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Reise ans andere Ende der Welt

Diese Kategorie dokumentiert unsere erste große Weltreise. Wir bereisten zwischen September und November 2018 die Länder Länder Hongkong, Japan, Fiji und Neuseeland. Zugegebenermaßen fehlen zwar einige Kontinente. Es ist daher eher eine Reise ans andere Ende der Welt.

Die Kategorie wird Stück für Stück vervollständigt. Einige Bilder und Dokumente werden für die Öffentlichkeit verborgen sein.

Reise nach Hong-Kong, Japan, Fiji und Neuseeland

Dieser Artikel dokumentiert unsere erste große Weltreise. Wir bereisten zwischen September und November 2018 die Länder Länder Hongkong, Japan, Fiji und Neuseeland. Es ist zugegebenermaßen nicht ganz eine Weltreise, es fehlen noch ganze Kontigente. Es ist eher eine Reise ans andere Ende der Welt.

Der unbequeme Flug mit KLM

Im Rahmen der Reisevorbereitung sagte uns jemand, dass KLM nicht die schlechteste Fluggesellschaft sei. Es war aber der mit Abstand schlechteste aller Flüge.

An der Lage des Gates im Flughafen kann man meistens auch erkennen, in welchem Segment eine Fluggesellschaft unterwegs ist. Und anders als bei HK-Express, wo wir im allerletzten Winkel des Flughafens starteten, war KLM durchaus sehr zentral gelegen. Doch als wir ins Flugzeug einstiegen, trübte sich diese Laune. Optisch erwartete uns ein Flugzeug, dessen Ausstattung wir auf frühe 90er tippten: alte Leuchtstoffröhren im dreckigen Weißton leuchten die Kabine aus.

Fangen wir bei den Sitzen an: Diese waren eng in jeglicher Hinsicht. Wir spürten beidseitig die Armlehnen und konnten auch kaum die Beine ausstrecken. Unter den Vordersitzen passte auch der Rucksack nicht, weil entweder da Bügel hindurch liefen – oder irgendwelche Blechboxen installiert worden sind. Zudem waren sie auch unbequem, was wir am Gesäß und im Rücken spürten.

Wir saßen unweit der Treppe zur Business Class (Doppelstöckiger Flieger), dadurch wurde der Bereich auch während des Fluges nicht abgedunkelt, die Treppe blieb immer erhellt.

In den Vordersitzen gab es bereits Bildschirme mit einem prähistorischen Multimedia-Programm und schwergängigen Touch-Displays. Die Bildschirme waren extrem verschwommen und reflektierten das Licht der Treppe. Einen Film ließ sich damit nur mit Qualen schauen.

Zudem fehlte es im Flugzeug auch an Steckdosen im Sitzbereich. Das ist besonders ärgerlich bei einem Zehn-Stunden-Flug, wenn man die Flugzeit zum Aussortieren der unzähligen ca. 17.000 Bilder nutzen wollte und der Akku aber höchstens eine Stunde mitmacht. Ein Flugbegleiter bot an, die Geräte in seiner Pausenkabine zu laden. Wie löblich, nur da lud schon fast immer irgendein anderes Gerät. Und eigentlich kann das auch nicht die Lösung sein.

Ich saß während des Fluges öfters auf der Treppe, weil sie einfach bequemer war. Und mehr Beinfreiheit bot.

Und während am Anfang auf die Flugbegleiter-Taste hingewiesen wurde (zum Beispiel wenn das Laptop in Brand gerät), blieb diese auf dem Flug wirkungslos. Man konnte diese zwar drücken, dann leuchtete ein kleines Lämpchen. Und wenn du nach hinten geblickt hast, leuchtete in jeder dritten Reihe bereits ein Lämpchen. Aber es kam niemand. Und als doch mal einer die Runde etliche Stunden später abging, waren – welche Ironie – die Anliegen auch schon Geschichte. Ein eventuell in Brand geratener Laptop vermutlich auch.

Eine Stewardess pferchte mich irgendwann eher unfreundlich von der Treppe weg. Aber zugegeben: Die Laune war ohnehin schon im Tiefflug.

Unser Fazit: Es war der mit Abstand schlechteste aller Langstreckenflüge. Einziger Wermutstropfen für KLM: Nach der pünktlichen Ankunft in Amsterdam flogen wir mit der selben Gesellschaft weiter nach Hamburg – und dieser Flug war weitaus angenehmer.

