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Homepage von René Pönitz

Corona-Radtouren durch Hamburg

Durch die Corona-Krise gilt ja vor allem Stay-at-Home. Oder viel wichtiger: Stay-Alone. Wenn die Decke auf dem Kopf fällt, dann ist das Fahrrad ein gutes Werkzeug zum Sonne tanken, bewegen und frische Luft holen – auch das sollte dieser Tage nicht unterschätzt werden. Aber man sollte auch die Punkte meiden, wo möglichst viele Menschen unterwegs sind. Ein Gang zur Alster ist die denkbar blödeste Idee. Zubmindest bei dem Andrang da…

Also gehen meine Touren eher an den Rand der Stadt. Und trotz aller Wehwehchen mit der nun wirklich bescheuerten Fahrradinfrastruktur in Hamburg, so gibt es hier und da durchaus Perlen! Und so manche kleine Bachläufe kennengelernt

Öjendorf / Wandstal (31km)

Grob entlang der U2 zum Öjendorfer Friedhof bzw. Park und via Wandsetal zurück

  • Start am U-Bahnhof Burgstraße
  • Mit Velo-Route 8 bis Horner Rennbahn
  • Entlang U2 bis Schleemer Bach (Die Strecke ist stellenweise komplett neu gemmacht – und lässt sich gut fahren)
  • Schleemer Bach / Jenfelder Bach / Teilweise Velo-Route 14 (Der Weg an der U-Bahn endet am Schleemer Bach. Ab Da kann man dem Bach folgen. Bei der Glinder Straße teilt sich der Weg – und entlang des Jenfelder Baches fährt man östlich des Friedhofes entlang)
  • Öfendorfer Friedhof (Es gibt mehrere Straßen im Friedhof, sogar der Bus hat mehrere Haltestellen)
  • Öjendorfer Park (Vorsicht beim Imbiss im Nordosten – zu viele Leute)
  • Bruhnrögenredder (A24 queren)
  • Schleemer Bach (Auf der Barsbüttler Straße stadtauswärte hinter dem Tierfriedhof reinfahren)
  • Hohenhorstpark / Alt-Rahlstedt
  • Zum Wandsetal – und dieses komplett zurück via Pulverhofpark, Eichtalpark und Eilbekpark (Im äußeren Bereich wenig Querstraßen, innerhalb des Ringes 2 zu viele Leute)

Geestacht (82km)

An der Elbe bis Geestacht und über Bergedorf zurück

  • Start am Hauptbahnhof
  • Oberhafen-Connection (Grenzwertig viele Leute unterwegs)
  • Entenwerder
  • Kaltehofe (Sehr schöner Weg – auch sehr breit)
  • Tatenberger Schleuse / Dove-Elbe
  • ab da Entlang der Elbe (Fast komplett Straße. Es gibt freigegeben Fußweg, aber sobald Fußgänger ihn benutzen, sind die Abstände nicht mehr einhaltbar)
  • Bis Wohnmobilstellplatz Geestacht
  • B404 (Stellenweise grenzwertig zu befahren, viel Verkehr)
  • Etwas quer feld ein (u.a. Radelsweg, Speckenweg, Horster Damm – aus Ausweg zur B404)
  • Brookdeich (Angenehme Nebenstraße)
  • Grünzug entlang der Bille (Schöner Grünzug)
  • Bobberger Niederung (Ich bin dieses mal nördlich des Flugplatzes vorbei – der eigentliche Weg ist südlich)
  • Radweg entlang B5 (Teilweise sehr gut ausgebauter Weg, stellenweise nur Platten)
  • Horner Park

Wilhelmsburg / Bunthäuser Spitze (42km)

