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Homepage von René Pönitz

U5 - und die Ausdünnung des Busverkehres

Für den kommenden Regionalausschuss am 09.11. gibt es eine Eingabe, die sich mit der Zukunft der Linie 172 beschäftigt

Mit großer Besorgnis habe ich aus den Gutachten zur Nutzen-Kosten-Untersuchung der neuen U5 erfahren, dass nach deren Fertigstellung wesentliche Teile der Buslinie 172 – insbesondere zwischen Barmbek und der Mundsburger Brücke – ersatzlos gestrichen werden sollen.

An sich ist die Information nicht neu, sie wurde 2023 im Transparenzportal der Stadt im Rahmen der Kosten/Nutzenanalyse für den U-Bahn-Bau veröffentlicht

Warum es jetzt auf die Agenda kommt? Vermutlich wegen einem neueren Artikel in der taz (und sehr wahrscheinlich, weil die Linke wieder gegen die U-Bahn mobilisiert)

Aber zurück zu diesem Gutachten: es stehen zahlreiche Linien zur Disposition:

In diesem Gebiet würde es auch die Linien 6, 17 und auch die inzwischen nicht mehr existente 173. Westlich der Alster betrifft es vor allem Linie 4 und 5.

Die Liniennummern sind teilweise veraltet und beziehen sich wohl auf das Jahr 2016. Seit dem gab es ja natürlich schon einige Linienveränderungen. Bemerkenswert ist die Linie X22, die schon im Plan enthalten war (obwohl sie erst 2020 eingeführt wurde).

Allerdings ist diese Tabelle kein Grund für Panik. Die Kosten-Nutzen-Analyse dient vor allem dem Zweck, diesen Bau wirtschaftlich zu rechnen. Nicht, damit damit sich Hamburg anlügt, sondern damit es Geld vom Bund für ÖPNV-Zuschüsse gibt. Und wer Geld gibt, gibt auch die Spielregeln. Und natürlich gehört dazu, dass unmittelbare Parallelverkehre dann nicht mehr fahren müssen. In Hamburg wurde dies aber etwas mehr als großzügig gerechnet.

Das ist also nicht gleichzeitig ein Todesurteil für die Linien bzw. Linienabschnitte. Aber das Risiko besteht. Und darüber ist die Debatte wichtig. Jetzt können wir noch ein- und gegenwirken.

Würden bspw. die Linien 6 und 17 im Gebiet Uhlenhorst abgeschafft werden, würde teilweise Wege von bis zu 1 Kilometer zurückgelegt werden, um den U-Bahnhof Beethovenstraße zu erreichen. Damit sind diese Gebiete nicht mehr öffentlich erschlossen. Umgekehrt ist gerade dieser dichte Berufsverkehr auf 6/17 dann wirklich nicht mehr nötig. Durch die fehlende U-Bahn fahren die Busse da im Berufsverkehr im 3-Minuten-Takt.

Was wäre also ein realistisches Szenario für Uhlenhorst / Barmbek-Süd?

  • Entfall der Linie 6
  • Unveränderter Betrieb der Linie 17 (im 10er Takt)
  • Der X22 ist strategisch und wird unverändert betrieben (er kreuzt nur die U-Bahn)
  • Die neue Linie 18 dürfte wegen Biedermannplatz notwendig bleiben, würde damit Zubringer zur U5 werden. Allerdings wird der Bedarf in Richtung Zentrum entfallen (wenn Linie 17 fährt)
  • Die Linie 172 wäre in der Jarrestaße obsolet, wenn die Linie 17 fährt. Dann wäre lediglich der Bereich Schumann/Bach/Mozart offen
    • Denkbar wäre eine neue Haltestelle der Linie 18 zwischen Schumann- und Bachstraße.
    • Ein komplett neuer Linienlauf? Bspw. von Alster kommend via Zimmerstraße die üblichen Wege in die Barmbeker Straße – und dann von der Barmbeker direkt in den Wiesendamm (Da oben gibt es eine Haltestelle, die derzeit nur vom Nachtbus angefahren wird).
    • Neue Linienführung der 261 (Die Linie fährt eh schon kreuz und quer, um irgendwelche Lücken abzudecken. Da kommt es auf eine weitere Ecke auch nicht mehr an)

Das sind aber erst einmal nur meine Gedanken. Bis es soweit ist, vergehen noch viele Jahre. Denn man kann erst dann Linien einstellen, wenn auch die U-Bahn fährt. Aber es ist gut und wichtig, dass wir uns über unsere künftigen Linien auch mit der U5 Gedanken machen müssen. Und vielleicht ersetzen wir ersetzen wir bis dahin noch den einen oder anderen Bus durch eine Straßenbahn?.

