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Homepage von René Pönitz

Reisezwischenstand - Flug nach Fiji

Die letzten Artikel drehten sich alle noch rund um Kyoto, doch mittlerweile sind wir schon längst nicht mehr in Japan.

Wir verließen Kyoto – und unsere nächste Etappe war Narai. Ein relativ unbekannter Ort in der Landesmitte – und auch nur mit Regionalzügen erreichbar. Narai ist ein „konserviertes” Örtchen, wo die Zeit sichtbar stehen geblieben war – und alte Bauwerke von vor 200 Jahren das Bild dominieren. Dort hatten wir eine relativ teure Bleibe mit Halbpension – dafür gab es auch ein 12-Gänge-Menu (also ein Tisch mit 12 Schüsselchen diverser Essen gedeckt). Es war definitiv einer der schönsten Orte in Japan, vor allem da er nicht überlaufen war.

Ganz im Gegenteil zu Hakone/Gora, unser nächster Punkt. Hier schlug das Wetter um – und wir erlebten leider fast zwei komplett regnerische Tage. Wir wollten die Rundtour machen, doch die war am ersten Tag wegen Gewitter gesperrt. Dagegen strömten doch unzählige Touristen dahin.

Wir erreichten Tokio – und das Tokio Hotel war eine kleine Absteige. Insgesamt haben wir weit weniger gesehen als wir wollten. Zudem kam etwas Erkältung hinzu. Ein Taifun wurde angekündigt – und wehte am Abend des 30.09. ordentlich. Zugegeben: Mitternacht stand ich draußen vor der Tür und beobachtete den Wind. Es wurde immer Wärmer, der Regen pferchte waagerecht. Und mein Shirt wollte nicht nass werden.

Am 02.10. haben wir nun Japan verlassen und flogen nach Fiji. Nun heißt es die nächsten Tage „Bula Bula”. Was schon mal im Flugzeug auffiel (Fiji Airways), dass die Flugbegleiter entspannter und lockerer drauf sind als ich sonst bei Flügen kenne.

Nach einer kurzen Nacht im Flugzeug stiegen wir in Nadi aus. Und wurden – noch vor der Passkontrolle – von drei Fijis mit Gesang und Zupfinstrumenten begrüßt. Das ist mir noch nicht passiert. Die Passkontrolle sieht auch nicht so furchteinflössend aus wie bei uns. Spannener war das Gepäck. Doch dazu später ebenso mehr wie zum Kulturschock beim Verlassen des Flughafengebäudes.

Wir sind nun im Wananavu Beach Resort. Leider begann der tropische Regen – und es tröpfelt, während ich diese Zeilen schreibe.

PS: Der erste Schwung Postkarten ist raus. Wir haben leider vergessen, das Versanddatum zu dokumentieren. Es war der 02.10., sollten also am Ende der Woche da sein.

Nahverkehr in Tokio

Keine Frage: Die 23 Städte haben ein recht ausgedehntes U- und S-Bahnnetz. Alles, was wir erreichen wollten, haben wir mit schienengebundenen Verkehrsmitteln erreicht. Mit Ausnahme des Flughafen-Expresses nach Narita haben wir nie auf Fahrpläne geschaut. Das ist sehr angenehm. Hier ein Foto vom Bahnhof Ichigaya:

Je umfangreicher das Nahverkehrsnetz, umso größer die Herausforderungen an die Visualisierung. Vor Jahren bloggte ich über den neuen Linienplan von Moskau, das Netz der 23 Städte hat noch gewaltig Spielraum nach oben (siehe Liniennetz)

Und dieser Plan zeigt nur die U-Bahnen an. Die Eisenbahn- und Sonderlinien sind nur angedeutet, aber nicht minder wichtig. Dafür gab es wieder eigene Pläne. Und dann fängt man an, zwei Pläne übereinander zu halten. Und das I-Tüpfelchen: Manche U-Bahnen fahren im Außenbereich auch auf Eisenbahntrassen.