Eine Runde durch Wilhelmsburg mit dem Ziel der Bunthäuser Spitze

  • Start: Hauptbahnhof
  • Oberhafen-Connection (Grenzwertig viele Leute unterwegs)
  • Elbbrücken (ich verfluche die Enge – und hoffe, dass kein Gegenverkehr entgegenkommt)
  • Peute (Großes Industriegebiet. Außerhalb Corona wohl eine NoGo-Area wegen zu viel Schwerlastverkehr. Gehweg für Radverkehr freigegeben)
  • Verlauf der Norderelbe (der Fußweg ist freigegeben, aber da hier einige Radelnde unterwegs sind und er auch nicht die Breite hat, lieber Straße. Da die Straße nur die paar Dörfer anbindet, ist die Straße hier ok)
  • Bunthäuser Spitze mit Leuchtturm (Da, wo die Elbe sich in Norder- und Süderelbe trennt, steht ein alter, kleiner Leuchtturm. Man darf nicht über den Campingplatz rein, sondern der Weg, der beim Eingang um das Areal herum führt. Man kann auf den Leuchtturm die ca. drei Meter hochsteigen)
  • Verlauf der Süderelbe inklusive Unterquerung von A1, Eisenbahn, B75 und Alter Harburger Brücke)
  • Pollhorner Deich (Normalerweise viel Schwerlastverkehr, Corona-bedingt geht es)
  • Loop (bis zum Reiherstiegsknie)
  • Reiherstieger Hauptdeich
  • Klütjenfelder Hauptdeich
  • Veddeler Brückenstraße
  • Elbbrücken (und wieder hoffen…)

Ohlstedt (54km)

  • Start: U Wartenau
  • Fahrradstraße Uferstraße am Eilbekkanal (brechend voll, leider. Am besten meiden)
  • Stormarner Straße (als Umfahrung der Wandse)
  • ab Ring 2: Entlang der Wandse u.a. durch Eichtelpark
  • Im Bereich Zwischen den Auen Abbiegen auf Berner Au / Kupferteich
  • Ab U Oldenfelde entlang der Bahn
  • Volksdorfer Wald
  • Am Volksdorf verläuft westlich der U-Bahn der U-Bahnwanderweg bis zur Endstation
  • Ab Ohlstedt: Kleinbahn-Wanderweg bis Wohldorf
  • Wohldorfer Wald
  • Retour via Alster (u.a. Rodenbeker Quellental – hier gibt es unerwartet steiles Gefälle, Hochenbuchenpark, …) bis Außenalster

Alsterquelle (68km)

Die Alster ist in Schleswig-Holstein ein sehr unscheinbarer Rinnsal. Und erwartet nicht unbedingt etwas fließendes. Es ist eher eine stille Quelle. Mit einem Gullideckel aus Bronze, der zur Zeit unter Wasser steht.

Und so ist auch die Quelle in der Nähe von Henstedt.

  • Holperpisten im Bereich Adolph-Schönfelder-Straße und Saarlandstraße
  • Radweg Pergolenviertel (ca. 1,3km echt guter Radweg)
  • Ab Flughafen gibt es separate Wege, teils über Nebenstraßen. Sehr angenehm.
  • Langenhorner Chaussee (teilweise über Radweg neben der Straße)
  • dann entlang U1 bis Norderstadt-Mitte (häufig wechselt die Seite), weiter entlang AKN-Bahn
  • In Höhe von A Friedrichsgarbe entlang Hauptstraße (Ulzburger Straße – nicht sehr schön)
  • Via Henstedter Weg und Norderstedter Straße bis zum Ziel

Zurück:

  • Über Waldstück/Felder bis A Friedrichsgabe
  • Rantzauer Forst
  • Hartagen/Styhagen (schöne, leere Nebenstraße. Echt guter Asphalt!)
  • ab Ring 3: westlich von Niendorf ist durchgehender Grünstreifen bis Niendorfer Gehege
  • Güterumgeheungsbahn (Auch eine sehr schöne Strecke)
  • Entlang des Kanals Tarpenbek, führt zum Haynspark
  • Eppendorfer Landstraße / Klosterstern / Außenalster

Blankenese (45km).

  • zur Alster, weiter über Leinpfad
  • Durch Haynspark, da gibt es Grünzug entlang Tarpenbek/Eppendorfer Mühlenteich
  • Weiter entlang Tarpenbek und Kollau – hier gibt es etliche Kilometer durchgehender Weg ohne Kreuzungen (sehr parallel zur Güterumgehungsbahn). Sehr schön.
  • Nach Querung der Autobahn ist die Ausschilderung irritierend (Einer der Wegweiser zeigt auf ein Freibad – wo man nicht weiter kommt. Ich nahm die Ausschilderung Richtung Stellingen
  • Entlang Düngelau bis S Stellingen
  • Quer durch Altonaer Volkspark
  • Am Desy vorbei, Blomkamp ist angenehme Nebenstraße
  • Via Simrockstraße und Elbchaussee bis hinter zum Strandweg
  • Von da Retour entlang der Elbe via Övelgönne, St. Pauli Fischmarkt

Fazit

Bei allen Touren habe ich die Erfahrung gemacht: je weiter draußen man ist, um so weniger Leute sind unterwegs – und es fährt sich alleine schon deshalb entspannter. Vor allem werden die Abstände da auch eher eingehalten.