Beyond Emotion - Musik mit KI recyceln

Oder: Generative KI zur Überarbeitung eigener Musik

Als ich damals noch zur Schule ging, war ich musikalisch aktiv. Nicht mit Instrumenten, sondern mit Notensatzprogrammen wie Recording Session, gemeinsam mit einem Schulkameraden. Es entstanden instrumentale Titel. Und auch einige Texte. Stilistisch begann es mal mit DreamDance und Trance. Und zunehmend probierte ich auch Pop und Relax. Einige der Titel gibt es auch noch in den Annalen dieser Seite. Die Muse für Musik nahm dann gegen Ende des Studiums ab – oder besser gesagt: die Zeit dafür fehlte. Und so schlummerten die Titel. Zudem verschwanden auch zunehmend die einstigen Möglichkeiten, bspw. funktioniert die alte Software nicht mehr mit Windows 10.

Nun ist die Technologie auch vorangeschritten und im Zuge der generativen Künstlichen Intelligenz reifte die Neugierde, ob ich nicht aus den alten Melodien und Texten neue Musik “einfach” erschaffen kann. Zum einen stieß ich bereits auf KI-Künstler wie beispielswiese Ella Rey .

Zum anderen auch aus dem Blickpunkt “Jugend forscht.” Und nicht zuletzt auch mit der Idee und dem Ziel, etwas zu generieren, was vor allem ich mir auch gut und gerne selbst anhöre.

Anmerkung: Mir sind die Kontroversen um KI-Generierung bekannt und dazu wird in einem anderen Artikel gehen (kommt in ein paar Tagen). Das möchte ich hier ausblenden.

Was habe ich bei den Titeln gemacht? In der Regel habe ich noch Fragmente aus meiner Jugend genommen: manchmal waren es Texte, manchmal Melodien, manchmal kurze Samples, manchmal komplette Titel. Und habe sie durch die Remix-Funktion von Suno geworfen. Es gibt auch einige Titel ohne alten Bezug.

Die Titel selbst haben eine gewisse Streu an Musikstilen, von Dark Wave über Relax, von DreamDance bis Progressive Pop. Es wäre überraschend, wen dir alles gefällt ;) Insoweit will ich mich stilistisch auch nicht festlegen oder einengen.

In der Liste sammle ich die Titel, zu jedem stelle ich auch einige Gedanken dazu vor:

Sad Song 2026
Sad Song (Dance, leicht düster, Input: Altes Arrangement sowie Text)
Delay (Time Does Not Pass)
Delay (Dream Pop, Input: Altes Arrangement)
Das Bild
Das Bild (Dream Pop, Input: wie bei Delay)
Under Water (The Coral Queen)
Under Water (Progressive-Pop, Input: Altes Arrangement ohne Schlagzeug)
A New Way
A New Way (Pop, Input: Altes Arrangement)
Whale Nation
Whale Nation (Dream Dance, Input: Altes Arrangemeht sowie Text)
Scream Sequence (The Beelitz Song)
Scream Sequence (Dark Wave, Input: Altes Arrangement)
Between The Nails
Between The Nails (Pop)
Eclipse (The Corona Party)
Eclipse (Dance)
In 50 Years
In 50 Years (Pop)
Phoenix
Phoenix (Synthpop, Input: Rhythmus)
Hartmannsdorf
Hartmannsdorf (Sing-a-songwriter)
Wall Of Love
Wall of Love (Dark Wave und Schnulze, Input: Text und Melodie)
Walk Through The Gray
Walk Through The Gray (Dance)

In dem Zusammenhang überlegte ich, ob ich den alten Namen “Emotion 4 Devotion” weiter verwenden sollte. Am Ende überwogen die Argumente für einen neuen Namen. Zum einen zeitlich, zum anderen die Entstehungsgeschichte, zum dritten auch der Nerv der Zeit (Diese 4 im Namen ist zum Beispiel ein typisches Merkmal der 90er Jahre gewesen, wie bspw. Dance 2 Trance).

