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Grüne Welle für Radfahrer mit Siemens-App?

Haltet mich für konservativ. Haltet mich für blind. Aber Sorry, ich sehe den Vorteil nicht, den diese Lösung uns bieten soll:

Fahrradfahrer laden sich die SiBike-App für ihr Fahrrad herunter und aktivieren sie. Fahren sie dann auf eine entsprechend ausgerüstete Ampel zu, wird etwa 60 Meter vor der Kreuzung ein sogenannter virtueller Anmelder kontaktiert. Die Verkehrsleitzentrale kommuniziert jetzt mit dem Smartphone des Radfahrers und erkennt anhand der GPS-Daten, wo dieser sich befindet. Die Ampel wird dann auf grün geschaltet beziehungsweise die Grünphase verlängert.

Wenn ich diese Grüne Welle realisieren möchte, so kann ich heute schon im Erdboden Induktionsschleifen verbauen. Oder Lichtschranken. Oder Druckschläuche. Ich kann auch gleich mehrere hinter einander verbauen, dann kenne ich nicht nur die Existenz des Radlers, sondern auch dessen Geschwindigkeit. Sofern Velo-Weichen (also seperate Fahrradstreifen für separate Richtungen) existieren, sind auch die Abbiegewünsche bekannt. All die Informationen an die Ampel – und sie kann walten.

(Über den Sinn dieser Grünen Welle kann man diskutieren, da in der Regel Begehrlichkeiten aus verschiedenen Richtungen zusammentreffen und eine grüne Welle für mehrere Ampeln in Folge ja gelten sind. Für mich gehört der Vorrang dem öffentlichen Personennahverkehr)

Doch Siemens möchte einen neuen Weg. Eine Lösung, die nicht allen Radfahrern zu Gute kommt, sondern nur denen, die folgende Eigenschaften erfüllen:

  • Handy mit GPS-Funktion
  • SiBike-App von Siemens (im besten Falle kostenfrei und datensparsam)
  • Voller Akku (GPS kostet Strom)
  • Irgendeine Technologie zum Senden der Position (NFC?, WLAN?)
  • Guter GPS-Empfang (auch bei 25 km/h Bewegung)

Und mit guter GPS-Empfang meine ich eigentlich richtig guten. Wenn die Ungenauigkeit 5 Meter beträgt, müsste die Ampel eine zusätzliche Sekunde Puffer bei Tempo 20 einplanen. Zudem bewegt sich das Telefon auch jede Sekunde um jene 5 Meter weiter.

Das Telefon weiß nicht, in welchen Verkehrsmittel ich tatsächlich unterwegs bin. Ich könnte es also auch mit einem Auto befördern. Oder in einem Bus. Im Zweifel bräuchte Siemens mehr Daten, um das zu analysieren. Das Telefon weiß auch nicht, ob ich abbiegen möchte, selbst wenn ich ihm vorher meinen Zielpunkt verraten habe.

Ich sehe keinen Vorteil in dieser Lösung.

Außer für das Geschäft von Siemens. Also falls diese Handy-App dann ausschließlich mit Siemens-Ampeln kompatibel sein sollte…

Bisherige Kommentare (2)

Kommentar von Pablo

Gibt es Statistiken über den Anteil an Alu-Rädern (Carbon wird vernachlässigbar sein), mit denen Induktionsschleifen nicht funktionieren würden? (Aber auch dann wäre eine Kette an Lichtschranken vermutlich schöner als eine App)

Kommentar von René

Danke für den Hinweis, Pablo. Ich habe die Lichtschranken eingebaut. Ansonsten gibt es auch Druckschleifen, die verbaut werden können.

Vielleicht noch einige Gedanken zu GPS: Wenn Piraten plakatieren, so werden die Plakate mittels GPS in einer Geo-Datenbank eingetragen. Das erleichtert das spätere Wiederauffinden. Ich stand schon manchmal neben der Laterne mehrere Sekunden, ehe die Präzision (ich glaube, es waren ca. 5 Meter) es zuließ, das Plakat zu erfassen.

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