Ich habe viele entfernte Parks und Grünanlagen kennengelernt, von denen ich bisher kaum Kenntnis hatte. Es gibt viele kleine Rinnsale, an denen man radeln kann. Viele nimmt man gar nicht wahr – und oftmals sind diese Grünanlagen auch ganz gut miteinander verbunden. Man muss sie nur finden. Und viele der Wege habe ich beschrieben.

Straffreie Abtreibung in Neuseeland bis zu 20 Wochen

Das kleine Land mit den 4 Mio Einwohnern am anderen Ende der Welt, was öfters mal von der Weltkarte rutscht, hat im März Abtreibungen bis zur 20. Woche gänzlich erlaubt. Hierzulande tauchte die Meldung kaum in den Medien auf.

Berührungspunkte mit dem Thema hatten wir während der Weltkreise. Als wir in Wellington Verspätung bei der Fähre hatten, liefen wir noch zum Regierungsgebäude. Vor diesem war gerade eine große Demonstration der Abtreibungsgegner. Kurz zuvor hatte eine Rechtskommission drei Optionen für eine neue rechtliche Regelung abgegeben, worauf hin es eben zu Demonstrationen rückschrittlich gesinnter Menschen gab. Zudem gab es auch Gegendemonstranten am Rande der Demo. Ich kam mit zwei Leuten ins Gespräch.

Während also in Deutschland Abtreibung nach wie vor eine Straftat ist, die unter bestimmten Bedingungen (Vorberatung, bis zu 12. Woche, etc.) straflos bleibt – und unsere Regierungskoalition selbst das straffreie Hinweisen auf ärztliche Tätigkeiten nicht gebacken bekommt, hat Neuseeland da einen bemerkenswerte Wendung hingelegt:

Um eine Schwangerschaft abbrechen zu können, mussten also Schlupflöcher gesucht werden. So mussten beispielsweise Krankheiten zum Schutz vor Strafverfolgung vorgetäuscht und von zwei Ärzt*innen bestätigt werden, so dass Abtreibungen herausgezögert und somit gefährlicher wurden. Nun sind legale, sichere Schwangerschaftsabbrüche ohne Nachweise über zum Beispiel den Gesundheitsstatus bis zur 20. Schwangerschaftswoche möglich.

(Quelle: Humanistischer Pressedienst)

Wahrscheinlich hätte ich von der Wendung wohl auch nichts mitbekommen, wenn ich nicht vor eineinhalb Jahren diese Demonstration gesehen hätte und vor einigen Wochen die Bilder der Reise gesichtet hätte.

Unsere Weltreise von 2018

Was ist das Beste, was man während der Corona-Lockdown-Zeit machen kann, wo eh derzeit keinerlei Reisen möglich sind? Richtig: alte Reisen nachbereiten. Und so habe ich die Bilder von der Weltreise 2018 sortiert und die Reiseberichte einmal zu Ende geschrieben. Wer also unsere Abenteuer von Hong Kong, Japan, Fiji und Neuseeland nachvollziehen will: Hier entlang !

Umgang mit Fehlern

Zugegeben: Auch ich schaue gerne Realsatire an. Und Behördenpossen gehören da auch dazu. Aber nicht jede Panne eignet sich dazu, diese als „Irrsinn der Woche” zu betiteln. So entdeckte ich erst kürzlich die Sendung von extra3 vom Oktober 2018. Die neuen Straßenbahnen der Düsseldorfer Rheinbahn waren zu breit für die Duisburger Haltestellen:

Im Grunde ist nach 33 Sekunden mit vier Worten alles gesagt, was es zu sagen gibt:

Wir haben falsch bestellt!

