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Berlin

Berliner Liniennetz auf Englisch

Juhu. Es ist mal wieder erster April – und der Tagesspiegel legt los. Und damit nicht gleich der erste Leserkommentar auf den Tag hinweist, erklärt der Tagesspiegel es lieber vororglich:

Eigentlich verrät man ja April-Scherze nicht – schon gar nicht im Voraus. Dieser aber macht bereits die Runde. Es ist ein kleiner Witz, der allerdings ziemlich große Mühe gemacht haben muss.

Es geht mal wieder darum, dass die Stationsnamen im Liniennetz übersetzt werden. Ins Englische. Weil das ja auch so viel nützt. Doch leider ist der Witz nicht neu. Genau genommen ist er uralt. Vermutlich auch älter als das Internet.

Genaugenommen ist der Scherz im Tagesspiegel ein Plagiat. Lediglich der Urheberrechtshinweis (BVG) wurde entfernt. Dafür wurden auch alle Fehler übernommen (Rummelsberg).

Zum Vergleich eine 2006er Version und eine 2002er Version (beide auch mit Rückübersetzungen). Hier zum Vergleich noch der deutsche Linienplan von London.

Die Ansagen in der U2

Es muss für alles eine Petition geben – so auch eine gegen die Ansagen von mehr oder weniger Promintenten in der U2.

Ich habe sie in den letzten Tagen nun direkt in der U-Bahn gehört (im Umfeld des Alexanderplatzes). Und naja…

Zum einen versteht man die Ansagen sehr schwer. Aufgrund vieler enger Kurven rund um den Alexanderplatz ist es in der U-Bahn sehr laut. Deshalb ist es hier besonders wichtig, möglichst markante Ansagen zu haben.

Zum anderen sind die Ansagen viel zu lang. Die Prominenten erklären nämlich erst wie sie heißen. Und manche B-Prominente müssen auch noch erklären, was sie eigentlich machen. Und ganz zu schweigen von Radiomoderatoren, die ohne Angabe der Sendefrequenz nicht auskommen. Und das nervt!

(Die einzelnen Ansagen kann man sich hier anhören)

Die teuerste Lage im Bezirk

Die Berliner Morgenpost über mein Wohnumfeld:

Silke Brunner schiebt ihre zweijährige Tochter im modernen Dreiradwagen durch die teuerste Lage im Bezirk. In der Straße Am Treptower Park fahren die Autos so laut, dass die Arbeiter am Rand der drei Spuren zwischen Laub und Bäumen ihre eigenen Motorsägen kaum hören. Aber hier, im Areal mit der Postleitzahl 12435, zahlen die Anwohner dennoch 8,75 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Das liegt über dem Berliner Durchschnitt von 8,55 Euro, über dem Bezirksmittel sowieso (7,40 Euro).

Deutsche Bahn verspätete sich mit Ausschilderung

Im Dezember 2014 fuhr erstmals eine Straßenbahn zum neuen Lehrter (Stadt-)Bahnhof. Schon mit der Eröffnung im Jahre 2006 sollte die Straßenbahn diesen Bahnhof ansteuern. Noch sind zwar nicht alle Baumaßnahmen abgeschlossen. Noch fahren auch noch nicht alle Linien zum Bahnhof an der Lehrter Straße. Und noch gibt es im Bahnhof auch keine Indizien, dass vor der Tür die Straßenbahn hält. Doch gerade letzteres sollte einen Monat nach dem Start erwartet werden können. Immerhin reden wir hier vom Prestigebahnhof der Bahn, den die Deutsche Bahn im Fahrplan als Hauptbahnhof auswiest.

Fünf Monate für einen Gullideckel

Im Sommer des vergangenes Jahres wurde auf dem Rad- und Gehweg an meiner Straße gearbeitet. Zeitgleich. Eine Firma riss den Radweg auf und verlegte den Radweg mit gelben Markierungen auf dem Fußweg. Und eine andere Firma legte diese beiden gelben Markierbänder aufeinander und riss anschließend den Fußweg auf. Gewissermaßen eine tolle Leistung, einen fürstlich breiten Fußweg unpassierbar zu machen. Bei diesen Arbeiten wurde auch ein Gullideckel zerstört. Bitte fragt mich nicht, wie ein Gussdeckel halbiert werden kann, jedenfalls war der Gulli nur zur Hälfte bedeckt. Das war irgendwann im August.

Wir haben Januar – und der Radweg ist immer noch nicht wieder freigegeben!

Mein Fraktionskollege Volker fragt bereits das Bezirksamt, ob Wiedereröffnungsfeiern bereits geplant sind.

Aussichtsturm im Treptower Park

Völlig unscheinbar gibt es im Treptower Park einen kleinen Turm, der bis in die Wipfel der Bäume ragt:

Gut möglich, dass du hier in der Nähe wohnst und diesen Turm auch noch nie bemerkt hast. Und dann fragt man sich: welchen Zweck hat der Turm? Besonders groß ist diese Fläche nicht. Für Publikumsverkehr nicht geeignet.

