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Geh-Weg, Hamburg.

Werfen wir heute einen Blick auf die Fußwege. Wir benutzen sie ständig. Aber wir nehmen sie selten wahr. Sie fallen meistens nicht auf. Und anders als bei Gebäuden schenken wir ihnen auch kaum Aufmerksamkeit. Und doch ist es spannend, wie unterschiedlich Fußwege ausfallen können.

Ein beliebtes Muster, zum Beispiel in Berlin oder Lübeck, sind quadratische Platten in diagonaler Anordnung, die meist zur Fahrbahn mit kleinen Steinchen abgegrenzt werden. Dresden (und auch viele sächsische Orte) hat große massive meterbreite und unverwüstliche Natursteine.

In München hat man Bäume gezielt in den Kreuzungsbereich gelegt, so dass sie der Abschluss der Parkmöglichkeiten hin zur Kreuzung kenntlich machen. Und so finden sich viele kleine Kleinode auf den Gehwegen anderer Orte.

Anders in Hamburg. Da haben Gehwege keine besondere Bedeutung. Genau genommen spielen Fußwege gar keine Rolle.

Denn es geht nicht nur um die Gestaltung. Fußwege haben eine Funktion: Sie sind unser Mittel, um durch die Stadt zu kommen. Sie müssen praktisch benutzbar sein. Im besten Falle laden sie zum Schlendern ein. Gute Gehwege sind meistens so breit, dass zwei Personen auch komfortabel nebeneinander laufen können – und dann auch noch jemand mit Hund entgegenkommen kann, ohne dass jemand ins Gebüsch oder zwischen parkenden Autos ausweichen muss. Natürlich sollten sie auch eben und frei von Stolperfallen sein. Sie sollten außerdem durchgehend beleuchtet sein. Winterdienst und Laubbeseitigung.

Und da wird es in Hamburg richtig übel. Und das Schlimme ist: vielen Bewohnern fällt dieser Missstand gar nicht so auf. Allen voran jene Menschen, die Hamburg als schönste Stadt der Welt bezeichnen. Die Fußwege sind eher das mit Abstand größte Desaster Deutschlands.

Häufig sind sie so schmal, dass noch nicht einmal zwei Personen nebeneinander laufen und sich unterhalten können. Wenn ich zwei Koffer ziehe, muss ich auf vielen Straßen auf die Fahrbahn ausweichen, weil die Breite des Gehweges nicht ausreicht (vgl. §25 Abs. 2 StVO). Das kenne ich sonst nur von mittelalterlichen Stadtkernen, wo die Wege mal für Pferdekutschen ausgelegt wurden.

Eine weitere Besonderheit ist, dass rund um die Bäume (und manchmal auch ohne Bäume) einfach Gehwegplatten fehlen. Man läuft dann auf Erde. Die Koffer sind deutlich dreckiger als ich es von anderen Städte hier kenne. Und ehrlich: Ich habe keine Ahnung, warum ich so etwas noch nie in anderen Städten gesehen habe. Das muss so eine Art Alleinstellungsmerkmal sein.

Bemerkenswert ist auch das Höhenprofil einiger Gehwege:

Und sehr beliebt sind diese engen Fußwege auch zum Abstellen des heiligen Bleches:

Eine weitere Besonderheit sind die Regensammelstellen. Es gibt gerade bei den fehlenden Platten auch kein geeignetes Gefälle, so dass Regenwasser sich sammelt und kleine Teiche sich bilden, sodass man hüpfen muss:

Ein besonderes i-Tüpfelchen gibt es bei Nacht: denn die Hamburger Gehwege sind ja auch nicht für Fußgänger ausgeleuchtet. In diesem Bild sind gerade in den dunklen Stellen die Stolperfallen:

Im Bezirk Wandsbek gibt es ein Faible, nahezu jeden Weg mit Stolpergefahr auszuzeichnen. Vermutlich würde man den Schilderwald entzerren, wenn man die guten Wege mit “stolperfrei” beschildern würde. Im Bezirk Nord ist man sich offenbar auch dafür zu fein.

Und versteht mich bitte nicht falsch: Ich bin noch verhältnismäßig jung. Ich kann mich auch in Dunkelheit auf miserablen, wackelnden Gehwegplatten gut orientieren, den einen oder anderen großen Schritt machen oder es aushalten, wenn hinter mir ein Auto auf der Fahrbahn hupt. Doch viele Menschen können das leider nicht (mehr). Und da sind solche Gehwege – und auch das Unvermögen der Hamburger Verwaltung – eine Unverschämtheit gegenüber den Menschen hier. Und wir reden auch viel über Barrierefreiheit im öffentlichen Raum – und das sind diese Gehwege ganz und gar nicht!