Nein, es wird nicht der Finger zuerst auf andere gezeigt, die einen Fehler gemacht haben könnten. Der Betreiber räumt den Fehler in den eigenen Reihen ein. Wozu noch weitere Häme?

Richtig absurd wurde es dann bei 1:29:

Zumal die 43 neu bestellten Bahnen 120 Mio Euro kosten.

Genau deshalb werden ja zunächst nur einzelne Testfahrzeuge bestellt und dem Praxistext unterzogen. Ja, der schlug nun fehl. Nun gab es also konkrete Beschädigungen an einer einzelnen Bahn, Umplanungsaufwand und möglicherweise noch ein paar nicht für Duisburg einsetzbare Züge. Das Groh der Bestellung sollte – es sind gut eineinhalb Jahre vergangen – dafür passen.

Ich wünschte mir, Unternehmenskommunikation würde immer so ablaufen! Wenn aber gerade solche klaren Worte nur noch mit Häme ausgeschlachtet wird, kann ich mir manch zurückhaltene Kommunikation durchaus vorstellen. Und nicht selten gibt es überhaupt keine Kommunikation.

It's the End of the World as We Know It

Ich war draußen. An der frischen Luft. Exakt so, wie es die derzeitige Allgemeinverfügung für Hamburg beschreibt. An einem der Nachbareingänge stand eine große Kiste mit der Aufschrift „Zu Verschenken”. Im Inneren waren Bücher und CDs.

Ich griff hinein – und hielt die CD The best of R.E.M. (von 1991) in der Hand. Der letzte Titel der CD war „It’s the End of the World as We Know It (And I Feel Fine)”. Das Lied von 1987 passt zu den aktuellen Tagen:

Servicewüste

Es folgt ein Beitrag über eine Bestellung in einem kleinen, aber feinen Online-Handel. Die Bestellabwicklung ging leider völlig in die Hose. Die Kommunikation im Nachgang leider auch.

Das Beispiel kann gerne herangezogen werden, um aufzuzeigen, was alles falsch lief und wie man es besser machen kann.

Da ich diesem Laden keinen Schaden zufügen möchte (dafür sind sie zu klein), nenne ich keine Namen – und bitte das auch beim Kommentieren zu berücksichtigen.

Tag 0: Am Abend bestelle ich in einem Online-Handel Kuchen sowie weitere frische Backwaren für eine Geburtstagsfeier am Tag 5. Und damit sich die Bestellung lohnt auch Marmelade und Backmischungen dazu.

Tag 1: Ich erhalte vom Händler um 15:31 die E-Mail „Deine Bestellung wurde fertiggestellt!” und um 15:41 die E-Mail „Ihre Bestellung XYZ ist versandbereit.” Letztere mit Trackingnummer der Post.

Tag 4: Ich wundere mich, dass ich keinerlei Fortschritt bei der Post sehe. Ich rufe im Café des Händlers an, weil das Lager kein Telefon hat. Die erste Person konnte nichts dazu sagen – und gab das Telefon weiter. Ein Kollege nahm den Fall auf – und wollte sich schlau machen. Wenig später erfolgte ein zweites Telefonat mit der Aussage, dass das Paket nicht mehr im Lager auffindbar sei, folglich also schon fortgeschickt sei. Damit ist auszugehen, dass wenn bis Tag 4 noch keinerlei Fortschritt im Lieferprozess zu erkennen ist, es auch am Tag 5 nicht ankommen wird und die verderbliche Ware das gesamte Wochenende auf Reise ist. Mir wurde gesagt, ich könne die verderblichen Waren nach Empfang nur noch reklamieren. Damit war die Bestellung für die Feier wohl gegessen. Wenn nicht auf das Gästeliste auch jemand aus diesem Ort gestanden hätte.

Wir regeln also telefonisch eine Ersatzbestellung. Wir sprachen nicht über Preise – die waren ja bekannt. Da beide Vorgänge nun getrennt voneinander laufen, müsste ich sie noch einmal bezahlen – das sollte nun nicht das Problem sein. Da zwischenzeitlich eine Freundin von dem Wirbel mitbekam, fragte sie, ob nicht gleich noch ein weiterer Kuchen auf Reise gehen kann. Soweit alles telefonisch vereinbart, wurden dann Waren vom Versandlager mit ihren üblichen Routinefahrten ins Café befördert. Da zum Zeitpunkt des Telefonats ein anderer Kuchen zum selben Preis verfügbar war, der zum Zeitpunkt der Bestellung nicht vorrätig war, wechselten wir ihn aus. Das war Nice-2-Have im Rahmen der Umstände.