Die Karotte von Neuseeland

Wir schreiben den 05.11.2018. Unsere Rückreise hat begonnen, wir saßen im Flieger von Christchurch nach Auckland, um von da nach Hong Kong weiter zu fliegen. Wir blätterten im Magazin der Flugzeitschrift. Häufig gibt es ja auch Karten mit den Flugverbindungen der jeweiligen Gesellschaft. So auch hier. Neben den größten Ortschaften Neuseelands gab es Piktogramme. Z.B. der Auckland-Turm oder das Parlament in Wellington. Auch der Egmont-Vulkan ist deutlich. Doch was um alles ist in der Welt ist diese Karotte da in der Mitte – unterhalb des Taupo-Sees?

Wir fragten die Frau neben uns. Sie war Neuseeländerin und hatte ebenso keinerlei Ahnung. Dafür erfuhren wir, dass sie nach Auckland flog, um ihrer blinden Tochter einen Überraschungsbesuch zum Geburtstag abzuhalten.

Glücklicherweise konnte einer aus der Reihe davor die Antwort geben: Es ist das Erkennungszeichen eines kleinen Ortes. Wir googlen später: Karotte Neuseeland – und führt direkt zu dem Örtchen Ohakune. Dort steht als Skulptur eine große Karotte.

Die Ironie des Schicksals: Genau durch diesen Ort waren wir bei unserer Reise gefahren – und haben diese Moorrübe nicht entdeckt. Dabei ist uns diese Kultur der Skulpturen mit alltäglichen Gegenständen schon bekannt gewesen. Nicht weit davon entfernt gab es den Ort Taihape. Dieser bezeichnet sich als Gummistiefel-Hauptstadt, da dort jährlich Wettbewerbe im Gummistiefel-Weitwurf durchgeführt werden. Folglich steht dort eine Skulptur eines großen Gummi-Stiefels.

In gewisser Hinsicht brauchen diese ländlich geprägten Orte ein Identifizierungsmerkmal. Ansonsten kann man sie nicht unterscheiden. Viele dieser Dörfer sind einfach zersiedelt – und weisen nur kleine Ortskerne auf, die Reisenden allenfalls für den Nahrungsmittelnachschub von Bedeutung sind. Und dafür gibt es oftmals Kaufhallen von nur eine Handvoll Ketten.

Auch den Ort Kawakawa würde vermutlich niemand bewusst ansteuern – wenn es da nicht die Hundertwasser-Toilette gäbe. Ja, ein kleine, öffentliche Bedürfnisanstalt soll die am meisten fotografierte Toilette weltweit sein. Und wir waren natürlich auch da – und erfreuten uns an den kleinen Details des Künstlers.

Und das zieht sich gewissermaßen durch das ganze Land. Eine abseits gelegene, kaum genutzt Fernstraße ist der „Forgotten World Highway”. Er ist eine 155 Kilometer lang und wird täglich von ca. 150 Fahrzeugen genutzt. Auf der gesamten Länge gibt es keine Tankstelle und keine nennenswerten Orte. Noch nicht einmal solche, die eine Karotte oder einen Gummistiefel als ihr Highlight ausweisen. Aber hey, ist der Forgotten World Highway. Da unsere Reiseroute ihn tangierte, waren wir so verrückt und befuhren ihn auch. Aber nur einige Kilometer.

Nicht weit davon gibt es die „Bridge To Nowhere”. Eine Brücke, die nix mit nix verbindet und nur über das Wasser erreichbar ist. So verrückt waren wir nun nicht. Aber das sind eben die kleinen Besonderheiten von Neuseeland.

Japan: Ausflug nach Arashiyama

Eins der Must-Sees rund um Kyoto war der Bambus-Garten in Arashiyama. Ein kleines Wäldchen voll mit Bambus-Bäumen. Das war von unserer Unterkunft auch gar nicht weit. Also rein in den Regionalzug.

Zugegeben: Die Anlage war nicht groß, doch dafür war sie völlig überlaufen.

Am Rande boten einige kräftige Männer an, gegen ordentliches Entgelt dich durch die Allee zu kutschieren. Wie eine Pferdekutsche, nur das ein Mensch zieht.

