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Homepage von René Pönitz

Hongkong - Eine Frage der Höhe

Kaum mit der U-Bahn aus dem Tunnel beim Flughafengebäude herausgefahren, sieht man die ersten Hochhäuser. Nicht ein oder zwei. Viele. Eigentlich nur Hochhäuser. Noch ist man ca. 30 Kilometer vom Zentrum entfernt. Hinter den fast 50-stöckigen Wolkenkratzern erstrecken sich bewaldete Berge.

Die U-Bahn führt entlang der Nordseite der Insel Lantau. Über das Wasser sieht man die Gebiete der Tuen Mun, auch da ragen Hochhäuser. Am nächsten Halt in Tsing Yi ist man schon in Mitten eines Hochhäusermeeres.

Und als wir die U-Bahn in Wan Chai verlassen habe, sind wir im urbanen Gebiet. Auch hier schlängeln sich die Hochhäuser entlang der Straße – allerdings sind sie hier nicht ganz so hoch.

Unser Hotel hat 28 Stockwerke, unser Zimmer ist im 14. Stockwerk. Wir blicken nach hinten raus:

Das Gebäude zu unserer Linken Seite hat nur ca. 13 Etagen. Eigentlich schon fast kein Hochhaus mehr. Bemerkenswert sind die unzähligen Klimageräte. Das Gebäude zur rechten Seite hat noch zwei, drei Stockwerke mehr. Und das Gebäude in der Mitte ist nicht etwa eine Baracke sondern hat auch schon an die fünf Stockwerke.

Im Zimmer lasen wir einen Hinweis, dass Sanierungsarbeiten an der Fassade gerade stattfinden würden und sie sich für Unannehmlichkeiten entschuldigen wollen. Wir blickten raus – und sahen nix. Als wir uns das Haus am nächsten Tag von der Parallelstraße uns anschauten, sahen wir Gerüste – aber nur ca. 5 Stockwerke höher.

A pro pos Gerüste: Nix mit Metall und Brettern wie bei uns. Das ist alles Bambus.

Dafür haben viele dieser Hochhäuser (vor allem die Wohn-Hochhäuser) im Zentrum eher kleine Grundflächen. Auch unser Hotel. Es gibt je Stockwerk nur 7 Zimmer, alle nicht gerade groß (Ganz oben soll es wohl auch Suiten geben). Dazu kommen 3 Fahrstühle und zwei ineinanderverschachtelte Nottreppen. Die Logistik des Hotels ist im zweiten und dritten Stock. So tief bekäme man wohl in Hong Kong auch kein Zimmer – vermutlich wäre der Verkehr auch zu laut gewesen.

Beim Schlängeln durch die Straßen sind nur Hochhäuser zu sehen.

Manche haben größere Sockel und verbergen in den unteren Stockwerken Einkaufspassagen.

In Wan Chai gab es sehr viele Badausstatter, die Waschbecken, Toiletten und Marmorfliesen verkauften. Auch eine deutsche Firma mit dem Slogan „Pure Freude am Wasser” fanden wir. Aber auch Kitsch:

Optisch recht gut gelungen ist die Lee-Tung-Street, wo die unteren Stockwerke denen einer Altbaumeile nach empfunden wurden (und von denen einige in Hochhäuser übergehen)

Ebenso markant sind die Hochdecks (ich leite den Term mal von der Berliner High-Deck-Siedlung ab), die viele dieser Hochhäuser in Höhe des 2. Obergeschosses miteinander verbinden. Von der U-Bahn-Station Wan-Chai selbst liefen wir auf solchen – an vielen Hochhäusern vorbei, durch manche auch durch – bis wir an der Wasserkante ankamen.

Nach zwei, drei Tagen kamen uns diese Wolkenkratzer fast schon normal vor – so stark verschob sich unsere Perspektive.

Als wir auf dem Peak (der Berg nahe den Zentrums) waren, sahen wir einen Überblick. Es war nicht möglich, unser Hotel mit den 28 Etagen zu entdecken. Die markantesten haben wir erkannt: International Commerce Centre (links andere Flussseite), Two International Finance Centre (der hohe nahe am Wasser auf dieser Flussseite), Central Plaza und Bank of China Tower (beide rechts außerhalb des Bildes).

Manche dieser Hochhäuser (die sind Gated Communities) haben sogar kleine Schwimmbecken. Und die unteren Stockwerke sind komplett Parkdecks.

Warum das ganze so ist? Der Platz ist knapp. Hongkong selbst ist von der Fläche etwas größer als Berlin mit ungefähr soppelt so vielen Einwohnern. Plus Hafen und viel Dienstleistungsgewerbe. Und ein Großteil der Fläche hat so eine enorme Hanglage, dass es nur schwerlich bebaubar ist. Also kann es nur nach oben geben. Baulandgewinnung läuft daher häufig nur im Wasser ab (deshalb ist auch der Flughafen so geräumig – eine künstliche Insel). Oder in dem Hänge massiv abgetragen werden:

A pro pos Baustelle: An den Baustellen dieser Wolkenkratzer gibt es interessante Statistiken.

Auch wenn in Hongkong schon vor über 50 Jahren mit Hochhäusern begann: wirklich alte Bauwerke findet man selten. Das alte Hauptquartier der Marinepolizei zum Beispiel.

Oder der eine oder andere Tempel (hier nur einstöckig – und die Felsen waren noch im Gebäude drin):

Zum Abschluss noch einige Eindrücke: