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Amparos M5 (GPS-Tracker)

Es gibt Geräte, die bereits bei ihrer Herstellung Elektroschrott sind. Leider. Heute möchte ich ein solches Produkt vorstellen, dass für mich auf nahezu allen Ebenen enttäuschend war: Amparos M5.

Zweck des Gerätes

Das Gerät ist ein GPS-Tracker, der ebenso wie ein Mobiltelefon agieren kann. Sprich: es kann eine SIM-Karte hineingeschoben werden. Solche Geräte können zum Beispiel zur Ortung verwendet werden, eben weil sie im Zweifel auch senden können und damit auch den Standort mitteilen. Sie dienen aber auch bspw. zur Lebensrettung (z.B. für Bergsteiger), weil sie auch ein Telefon sind.

Beim Kauf war ich zugegebenermaßen irrational. Der geplante zweite Teil des Urlaubs sollte nach Osteuropa gehen. Und da speziell in Länder, denen hohe PKW-Diebstahlraten nachgesagt werden (bzw. bei denen auch das auswärtige Amt entsprechende Warnungen ausspricht). Es ist sicher eine Glaubensfrage, ob solche Geräte in so einer Situation tatsächlich etwas bewirken können – oder ob potentielle Autodiebe solche Optionen schon mit Störsendern von vorn herein unterbinden. Und 90 Euro da zu investieren (plus SIM-Karte und Guthaben) auch nicht ohne. Andererseits: wenn der Tracker tut, was er soll, hätte ich auch einen für künftige Radtouren (und kann mir den Kartennachbau ersparen).

Äußerer Eindruck

Die äußere Verarbeitung des Gerätes erweckt absolut nicht den Eindruck, dass dieses Gerät für 90 Euro verkauft wird. Eher 5 bis 10 Euro. Ganz billiger Kunststoffguss. So billig, dass ich das erste Gerät schon postwendend reklamieren musste, weil an der Naht des Gusses ein deutlicher Riss vorhanden war.

Beim Schütteln des Gerätes rieselt es im Inneren. Fragt mich nicht!

Beim Hineinschieben der SIM-Karte ist besondere Vorsicht von Nöten. Ansonsten klemmt sie zwischen SIM-Halterung und Gehäusewand.

Zum Ausschalten des Gerätes darf der Schiebeschalter nicht bis Anschlag zurückgeschoben werden, denn da gibt es wieder Kontakt. Also viel Fingerspitzengefühl nötig, um es richtig auszuschalten.

Der scheinbare USB-Anschluss ist gar keiner, sondern ein proprietärer. Etwas dünner und breiter als Micro-USB. Sprich: ein spezielles Kabel zum Laden. Und ein spezielles Kabel für den Kopfhörer.

Bedienung

Das Gerät hat auf der Vorderseite vier Tasten. Diese dienen zum Absenden von Rufen an voreingestellte Nummern. Ich las im Vorfeld Kritiken, dass die Tasten viel zu schnell versehentlich gedrückt werden, daher „programmierte” ich nichts.

Allgemein wird das Gerät nicht über sich selbst gesteuert, sondern mit Befehlen, die per SMS versendet werden. Diese Befehle lassen sich auch auf der Webseite des Herstellers verschicken, wenn das Gerät (mit Nummer) registriert wurde. So sieht ein möglicher Befehl aus:

contact + [Leertaste] + one + Passwort + [Leertaste] + Telefonnummer

contact one123456 01234567890

Back to the 90s!

Damit die SIM-Karte überhaupt verwendet werden kann, muss die PIN als auch die Mailbox abgeschalten werden. Im Falle eines Diebstahles ist dann auch eine SIM ohne PIN in Umlauf. Also nur Prepaid-SIMs verwenden.

Ortung

Um die Koordindaten des Trackers zu bekommen, muss man den Tracker von einer vorher autorisierten Rufnummer aus anrufen. Daraufhin verschickt er postwendend eine SMS. Diese sieht bspw. so aus:

Last:
lat:22.586248
lon:113.908062
T:00:00
http://maps.google.com/maps?f=q&q=22.586248,113.908062&z=16
Now:
Lac:15 cd6f
T:
bat:100%

Diese SMS bekam ich, nachdem der Tracker schon im Freien angeschaltet wurde und scheint die Werkseinstellung aus China zu sein. Mehrfach. Nachdem gesamten Urlaub wiederholte ich den Spaß. Da bekam ich einen Punkt, der ca. 200 Kilometer entfernt lag, den ich aber Tage zuvor in der Tat passiert habe. Ehe ich viele Worte verschwende: so richtig tut’s nicht!

(Das Wörtchen Last in der SMS signalisiert, dass der GPS-Tracker selbst weiß, dass es nicht die aktuelle Koordinate ist).

Nun gibt es aber noch die GSM-Option, also über die Koordinaten der Funkzelle. Hier musste ich erst zusätzliches Wissen aneignen. Um über GSM-Daten einen Standort weltweit zu identifizieren, sind vier Parameter notwendig:

Um also einen Standort weltweit zu orten, sind alle vier Angaben notwendig. Dafür gibt es dann Datenbanken wie OpenCellID

(Wer es mit dem Telefon testen will: es gibt die Applikation „CellID Info”, die genau diese Informationen liefert).

Nun liefert das Gerät nur den LAC und die Cell-ID. Das ist bemerkenswert, denn das Handbuch erwähnt nur den LAC und verweist auf Anfragen im Notfall direkt beim Netzanbieter. Allerdings fehlen dann immer noch die Länderkennung (um z.B. Ländergrenzen feststellen zu können) und Anbieterkennung (während e-Plus in Deutschland drei Kennungen hat, ist ungewiss bei welchem Anbieter im Ausland eingecheckt wird). Zudem sind die Daten im Hexa-Dezimal-System (0-9A-F) und müssen entsprechend noch konvertiert werden.

Kurzum: Wenn die fehlenden Parameter erratbar sind, ist eine Lokalisierung möglich. Unklar ist, warum der Hersteller die feststehenden Begriffe nicht verwendet hat und alle vier benötigten Parameter liefert.

Amparos GPS-Tracking für Android

Der Hersteller bietet eine Tracking-Software für Andoid-Telefone an. Ich hätte sie gerne genutzt, wenn nicht bei jedem Login-Versuch folgende Fehlermeldung erscheint…

Alert error

und der Hersteller auf Fehlerhinweise reagiert, dass diese Applikation nur für Kunden funktioniert und alles relevante ja in der Bedienungsanleitung stehen würde, was es nicht tut.

Positives

Nach all dieser niederschmetternden Kritik aber durchaus auch ein Lob: die Akkulaufzeit hielt wesentlich länger als die die angegeben 10 Tage im StandBy.

Fazit

Hände weg! Leider kenne ich keine brauchbare Alternative.

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