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Sad Song (2026)

Der erste KI-Feldversuch war Sad Song.

Irgendwann vor über 20 Jahren schwebte in meinem Kopf eine Melodie mit dem Text “I feel a little bit sad and strong.” Ich schrieb den Text auf. Ich spielte die Melodie nach. Ich arrangierte ein Musikstück. Und feilte den Text aus. Es gab auch irgendwann mal eine Probeaufnahme mit Gesang, die aber leider verloren ging. Damals waren digitale Speicher teuer (4-Spur-Minidisk). Für die Melodiespur nutzte ich erst einmal ein eher quietschendes Geräusch, was nach Game Boy klang:

Wer die alte zum Vergleich hören will:

Ich nahm also das alte mp3 und lud es hoch. Er erzeugt automatisch eine Stil-Beschreibung. Dabei ist diese Gameboy-Spur prägend. Und das erzeugte Ergebnis war nicht anhörbar. Ich musste also die Stilbeschreibung selbst in die Hand nehmen.

Also widmete ich mich erst mal dem alten Text zu Sad Song und ließ ihn mal durch eine andere KI prüfen. Rein sprachlich. Und es wäre verwunderlich, wenn da nicht irgendwas an meinem alten Schul-Englisch bemängelt worden wäre. Und in der Tat kamen einige Vorschläge. Ein Beispiel:

Can you imagine what is wrong in us? No trust?
Can you imagine what is wrong with us? No trust?

Grundsätzlich lasse ich meine Texte nie automatisch korrigieren, sondern ich will mir alle Änderungsvorschläge anzeigen lassen. Das ist gerade bei Liedtexten wichtiger, weil ich mir die neuen Textzeile auch gedanklich vorstelle. Stichwort: Versmaß.

Und dann sollte man jeden Text so lange durch die KI jagen, bis keine Änderungsvorschläge mehr kommen – und abgelehnte Änderungen auch klar benennen. Ähnlich wie bei menschlichen Korrekturlesern: der erste Fehler wird akribisch gesucht – und dann nimmt es ab.

Dann widmete ich wieder der Musikerzeugung und beschrieb, wie ich mir das Ergebnis vorstellte. Mit natürlichen Worten. Ich probierte einige Versionen als Remix und einige ohne aus. Das war insoweit spannend, dass er bei den Versionen ohne Remix teilweise zu einer ähnlichen Melodie kam und meisten Unterschiede beim Einsetzen des Gesanges lag (also wo im Takt oder in den Takt reingesungen wird). Man kann nun spekulieren, ob die Sprachmelodie des Textes dazu führt – oder ob er war von früheren Läufen mitnimmt.

Der Rhythmus sollte sich am Original bedienen – und das klappte hier relativ gut. Insbesondere war das im Original schon ein wenig ausdifferenziert.

Beim Stil probierte ich lange aus. Mehr Trance. Mehr Pop. Auch mal im Metal. Aber eine leicht düstere Note erzeugte bei mir die beste Aufmerksamkeit.

Beim Aufbau und Gesamtarrangement hatte ich mehr Herausforderungen, da der Titel untypisch ist. Er bestand nur aus zwei Strophen mit jeweils vier Textblocken und jeweils einem instrumentalen Refrain mit deutlich abweichender Akkordfolge. Und nun versuchte er häufig, den Text der letzten beiden Blöcke mit den Harmonien und Akkorden des Refrain zu kreuzen. Und jede dieser Versionen klang grauenhaft. Jede. Der Text passte nicht in diese Akkordfolge. Und wenn die KI einmal diese Idee hat, bekommst du die ganz schwer wieder raus. Ein Daumen-runter geht offensichtlich noch nicht in die Feedback-Schleife ein.

Ebenso untypisch war meine damalige Idee, gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Die erste Note sollte auch die erste zu singende Silbe sein. Und irgendwie ist Suno so trainiert, mit einem instrumentalen Intro zu starten. Egal, was ich dem Prompt mitgab – ich bekam nie das Intro weg. Irgendwann gab ich auf.

Aber ich musste auch einsehen, dass die Überleitung der letzten Textzeile vor dem Refrain schwer singbar ist. Und auch jede dieser Versionen holperte. Die Lösung war dann, dass dieser Übergang in einer eer ruhigeren Passage passiert.

Und zum Schluss stellte ich mir die Frage: bisher hatte das Lied den lapidaren Arbeitstitel “Sad Song”. Wieder quälte ich die KI mit dem Text und befragte sie nach einem guten Titel. Und ich bekam zwei Dutzend Vorschläge und welch Überraschung: die meisten waren beliebige Textzeilen wie “Loved In Vain” oder “Frantic Sound”. Gefiel mir alles nicht. Ich dachte selbst an “Sad and Strong”. Am Ende belasse ich es bei Sad Song.

Die neue Version mit Gesang:

Auf der Strecke dahin gab es einige Versuche. Unter allen Experimenten hat mich diese durchaus sehr beeindruckt, da sie die Stimmung des Textes auch sehr stark in der Musik prägte:

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