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Streetart in der Cuvrybrache (Blu)

Was haben mich die beiden großwändigen Streetart-Gemälde an der Brache der Kreuzberger Cuvry-Straße all die Jahre erfreut, wenn ich von Kreuzberg nach Hause geradelt bin:

In der Nacht zum vergangen Freitag wurden diese beiden Murals schwarz übermalt – mit Zustimmung des Künstlers:

In 2007 and 2008 i painted two walls at Cuvrystraße in Berlin (with the support of Lutz, Artitude and its volunteers) in 2014, after witnessing the changes happening in the surrounding area during the last years, we felt it was time to erase both walls.

Ein weiteres Zitat stammt von den Schwarzmalern:

The people who are destroying the artwork say that they act from BLU’s consent. They say that he doesn’t want to help real estate companies sell their apartments better.

Diese Bemerkung scheint jedoch weltfremd zu sein: Bei der bevorstehenden Bebauung kann davon ausgegangen werden, dass beide Brandwände nahezu vollständig angebaut werden. Es wäre also eh nichts von dem Kunstwerken übrig geblieben (siehe Konzeptstudie mit drei Entwürfen). „Liebe Interessenten: Und hinter dieser Außenwand befindet sich noch einzigartige Kreuzberger Straßenkunst!”

Eine Petition fordert Denkmalschutz für diese beiden Kunstwerke, da der Bebauungsplan keine Denkmäler ausweist. Bebauungspläne setzen keine Denkmäler fest, sie müssen vorhandene berücksichtigen. Die Debatte, ob Wandgemälde denkmalwürdig sind ist in der BVV Friedrichshain-Kreuzberg noch nicht abgeschlossen, aber nach Vorstellung der Grünen geht es dabei vor allem um den Kontext von Hausbesetzungen (und der traf auf diese Bilder nicht zu).

Anstelle eines Denkmalschutzes wäre auch die Freihaltung einer Sichtachse möglich. Denkbar entweder als Abstandsfläche oder als Hof. Dies würde die Möglichkeiten der Bebauung innerhalb des Areals jedoch einschränken. Aber weder der derzeitig rechtskräftige Bebauungsplan 2-5 (Kerngebiet mit einer Geschossfläche von 39.000m²), noch der sich in Aufstellung befindende vorhabenbezogener Bebauungsplan 2-40 VE (Wohnen und teilweise Nahversorgung mit 34.500m² Geschossfläche, Begründung) sieht diesen Abstand vor.

Die Übermalungsaktion zeigte aber auch, dass solche Gemälde keinen dauerhaften Bestand haben werden. Man stelle sich vor, sie wären in der Planung berücksichtigt worden – und erst nach Fertigstellung des Bauwerks wäre die Wand geschwärzt worden.

Zu guter Letzt muss man sich aber fragen, warum gerade diese Gemälde wertsteigernd für die Entwicklung der Brache sein soll (mal von den baulichen Einschränkungen abgesehen). Ich zitiere mal einen Kommentar

Warum hätte es ein Anreiz für Wohnungskäufer sein sollen? Weil die sich freuen einen Spiegel vorgehalten zu bekommen, wenn sie aus dem Fenster schauen?

Kurzum: das Kunstwerk sollte also zerstört werden, bevor es zerstört wird. Und mit der vorzeitigen Zerstörung war es möglich, der Stadt noch eine Botschaft mitzugeben.

Zurückbleiben also nur noch Erinnerungen. Hier das Making-Of mit den Masken (Juli 2007):

(Die Augen wurden später durch Taucherbrillen ersetzt)

Und das Making-Of zum Schlipsträger (November 2008)

Die Zerstörung ist u.a. bei Metronaut und Blogrebellen dokumentiert.

Sonstiges: An der Technischen Universität Eindhoven gibt es Entwürfe für die Bebauung des Areals, bei der die Brandwand unbebaut blieb

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