Das wäre an sich nicht das Problem, wenn es wie in Deutschland Verkehrsverbünde gäbe. Gibt es aber nicht. Man bezahlt in Japan für jede Gesellschaft einzeln. Wir hatten an einem Tag für die U-Bahn eine Tageskarte gelöst. Dann wechselten wir die U-Bahn – und standen vor einer Bezahlschranke, die sich nicht öffnen ließ. Die Tageskarte war für die Tōkyō Metro – aber das war nun eine Linie der Toei-U-Bahn. Das Irre an dieser Konstellation: die Tōkyō Metro gehört der Präfektur und dem japanischen Staat, die andere nur der Präfektur. Also beides gehört zu 100% der öffentlichen Hand.

(Das sind dann die Momente, wo ich verstehe, dass man Japanern gerne nachsagt, die lösen lieber gleich die größtmögliche Ticketkonstellation, um auf alle Eventualitäten vorbereitet und ja keinen Fehler zu machen.)

Zurück zu den U-Bahnen, die auf Eisenbahnen fahren: Als wir am letzten Tag eine Rundreise durch die östlichen Vororte machten, mussten wir am Bahnhof Shim-Matsudo auch aufpassen, nicht in eine Bahn zu steigen, die in ihrem weiteren Linienverlauf zur U-Bahn wird. Keine Ahnung, was passiert wäre, wenn wir dann zu spät ausgestiegen wären…

Was sehr angenehm ist (und das habe ich auch schon in Osaka und Kyoto geschrieben): Jede Linie hat einen (oder ggf. auch mehrere Buchstaben bei den Eisenbahnen) und eine Farbe. Und jede Haltestelle einer Linie hat eine Nummer. Selbst wenn man die Ansagen auf Englisch nicht versteht: M17. Ich kann die Haltestellen einfach durchzählen.

Ebenso sehr angenehm sind die Anzeigen zu den einzelnen Haltestellen einer Linie. Wo sind Aufzüge und Treppen und wo kann ich insbesondere am Zielort schneller umsteigen:

Weiterflug nach Fiji

Die Zeit in Japan verging wie im Flug. Nachdem wir Tokio bereisten und die ersten Dinge mit der Post zurück nach Hamburg schickten, ging es zum Flughafen Narida. Es stand der zweite Übernachtflug an.

Vom Bahnhof Tokio gibt es den Narida-Express. Der ist glücklicherweise im Japan Rail Pass inklusive. Wir gaben unser Gepräck auf und warteten auf den Flug.

Am Flughafen machten sich die Japaner noch einmal alle Ehre: anstelle normaler Toiletten waren die Toiletten gleich eine kleine Ausstellung moderner Bedürfnisanstalten.

Wir steigen ein – und werden mit einem freundlichen „Bula” begrüßt. Überhaupt wirkt das Personal wesentlich freundlicher und entspannter, als ich es sonst auf Flügen erlebte. Es war ein Vorgeschmack auf die Mentalität von Fiji.

Das Flugzeug ist verhältnismäßig leer. Das machte es angenehm, so dass wir uns auf freie Plätze verteilen konnten. Es gab Essen:

Ich surfte durch das Musikprogramm und entdeckte einerseits George Ezra, andererseits First Aid Kit. Gerade George Ezra stimmte mit der eher fröhlichen Musik gut auf Fiji ein. Irgendwie liefen die beiden Alben in Endlosschleife auf meinen Kopfhörern.

Trotz des Nachtflugs und weiterer Stunden Zeitverschiebung landeten wir halb 10 Ortszeit am Internationalen Flughafen von Nadi.

Reisen in Japan

Wir haben drei Wochen Japan geplant – und wollten in der Zeit auch verschiedene Orte anschauen. Für die Reisen zwischen den verschiedenen Orten ist der Zug eindeutig das beste Fortbewegungsmittel. Zum einen gibt es die sogenannten Shinkansen als Fernzüge, zudem auch jede Menge weiterer Fern- und Regionalzüge. Auf den Hauptstrecken muss man nie lange warten.