Tag 5: Der Bekannte holte vor seiner Abfahrt das Paket ab – und bezahlte. (Vor Ort waren sie etwas irritiert, weil er später kam als gedacht. Ich sollte dann telefonisch noch mal durchgeben, was zuvor besprochen wurde.)

Tag 6: Nach der Feier nahm ich den Beleg in die Hand – und stellte fest, dass der Kuchen plötzlich teurer ist.

Tag 8: Das Paket kam an.

Tag 11: Ich reklamierte die Lieferung und habe den Aufpreis beanstandet. Zugegeben: Ich hatte es eher noch nicht geschafft. Ich erfahre, dass das Paket am Tag 7 das Lager erst verlassen hätte, weil eine Marmelade wohl gerade vergriffen war und man die Lieferung deshalb zurückgehalten hat. Ansonsten wirkte die E-Mail so, als war der bisherige Verlauf im Support nicht bekannt gewesen (Dokumentiert man solche Vorfälle nicht?). Ich schildere noch einmal den kompletten Verlauf.

Tag 14: Die eine Abteilung kennt die Belege der anderen nicht, ich soll den Bon bei der Abholung aus dem Café übermitteln (Leute, wir haben 2020 – und das ist ein kleiner Betrieb. Die Belegnummer teilte ich im Vorfeld mit).

Tag 15: Ich habe noch einmal hingewiesen, dass der Fehler hier der Kommunikations-Fail ist – und bat um eine Lösung. Ich schrieb zur Sicherheit meine Mobilfunknummer dazu.

Am Tag 16 kam es dann zum Gespräch. Und ehrlich: Wenn man Kunden halten will, dann redet man anders.

Der Hauptteil des Gespräches ging in die Richtung, was ich nun alles mit dem nun zusätzlichen Kuchen anstelle. Doch den brauche ich ja nun nicht mehr. Die Party ist vorbei. Mir wurde die Aussicht auf einen Gutschein gestellt. Anfangs 4, dann 5 Euro. Vielleicht waren es im Gespräch auch irgendwann mal 6 Euro. Das löste jetzt nicht unbedingt einen Begeisterungssturm bei mir aus, wenn ich zusätzliche Waren im Wert von 30,83€ (Versandpreis) bzw. 34,60€ (Café-Abholpreis) hier herumliegen habe.

  • „Sie können ihn problemlos einfrieren! Hält wunderbar lange.” Ich fühle mich genötigt, hier an der Stelle mal ein Bild der Gefrierkapazitäten preiszugeben. Genau deshalb habe ich es eben zeitlich passend bestellt.
  • „Sie können ja auch etwas Gemüse abessen” – Joa.
  • „Oder im Kühlschrank” – Habe ich schon erwähnt, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum der Tag 16 ist?
  • „Oder bei ihrer Freundin, die den anderen Kuchen abnahm. Vielleicht hat die nen größeren Gefrierschrank.” – Joa, ich renne zur Lagerung für einen Kuchen erst ne halbe Stunde durch die Stadt. Genaugenommen zweimal, um ihn später wieder zu holen.

Verdammt nochmal, der Händler hat’s hier völlig verrissen – und jetzt soll ich mir eine Platte machen?

Genau genommen waren es drei wesentlichen Kommunikationspannen des Händlers, die nun zu dieser Situation führten:

  • Mir wurde eine Erfolgsmitteilung zum Versand verschickt hatte – und anschließend wurde das Paket ohne jeglichen Kommentar zurückgehalten (Fragt, wenn etwas Bestelltes doch nicht lieferbar ist! Dann hätte ich gesagt: Schickt ohne los – oder packt was anderes zu.)
  • Mir wurde beim Anruf und nach Prüfung mitgeteilt, dass das Paket schon auf Reise war (sonst hätte man ja das Paket ins Café befördern können – wäre wohl das einfachste gewesen).
  • Aufgrund dieser Umstände wurde signalisiert, dass die Retoure kein Problem sei (Wer weiß, vielleicht hätten wir dann noch spontan eine Backsession hingelegt. Was wir ohne den Hilfskurier wohl eh machen mussten.)

