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Liebe 51 Tatort-Autoren,

Die Antwort auf euren offenen Brief an die Netzgemeinschaft, Grünen, Linken und Piraten des Chaos Computer Clubs kennt ihr sicherlich bereits. Ich möchte noch einige Gedanken anmerken.

Auch wenn es sicherlich gute Gründe gibt, das Urheberrecht als ganzes einzustampfen, haben sich die Piraten zum selbigen bekannt. Allerdings soll es reformiert werden. Zum letzten Bundesparteitag wurde ein Maßnahmenkatalog mit 84 konkreten Einzelanforderungen beschlossen. Es macht in meinen Augen mehr Sinn, eine Debatte über diese konkrete Forderungen zu führen, als über irgendwas, was gerüchteküchemäßig irgendwelche Gruppen befinden. Vor allem macht es Sinn, diese Anforderungen zu kennen. Sollte von diesen Anforderungen sich die eine oder andere als schwachsinnig herausstellen, so können eure Argumente in der Tat helfen, die Piraten beim nächsten Bundesparteitag umzustimmen.

Eine wichtige Anforderung, die speziell für euch Tatort-Autoren gilt, ist die folgende:

43 — Archivierungspflicht für öffentlich-rechtliche Sendeunternehmen. (§55 Absatz 2)

Eigenproduktionen von öffentlich-rechtlichen Sendeunternehmen sollten in ein öffentlich zugängliches Archiv überführt werden müssen. Die Beiträge sind bereits durch die Rundfunkgebühren von der Öffentlichkeit finanziert, wodurch die Öffentlichkeit ein uneingeschränktes Recht auf ihre Verfügbarkeit erhalten muss. Der Urheber sollte hierauf hingewiesen werden, wenn er sich an der Produktion eines öffentlich-rechtlichen Senders mit seinem Werk beteiligt.

Soll heißen: Was mit öffentlichen Geldern bezahlt wird, sollte auch von der Öffentlichkeit genutzt werden.

Ferner sollte man — das ist allerdings meine persönliche Meinung — die Produktion von Kriminalsendungen auf den Prüfstand stellen, in wie weit sie der »Informationellen Grundversorgung« dienen. Denn dafür wurden einst die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten gegründet.

Viele Grüße.

Die SPD will das Wahlrecht hacken

Lesetip: Wahlrecht, Plan B

Ulrich Kelber schildert einen sehr interessanten Hack im Wahlsystem, bei der sie mehr Plätze erobern kann, als ihr nach Wahlrecht eigentlich zustehen würde. Dazu teilt sich die Partei in zwei Einzelparteien. Die herkömmliche Partei tritt für die Zweitstimmen an (SPD), die zweite Partei ausschließlich für die Direktkandidaten (SPD Direkt). Mit diesem Ansatz würden Direktmandate nicht mehr verrrechnet werden können. Würden nach der Wahl diese beiden Parteien zu einer Fraktion zusammentreten, so hätte diese mehr Plätze als zuvor.

Ich zitiere aus dem Dokument:

Die deutliche manipulierende Auswirkung von »Plan B« würde eine massive gesellschaftliche Debatte auslösen, da die Absurdität des schwarzgelben Wahlrechts für alle sichtbar geworden ist.

Unwort des Tages: Anschlußverwendung

Philipp Rösler, FDP:

Aus unserer Sicht ist jetzt die Bundesagentur für Arbeit am Zug. Jetzt gilt es für die Beschäftigten, die mehr als 10.000 vornehmlich Frauen, alleinziehende Mütter, und auch ältere Frauen, schnellstmöglich eine Anschlußverwendung selber zu finden.

Ein Satz, der wieder für Empörung verursachte. Ein Satz, der zum Grübeln einläd. Und vor allem ein Satz, den man sich mehrfach auf der Zunge zergehen läßt, bis er gramatikalisch Sinn macht. Auf wen bezieht sich das Wort »selber«? Auf die Beschäftigten? Oder auf das Arbeitsamt. Nur wenn die Beschäftigten sind, warum nennt er dann zuvor das Arbeitsamt?

Der Begriff Anschlußverwendung ist ein klassisches Griff ins Klo — und hat Potential zum Unwort des Jahres. Lange dürfte es nicht mehr brauchen, bis Rösler eine Anschlußverwendung für sich selbst bräuchte.

Die Piraten bei 12%

Der Preis für den vermutlich besten Aprilscherz 2012 dürfte an das Meinungsforschungsinstitut Forsa gehen: sie prophezeien den Piraten in einer Hochrechnung 12% der Wählerstimmen. Das Ergebnis ist auch ganz nüchtern bei Wahlrecht.de aufgelistet.

Allerdings: Forsa veröffentlich die Hochrechnungen immer Mittwochs. Es wäre ein grotesker Zufall, wenn sie ihr Verfahren nun extra an einem 1. April geändert hätten. Zudem waren die Zahlen erst bei RTL zu sehen, danach bei wahlrecht.de.

Anmerkung: Auch nach zwei Tagen gibt es keine Entwarnung — und die Medien stürzen sich auf diese Zahlen.

Anmerkung, die 2: noch ein anderer, netter Aprilscherz