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Hamburg

Den Elbradweg komplettieren, Folge 537: Elbstrand Hamburg

Ich bin ja ein Freund von Realsatire und bin auch über so manchen Behördenirrsinn verwundert. Was extra3 aber in der letzten Sendung zum Radweg auf dem Elbstrand zeigte, ist völlig daneben. Aber schaut selbst:

Das was hier gezeigt wird, ist kein Irrsinn, sondern ein ganz normaler Vorgang. Es wird etwas geplant. Es gibt Protest. Es gibt Argumente für und gegen das Vorhaben. Und das ist abzuwägen.

Wer dies in dieser Phase bereits als Irrsinn bezeichnet – liebe extra3-Redaktion – verkennt die Bedeutung von politischer Auseinandersetzung insbesondere in der Lokalpolitik.

Der Elbradweg ist einer der bedeutenden Radwanderwege in Deutschland. Richtig. Anders als der Bericht suggeriert, hat er nicht nur am Hamburger Elbstrad Defizite. Aber gefühlt befinden sich die meisten Defizite in Hamburg. Nun soll tatsächlich eins dieser Lücken geschlossen werden. Wir müssten uns eigentlich freuen.

Ok, da wo der Weg langführen kann, gibt es Konflikte mit dem Elbstrand. Ein Nutzungskonflikt. Da gibt es Leute, die den Sand in der Elbe in Ruhe genießen wollen. Es gibt Unsicherheiten zu Veränderungen. Das verstehe ich.

Aber gibt es tatsächlich Alternativen? Die benachbarte Övelgönne ist nicht für Radfahrer zugelassen. Sie ist auch zu eng. Nun blicken alle auf die Elbchaussee. Ja, dort besteht auch Bedarf, etwas für den Radverkehr zu tun. Nur: Zwischen der Elbe und der Elbchausee besteht ein ordentlicher Höhenunterschied. Zudem wäre ein Radstreifen in der Elbchaussee eher für versierte Alltagsradler geeignet, während der Elbradweg für Radtouristen, also auch Familien, die mit Hund und Kegel unterwegs sind.

Eine Lösung, die alle zufriedenstellen kann, wird es vermutlich nicht geben. Die Mobilisierung für einen noch sehr groben Plan ist gewaltig.

Die Argumente der Bürgerinitiative sind natürlich auch zu hinterfragen. Sie betont die Bedeutung von Nacherholungsgebieten (Warum sollen Radfahrer diese nicht erreichen und durchradeln dürfen?), sie bemängeln den Preis (Das sind Peanuts im Vergleich zu dem, was für Stadtautobahnen verpulvert wird) und schätzen den Radweg als gefährlich ein (aber so ein Handtuchstreifen auf der Elbchaussee ist nicht gefährlich?). Manche Argumente sind in Anbetracht des zeitlichen Verlaufes auch fehlplatziert: sie bemängeln die fehlende technische Machbarkeitstudie (Wie auch? Das Verfahren steht am Anfang) oder kritisieren, dass ausgerechnet nun diese Lücke geschlossen werden soll.

Im Kern geht es jedoch um die Frage, ob ein Radweg hier in diesem Abschnitt realisiert werden kann und soll. Die Herzen der Radfahrer werden schlagen, die der heutigen Strandbesucher nicht. Das ist eine politische Debatte, aber es ist alles andere als realer Irrsinn.

Hasselbrook - Kein Fahrstuhl für die Regionalbahn

Am Hamburger S-Bahnhof Hasselbrook werden Aufzüge installiert:

Das ist schön. Am zweiten Bahnsteig für die Regionalbahn dagegen nicht. Beide Bahnsteige hätte man wunderbar mit einer Baumaßnahme verbinden können.

Erster Gedanke: Wie bescheuert ist diese Deutsche Bahn?

Zweiter Gedanke: Wird der Bahnhof im Zuge der Inbetriebnahme der S4 eingestellt?

Also frage ich bei der Deutschen Bahn einmal nach:

Auf eine zusätzliche Sanierung des Regionalbahnsteiges in Hasselbrook wurde verzichtet. Als Hauptgrund ist der geplante Ausbau der S4 zu nennen.

Da werden über 600 Mio Euro für eine längst überfällige weitere S-Bahn-Linie investiert. Und dann dürfen mobilitätseingeschränkte Menschen an dieser Station nicht zwischen den Verkehrsmitteln wechseln!

