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Nachlese zum Bundesparteitag in Bochum

Nun sind zwei Tage seit Bochum vergangen – und ich möchte die Gelegenheit nutzen, auch eine kleine Nachlese zu tun. Zumindest explodiert gleich mein Browser wegen zu vielen offenen Tabs.

Anstelle vieler Worte:

Respekt

Zunächst erst einmal war auch dieser Parteitag beeindruckend: an die mehr als zweitausend Mitglieder in einer Halle. So etwas auf die Beine zu stellen, gebührt ungeheuren Respekt. Die Planung, die Technik, die Koordination, die Presse, die Akkeditierung – sowie die großen und kleinen Nettigkeiten, wie in diesem Falle die Kinderbetreuung.

Zu den herausragensten Leistungen gehören für mich:

  • die Gebärdendolmetscher (hier im Interview)
  • der Protokollant (ein fast perfektes Wortprotokoll wurde live während der Veranstaltung getippt)
  • die Akkreditierung (tausend Piraten binnen kurzer Zeit akkreditieren – hier gibt es die Teilnehmerstatistik und die Erklärung des Akk-Tools)
  • die Versammlungsleitung (auch wenn das Bombardement an GO-Anträgen sie vor allem am Samstag nachmittag zu kämpfen hatten)

… und doch schafft Murphy es immer wieder, gnadenlos zuzuschlagen. Während sich alle Welt schon hinreichend über den Ausfall von Kabel- und Kabellosnetz echauffiert haben: in Folge dessen ist auch das Mobilfunknetz in der Halle überfordert gewesen. Wir saßen auf dem Trockenen!

Standortwahl und Kosten

Ich habe am Wochenende die Erkenntnis gezogen, dass Parteitage dieser Größe wohl scheinbar nicht mehr in Großstädten abgehalten werden sollten, sondern eher im ländlicheren Gebieten. Schon in Neumünster fand ich es toll, dass jeder, der wollte, einfach in der Halle nächtigen konnte. Beim nächsten Bundesparteitag in Neumark soll neben der Halle sogar gezeltet werden dürfen. Das ist vor allem für die wichtig, die sich eben kein Hotelzimmer leisten konnten.

Ob der Caterer mit seinen überhöhten Preisen für Speis und Trank beim Bundesparteitag glücklich wurde, weiß ich nicht. Die gegenüberliegende Pizzaria war scheinbar auf dem Ansturm nicht eingestellt. Aber es gibt auch örtliche Pizzalieferdienste, die auch die Halle belieferten! Und da bekam ich bei meiner Bestellung sogar eine Flasche Cola oben drauf (anstelle für 5 Euro). Was aber nun die genauer Ursache des mysteriösen Bierausschanksverbot vor 17:00 Uhr führte, würde ich gerne wissen!

Die Geschäftsordnung

Ein paar konstruktive Ideen, was für die nächste Geschäftsordnung wichtig ist:

  • Ein „GO-Antrag auf geheime Abstimmung” sollte künftig nur noch vor der eigentlichen Abstimmung stattfinden. Es darf kein Ersatz für den GO-Antrag auf Wiederholung der Wahl oder Abstimmung sein, für den höhere Hürfen gelten. Man kann sich natürlich fragen, ob wir so einen Passus wirklich benötigen. Legitim ist auf jeden Fall, wenn wir dadurch Zeit sparen – wie bspw. beim PA091. Fast alle Module lagen knapp an der 2/3-Mehrheit, ehe wir mehrfach ausgezählt hätten, hat eine schriftliche Stimmabgabe dieses Verfahren erheblich gekürzt.
  • Ein „GO-Antrag auf Änderung der Tagesordnung” sollte nicht mehr durch den Antragsteller verteidigt werden (das wurde teilweise gemacht – und es kostet Zeit, ehe der am Mikro ist und dann ausschweift), sondern es wird ausschließlich der Tatbestand vorgestellt und abgestimmt (bestenfalls mit einem vorher eingereichten schriftlichen Satz als Begründung). Damit ersparen wir uns vorgezogene Antragsvorstellungen.
  • Der „GO-Antrag auf Schluss der Debatte” ist umstritten, sollte in jedem Fall vor dem Parteitag als optionale GO abgestimmt werden. Ich kann die Sorgen der Gegner verstehen, wenn dadurch nicht jeder sagen darf, was er will. Aber ich kann auch die Sorgen der Zuhörer verstehen, die das Gefühl haben, es könnte schon alles gesagt gewesen sein…
  • Ein neuer GO-Antrag sollte der „GO-Antrag auf gemeinsame Debatte” sein. Das wäre im Wirtschaftsbereich sinnvoll gewesen, wenn erst alle Anträge vorgestellt worden wären, und anschließend geklärt wäre, ob und in wie weit diese konkurrierend sind.

Kuriositäten

Der Hausmeister am Vorabend

Ein scheinbarer Skandal

Eine weitere Kuriosität habe ich Zwitscher-Netzwerk festgestellt, wie völlig unbegründet Unzufriedenheit entsteht. Da bescherte sich ein Nutzer, dass der Vorstand die überteuerten Getränke kostenlose bekommen hätte – und fragt nach, was die restlichen 600.000 Euro bei den scheinbaren 620.000 Euro Gesamtkosten seien. Und doch stammen die Zahlen von Stephan, der mal vorrechnete, wieviel Geld die Piraten in Bochum oder auf der Strecke gelassen haben (300 Euro mal 2000 Piraten). Ein schönes Beispiel, wie es aus einer Milchmädchenrechnung unnötiger Stress generiert wird…

Der Zeitreisen-Antrag

Man kann davon halten, was man will. Auf jeden Fall hatte er die Atmosphäre in der Halle gelockert – und das war gut so!

Presseresumée und Blogs

Bereits im Vorfeld gab es für Journalisten eine Checkliste, allen voran: es gibt keine Delegierten!

Doch was berichtete die Presse? Richtig geschmacklos war das Spiegel mit einer Fotoserie zu Parteitagsfrisuren. Das ist Qualitätsjournalismus, wie wir ihn lieben. Auf so eine Idee ist noch nicht einmal die BILD gekommen! Die widerrum kann den Zeitreisen-Antrag nicht fassen.

Die Zeit stellt fest, dass bei 2000 Piraten und 250 Journalisten die Quote 1:8 war:

Bei dieser Verteilung war es wahrscheinlich und logisch, dass sich immer wieder Journalisten aus Versehen gegenseitig zu interviewen versuchten, ein absurdes Bild.

Weitere Presseerzeignisse:

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