Wir lösten die Ersatzbestellung aus, um für die Feier noch zu retten, was noch zu retten geht.

Nächste Meinungsverschiedenheit ist die Preisdifferenz. Dass es im Café teurer als im Versand ist, ist klar (Bewirtung). Dass aber Ware, die da nur abgeholt wird, zum Café-Preis verkauft wird, ohne vorher darauf hinzuweisen, zumal es ja nur eine Ersatzlieferung war, finde ich dann unverschämt. Am Telefon wollte man dafür kulant sein – aber nur für den einen Kuchen. Der zweite Kuchen nicht, weil: Hätten wir den Kuchen separat bestellt, käme Porto drauf. Nein, erst als die Freundin vom Lieferproblem erfuhr – und dass wir einen „Kurier“ nun organisierten, signalisierte sie Interesse, wenn eh noch jemand das Ding abholt. Das hätte zu keiner eigenständigen Bestellung mit Postversand geführt.

Warum dieser Beitrag?

Es ist ein Musterbeispiel, wie ein Unternehmen absolut nicht mit Reklamationen umgehen sollte. Mir wäre es als Händler ja peinlich – und hätte es als Lehrgeld verbucht. Ja, Pannen passieren. Aber dann muss auch dazu stehen. Allein dieses Herumgedruckse um 4 oder 5 Euro Gutschein. Seriously?

Im Ergebnis wurde noch ein Kompromiss gefunden, der in etwa auch den meinigen Zielvorstellungen entspricht.

Hamburgs Zentrum autofrei?

Zwei Wochen vor der Bürgerschaftswahl werfen die Grünen der SPD vor, ihre Pläne zur „autoarmen“ Innenstadt abgeschrieben zu haben, während am 21.01. Katharina Fegebank solche Forderungen selbst für „irre“ bezeichnete.

Ich hätte gerne das Gebiet innerhalb des Ringes 1 „autofrei“ – und frage nich, ob SPD und Grüne überhaupt wissen, wer derzeit in der Regierung sitzt. Nach fünf Jahren SPD-Alleinregierung und fünf Jahren Rot-Grün gab es bisher nur den temporären Versuch im Sommer 2019 für acht kleine Straßen wie Dornbusch und Trostbrücke. Dass dies mit der SPD nicht kommen wird, zeigte Peter Tschentscher bereits in einem Interview im Juli 2019. Er werde „über autofreie Zonen nachdenken, sobald die Alternativen zum Auto ausreichend zur Verfügung stehen“.

Gute Ideen sind nicht nur zum Kopieren da, sondern auch zum Umsetzen!

Wollten SPD und Grüne ernsthaft die Autos aus der Innenstadt verbannen, dann hätten sie uns im Wahlkampf mit einem entsprechenden autofreiem Gebiet rund um den Jungfernstieg überrascht! Wenn die vielfältigen Alternativen wie Fuß, Fahrrad, Rikscha, Bus, U-Bahn und zukünftig Straßenbahn immer noch nicht als ausreichend angesehen werden, dann wird dieses Thema am 23.02. mit dem Schließen der Wahlurnen für knapp fünf Jahre beerdigt werden!

Und das ist schade!

(Zu meiner Pressemeldung der Piraten Hamburg)

Erhaltungsverordnung in Eilbek

Seit einigen Tagen wohne ich einem Milieuschutzgebiet, für den Ortsteil Eilbek wurde eine Erhaltungsverordnung in Kraft gesetzt. Das ist ein baurechtliches Instrument, was – ganz salopp formuliert – verhindern soll, dass aus Wohnungen Wohnungen werden, für die man in der Regel wesentlich höhere Mieten zu bezahlen hat. Damit sind bestimmte Formen der baulichen Aufwertung (z.B. Anbau von Balkons) oder auch das Abriss von Wohnhäusern ausgeschlossen bzw. bedürfen eines gesonderten Antrages.