Das ist ein Schildbürgerstreich erster Güte!

Alsterradweg und der NDR

Ein Bericht im NDR erhitzt dieser Tage die Gemüter von Fahrradfahrern:

Radweg abgerissen: Radfahrer sind empört

Die Hamburger Behörden gestalten zur Zeit die Radweginfrastruktur rund um die Alster um. Dies ist auch bitter nötig. Auf viel zu schmalen Zweirichtungsradwegen quetschen sich viel zu viele Leute.

Ich fahre öfters mal im östlichen Bereich und bekomme da regelmäßig Panikzustände. Vor allem von Leuten, die meinen, sie können auf der Breite des Weges auch nebeneinander fahren und dabei völlig vergessen, dass die Breite für zwei Richtungen vorgesehen ist!

Im westlichen Teil der Alster schien eine Lösung sehr naheliegend: der Harvestehuder Weg wird zur Fahrradstraße (im Sinne der StVO) umgewidmet (siehe eine Präsentation der Behörde) und der alte Radweg aufgegeben. Die Straße hat ohnehin nur die Funktion als Anwohnerstraße für einige pompöse Bauten und wird im Süden (also Richtung Innnenstadt) durch das US-Konsulat gekappt. Leider gibt es da noch zu viel Schleichverkehr, zu deren Bekämpfung der ADFC auffordert.

Über das grundsätzliche Ziel kann man ja diskutieren. Da kann man auch verschiedene Ansichten haben. Man kann da auch einfach drei Radfahrexperten fragen um vier Meinungen zu bekommen. Doch darum geht es hier gar nicht.

Die Behörde hat den alten Weg abgerissen, bevor der Ersatz fertig ist! Das ist in etwa so sinnvoll, wie Tegel schon mal zu schließen, weil der BER irgendwann eröffnet wird.

Nun haben in dem Video ADFC und die Pressesprecherin der Wirtschaftsbehörde den Blick auf’s Ziel, während sie nun den wütenden Beschimpfungen der Vorbeifahrenden ausgesetzt sind, die die Etappe sehen. Und in diesem Chor singt der Reporter mit und bewirft die Sprecherin mit Suggestivfragen. Und die steigt nicht drauf ein – und lächelte völlig zu Recht einfach nur in die Kamera! (Viel souveräner als Gabriel).

Dabei wären doch zwei Fragen wirklich spannend und wichtig gewesen:

  • Was plant die Behörde gegen den gebietsfremden Verkehr?
  • Und warum wird der zweite Schritt vor dem ersten gemacht?

Fazit: Kein guter Artikel!

Noch einige Anmerkungen:

  • Busverkehr: Da findet kein Linienverkehr statt, aber Stadtrundfahrten. Also die Busse, die sonst als Verkehrshindernis angesehen werden, damit die Touris auch alle fleißig Fotos machen. Mich würde es wundern, wenn die da schneller fahren als sie sonst auf Tempo-50-Straßen fahren.

Hamburg: Park verschwindet

In Hamburg zufällig entdeckt: ein kleiner Park ohne Namen, der bald keinen benötigt:

Der alte Durchführungsplan von 1956 sicherte an dieser Stelle zwischen Papenstraße und Hasselbrookstraße eine Erholungsfläche, doch die Bezirksversammlung Wandsbek beschloss mit Stimmen der SPD, Grünen und Neue Liberale ohne Ausschussberatung einen neuen Bebauungsplan Eilbek 15 – und dann sieht das da eben so aus:

Kein Feuer und Flamme in Hamburg

Der Volksentscheid ist durch: 51,6% stimmten gegen Olympia in Hamburg.

Zunächst erst einmal freue ich mich, dass die Pläne der Hamburger Handelskammer vereitelt sind, dieses Sportereignis als Wirtschaftförderung zu missbrauchen.

Doch dann bedauere ich es, dass Hamburg dieses Sportereignis (mit allen Chancen und Risiken) nun nicht wagen wird.

Doch die Ablehnung ist zugleich auch die größte Chance! Warum?

  • Zunächst ist ein Ergebnis von 48.4% zu 51,6% ein knappes Ergebnis (auch wenn es absolut über 20.000 Stimmen Differenz ist). Es ermöglicht für künftige Olympia-Bewerbungen noch Spielraum.
  • Ein wesentlich eindeutiges Ergebnis gibt es aus Kiel mit 65,57% für die Ausrichtung einer einzelnen Diszplin.
  • Es wird zunehmend ein Trend werden, zu Olympia Bürgerentscheide durchzuführen. Nicht nur in Hamburg, auch zuvor in München, Krakau und Oslo. Und alle verliefen negativ.