Am Wegesrand entdeckten wir zufällig den Garten vom Tenryuji-Tempel. Und für 600 Yen waren wir drin. Das war angenehm, weil es hier wesentlich weniger Menschen und wesentlich mehr Platz gab. Und einen wesentlich besseren Blick in den Bambus-Wald hinein. Und überhaupt eine sehr schöne Gartenanlage.

Mit so manchen Überraschungen:

Na gut, er auch:

Wir auch:

Denn der Garten selbst ist so eine Perle – und bestimmte Muster japanischer Gartenkunst konnten wir wieder erkennen.

Der markanteste Ort ist der Platz am Teich. Vermutlich ist diesem Blick hier nichts dem Zufall überlassen.

Gleich nebenan ist dann der dazugehörige Tenryuji Tempel. Wer schon im Garten drin war, bekommt für nur weitere 300 Yen ebenso Eintritt. Geschenkt.

In einen der Räume haben sie zum Verweilen zugänglich gemacht. Wie entspannten auf den Tatami-Matten. Nur liegen war verboten.

Wir schlenderten die Straße entlang nach etwas essbaren. Und wurden ständig in die Lokale hereingewunken. Wir entschieden uns für eins. Doch als wir das Haus betraten, ging es die Treppe hinunter in einen vollklimatisierten Keller. Wir hätten doch lieber im Garten gesessen. Geschenkt.

Auf den Souvenirständen sahen wir Fotos der Togetsu-kyo-Brücke. Da sie nur wenige Meter entfernt war, liefen wir hin. Die Touristen stapelten sich schon fast übereinander. Und wir mittendrin. Einrüber rüber und einmal zurück. Foto hier und Foto da.

Und während sie wie eine fragile Holzbrücke aussieht, ist es doch nur Stahl. Lediglich die Geländer sind aus Holz. Alles andere wäre bei der Strömung auch verwunderlich verwesen.

Danach hatten wir erst einmal genug mit dichten Menschenansammlungen – und liefen über einige weniger frequentierte Nebenstraßen zurück zum Bahnhof.

Ausflug nach Himeji

Von Kyoto aus haben wir einen Tagesausflug nach Himeji unternommen. Dank des Japan Rail Passes kamen wir mit dem Shinkansen recht zügig dahin, um die dortige weiße Burg uns anzuschauen. Immerhin Unesco-Weltkulturerbe.

Leider spielte das Wetter nicht so mit, wie wir uns das wünschten. Es regnete. Komplett.

Am Bahnhof angekommen, nahmen wir den Bus. Die Stadt war offensichtlich darauf eingestellt, dass Touris nur zur Burg fahren. Zumindest war dieser Weg in Englisch sehr gut erklärt.

Raus aus dem Bus, rein in den Regen. Es gab eine schöne Parkanlage. Und dann passierten wir etliche Tore, bis wir zum Inneren der Burg gelangten. Manche dieser Tore boten auch kurzzeitig Regenschutz.

In der Burg wurden Tüten verteilt für die Regenschirme. Und Tüten für die Schuhe. Wir mussten also ohne Schuhe weitergehen. An sich eine gute Idee bei diesem Schmuddelwetter. Der Haken war nur: Für Regenponchos gab es nichts, was dann doch die eine oder andere Pfütze im Inneren erklärte. Leider hatten wir keine Ersatzsocken dabei.

Die Burg selbst war beeindruckend. Die gesamte tragende Konstruktion ist nur Holz und trotzte dennoch als Wehranlage. Es gab viele (auch teilweise versteckte) Öffnungen in allen Stockwerken, über die Steine geworfen werden konnten. Die Burg selbst war aber keine Residenz, sondern diente nur der Verteidigung.

Und sie überlebte sogar die Bombardements im zweiten Weltkrieg.

Die Räume sind weitestgehend offen. Es gab kleine Fenster (ohne Glas), damit zog es auch noch wie Hechtsuppe. Historisches Mobilar gab es keines mehr. Aufwärts ging es über die historischen, sehr steilen Treppen. Und je höher wir kamen, umso besser wurde der Ausblick.

In Japan gibt es häufig auch kleine Modelle ihrer Burgen. In dem Falle war sie für Restaurationsarbeit notwendig, um die Tragfähigkeit der Konstruktion zu verstehen. Im Inneren der Burg nimmt man nämlich nicht wahr, dass es keine durchgehenden Pfosten gibt – sondern diese sind in jedem Stockwerk woanders.