Inlandsflüge waren dagegen nicht geplant – und waren zwischen den Orten auch nicht sinnvoll. Sie gibt es in Japan auch nur für weitere Strecken.

Wir hatten für einen geplanten Ausflug nördlich von Tokio angedacht, mit einem Mietwagen für zwei Tage ein Gebiet zu erkunden. Davon haben wir Abstand genommen. Japan erkennt den internationalen Führerschein von Deutschland nicht an. Um also in Japan Auto zu fahren, müsste man sich den Führerschein komplett übersetzen lassen. Der internationale Führerschein von Österreich wird dagegen anerkannt. Warum auch immer?

Für Touristen gibt es den Japan Rail Pass. Wie eine Bahncard 100 für 7, 14 oder 21 Tage. Sie kostete im Jahr 2018 59.350 Yen (umgerechnet 452 Euro). Damit kann man den Regional- und Fernverkehrs der sechs verschiedenen Eisenbahnunternehmen (die als Japan Rail laufen) in Anspruch nehmen. Nicht enthalten sind die städtischen U-Bahn-Linien sowie andere Privatbahnen. Die spannende Frage ist im Nachgang: Lohnt sich das Ticket? Ich habe die Zugfahrten einmal aufgeschlüsselt? Ich habe alle Fahrten aufgeschrieben und nachgerechnet. Der weit größere Bonus: Du musst bei der einzelnen Fahrt nicht mehr um Tickets kümmern.

Erschreckend ist, dass in Japan die Eisenbahnunternehmen komplett privatisiert worden sind. Bemerkenswert ist dagegen, dass anders als beispielsweise in England oder vielen anderen Ländern die Eisenbahn trotzdem noch funktioniert. Und erstaunlicherweise auch sehr gut.

Verspätungen sind die peinliche Ausnahme der Unternehmen. Sie kamen vor, aber selten. Die Bahnhöfe sind allesamt sauber. Es gibt keine Graffiti und der gleichen. Auf den Bahnsteigen gibt es teilweise sogar gepolsterte Sitze. Besonders löblich sind die Toiletten. Der Bahnhof kann noch so klein sein: es gab immer eine Toilette für Reisende. Kostenfrei. Das ist Service! Andererseits gibt es so gut wie keine Mülleimer auf Bahnsteigen. Bei Getränkeautomaten waren häufig die Öffnungen so großzügig, dass die da gekaufte Flasche wieder zurückgegeben werden konnte.

Als wir in Takamatsu ankamen, lernten wir zunächst die absolute Nebenstrecke kennen. Eingleisig, nicht elektrisiert, der Bahnhof Ritsurin-Koen-Kitaguchi war alles andere als barrierefrei und bot nur wenig Regenschutz. Wir mussten die Koffer also über unzählige Treppenstufen tragen.

Nervig waren dagegen die weiteren Bahnen. Zum Beispiel die Eisenbahn von Machida nach Gora. Hier galt kein Japan Rail Pass – und mussten das Ticket bezahlen. Für 1300 Yen in einer gewöhnlichen Regionalbahn – oder für 2210 Yen im Romance-Car. Letzterer hat sich gelohnt, denn das war ein besonders nobler Zug. Wir hatten Glück und saßen in der ersten Reihe, wir hatten die Lokführerperspektive.

Im städtischen Nahverkehr ist der Tarifjungle eine Belastung. In Japan gibt es keine Verkehrsverbünde. Wechselst du das Unternehmen, so wird es in der Regel teurer. Schon in den 23 Städten, die einst Tokio waren, gibt es zwei U-Bahn-Betreiber. Und schon wird der Nahverkehr teurer. Ohne Japan Rail Pass hätten wir für die Eisenbahnen (ähnlich einer S-Bahn) auch extra bezahlen müssen. Und Kyoto war die Struktur noch weitaus diffuser.