Unter den Ideen gefiel mir “Beyond Emotion” am besten. Zum einen nehme ich damit Bezug auf den alten Namen, zum anderen passt er. Und ganz wichtig: bisher habe ich kein Musikprojekt finden können, was diesen Namen verwendet (Es gibt Lieder, die so heißen).

Also. Hört rein! Und ich freue mich über Feedback!

Abriss und Neubau am Hofweg

Der geplante Abriss der Wohnhäuser am Hofweg 87–89 sorgte im letzten Regionalausschuss für reichlich Unmut. Dabei ging es nicht nur um den Verlust von Wohnungen, sondern auch um die Frage, was Bezirkspolitik in einem solchen Fall überhaupt bewirken kann. Ich möchte die verschiedenen Aspekte auseinanderhalten: die Sorgen der Bewohner, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die politischen Handlungsmöglichkeiten. Mit dem Beitrag möchte ich zur Versachlichung der Debatte beitragen – und auch darstellen, wo Erwartungen und Möglichkeiten wohl getrennte Wege gehen.

Konkret geht es sowohl um das Hochhaus im Hintergrund, als auch um das Gebäude vorne:

RB71 - Frisch saniert bereit zur Einstellung?

Meine Geburtsstadt erzeugt ja leider öfters negative Meldungen, nicht zuletzt durch den braunen Bürgermeister. Für den heutigen Beitrag können die örtlichen Akteure allerdings wenig: es geht um die mögliche Einstellung des RB71, die Regionalbahnlinie zwischen Pirna, Neustadt und Sebnitz möglicherweise vollständig eingestellt werden soll.

Das ist überraschend, denn erst kürzlich wurde diese Strecke saniert. Die Bauarbeiten führten teilweise über Monate zu Schienenersatzverkehr, zudem gab es auch einige Verzögerungen. Und nun steht – kurz nach der Wiedereröffnung die Frage im Raum, ob der Verkehrsverbund die Verbindung abkündigen will.

Sanierung

Die Bauarbeiten im Jahr 2026 betrafen unter anderem den Abschnitt zwischen Pirna-Copitz und Dürrröhrsdorf, wo Betonschwellen erneuert wurden. Wegen des Winters und schwieriger Bodenverhältnisse verlängerten sich die Arbeiten bis Ende Juni. Auch an anderen Stellen der Strecke wurde gebaut. Hinzu kommen Maßnahmen am Bahnhof Sebnitz, für dessen Modernisierung die Deutsche Bahn und der Bund rund 2,9 Millionen Euro aufwendeten.

In der öffentlichen Berichterstattung ist zudem von rund 13 Millionen Euro für die Sanierung der Bahnstrecke die Rede. Die Arbeiten wurden mit dem Erhalt beziehungsweise der Verbesserung der Bahnanlagen begründet. Was für mich unklar ist, welche Geld- und Fördertöpfe verwendet worden – und ob sich daraus eine Zweckbindung, also (faktischer) Betriebszwang, ableiten lässt.

Bestellung und Trassenpreise

Losgelöst von der Sanierung der Strecke sind die Verkehrsverbünde (hier VVO) für die Bestellung der gefahrenen Linien zuständig. Und die kämpfen derzeit mit steigenden Trassenpreisen, nicht nur im Elbtal. Es ist vor allem eine Sache der InfraGo, einer Tochter der Deutschen Bahn.

Eine Reform, die genau diese Probleme beheben sollte, wurde vom Bundesverkehrsministerium bislang nicht angegangen. Die Folgen trägt erneut der Markt.

So eine Mitteilung aus dem Verband Die Güterbahnen

Und nun fällt das Ende der Sanierung – unglücklich – mit der Erhöhung der Trassenpreise aufeinander.