Siehe auch:

Fan-Fact: Wie zu erwarten, gibt es einige Menschen in dieser Stadt, die diesen Zustand verteidigen. Nicht zuletzt, weil es in manchen Kriegs- und Krisengebieten deutlich schlechtere Fußwege gibt. Auf diesem Level bewegen sich also Hamburgs Fußwege. Wo vernünftige Menschen bei Defiziten nach Orten schauen, wo es besser läuft und man kopieren könnte, schöpfen andere Kraft, weil es Orte der Welt gibt, in denen es offensichtlich noch schlechter geht. Ich zitiere da einen von der Plattform nebenan:

Fußwege die zur Todesfalle werden weil nicht alles komplett zubetoniert wurde, könnte man meinen wir wohnen im Gazastreifen…nee es ist nicht alles toll, aber es könnte alles viel viel viel schlimmer sein…

Bisherige Kommentare (3)

Kommentar von Reinhard Hollunder

Wie sich die Bilder gleichen! Man könnte sie mit nahezu identischen Bildern aus Hamburg Uhlenhorst, Papenhuder Straße und Hofweg ergänzen. Das zuständige Bezirksamt Nord inkl. Leiterin glänzt durch Desinteresse und einen misslungenen Versuch einer Sanierung.Pflege des Grün,Entrümpeln, Entfernung von Schrotträdern sind Fremdwörter ( “Kein Geld, kein Personal”). Die Einladung zur Ortsbegehung an die Bezirksamtsleiterin, SPD, wurde nicht angenommen, die informierten Fraktionen konnten nicht gewonnen werden, hier Druck zu machen und ihre Aufgabe wahrzunehmen.

Kommentar von René

Notiz an mich selbst: Wenn man mal die Realsatire zu den Fußwegen zur Seite legt: natürlich beschäftigt mich auch die Frage, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass diese Wege so schlecht sind – und wie man das ausbessern kann.

Auffällig ist es aber schon, dass dieses Problem in anderen Städten nicht so massiv existiert (trotz Bäume, Alter, örtlicher Besonderheiten). Und nicht alles entsteht durch Bäume: die können nix für die Breite, die Ausleuchtung oder den Winterdienst. Oder dass die Gehwege auch von befahrenen Autos zerschlissen werden.

Erster Gedanke ist natürlich die Baumart. Bekanntlich sollten als Straßenbäume eher Tiefwurzler kommen. Eben mal ins Baumkataster geschaut:

  • die Herderstraße hat Ahörner – Flachwurzler.
  • in der Schumannstraße sind es überwiegend Vogelbeeren, Flachwurzler
  • in der Humboldtstraße (gerade bei dem Foto) sind es Linden, Tiefwurzler
  • Andererseits: in dem Bild von Berlin ist ein japanischer Schurbaum zu sehen, auch Flachwurzler.

Zweiter Gedanke: Abstand Baum zu Gehweg bzw. Größe der Baumscheibe. Könnte es sein, dass Bäume auf der Suche nach Nahrung eher flach wurzeln? Im Berliner Bild ist da schon etwas mehr Raum. Ich kenne aber auch deutlich kleinere Baumscheiben in Berlin.

Dritter Gedanke: führt man die Bäume anderswo im Untergrund besser, so dass sie mehr nach unten wurzeln müssen? Beispielsweise durch Ausbreitungssperren oder gezielte Nahrungsquelle in einer gewissen Tiefe?

Ich habe keine Idee, Google brachte mich auch nicht weiter. Aber irgendwas muss man ja historisch anders gemacht haben. Hamburg scheint da auch zu forschen, wie man damit umgeht – Die haben aber auch noch keinen Stein der Weisen gefunden zu haben. Das dürfte aber eher für Neupflanzungen spannend sein.

Und das geht dann schon in die Frage, wie man bestehendes ausmerzen kann? Spontan hätte ich gedacht: man füllt um den Baum etwas auf. Wenn das 10 Zentimeter höher kommt und das auch gekonnte verlegt wird. Vielleicht gibt es auch Gehwegplatten in einem Verbund, so dass nicht einzelne Steine rausragen, sondern das ganze eine geschmeidige Beule bekommt…

Also wer da Ideen zu Ursache und Lösung hat: gerne her damit!

Kommentar von Reinhard Hollunder

Moin, man kann natürlich alles miteinander vergleichen, auch Äpfel und Birnen. Wenn dann allerdings Gaza ins Spiel kommt, ist man schnell jenseits des Erträglichen.. Also, nicht vergleichen sondern klare Kante: der Zustand der Papenhuder Straße stadtauswärts von der Mundsburger Brücke bis zum Uhlenhorster Weg ist miserabel. Das gilt für den Gehweg, die Baumscheiben, die Fahrradständer und das Begleitgrün gleichermaßen.Dies fällt alles in die Zuständigkeit des Bezirksamt Nord, was manches erklärt. Der Vorgänger der derzeitigen Bezirksamtsleiterin hat sich durch ein passives, bestenfalls schleppendes Verhalten profiliert (trotz wiederholter Meldung und Unfall 4 Jahre bis zum beseitigen einer Stolperfalle vor einem Restaurant…) und zum Abschluß der Amtszeit noch schnell eine völlig fehlgeschlagene “Sanierung”. Seine Nachfolgerin war für eine Verbesserung der dilletantischen Maßnahmen dieser “Sanierung” nicht zu gewinnen. Gegen alle Kritik der Maßnahmen durch mehrere qualifizierte (externe) Fachleute, spannte sie den Schutzschirm auf – und nun haben wir den Salat und baden es aus: Verdopplung der Pfützen nach Regen, Verdopplung der Stolperfallen, durch ungeeigneten Belag ersetztes Gehwegpflaster, Baumscheiben, die die Bäume nicht schützen und manches mehr. Die Einladung zu einem Besichtigungsrundgang wurde ausgeschlagen… Was tun? Wie wäre es mit einem Runden Tisch, wir haben doch einen Bürgerverein? RH

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