeld. Gut, könnten einige meinen, Bielefeld gibt es nicht. Das Konzept der Halbtagsgesellschaft so gesehen ja auch noch nicht wirklich. Und wie bei allem dieser Konzepte gibt es auch irgendwie wieder ihre Haken.

Grundtenor laut Stahmer ist: jeder erwerbsfähige Mensch soll nur die Hälfte seiner Zeit einer bezahlten Tätigkeit nachgehen, die andere Hälfte fließt in soziales Engagement wie bspw. in Ehrenämtern, Pflege von Kranken oder die Kinderbetreuung ein. Der Gedanke ist sicher konform, dass eine Vollbeschäftigung wie vor dem Zeitalter der Industrialisierung nicht mehr kommen wird. Vorteile sieht Stahmer vor allem für die Gleichberechtigung, da die Babypause keinen Nachteil mehr vor Frauen darstellt, sondern auf das soziale Engagement angerechnet werden soll. Essentiell bei der Betrachtung ist der langjährige Durchschnitt.

Insgesamt ein spannender Ansatz. Ob dies allerdings jemals Chancen einer praktischen Anwendung haben wird, kann man durchaus skeptisch sehen. Offene Fragen ergeben sich bereits an vielen Stellen, der Professor nennt auch schon einige in seinen Publikationen.

Nur stellen wir uns einfach einmal einen kleinen Programmierbetrieb vor. Er bräuchte dann doppelt so viele Mitarbeiter, die jeweils die Hälfte arbeiten bzw. auch kosten. Das Kosten-/Nutzenverhältnis mag auf dem ersten Blick das gleiche sein. Nur bedeuten dann doppelt so viele Entwickler auch mindestens doppelt so viel Koordinationsaufwand, sie wären also weniger produktiv. Das doppelt so viele auch geschult werden müssten, käme zudem noch hinzu. Und beim Modell Aufsparen würde nach drei Jahren Vollzeit und drei Jahren Auszeit wieder eine gewisse Einarbeitungszeit von Nöten sein, um wieder auf den Stand der Technik zu sein.

All das mögen heute noch Hindernisse sein, aber auch diese Herausforderungen gilt es zu meistern, bspw. durch andere Formen der Arbeitsteilung, Agilität und Spezialisierung.

Mehr Infos:

Rauchverbot in Bayern

Eine Partei hat in einem Land die absolute Mehrheit und beschließt ein kontroverses Gesetz. In der nächsten Wahl verliert sie sowohl deutlich an Stimmen als auch die absolute Mehrheit — und schließt Rückschlüsse auf das einst umstrittene Gesetz. Anschließend beschließen sie mit dem neuen Bündnispartner Lockerungen, woraufhin die Opposition einen Bürgerentscheid initiiert, der die ursprüngliche Härte wieder fordert. Der Bürgerentscheid geht gut aus. Nun kann sich diese Partei natürlich freuen, daß ein von ihr beschlossenes Gesetz so viel Rückhalt in der Bevölkerung genießt. Sie kann sich aber vielleicht auch Gedanken machen, daß die Wahlniederlage nun definitiv andere Ursachen hat!

In jedem Fall haben die Bayern nun das strengste Nichtraucherschutzgesetz. Herzlichen Glückwunsch.

(Ob es nun in gänzlicher Härte so gut ist und ob der Funke auch ins restliche / nach Deutschland überspringt, bleibt abzuwarten.)