Aus Sicht der Verkehrsverbünde ist die Lage misslich: sie haben ein Budget und müssen damit wirtschaften. Und Wirtschaften heißt nicht nur die Trassenpreise im Blick haben, sondern auch die Kosten bei einer eventuellen Verlagerung zum Bus. Der Freistaat Sachsen könnte die Zuschüsse für die Verkehrsverbünde erhöhen und damit die Folgen lindern. Viel mehr liegt die Ursache aber beim Bundesverkehrsminister. Und zwar aus zwei Aspekten: der Bund ist Eigentümer der Deutschen Bahn (und damit auch der InfraGo) und kann über diese Einfluss ausüben. Und der Bund ist verantwortlich für die Rahmenbedingungen der Schieneninfrastruktur.

Und die Befürchtung ist, dass der Bund über diesen Weg Steine für den öffentlichen Personennahverkehr und der Verkehrswende allgemein hinlegt oder zumindest billigend in Kauf nimmt. Und diese Strecke nicht die einzige bleiben wird.

Zur Petition zum Erhalt des RB 71

Seilbahn nach Bergedorf

Die SPD und der Hamburger Nahverkehr – das ist keine gute Geschichte.

Im April 2011 gewann die SPD die absolute Mehrheit – und unser Lügen-Olli beerdigte die Pläne für eine Straßenbahn. Er stammelte in der Regierungserklärung von Spurbussen, also die perfekte Kombination, die Nachteile von Bus und Straßenbahn vereint. Offensichtlich kam die SPD noch selbst auf den Trichter – und kam dann mit dem “Busbeschleunigungsprogramm” an. Toll klingender Name, nur beschleunigten sie damit nicht die Busse. Dafür nahm man das Geld in die Hand, was man durch die Straßenbahn gespart hat, vervielfältigte es und gräbt nun neue U-Bahn-Tunnel. An sich nicht falsch, denn auch da hat Hamburg Defizite. Aber die SPD sieht das als Allheilmittel (siehe bspw. eine Anfrage an Thorben Buschhüter). Und offensichtlich erkennt man nun, dass man damit auf dem Holzweg ist:

Da Hamburg konzeptionell nur auf Bus und Bahn setzt, wobei die Busverkehre die Straßen verstopfen und der Bau von neuen S-Bahn- und U-Bahnstrecken Milliarden kosten, ist es an der Zeit, auch Seilbahnsysteme als alternatives Beförderungsmittel mit zu bedenken.

Denn die kommen nun mit der Idee um die Ecke, eine Seilbahn für Oberbillwerder zu fordern. So ein Antrag für die kommende Sitzung der BV Bergedorf

Die Bezirksamtsleiterin wird gebeten:

  1. mit der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende in Kontakt zu treten, um eine Machbarkeitsstudie erstellen zu lassen, die die Umsetzungsbedingungen für eine Seilbahn, die das Zentrum Bergedorf mit der Hamburger Innenstadt verbindet, ermittelt, was Gespräche mit Unternehmen mit einschließt.
  2. in die Machbarkeitsstudie folgende Streckenverläufe mit einzubeziehen: Oberbillwerder-Hamburger Innenstadt, Oberbillwerder-Bergedorfer Zentrum, Oberbillwerder-Mümmelmannsberg U2, Oberbillwerder-Allermöhe S-Bahn
  3. den Stadtentwicklungsausschuss über das Ergebnis der Machbarkeitsstudie zu informieren.

Es soll eine Machbarkeitsstudie erstellt werden. Man bindet damit Zeit und Energie der Verwaltung, die dann nichts besseres tun kann. Das ist gerechtfertigt, wenn die Idee auch irgendwie zum Ziel führen kann. Aber dann wäre schon etwas Hirnschmalz im Vorfeld angebracht. Sie adressieren als Ziel die Hamburger Innenstadt, also muss man erst mal analysieren, wo so ein Zielpunkt geschaffen werden kann – und natürlich auch die Frage möglicher Zwischenhalte.

Ich würde noch einen Schritt zurückgehen: die Form, wie die SPD Stadtentwicklung betreibt, ist schon fragwürdig. Sie planen so ein eher sumpfiges Gebiet in Randlage mit überwiegend 3 bis 5 Geschossen zu bebauen, partiell sogar 8 Etagen (siehe B-Plan von 2025). Man muss sogar schon sagen: immerhin ist da ein S-Bahn-Halt. Wenn man aber versucht, den Kfz-Verkehr im Hamburger Zentrum zu reduzieren, dann ist es kontraproduktiv, wenn solch massive Siedlungen in diesen Außenbereichen entstehen.

