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Union möchte Mellow-Park-Gelände übernehmen

Am 17.12.2015 erreichte mich wenige Stunden vor der letzten BVV in diesem Jahr eine E-Mail mit weitreichenden Forderungen. Da hierbei massiv auf politische Entscheidungen eingegriffen werden soll, werde ich diese im vollen Umfang veröffentlichen (siehe Ende dieses Eintrages).

Zugegeben: der Mellowpark, ein Sport- und Freizeitgelände mit Outdoor-Skatepark, war in Sachen Lokalpolitik bisher nicht mein Steckenpferd. Nichts desto trotz war er auch in den vergangenen vier Jahren öfters Thema in der Bezirkspolitik, zuletzt im Januar 2015 mit der Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens, damit die derzeitige Zwischennutzung als planungsrechtlich gesichert wird und auch weitere Formen der Jugendsport- und Jugendkulturarbeit ermöglicht werden können (bis hin zur Olympiatauglichkeit). Dafür sind Gutachten notwendig – und die kosten eine Stange Geld (die Berliner Woche schreibt von rund 100.000 Euro). Und dieses Geld wird eben nur investiert, wenn die langfristige Perspektive eben gegeben ist.

Erst durch einen Antragsentwurf der Linken ist das Thema am 13.12. auf meinem Radar aufgetaucht. Ich kann gewisse Skepsis zur Dringlichkeit nicht leugnen, nichts desto trotz schadet an der Stelle der Antrag nicht: er folgt dem schon anvisierten Ziel, diesen Standort langfristig für die Jugendarbeit zu sichern.

Richtig bedeutsam wurde der Antrag erst am 17.12., als in den frühen Morgenstunden die unten stehende E-Mail mich erreichte. Demnach liebäugelt der Fußballverein FC Union Berlin mit diesem Areal für den Bau eines neuen Nachwuchsleistungszentrum. Für mich ist diese Position neu. Für andere war sie ein alter Hut. Und wiederum andere sahen nur das Neue darin, dass es nun endlich öffentlich ist:

Aus diesem Grund möchte ich hiermit offiziell unser ausdrückliches Interesse an der Übernahme des jetzigen Geländes des Mellowparkes bekunden.

Auch wenn das Gelände so ganz spontan gedacht nicht abwegig erscheint und der Fußballverein auch gute Gründe für seine Präferenz hat, kann ich binnen weniger Stunden bis zur BVV-Sitzung nicht beurteilen, ob das Gelände für so ein Nachwuchszentrum geeignet ist oder nicht. Vor allem kann ich nicht beurteilen, ob die Ausweichstandorte für den Mellow Park ebenso geeignet sind. Ich kann aber das Ratsinformationssystem befragen und dabei feststellen, dass diese Debatte bereits am Ende der letzten Wahlperiode schon einmal geführt worden ist. Und damals kam die BVV zu folgenden Ergebnis:

Das Bezirksamt wird ersucht, dem 1. FC Union bei der Errichtung eines Nachwuchsleistungszentrum behilflich zu sein und geeignete Standorte zu prüfen. Die Bezirksverordnetenversammlung hält die Fläche An der Wuhlheide 250-270 für nicht geeignet.

Also genau die Fläche, die der Verein für geeignet hält, empfand die Bezirksverordnetenversammlung vor vier Jahren für ungeeignet – nach ausreichender Beratung in drei Ausschüssen.

Zur Sitzung legte die SPD einen Änderungsantrag vor:

Das Bezirksamt wird ersucht, zeitnah auf dem Grundstück An der Wuhlheide 250 – 270 eine zukunftsfähige Lösung für das Nachwuchsleistungszentrum des 1. FC Union Berlin e.V., den Mellowpark e.V. und alleins e.V. zu finden. Neben einer langfristigen Nutzungsvereinbarung soll durch einen Bebauungsplan die Nutzung gesichert werden.

Während de FC Union das Areal gerne übernehmen möchte, versucht die SPD nun beide Interessen auf dem Gelände unterzubringen.

Die Debatte in der BVV war zäh. Zu Beginn war die Abstimmung über die Dringlichkeit sehr knapp. Diese muss 2/3 betragen. Beim ersten Anlauf stellte sich eine Zählfehler heraus. Erste Pause. Dann sollte erneut abgestimmt werden. Erneute Pause (weil ein Mitglied der BVV gerade außerhalb des Raumes war). Dann wurde sie doch festgestellt. Der eigentliche Tagesordnungspunkt schien nicht enden zu wollen. Die SPD stand mit ihrer Haltung so ziemlich allein da. Am Ende beantragte sie sogar namentliche Abstimmung – und verzögerte das Sitzungsende ohne ersichtlichen Grund.