Was das ist und wie das funktioniert, habe ich vor einigen Jahren schon einmal ausführlich am Beispiel von Alt-Treptow gebloggt. Ich war damals Mandatsträger in der Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick. In Alt-Treptow leistete die SPD sehr lange Widerstand dagegen und leugnete die Verteuerungsprozesse. Erst mit Hilfe eines Einwohnerantrages (d.h. mehr als 1000 Menschen im Ortsteil forderten dies ein) kam ein Umdenken – und pünktlich vor der Berliner Wahl 2016 trat diese dann in Kraft.

Heute geht es allerdings um Hamburg-Eilbek. Und um die SPD sowie ihr Handeln kurz vor Wahlen. Zugegeben: Ich habe mich hier nicht um alle Details der Entstehung beschäftigt. Aber dieser Beitrag der Abgeordneten Juliane Timmermann zeigt durchaus, wie realitätsfern die SPD ist:

Die Soziale Erhaltungsverordnung schützt die Mieterinnen und Mieter in Eilbek, damit Eilbek lebenswert, vielfältig und bezahlbar bleibt! #ganzestadtimblick #eilbek

Dieses Statement enthält zwei Aussagen mit dem kleinen Wörtchen bleibt: Einerseits wird suggeriert, dass der Ortseil heute bezahlbar sei. Und dass er durch dieses Instrument auch künftig bleibt. Beide sind falsch!

Ich habe das große Glück, noch in diesem einigermaßen zentralen Stadtteil in eine Wohnung einziehen zu können. Doch schaut man sich die den Wohnungsmarkt an, so wird einem Angst und Bange. Eine Wohnung für unter 10 Euro pro qm kalt? Vergiss es. Schon lange nicht mehr. Wer einen §5-Schein hat, kann eventuell Glück haben. Vielleicht noch wer in einer der Wohnungsgenossenschaften hineingeboren wurde.

Vielleicht hätte man die Erhaltungssatzung vor zehn Jahren beschließen sollen? Zusammen mit einigen anderen Maßnahmen?

Nun gebe ich auch als Kandidat ehrlich zu, dass die zur Verfügung stehenden Maßnahmen auf Landes- und Bezirksebene begrenzt sind, um das Problem steigender Mieten zu lösen. Vieles ist Bundesrecht. Und da können wir dieser Tage der SPD als Mitglied der Regierung nicht attestieren, hier nennenswerte Vorteile für die Menschen in Mietwohnungen geschaffen zu haben. Die Mietpreisbremse hätte ein schönes Instrument werden können, ist aber derzeit ein zahnloser Tiger.

Ich blicke neidvoll auf Wien, die kontinuierlich den sozialen Wohnungsbau aufgebaut haben und manche Probleme gelöst haben. Wenn hier jemand aber den Stein der Weisen gefunden hätte: es wäre umgesetzt. Berlin probiert gerade, diese Kompetenzen auszureizen und wir dürfen gespannt sein, ob die Idee des Mietendeckels vor Gericht Bestand haben wird (siehe Artikel der Berliner Piraten zum Mietendeckel ).

Was aber die Menschen sehr wohl von einer Person, die derzeit im Landesparlament sitzt, erwarten dürfen: eine realistische Einschätzung der Lage. Und auch eine realistische Einschätzung über die beschlossenen Maßnahmen. Ob mit oder ohne Erhaltungssatzung: die Mieten werden auch auf dem heutigen Niveau nicht stagnieren. Im Gegenteil. Schon alleine durch Konstrukte wie die in Hamburg beliebte Indexmiete und der Mietspiegel. Mit anderen Worten: Selbst wenn heute die Mieten in Eilbek bezahlbar wären, so gibt es auch mit der Erhaltungssatzung keine Garantie, dass sie es morgen noch sind.

Ich möchte nicht gegen das Instrument der Erhaltungsverordnung sprechen. Im Gegenteil. Das Instrument hat eine Daseinsberechtigung. Wenn mein Vermieter auf die Idee kommt, in meiner Wohnung Marmorfußböden zu verlegen, so kann ich mich weigern und die Behörden können nun einen Riegel vorschieben. Vor Mieterhöhungen bleibe ich dennoch nicht verschont. Soviel Ehrlichkeit sollte sein, liebe SPD!