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Narai

Mit Hiroshima, Osaka und Kyoto haben wir drei Großstädte bereist. Wir wollten aber auch Orte fernab der Metropolen Japan kennenlernen. Unter den in die engere Auswahl stehenden Ortschafen entschieden wir uns für Narai. Aus rein praktischen Gründen: der Ort hat immerhin einen Bahnhof.

In Nagoya verließen wir den Shinkansen und stiegen in einen Expresszug. Nachdem wir das urbane Gebiet verließen, befanden wir uns in einen Taleinschnitt. Blickt man aus dem Fenster des Zuges, könnte man nicht unbedingt darauf schließen, dass wir in Japan sind.

In Kiso-Fukushima stiegen wir in den Regio um. Ein ziemlich kleiner Zug mit nur zwei Waggons. An den Haltestellen öffnete sich aber immer nur die erste und zweite Tür des ersten Waggons. Die zweite zum Einsteigen – hier zieht man eine Karte. Und vorne beim Fahrer steigt man aus und bezahlt. Oder wie in unseren Fall: wir wedeln jeweils mit dem Japan Rail Pass.

Der Taleinschnitt wird enger. Die Eisenbahn sogar nur einspurig:

Und hinter einem langen Tunnel kommen wir in Narai an. Der Bahnhof von Narai wirkt wie aus der Zeit gefallen. Kein Aufzug. Alles weit weg von Barrierefreiheit. Es gibt einen Übergang mit vielen Treppen. Ich schleppe 2 mal 23 Kilogramm die Treppe hinauf. Und auf der anderen Seite wieder herunter.

Der Ort selbst ist ein kleines Juwel. Es ist ein konserviertes Dorf, was einst an der Handelsstraße zwischen Tokyo und Kyoto lag. Nahezu alle Häuser zeigen ein Japan, wie es vor 200 Jahren aussah: allen voran Holzhäuser. Das lasen wir ja schon von Hiroshima, nur dass davon wenig übrig blieb.

Das Schöne an Narai: Es ist nicht überlaufen. Im Gegenteil. Aber der Ort ist auch nicht für internationales Publikum vorgesehen. Es gibt nur wenige Übernachtungsangebote – und die meisten Webseiten waren nur auf Japanisch. Wir fanden trotzdem eine: Oyado Iseya. Zugegeben: Es war auch die teuerste Unterkunft in Japan. Noch dazu war Dusche und WC am anderen Ende des Gebäudes. Allerdings mit Halbpension. Und die hatte es in sich!

Wir erreichten unsere Unterkunft – und wurden auch gleich gebührend begrüßt. Gleich hinter dem Empfang gab es ein kleines Foyer, wo auch die Schuhe gewechselt werden mussten.

Uns wurde unser Raum gezeigt. Ein Raum, der spartanischer nicht hätte sein können:

Der Fußboden war mit Tatami-Matten ausgelegt. In der Mitte stand ein kleiner Tisch (so wie wir ihn in der ersten Unterkunft in Takamatsu kannten). Auf dem Tisch stand eine Kanne mit Grünen Tee und zwei Tassen.

Wir durften unser (Futon-)Bett selbst zusammenbauen. Auf der anderen Seite des Flures gab es Lager, in denen wir uns bedienen durften.

Für das bevorstehende Abendessen bekamen wir einen Yukata-Mantel. Wenn schon japanisch, dann auch mit der passenden Kleidung. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit konnten wir uns nur noch erfrischen sowie einmal kurz vor der Tür Luft schnappen. Gegenüber war ein Souvenir-Geschäft:

Dann ging es zu Tisch.

Wir wurden schon erwartet. Besser gesagt: ein reichlich gedeckter Tisch erwartete uns. Mit allerlei Elementen der japanischen Küche:

Ein Kellner erzählte uns alles. Ich kann heute nicht mehr genau sagen, was wir alles gegessen hatten. Ehrlich gesagt konnte ich das noch nicht einmal während des Essens. Ein Kellner sagt dir zwölf verschiedene Namen auf, noch während er aufzählte, hast du die Hälfte vergessen.