All das hätte man in der Planung schon würdigen können. Dann hätte man auch auch für weitere ÖPNV-Anbindungen auch Platz freihalten können.

Und nun kommt man zu der oben zitierten Erkenntnis – und schwadroniert wie toll anderswo Seilbahnen sind. Und keine Frage: das mag auch anderswo jeweils Sinn ergeben. Aber hier ist es der verzweifelte Griff nach irgendeinem Werkzeug mit der Hoffnung, den Nagel doch noch in den Wand zu bekommen.

Gleich zu Beginn wird in der Antragsbegründung La Paz: angesprochen. Ich habe keine Ahnung, warum sie hier die Beispielwirkung in der Vergangenheit schreiben, derzeit wird dort eine neue Linie gerade gebaut. Aber dort ist die Seilbahn auch das Hauptverkehrsmittel – und das aus gutem Grund: die Linien legen da alle mehrere hundert Höhenmeter zurück. Da kann eine U-Bahn einpacken.

In Hamburg soll also nun eine Seilbahn parallel zu einer S-Bahn-Verbindung entstehen. Wozu?

Dann wird Berlin eingebracht. Berlin hat eine Seilbahn, um die Gärten der Welt zu erreichen. Bedient ähnlich wie London oder einst die Hamburger Debatte zum Musical eher den Tourismus.

Die SPD weiter:

Daraufhin hat der Berliner Senat das Potenzial der Seilbahn erkannt und in den Nahverkehrsplan übernommen, um die Seilbahn in den öffentlichen Nahverkehr integrieren zu können.

Das ist Quatsch! Man hat zwar das Thema in Berlin aufgenommen – zur generellen Klärung und hat es in den Varianten mit aufgeführt. Aber es wird im Nahverkehrsplan keine weitere Seilbahn beabsichtigt. Lediglich die bestehende soll in den ÖPNV-Tarif eingebunden werden (zum Berliner Nahverkehrsplan 2019-2023).

Abschließend stellt sich die Frage, was die SPD wirklich vor hat. Bei der Spandauer Magnetschwebebahn im Februar 2026 wollte die CDU die Straßenbahn nach Spandau verhindern. Hat die SPD Angst, dass die Straßenbahn auch hier wieder auf die Agenda kommt?

Ich weiß es nicht…

Allris in den Hamburger Bezirken

Sogenannte Gremieninformationssysteme (bzw. Ratsinformationssysteme) sind gute Instrumente, mit denen man erfahren kann, was in den jeweiligen Gebieten politisch debattiert wird. Und in gewisser Weise auch, was vor der eigenen Haustür passiert.

Ich bin nun zubenannter Bürger in einem Regionalausschuss in Hamburg-Nord – und muss gestehen: Hier ist das Gremieninformationssystem wirklich grauenhaft! Mit Abstand.

Die U-Bahn-Phobie der Linken in Hamburg

Die Linken wollen die U5 nicht. Sie wollen allgemein weniger U-Bahn und stattdessen eine Straßenbahn. Vernünftig wäre beides in Koexistenz zu fordern. Viele europäische Metropolen mit ähnlicher Einwohnerzahl zeigen, dass beides sich zusammen wunderbar ergänzt, bspw. Wien, Prag, Budapest, Sofia, Warschau und Barcelona.

Wie auch immer: man kann alle paar Jahre eine Gefälligkeitsstudie machen – und gegen die neue U-Bahn wettern. Heute reden wir über die 2026er Version. Die Besonderheit nun ist, dass sie mit den im Bau sich befindenden Abschnitten und den künftigen Abschnitten befasst. Allgemein finde ich es schade, dass weder die SPD eine Straßenbahn auf die Gleise bekommt, noch die Linke eine U-Bahn. Ich habe vor zwei Jahren mal einen Netzplan entwickelt, wie eine Straßenbahn die bestehenden und geplanten U- und S-Bahn-Netze in Hamburg sinnvoll aufwerten könnte, siehe meinen Entwurf

Natürlich muss man sich nichts vormachen: die U5 ist einerseits schön gerechnet. Sie entspricht ganz dem Geist der SPD: möglichst dem Auto nicht weh tun. Kosten egal, im Untergrund gibt es viel Platz. Und auch am Linienlauf gibt es einiges zu kritisieren (z.B. einige Haltestellenabstände zu weit, Linienführung über den Hamburger Single Point of Failure etc., Führung wie ein “U”). Trotzdem ist es wichtig, wenn gerade die sozial schwächeren Viertel wie Steilshoop und Osdorfer Born an den schnelleren Nahverkehr angeschlossen werden und nicht nur auf die permanent verstauten Busse angewiesen sind.