Die Anforderungen an die Ausrichtung der olympischen Spiele ist enorm hoch, da eben nicht nur Anforderungen an Wettkampfstätten gestellt werden, sondern auch ans Umfeld (Olympisches Dorf, Hotels, …). Und genau dadurch entstehen auch die sehr hohen Kosten. Im Fall Hamburg stand bis zu letzt auch die Frage deren Finanzierung offen, da die Stadt die Strategie gefahren hat, möglichst auf Kosten des Bundes Stadtentwicklung zu betreiben.

Wenn immer mehr Städte durch Referenden als Austragungsstätten wegfallen, wird das IOC künftig Probleme bekommen. Und hier sehe ich die große Chance: einerseits, dass die olympischen Spiele eine Nummer kleiner ausfallen können. Und vor allem, dass sie besser verteilt werden! Kiel zeigt, dass die Ausrichtung einer Disziplin eben kein Problem darstellt. Was wäre ein Olympia, wenn nicht nur Wettkämpfe in Kiel, sondern auch in Lübeck, Bremen, Hannover, Cuxhaven, Lüneburg, Stade und gut zehn weiteren Orte durchgeführt werden? Wenn die Hotelkapazitäten ausreichen. Wenn die olympischen Dörfer nicht vollständig erst erbaut werden müssen, sondern sich dezentral in mehrere Orte integrieren.

(Siehe auch der Kommentar Die Quittung im Spiegel)

Weitere Artikel zu Olympia:

Helmut-Schmidt-Flughafen

Da ist Helmut Schmidt noch nicht einmal beerdigt gewesen, eröffnen schon die ersten die Diskussion über die Würdigung seines Namens im öffentlichen Raum:

Flughafenchef Michael Eggenschwiler war es, der die Diskussion schon zwei Stunden nach Schmidts Tod am Dienstag angestoßen hatte.

Dabei gibt es einen guten Grund, warum Plätze und Straßen erst nach einer bestimmten Anzahl von Jahren seit dem Ableben der entsprechenden Person benannt werden dürfen. Laut Welt sind es in Hamburg 2 Jahre, in Berlin sind das sogar fünf Jahre.

Also bitte um etwas Geduld für die Ungeduldigen!

Die Mauer in der S-Bahn-Tür

In Hamburg haben Unbekannte einfach so eine S-Bahn-Tür zugemauert. Das klingt skurril. Und sieht letztendlich auch so aus:

Aus der Pressemitteilung:

Nach jetzigem Sachstand der Hamburger Bundespolizei haben bislang unbekannte Täter die Eingangstür eines S-Bahnzuges der Linie S11 mit Ytong-Steinen zugemauert. Ein Triebfahrzeugführer fuhr am 28.04.2015 gegen 15.10 Uhr mit der entsprechenden S-Bahn aus der Abstellgruppe Barmbek heraus bis zum S-Bahnhaltepunkt Blankenese und anschließend zurück bis zum Bahnhof Hamburg-Altona. Danach wurde die zugemauerte Eingangstür entdeckt und der S-Bahnzug wurde im S-Bahnhaltepunkt Sternschanze gestoppt. Fahrgäste mussten an dieser Station die S-Bahn verlassen; die S-Bahn wurde ausgesetzt und in das Betriebswerk Ohlsdorf gefahren.

Sprich: der Zug ist einmal komplett bis zum Endpunkt gefahren. Erst beim dritten Kehren (in Altona kehrt die S11 zusätzlich) ist diese besondere Tür aufgefallen.

Handelskammer mit Parteipräferenz

Die Hamburger Handelskammer kommentiert den Ausgang der Bürgerschafswahl:

Der Verbleib der FDP in der Hamburgischen Bürgerschaft wird die politische Kultur und Vielfalt in unserer Stadt mit Sicherheit bereichern und erweitert den Handlungsspielraum der SPD bei der Suche nach einem Koalitionspartner.

Für so einen Satz müsste sich jedes Hamburger Zwangsmitglied unverzüglich eine Unterlassungsklage einlegen. Eine Industrie- und Handelskammer hat kein allgemeinpolitisches Mandat!

Aber leider bleibt selbst der Hamburger Senat trotz Kenntnis untätig.)