Am Ende habe ich ehrlich gesagt gar keine andere Wahl gehabt, als für den Antrag von Linke+CDU+Piraten+Grüne zu stimmen. Ich möchte nicht dieses Bebauungsplanverfahren verzögern. Das Statement kommt zu spät. Es hätte spätestens nach dem Aufstellungsbeschluss kommen müssen. Denn dann hätten wie auch in den Ausschüssen noch beraten können, ob dieses Verfahren noch zweckmäßig ist. Scheinbar funktioniert die Kommunikation zwischen SPD und dem Verein tadellos, wenn binnen weniger Tage ein so weitreichendes Statement auf dem Tisch gelegt wird. Einer der Abgeordneten der SPD im Berliner Abgeordnetenhaus ist übrigens Mitglied im Aufsichtsrat des Vereins. Warum funktionierte das im Januar nicht?

Die Pressemeldung der SPD im Nachgang der Sitzung ist ebenso bemerkenswert. Zunächst geben sie den Beschlussinhalt falsch wieder (Verlängerung auf und nicht um 20 Jahre), dann geben sie erneut der N*D Podium für deren Entscheidungen und dann deuten sie das Abstimmungsergebnis falsch:

SPD steht als einzige Fraktion zum 1. FC Union Berlin.

Nein, dieser Satz ist eine Lüge und das weiß die SPD auch!

So, genug meiner Worte. Nun gibt es noch das Schreiben von Dirk Zingler, dem Präsident des FC Union Berlin, in voller Länge (siehe auch):

Sehr geehrter Herr Igel,

ich möchte mich auf diesem Wege nochmals persönlich an Sie wenden, um Ihnen die Dringlichkeit einer Lösung der Standortfrage für unser Nachwuchsleistungszentrum darzulegen.

Seit mehreren Jahren prüfen wir gemeinsam, ob im Stadtbezirk Treptow-Köpenick ausreichende Flächen für die zentrale Ansiedlung unseres Nachwuchszentrums vorhanden sind. Wir stimmen sicher überein, dass eine machbare Lösung bisher nicht gefunden wurde. Auch das durch Sie in den letzten Tagen angebotene Grundstück (vielen Dank dafür) ist leider nicht geeignet.

Dieser Zustand gefährdet die Zukunftsfähigkeit des 1. FC Union Berlin e.V.

Der 1. FC Union Berlin benötigt für seine Wettbewerbsfähigkeit im deutschen Fußball eine leistungsfördernde Nachwuchsarbeit. Da er den in Zukunft immer stärker werdenden Kapitalwettstreit im Profifußball nicht mitgehen kann und will, ist eine erfolgreiche Nachwuchsförderung wesentlicher Bestandteil unserer Vereinsstrategie. Aber auch im Bereich der Nachwuchsförderung herrscht ein harter Wettbewerb. Immer öfter verlieren wir hoffnungsvolle Talente an die Standorte Leipzig, Wolfsburg, Cottbus, Braunschweig, Bremen und Charlottenburg. Dort finden die jungen Fußballer hervorragende Bedingungen an einem Standort inclusive Internat, ausreichender Anzahl von Plätzen und kurzen Wegen. Es muss uns zeitnah gelingen, diese Voraussetzungen auch in Köpenick zu schaffen.

Aus diesem Grund möchte ich hiermit offiziell unser ausdrückliches Interesse an der Übernahme des jetzigen Geländes des Mellowparkes bekunden. Wir sind bereit diese Flächen zum Beendigungstermin der jetzigen Mietverträge, oder zu jedem früheren Zeitpunkt, zu übernehmen. Bei der Suche nach Flächen für unser NLZ sind uns und Ihnen in den vergangenen Jahren mehrere Grundstücke bekannt geworden, die sich von Standort und Größe hervorragend für den Mellowpark eignen, für uns jedoch zu klein sind. Warum ist zum Bsp. eine dauerhafte und abschließende Ansiedlung des Mellowparkes im FEZ nicht möglich. Gerne sind wir bereit den heutigen Mieter beim Umzug und Neuansiedlung wirtschaftlich zu unterstützen.

Ich bitte Sie eine soziale und sportpolitische Entscheidung, die die wirklichen Bedürfnisse und Anforderungen der jeweiligen gemeinnützigen Vereine im Stadtbezirk, sowie die vorhanden für diese Zwecke geeigneten Flächen berücksichtigt, zu treffen.

Gerne stehe ich Ihnen für eine persönliche Rückfrage zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen.

Dirk Zingler
Präsident 1. FC Union Berlin e.V.

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