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Tempo 30 vor meiner Haustür

Vor gut einem Jahr wurde vor meiner Haustür – eine der wichtigsten Ausfallstraßen nach Südosten – eine nächtlich Geschwindigkeitsreduzierung auf 30km/h angeordnet (in der Karte rot). Aus Lärmschutzgründen. Ich müsste mich eigentlich freuen. Und doch tue ich es nicht!

Nach meiner Wahrnehmung konnte ich keine Lautstärkereduzierung wahrnehmen. Hin und wieder fiel mir nur ein langsamer fahrendes Autos auf, was nun länger Lärm machte. Und das auf einer Straße in der nachts die Autos nur schubweise kommen und dazwischen Phasen der totalen Ruhe eintreten, die nun kürzer sind. Ein Schub Autos – totale Ruhe – ein Schub Autos – Ruhe – ein Schub Autos mit mobiler Disko – Ruhe.

Diese Geschwindigkeitsreduzierung wurde auch Thema in der Bezirksverordnetenversammlung. So erkundigte sich ein SPDler, warum nur der eine Abschnitt reduziert sei – und stellte die provokante Frage, ob es eine Zweiklassengesellschaft am Treptower Park gäbe. Und die Antwort war ganz simpel: in diesem Abschnitt gab es vor Jahren eine Beschwerde eines Anwohners – und für die anderen halt nicht.

Daraufhin stellte die CDU einen Antrag, der das Tempolimit wieder aufheben lassen sollte. Die Begründung der CDU ist allerdings missglückt: sie argumentieren mit dem zusätzlichen Brems- und Anfahrtslärm für den relativ kurzen Abschnitt (und nicht damit, dass diese Reduzierung an sich keine bis sogar negative Wirkung hat).

Daraufhin erkundigte ich mich, ob denn auch eine Erfolgskontrolle durchgeführt worden worden ist. Der Stadtrat verstand die Frage so, dass es natürlich ein Erfolg ist – die Autos fahren ja jetzt langsamer. Aber anders als bei einem Tempolimit vor einer Schule ist die Geschwindigkeit nur Mittel zum Zweck. Der durch den Verkehr resultierende Lärm wurde wohl seitdem nicht wieder ermittelt. Sprich: es weiß niemand, ob das Ansinnen des Anwohners (falls er denn nach den vielen Jahren tatsächlich noch da wohnt) erfüllt wurde.

Nach drei Runden im Fachausschuss kam eine Rolle rückwärts heraus. Anstelle der Aufhebung soll dieses nächtliche Tempolimit auf den gesamten Straßenzug von ca. 1,5km Länge erweitert werden (in der Karte grün)

Was wären die Folgen? Zunächst werden alle Verkehrsteilnehmer (sofern sie sich an das Tempolimit halten) auf dieser Strecke zwei Minuten länger unterwegs sein. Das betrifft auch den Nachtbus (und wird leichte Fahrplananpassungen der Anschlussbusse in Adlershof nach sich ziehen müssen).

Die Frage der Zweiklassengesellschaft dürfte wieder kommen: „Warum sind die da drüben am Park priviligiert?” Schließlich stehen die Häuser im weiteren Straßenverlauf der Köpenicker Landstraße (in der Karte blau) ähnlich nah an der Fahrbahn und haben ähnlich viel Verkehr (zudem beginnt ab da auch beidseitige Bebauung). Auch diese Verzögerung wird Fahrtzeit kosten (und den Nachtbusknoten Köpenick gefährden).

Beachten sollte man auch, dass eine Geschwindigkeitsreduzierung auf den Hauptmagistralen stärkere Belastung in Wohngebieten nach sich ziehen kann, in dem Fall bspw. durch Verlagerung auf die Kiefholzstraße (in der Karte gelb). Dadurch wird es zwar an einer Stelle leiser, anderswo dafür lauter.

Nun möchte ich dem Treiben nach Tempo 30 als Non-plus-Ultra nicht entgegenstehen. Aber den Nachweis, dass es im konkreten Fall (und nicht nur in der Theorie) etwas bringt, hätte ich gerne noch. Daher habe ich auch einen Änderungsantrag eingebracht, der genau dies fordert: vor der Ausweitung Lärmmessungen. Leider sahen das die anderen Bezirksverordneten nicht so.

Nur damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich stehe hinter Zielen, welche Verkehrslärm senken. Der fahrscheinlose Nahverkehr ist beispielsweise ein gutes Werkzeug dafür. Auch das Schaffen von Hürden, welche die Durchfahrt von Wohngebieten unattraktiver macht. Im konkreten Fall sehe ich das nicht. Wie eingangs geschrieben: Als Anwohner müsste ich mich eigentlich freuen. Und doch tue ich es nicht!

Anmerkung: Die CDU erkundigte sich bereits schon im November 2013 nach dem Tempo-Limit, ob der Zweck erfüllt wurde. Laut Beantwortung war auch damals unbekannt, ob es etwas brachte. Zudem sei diese Anordnung bereits am 19.07.2012 ausgeführt worden. Mit anderen Worten: Ich habe zwei Jahre nicht gemerkt, dass vor der Haustür ein reduziertes Tempolimit galt.

Bisherige Kommentare (4)

Kommentar von maja

Seit einiger Zeit ist auch das Parkverbot aufgehoben worden. Wir können also selber etwas für Lärmschutz tun, in dem wir den rechten Fahrstreifen nachts zuparken!

Kommentar von René

Hallo Michael,

Keine Ahnung, ob es da Neuigkeiten gibt. Wie aber dargestellt: Ob nun T30 oder T50 – ich habe keinen Unterschied gehört. Zum Thema Zweirichtungsverkehr habe ich eben nichts neues mehr gehört.

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