Die Studie ist online, zu finden auf der Seite der Linksfraktion in Hamburg

Ersatzverkehr in Hamburg

Während des Olympia-Referendums hatte Hamburg die große Klappe: Die Stadt würde dann die barriereärmste Stadt sein. In der tagtäglichen Praxis zeigt sich aber, dass die Stadt schon den alltäglichen Herausforderungen der Barrierefreiheit nicht gewachsen ist. Heute mal am Beispiel der Ersatzverkehre für die U3 zwischen Mundsburg und Barmbek.

Die Baustelle ist für 2 Monate eingerichtet. Und keine Frage: Sanierung muss sein.

Wenn ich mir den aktuellen Ersatzverkehr im Bereich Mundsburg anschaue, so habe ich den Eindruck, dass Hamburg zum ersten Mal überhaupt Ersatzverkehr macht:

  • die Ersatzhaltestelle ist weit weg – und nicht in Sichtbeziehung zum U-Bahnhof. Man sieht Unmengen an Leuten, die dorthin pilgern. Es gibt sogar vier Köpfe, die den Leuten den Weg zeigen sollen.
  • der Zutritt erfolgt direkt über einen Radweg. Man hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, mittels Markierungen den Radweg zu verlegen. Dass der Fuß des Haltestellenschildes teilweise auf einem Radweg steht, mag ein Versehen sein, aber eben sehr symptomatisch.
  • es gibt keinen Regenschutz (bei 2 Monaten Bauzeit auf einer Hauptader ist das nicht tragbar – insbesondere in Hamburg)

Aber blicken wir nun auf Menschen im Rollstuhl: Bedingt durch diese teilerhöhten Bahnsteige, verlassen also Rollstuhlfahrer in der Mitte des Bahnsteiges die U-Bahn. Sie müssen dann an das westliche Ende des Bahnsteiges zum Fahrstuhl gelangen. Dann queren sie den gesamten Vorplatz und drei Ampeln. Und nach 280 Metern zurückgelegter Strecke (ich habe es extra gemessen!), stehen sie dann nicht wettergeschützt in einer Grundstückseinfahrt – und beobachten, wie die passende Tür sich genau da öffnet, wo ein abgesenkter Bordstein ist.

(Ich habe mir ca. 8 haltende Busse angeschaut. Nur einer hielt passend, weil ein Lieferfahrzeug blockierte)

Am besagten Knoten findet derzeit auch für den Busverkehr eine mehrjährige Umleitung für die Linien 172/25 in Fahrtrichtung Süd statt. Aber die Ausschilderungen berücksichtigen nicht, dass auch hierfür Leute in eine andere Richtung gehen müssen. Und auch hier wurden die Ersatzhaltestellen so verlegt, dass der Kfz-Verkehr möglichst keine Beeinträchtigung erfährt: in dem Falle bewusst in eine Nebenstraße. Konflikte entstehen damit an der Ampel (wenn volle Busladungen rausgeworfen werden, reicht die Aufstellfläche an einer Fußgängerampel nicht). Und anschließend muss der Bus wieder auf die Hauptstraße – was nicht so einfach ist, da die Stelle schwer einsehbar ist und der Bus beide Spuren aufgrund der Schleppkurven zum Einfädeln braucht.

Kurz gesagt: Dieser Hamburger Dilettantismus ist an Realsatire echt nicht zu überbieten.

