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Homepage von René Pönitz

Lebensmitteleinkauf in Japan

Da wir keine All-Inclusive-Tour machen und auch nicht nur durch die Gastronomien schlendern wollen, kommt man um Kaufhallen nicht herum. In Hong Kong war das alles noch einfach: Nahezu alles war bilingual auch in Englisch beschriftet. In Japan ist das nicht der Fall.

So fühlten wir uns bei den ersten Kaufhallen wie die reinsten Analphabeten. Ein Sortiment, dass einem völlig unbekannt ist, kombiniert mit Schriftzeichen, die ebenso einem völlig unbekannt sind.

Und ja, die haben einige merkwürdige Besonderheiten in ihren Sortimenten. Kleine getrocknete Fische zum Beispiel. Oder Seetang. Oder „Hühnerspieße”, die nur aus Hühnerhaut bestehen.

Hinzu kommt dass Japan anscheinend keine guten Lebensmittelfotografen hat. Im Gastronomiebereich bauen sie lieber das Essen in Kunststoff nach:

Was macht man dann? Man beschränkt sich erst einmal auf das, was man kennt. Obst und Gemüse, da kann man nichts falsch machen. Bemerkenswert sind die Größenverhältnisse des Obstes.

  • Karotten sind meist richtig fett, sie haben den Umfang, den bei uns Gurken haben
  • Und Gurken und Auberginen sind so schmal, wie bei uns eher Karotten sind
  • Tomaten gibt es in mehreren Größen, nur sie neigen dazu, die Dinger in Kühlschränke zu packen – und ähnlich wie bei uns: Gekühlte Tomaten schmecken einfach nach nichts.
  • Äpfel sind deutlich größer als bei uns, sind eher Stückware.

Ja, und Kiwis und Eier. Käse ist kaum vorhanden, meist richtig teuer und schlecht.

Und glücklicherweise gab so so Päckchen mit der Aufschrift „Salad Chicken”. Juhu. Der erste Abend ist gerettet.

In Hiroshima betraten wir eine größere Kaufhalle, die in etwa so die Größe und das Ambiente eines (alten) Aldis hat. Das ist besonders, denn die meisten sind hier eher winzig klein. Der Laden rings herum besteht aus Kühlregalen. In der Mitte auch noch einige. Das meiste hier gibt es gekühlt. Nur einige Konserven, Waschmittel und Süßes gibt es ohne Kühlung. Den Einkauf haben wir zusammen – und wollen mit Kreditkarte bezahlen. Geht nicht. Keine Chance. In Japan! Mit den restlichen Barmitteln nehmen wir notdürftig noch etwas mit. Glücklicherweise war nix los. Die Verständigung mit den beiden Kassierern läuft mit Zeichensprache.

Nach einigen Tagen normalisiert sich das Ganze. In der Kette FamilyMart (auch „Famima”) sind viele Lebensmittel zumindest auf der Vorderseite einmal in Englisch beschriftet (also was es eigentlich ist).

Diese sogenannten Konbinis sind allerdings eine super Sache! Rund um die Uhr geöffnet und mit allerlei kaltem und warmen Essen ausgestattet, z.B. Yakitori (Hähnchenspieße), Currys, Salate, Edamame, gekochte Eier, Suppe im Winter … Das Essen kann auf Wunsch in der Mikrowelle warm gemacht werden und es gibt immer Essstäbchen und feuchte Servietten dazu. Famima hat auch einen sehr leckeren Bulletproof Coffee.

Gut ist auch die große Auswahl an grünem Tee. Diesen gibt es hier kalt in Flaschen, ungesüßt, ohne weitere Zusätze. Manchmal auch als schwarzen oder Jasmintee. Zum Glück aber keinen „Chysanthementee”, den wir aus Versehen in Hong Kong kauften.

Uns wird mit der Zeit bewusst, was für einen Müll man hier verursacht. Die Müllmenge spielt hier anscheinend keine Rolle. Hier ein Beispiel für ca. 63g Lebensmittel mit Käse und Wurst:

Die Möhren, Gurken, Paprikas und Tomaten sind in der Regel einzeln in Folie verpackt. Äpfel und Birnen haben teilweise auch noch Puffermaterial. Kiwis und Äpfel bekommt man aber auch ohne Folie.

Selbst eine Ansichtskarte bekamen wir hier nur in Folie einzeln abgepackt.

In Kyoto haben wir mal einen Laden entdeckt, der den optischen Eindruck eines Edekas machte. Im zweiten Stockwerk gab es Internationales, sprich europäisches Essen, auch Schokoladen von Lindt und Ritter Sport. Und richtigen Emmentaler. Aber fragt nicht nach den Preisen.

Witziger Fund: Baumkuchen. Das Wort hat es ins Englische geschafft. Aber auch hier gibt es eher abgepackt eine einzelne Scheibe als so einen kompletten.

A pro pos Preise: Nicht selten kommt man aus der Kaufhalle raus, hat umgerechnet 20-25 Euro bezahlt und eigentlich nur ein Frühstück und ein Abendessen für zwei Personen inklusive Getränke gekauft.

Weihnachten spielt ja allgemein für Japaner keine wirkliche Rolle, aber kulinarisch stellen sie sich das eher so vor:

Essen am Bahnhof zum Mitnehmen? Gibt es zum Beispiel in der Bentō-Box.