Es war auf jeden Fall lecker und erkenntnisreich. Manches erkannten wir wieder, wie bspw. die Salzpflaumen (Plum).

Kaum war das Essen vorbei, erkannte man den Speiseraum nicht wieder. Er war leer:

Nach dem Abendessen machten wir einen Spaziergang durch die dunkle Nacht. Hell war der Ort nicht, es gab nur die eine oder andere Laterne.

Und viele Menschen sahen wir dann ohnehin nicht. Die Geschäfte hatten alle geschlossen. Es gab auch keinen Seven-Eleven.

Ein Blick in den Garten hinter dem Haus:

Wir lernten in der Unterkunft ein anderes Pärchen kennen. Die machten eine Wandertour über mehrere Dörfer über den Torii-Torge-Pass, bei der das Gepäch jeweils von Unterkunft zu Unterkunft transportiert wurde. Und ich denke mir: „Ja, geil. Wenn ich zwei Wochen mehr Zeit hätte, hätte ich das auch gerne gemacht.”

Was nicht mehr konserviert wurde: die Toiletten:

Am Abend wollten wir uns noch ein kleines Bad nehmen. Dazu gab es hier eine heiße Quelle. In einer kleinen Holz-Badewanne sprudelt permanent heißes Wasser – und mit einem Wasserhahn lässt man kaltes Wasser dazu. Zumindest bis es so kalt ist, dass man in das Wasser gehen kann. Und dann lässt man es sich gut gehen. Und geht entspannt in die Nacht.

Und die war auch sehr erholsam. Zugegebenermaßen: Ich überlegte mir schon, ob ich nicht zu Hause das Bett rauswerfe und einige Tatami-Matten ausrolle.

Am nächsten Morgen stärkten wir uns mit einem Frühstück. Ähnlich wie das Abendessen gab es wieder viele kleine Häppchen. Und eine kurze Erklärung.

Wir checkten aus und schlenderten noch ein wenig durch den Ort.

Wir entdeckten das Heimatmuseum (siehe Webseite – Von englischer Sprache keine Spur, der automatische Übersetzer ist auch keine wirkliche Hilfe). Der Betreiber entschuldigte sich für sein schlechtes Englisch, aber wir verstanden ihn dennoch recht gut. Er erklärte uns einige Dinge rund um diese traditionellen Gebäude.

Zum Beispiel wie diese Räume unheimlich flexibel umzubauen sind. Man nimmt ein paar Trennwände heraus – und Zack, ist der Raum vergrößert. Oder auch die Fensterfront: es gab Fenstereinsätze mit Papier, Holzgittern und Massiv – und wenn man möchte, konnte man sie auch ganz entfernen. So funktionieren einige Geschäfte im Ort: wir dachten uns, dass wir vor der Abreise noch einmal vorbeischauen. Aber dann waren die fehlenden Fenster eingebaut – und es gab von außen keinerlei Indiz, dass hier jemals ein Laden war:

Es ist beeindruckend, wie mit solch trivialen Dingen eine so ungeheure Flexibilität schon möglich war. Auch fernab jeglicher Elektronik.

Das Museum selbst war historisch mal das Wohn- und Geschäftshaus einen Händlers für Kämme. Dies wurde im Hinterhaus dargestellt.

Wir erreichten das Ende des Ortes und gingen etwas den Berg hinauf – mit einem sehr schönen Foto-Motiv:

Wir liefen auf der anderen Seite des Baches zurück. Am beeindruckensten war die Kisono-Brücke, eine relativ moderne Holzbrücke.

Mit Gepäck ging es dann zurück zum Bahnhof. Wir nahmen noch einige Souvenire mit (z.B. Schals mit den Gittern der historischen Bauwerke). Am Bahnhof selber hatten wir noch einige Minuten Zeit. Ein Roboter bot seine Dienste an, wenn man ihn mit Daten fütterte. War sicherlich witzig. Dann hieß es wieder: Koffer schleppen. Zwei mal 23kg hoch. Und wieder herunter. Der Zug fuhr ein – er war pünktlich.

Fazit: Zusammenfassend war es eines der schönsten Orte.

Anderer Reisebericht zu Narai im Netz entdeckt: Kiso-Fukushima nach Narai)

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