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Ersatzverkehr in Hamburg

Während des Olympia-Referendums hatte Hamburg die große Klappe: Die Stadt würde dann die barriereärmste Stadt sein. In der tagtäglichen Praxis zeigt sich aber, dass die Stadt schon den alltäglichen Herausforderungen der Barrierefreiheit nicht gewachsen ist. Heute mal am Beispiel der Ersatzverkehre für die U3 zwischen Mundsburg und Barmbek.

Die Baustelle ist für 2 Monate eingerichtet. Und keine Frage: Sanierung muss sein.

Ein auffallender Unterschied zu Berlin ist: Wann immer es geht, wird dort gependelt. Dann wird eingleisig saniert – und auf dem anderen Gleis pendelt eine Bahn. In Hamburg habe ich das noch nie gesehen, es gibt dann immer gleich Ersatzverkehr. Und so ist es auch hier der Fall.

Wenn ich mir den aktuellen Ersatzverkehr im Bereich Mundsburg anschaue, so habe ich den Eindruck, dass Hamburg zum ersten Mal überhaupt Ersatzverkehr macht:

  • die Ersatzhaltestelle ist weit weg – und nicht in Sichtbeziehung zum U-Bahnhof. Man sieht Unmengen an Leuten, die dorthin pilgern. Es gibt sogar vier Köpfe, die den Leuten den Weg zeigen sollen.
  • der Zutritt erfolgt direkt über einen Radweg. Man hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, mittels Markierungen den Radweg zu verlegen. Dass der Fuß des Haltestellenschildes teilweise auf einem Radweg steht, mag ein Versehen sein, aber eben sehr symptomatisch.
  • es gibt keinen Regenschutz (bei 2 Monaten Bauzeit auf einer Hauptader ist das nicht tragbar – insbesondere in Hamburg)

Aber blicken wir nun auf Menschen im Rollstuhl: Bedingt durch diese teilerhöhten Bahnsteige, verlassen also Rollstuhlfahrer in der Mitte des Bahnsteiges die U-Bahn. Sie müssen dann an das westliche Ende des Bahnsteiges zum Fahrstuhl gelangen. Dann queren sie den gesamten Vorplatz und drei Ampeln. Und nach 280 Metern zurückgelegter Strecke (ich habe es extra gemessen!), stehen sie dann nicht wettergeschützt in einer Grundstückseinfahrt – und beobachten, wie die passende Tür sich genau da öffnet, wo ein abgesenkter Bordstein ist.

(Ich habe mir ca. 8 haltende Busse angeschaut. Nur einer hielt passend, weil ein Lieferfahrzeug blockierte)

Am besagten Knoten findet derzeit auch für den Busverkehr eine mehrjährige Umleitung für die Linien 172/25 in Fahrtrichtung Süd statt. Aber die Ausschilderungen berücksichtigen nicht, dass auch hierfür Leute in eine andere Richtung gehen müssen. Und auch hier wurden die Ersatzhaltestellen so verlegt, dass der Kfz-Verkehr möglichst keine Beeinträchtigung erfährt: in dem Falle bewusst in eine Nebenstraße. Konflikte entstehen damit an der Ampel (wenn volle Busladungen rausgeworfen werden, reicht die Aufstellfläche an einer Fußgängerampel nicht). Und anschließend muss der Bus wieder auf die Hauptstraße – was nicht so einfach ist, da die Stelle schwer einsehbar ist und der Bus beide Spuren aufgrund der Schleppkurven zum Einfädeln braucht.

Kurz gesagt: Dieser Hamburger Dilettantismus ist an Realsatire echt nicht zu überbieten.

Natürlich muss man anmerken, dass der Knoten Mundsburg aufgrund des ringförmigen Verkehrs nicht gerade einfach ist. Andererseits ist er bedingt durch die Weiche bei der U-Bahn betriebstechnisch häufiger Beginn und Ende von Ersatzverkehr (solange Hamburg das Pendeln nicht hinbekommt). Sprich: es ist ein Ort, an dem die Leute hin und wieder mal den Weg zum Ersatzverkehr zurücklegen müssen. Und gerade deshalb ist es wichtig, dass es für diesen Bahnhof einen festen Plan B geben muss.

Wenn also politisch ernsthaft das Bestreben der barriereärmsten Stadt verfolgt hätte, dann muss auch der Ersatzverkehr eben barrierearm aussehen. Vor allem bei Verwendung des Superlativs muss man dann schon mal mindestens Berlin in den Schatten stellen.

Sonder-Service: der Weg des Ersatzverkehrs als Wanderroute – und in der Mitte der Erdbeerstand als Streckenpunkt:

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