Ein spannendes Detail sind die Dachfirsten in Japan. Dort gibt es häufig Figuren, die wie eine Mischung aus Fisch und Drache aussehen (genannt Shachi).

Am Ende des Rundganges durften wir die Schuhe wieder anziehen – und es ging wieder raus in den Regen. Juhu.

Auf dem Weg zum Bahnhof entdeckten wir wieder eine kleine überdachte Einkaufsstraße. Leider nur parallel zum Bahnhof, selten führen diese Straßen zum Bahnhof hin (Warum eigentlich?).

Japan: Okonomiyaki (Restaurant)

Dieses Mal geht’s um Essen. Und zwei kleine erwähnenswerte Okonomiyaki-Restaurants in Hiroshima und Kyoto. Da Fisch nicht unbedingt so zentral auf unserer Speisekarte steht, eher Fleisch, haben wir diese Grillrestaurants besucht.

Nach einem langen Tag in Hiroshima suchten wir in der Nähe des Friedensparks nach etwas Essbaren. Unsere Telefone führten uns in eine kleine Nebengasse. Wir suchten den Laden und glichen Schriftzeichen ab. Als wir den Laden betreten haben, waren wir überrascht, wie klein er doch war. Ein typisches Teppanyaki-Restaurant. Zu deutsch: heiße Platte.

Der Küchenchef steht direkt an der großen, heißen Metallplatte in der Mitte des Raumes. Man kann entweder direkt an der Bar Platte sitzen, oder etwas weiter hinten an den 2-3 Tischen. Damit ist das Restaurant auch schon voll.

Wir wurden hereingewunken. Wir nahmen an der Platte Platz und bekamen die englische Karte, an der genau eine Variante auf Englisch beschrieben war: Pork, Egg, Cabbage, Soba (Buchweizennudeln). Wie wir später erfuhren, ist das der Klassiker in Hiroshima. (In der Region Osaka werden die Okonomiyaki dagegen leicht anders zubereitet.)

Die Essen wurden direkt vor unseren Augen zubereitet. Das Hauptwerkzeug waren kleine Spachteln, mit denen wir den Pfannkuchen Eierkuchen mundgerechte Stücke zerteilten. Später sahen wir, dass wir die Eierkuchen auch ohne Soba hätten bestellen können. Hätten wir das mal eher gewusst…

Preis: 1600 Yen (~12,50€) für 2 Personen.

Auch in Kyoto suchten wir im Ortsteil Gion nach einem langen Tag nach etwas Essbaren. Gar nicht so einfach – die Restaurants waren entweder teuer oder ausgebucht. Google schlug uns ein „authentisches” Restaurant vor, das sogar auf unserem Heimweg lag – Teppanyaki. Wir ließen uns die Gelegenheit nicht entgehen, dieses Soul Food noch einmal zu essen.

Als wir an der richtigen Hausecke stehen, fanden wir das Restaurant beinahe nicht. Ein kleiner Imbisstand mit dem Schild „closed” und 2 weitere Restaurants. Hmm. Als wir etwas ratlos davor standen, fragten uns die Gäste am Imbiss auf Englisch, ob wir etwas suchten – und wir standen doch direkt davor. Die Inhaberin, eine ältere Frau, konnte nicht glauben, dass jemand ihren Laden übers Internet gefunden hat und schüttelte mehrmals ungläubig den Kopf. In Japan, 2018.

Der Imbiss ist im Verhältnis zur Front von innen erstaunlich geräumig, aber genauso zugestellt, wie der in Hiroshima.

Da die Wirtin kein Englisch sprach, halfen die wenigen Gäste mit, uns zu bewirten. Für etwas Verunsicherung sorgten die rohen Eier, die auf den Bildern der Speisekarte abgebildet waren. Wir sind mutig und bestellen trotzdem. Glück gehabt – das Ei war gebraten. (Die Japaner haben es nicht so mit Lebensmittelfotografie)

Am Ende posierten wir zusammen mit der Wirtin vor ihrer heißen Platte und durften uns in ihre Gästebuch eintragen. Ganz analog.

Es waren zwei schöne Abende!