Natürlich muss man anmerken, dass der Knoten Mundsburg aufgrund des ringförmigen Verkehrs nicht gerade einfach ist. Andererseits ist er bedingt durch die Weiche bei der U-Bahn betriebstechnisch häufiger Beginn und Ende von Ersatzverkehr. Sprich: es ist ein Ort, an dem die Leute hin und wieder mal den Weg zum Ersatzverkehr zurücklegen müssen. Und gerade deshalb ist es wichtig, dass es für diesen Bahnhof einen festen Plan B geben muss. Bei anderen Städten ist es üblich, dass es feste Ersatzhaltestellen gibt (z.B. Dresden).

Wenn also politisch ernsthaft das Bestreben der barriereärmsten Stadt verfolgt hätte, dann muss auch der Ersatzverkehr eben barrierearm aussehen. Vor allem bei Verwendung des Superlativs muss man dann schon mal mindestens Berlin in den Schatten stellen können.

Sonder-Service: der Weg des Ersatzverkehrs als Wanderroute – und in der Mitte der Erdbeerstand als Streckenpunkt:

Hamburg ist nicht reif für Olympia

Am 31.05. findet in Hamburg der Entscheid über die Bewerbung der Olympischen Spiele für Hamburg statt. Nachdem ich mir die Konzepte und vor allem die Abstimmungsbroschüre gelesen habe, werde ich mit Nein stimmen.

Ich finde olympische Spiele gut und wichtig, trotz aller berechtigter Kritik am fragwürdigen IOC. Und ich würde es begrüßen, wenn auch solch ein Großereignis in Deutschland wieder stattfinden könnte. Oder noch besser: grenzübergreifend, bspw. im Ostseeraum. Da bereits Berlin und München olympische Spiele ausgetragen haben, wäre es durchaus in Ordnung, wenn eine dritte Stadt in diesen Rang käme.

Das derzeitige Konzept ist singulär auf die Stadt fokussiert – und preist an, dass all die Sportstätten innerhalb eines sehr kleines Radius stattfinden soll. Und da fehlt mir ehrlich gesagt die Vorstellung, dass das gut gehen kann.

Über das mangelhafte Mobiltitätskonzept schrieb ich bereits. Wenn Spiele so konzentriert stattfinden, müssen auch die massiven Besucherströme gelenkt werden. Und ja, ich toleriere es, wenn es dann Chaos gibt oder ich Einschränkungen erleide. Das ist es mir wert, damit Leute untereinander ausfechten, wer den Sperr am weitesten werfen kann.

Aber eine Stadt, die schon im Alltag im Chaos versinkt, weil Busse nicht zuverlässig fahren, der Hauptbahnhof aus dem letzten Loch pfeift und die Autobahnen über die Elbe tagtäglich verstaut und verstopft sind, hat gar keine Chance, so ein Event sinnvoll durchzuführen. Und wenn die Stadt es noch nicht einmal schafft, diese Probleme und Herausforderungen klar zu adressieren, dann erwarte ich auch nicht, dass sie diese auch lösen kann. Da hat Berlin und auch München eine andere Ausgangsgrundlage.

Ich nehme nun die Abstimmungsbroschüre zur Hand – auf der Suche nach Argumenten. Überzeugende wie belastende. Ich beginne allerdings mit dem Senat, die Parteien der Bürgerschaft kommen ans andere.

Geh-Weg, Hamburg.

Werfen wir heute einen Blick auf die Fußwege. Wir benutzen sie ständig. Aber wir nehmen sie selten wahr. Sie fallen meistens nicht auf. Und anders als bei Gebäuden schenken wir ihnen auch kaum Aufmerksamkeit. Und doch ist es spannend, wie unterschiedlich Fußwege ausfallen können.

Ein beliebtes Muster, zum Beispiel in Berlin oder Lübeck, sind quadratische Platten in diagonaler Anordnung, die meist zur Fahrbahn mit kleinen Steinchen abgegrenzt werden. Dresden (und auch viele sächsische Orte) hat große massive meterbreite und unverwüstliche Natursteine.

In München hat man Bäume gezielt in den Kreuzungsbereich gelegt, so dass sie der Abschluss der Parkmöglichkeiten hin zur Kreuzung kenntlich machen. Und so finden sich viele kleine Kleinode auf den Gehwegen anderer Orte.

Anders in Hamburg. Da haben Gehwege keine besondere Bedeutung. Genau genommen spielen Fußwege gar keine Rolle.