Offensichtlich ist, dass der Turm mit einen Schornstein kombiniert wurde. Am Fuß befindet sich auch ein Heizhaus für das benachbarte Restaurant.

Anwohner berichteten, dass der Turm einst zur Überwachung der Ausänge des Straßenbahntunnels genutzt worden sein soll. Für diesen Ansatz mag es gute Begründungen geben, aber keinerlei Belege und ebenso gute Gegengründe. Beispielsweise dass Bäume die Sicht nach Stralau behinderten. Und bei Nebelwetter ebenso. Weitere Ideen gab es, dass es als Zielrichterturm für Wassersportveranstaltungen genutzt werden würde. Auch hier wären Bäume im Weg.

Die Lokalpresse startete im Dezember einen Aufruf, um die Funktion des Turmes aufzuklären. Mit Erfolg. Der einstige Bauleiter meldete sich. In den 50ern wurde nach Kriegsschäden das Zenner neu errichtet. Dem einher ging der Bau eines Heizhauses, der einen Schornstein benötigte. Die Aussichtsplattform war demnach nur Dekoration, damit eben kein blanker Schornstein im Park steht.

(Mehr zur Geschichte des Areals)

Streetart in der Cuvrybrache (Blu)

Was haben mich die beiden großwändigen Streetart-Gemälde an der Brache der Kreuzberger Cuvry-Straße all die Jahre erfreut, wenn ich von Kreuzberg nach Hause geradelt bin:

In der Nacht zum vergangen Freitag wurden diese beiden Murals schwarz übermalt – mit Zustimmung des Künstlers:

In 2007 and 2008 i painted two walls at Cuvrystraße in Berlin (with the support of Lutz, Artitude and its volunteers) in 2014, after witnessing the changes happening in the surrounding area during the last years, we felt it was time to erase both walls.

Ein weiteres Zitat stammt von den Schwarzmalern:

The people who are destroying the artwork say that they act from BLU’s consent. They say that he doesn’t want to help real estate companies sell their apartments better.

Diese Bemerkung scheint jedoch weltfremd zu sein: Bei der bevorstehenden Bebauung kann davon ausgegangen werden, dass beide Brandwände nahezu vollständig angebaut werden. Es wäre also eh nichts von dem Kunstwerken übrig geblieben (siehe Konzeptstudie mit drei Entwürfen). „Liebe Interessenten: Und hinter dieser Außenwand befindet sich noch einzigartige Kreuzberger Straßenkunst!”

Eine Petition fordert Denkmalschutz für diese beiden Kunstwerke, da der Bebauungsplan keine Denkmäler ausweist. Bebauungspläne setzen keine Denkmäler fest, sie müssen vorhandene berücksichtigen. Die Debatte, ob Wandgemälde denkmalwürdig sind ist in der BVV Friedrichshain-Kreuzberg noch nicht abgeschlossen, aber nach Vorstellung der Grünen geht es dabei vor allem um den Kontext von Hausbesetzungen (und der traf auf diese Bilder nicht zu).

Anstelle eines Denkmalschutzes wäre auch die Freihaltung einer Sichtachse möglich. Denkbar entweder als Abstandsfläche oder als Hof. Dies würde die Möglichkeiten der Bebauung innerhalb des Areals jedoch einschränken. Aber weder der derzeitig rechtskräftige Bebauungsplan 2-5 (Kerngebiet mit einer Geschossfläche von 39.000m²), noch der sich in Aufstellung befindende vorhabenbezogener Bebauungsplan 2-40 VE (Wohnen und teilweise Nahversorgung mit 34.500m² Geschossfläche, Begründung) sieht diesen Abstand vor.

Die Übermalungsaktion zeigte aber auch, dass solche Gemälde keinen dauerhaften Bestand haben werden. Man stelle sich vor, sie wären in der Planung berücksichtigt worden – und erst nach Fertigstellung des Bauwerks wäre die Wand geschwärzt worden.

Zu guter Letzt muss man sich aber fragen, warum gerade diese Gemälde wertsteigernd für die Entwicklung der Brache sein soll (mal von den baulichen Einschränkungen abgesehen). Ich zitiere mal einen Kommentar

Warum hätte es ein Anreiz für Wohnungskäufer sein sollen? Weil die sich freuen einen Spiegel vorgehalten zu bekommen, wenn sie aus dem Fenster schauen?

Kurzum: das Kunstwerk sollte also zerstört werden, bevor es zerstört wird. Und mit der vorzeitigen Zerstörung war es möglich, der Stadt noch eine Botschaft mitzugeben.

Zurückbleiben also nur noch Erinnerungen. Hier das Making-Of mit den Masken (Juli 2007):

(Die Augen wurden später durch Taucherbrillen ersetzt)

Und das Making-Of zum Schlipsträger (November 2008)

Die Zerstörung ist u.a. bei Metronaut und Blogrebellen dokumentiert.

Sonstiges: An der Technischen Universität Eindhoven gibt es Entwürfe für die Bebauung des Areals, bei der die Brandwand unbebaut blieb