Japan: Hiroshima

Nach dem Besuch des Ritsurin-Gartens in Takamatsu fuhren wir zurück zum Bahnhof. Hier erhielten wir den Japan Rail Pass (die Bahncard 100 für 3 Wochen) – und die ersten Zugreservierungen für die Fahrt bis Hiroshima.

Zunächst fuhren wir mit einem Expresszug zur Hauptinsel Honshu. In Okayama stiegen wir dann in den ersten Shinkansen. Diese Züge sind deutlich geräumiger als die ICEs. Allerdings hielt der Zug noch verhältnismäßig oft bis Hiroshima. Wie eben auch unsere ICEs. Nur mit dem Unterschied: die Züge sind trotzdem schnell.

(Es gibt innerhalb der Shinkansen noch Express-Züge, die dann wirklich nur die großen Städte anfahren. Die sind aber im Japan Rail Pass ausgeschlossen)

In Hiroshima angekommen, liefen wir gut 15 Minuten bis zu unserer Unterkunft. Hier entschieden wir uns für die Variante AirBnB. So lernten wir auch mal eine japanische Wohnung der Neuzeit von Innen kennenzulernen. Mittels Zahlencode gab es den Schlüssel für die Wohnung. Die Eigentümerin lernten wir nicht kennen.

Ähnlich wie in Takamatsu fuhr auch hier direkt am Haus der Zug aufgeständert vorbei. Die Wohnung war im Erdgeschoss – weit unterhalb der Züge. Wir hörten erstaunlich wenig.

Die Wohnung war eng, keine Frage. Wir arrangierten uns. Es gab sogar einen Balkon, der aber kaum betretbar war. Denn da drauf stand die Waschmaschine und die Klimaanlage.

Einiges kannten wir ja schon: die High-Tech-Klos mit den Spezialpantoffeln. Oder auch bemerkenswert: die Duschen als komplette Nasszellen. Die Duschen haben an sich keinen Abfluss, sondern haben unten drunter noch einmal eine Sammelwanne. Überhaupt wenig Möbel, viel Stauraum gab es nur durch einen eingebauten Wandschrank.

Am Folgetag liefen wir durch die Straßen von Hiroshima. Zunächst blickten wir auf unsere Bleibe:

Sehr brachial wurden die Shinkansen-Schnellstrecke durch die Stadt gezimmert, so dass teilweise auch Häuser unter der Strecke sich befanden. Oder auch dieser Spielplatz:

Ebenso markant sind die oberirdisch geführten Stromleitungen. Du kannst in Japan keine Fotos von Gebäuden machen, ohne ein Sammelsurium an Kabeln mit im Bild zu haben. Vermutlich hängt es mit Erdbeben zusammen…

Als wir auf die erste Kreuzung trafen, sahen wir horizontale Ampeln (ähnlich wie die historische Ampel am Potsdamer Platz in Berlin).
Für Menschen mit Rot-Grün-Schwäche ist das schlecht.

Bei den Fußgängerampeln dachten wir, wir hätten eine grün-blau-Schwäche. Aber nein: da gibt es tatsächlich blaue Fußgängerampeln. Uns wurde erklärte, dass die Worte für Grün und Blau im Japanischen gleich seien.

Von einer Brücke fotografiert:

Wir trafen auf die Burg:

Und ein Schrein:

Witziges Detail in diesem Areal: Fahrradfelgen als Mülleimerschutz:

Bei diesem Einkaufszentrum dachte ich, ich stehe am Potsdamer Platz:

Bedeutsamer ist aber das Gebiet rund um den Friedenspark – inklusive Friedensdenkmal, Friedensglocke, Friedensturm und Friedensmuseum. Sie liegen alle nah beieinander am sogenannten Bodennullpunkt, also der Punkt, wo in dreihundert Meter Höhe die Detonation erfolgte.

Wir laufen über die Aioi-Brücke. Eine Brücke in T-Form. Optisch sieht sie heute wie eine gewöhnliche Straßenbrücke mit Straßenbahn aus. Doch das ist der Bau von 1983. Der einstige Bau von 1932 war das eigentliche Ziel der Atombombe gewesen – doch die überstand den Krieg. Nach Reperaturen stand diese Brücke noch Jahrzehnte.

Wir läuteten an der Friedensglocke:

Dazu haut man einen Holzpfosten gegen die Glocke – mit einem interessanten Detail:

Das Friedensmuseum hat die Ereignisse rund um den 06.08.1945 dokumentiert. Also wie es dazu kam, warum eigentlich Hiroshima, wie die Detonation ablief und die Folgen davon. Am Ende wurde es etwas politischer – und das ganze atomare Wett- und Abrüsten der Welt und die Bedeutung der dortigen Einrichtungen.

Gleich zu Beginn gab es ein großes Panorama-Bild mit der Kriegszerstörung an sich. Von den vielen Holzhäusern blieb nichts mehr übrig:

In der Landschaft ragten nur noch Mauern einiger Steinbauwerke heraus. So auch das heutige Friedensdenkmal, was durch die heute noch erkennbare Kuppel auch als Atombombenkuppel bezeichnet wird. Historisch war es ein Ausstellungsort für örtliche Handelswaren.

Was unserer Meinung nach etwas zu kurz geraten war, waren die menschlichen Schicksale. Es gab am Rande Videos von Zeitzeugen zu hören. Am beeindruckensten war das Schicksal einer Person, die neben Hiroshima auch den Angriff auf Nagasaki überlebte.

In unteren Geschoss wurden zurückgelassene Gegenstände gezeigt. Wie z.B. zurückgelassene Kleidung. Oder eine Armbanduhr, die den Zeitpunkt der Detonation zeigte:

Ehe Nachfragen aufkommen, ob der Ort denn noch verstrahlt sei: Nein!. In der Stadt leben auch wieder mehr als 1 Mio Menschen.

Noch passende Musik zum Ausklang des Tages:

Am nächsten Tag ging es nach Miyajima. Abends trafen wir gute Freunde, die derzeit in England wohnen. In Japan. Weit entfernt. Juhu.

Japan: Fahrt zur Insel Miyajima

Von Hiroshima aus unternahmen wir einen Ausflug nach Miyajima mit der Regionalbahn. Dies ist eine kleine Insel südlich von Hiroshima, die nur aus Bergen besteht. Hier klauten uns Rehe die Essstäbchen, waren wir Futter für Stechmücken, besuchten einen Shrine am Wasser und fuhren am Ende mit zwei Seilbahnen auf den Berg und genossen die Aussicht.

Feiertage in Japan

Heute ist in Japan ein gesetzlicher Feiertag: Herbstanfang. Eigentlich war gestern Herbstanfang. Aber wenn in Japan ein Feiertag auf einen Sonntag fällt, wird er am darauffolgenden Montag nachgeholt.

Es ist nicht der erste Feiertag, den wir hier erleben. Bereits am 17.09. wurde der „Tag zur Ehrung der Alten” gefeiert. Überhaupt haben die Japaner viele und vor allem sinnvolle Feiertage. Die gesetzlichen landesweiten Feiertage lauten:

Tag Bedeutung
01.01. Neujahr
08.01. Tag der Erwachsenen
2. Montag im Januar Tag der Mündigkeitserklärung
11.02. Tag der Staatsgründung
21.03. Frühlingsanfang
29.04. Tag der Showa-Ära
03.05. Verfassungsgedenktag
04.05. Tag des Grüns
05.05. Tag des Kindes
3. Montag im Juli Tag des Meeres
11.08. Tag des Berges
3. Montag im September Tag der Ehrung der Alten
~ 22.09. Herbstanfang
2. Montag im Oktober Tag des Sports
03.11. Tag der Kultur
23.11. Arbeitsdank-Tag
23.12. Geburtstag des Kaisers

Ehrlich: Mal vom kaiserlichen Geburtstag abgesehen, hätte ich solche Feiertage auch gerne! Nicht so einen Quatsch wie bei uns mit Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Himmelfahrt und Co, wo nur diejenigen einer einzelnen Konfession etwas anfangen können.

Allerdings sind es verhältnismäßig viele Feiertage (zumal sie ja ausgeglichen werden, wenn sie auf Sonntage fallen). Offiziell gelten sie als Arbeitsfrei. Allerdings merkten wir als Tourist davon wenig. In Osaka kostete uns das Tagesticket für die U-Bahn nur 600 statt 800 Yen. Die meisten Geschäfte haben aber ohnehin offen, nicht wenige sogar 24/7.

Soll heißen: Was die Feiertage am Ende wirklich für die Menschen in Japan bedeuten, lässt sich auch auf dieser Reise nur schwer in Erfahrung bringen.