Denn es geht nicht nur um die Gestaltung. Fußwege haben eine Funktion: Sie sind unser Mittel, um durch die Stadt zu kommen. Sie müssen praktisch benutzbar sein. Im besten Falle laden sie zum Schlendern ein. Gute Gehwege sind meistens so breit, dass zwei Personen auch komfortabel nebeneinander laufen können – und dann auch noch jemand mit Hund entgegenkommen kann, ohne dass jemand ins Gebüsch oder zwischen parkenden Autos ausweichen muss. Natürlich sollten sie auch eben und frei von Stolperfallen sein. Sie sollten außerdem durchgehend beleuchtet sein. Winterdienst und Laubbeseitigung.

Und da wird es in Hamburg richtig übel. Und das Schlimme ist: vielen Bewohnern fällt dieser Missstand gar nicht so auf. Allen voran jene Menschen, die Hamburg als schönste Stadt der Welt bezeichnen. Die Fußwege sind eher das mit Abstand größte Desaster Deutschlands.

Häufig sind sie so schmal, dass noch nicht einmal zwei Personen nebeneinander laufen und sich unterhalten können. Wenn ich zwei Koffer ziehe, muss ich auf vielen Straßen auf die Fahrbahn ausweichen, weil die Breite des Gehweges nicht ausreicht (vgl. §25 Abs. 2 StVO). Das kenne ich sonst nur von mittelalterlichen Stadtkernen, wo die Wege mal für Pferdekutschen ausgelegt wurden.

Eine weitere Besonderheit ist, dass rund um die Bäume (und manchmal auch ohne Bäume) einfach Gehwegplatten fehlen. Man läuft dann auf Erde. Die Koffer sind deutlich dreckiger als ich es aus anderen Städten hier kenne. Und ehrlich: Ich habe keine Ahnung, warum ich so etwas noch nie in anderen Städten gesehen habe. Das muss so eine Art Alleinstellungsmerkmal sein.

Bemerkenswert ist auch das Höhenprofil einiger Gehwege:

Und sehr beliebt sind diese engen Fußwege auch zum Abstellen des heiligen Bleches:

Eine weitere Besonderheit sind die Regensammelstellen. Es gibt gerade bei den fehlenden Platten auch kein geeignetes Gefälle, so dass Regenwasser sich sammelt und kleine Teiche sich bilden, sodass man hüpfen muss:

Ein besonderes i-Tüpfelchen gibt es bei Nacht: denn die Hamburger Gehwege sind ja auch nicht für Fußgänger ausgeleuchtet. In diesem Bild sind gerade in den dunklen Stellen die Stolperfallen:

Im Bezirk Wandsbek gibt es ein Faible, nahezu jeden Weg mit Stolpergefahr auszuzeichnen. Vermutlich würde man den Schilderwald entzerren, wenn man die guten Wege mit “stolperfrei” beschildern würde. Im Bezirk Nord ist man sich offenbar auch dafür zu fein.

Und versteht mich bitte nicht falsch: Ich bin noch verhältnismäßig jung. Ich kann mich auch in Dunkelheit auf miserablen, wackelnden Gehwegplatten gut orientieren, den einen oder anderen großen Schritt machen oder es aushalten, wenn hinter mir ein Auto auf der Fahrbahn hupt. Doch viele Menschen können das leider nicht (mehr). Und da sind solche Gehwege eine Unverschämtheit gegenüber den Menschen hier. Und wir reden auch viel über Barrierefreiheit im öffentlichen Raum – und das sind diese Gehwege ganz und gar nicht!

Siehe auch:

Fan-Fact: Wie zu erwarten, gibt es einige Menschen in dieser Stadt, die diesen Zustand verteidigen. Nicht zuletzt, weil es in manchen Kriegs- und Krisengebieten deutlich schlechtere Fußwege gibt. Auf diesem Level bewegen sich also Hamburgs Fußwege. Wo vernünftige Menschen bei Defiziten nach Orten schauen, wo es besser läuft und man kopieren könnte, schöpfen andere Kraft, weil es Orte der Welt gibt, in denen es offensichtlich noch schlechter geht. Ich zitiere da einen von der Plattform nebenan:

Fußwege die zur Todesfalle werden weil nicht alles komplett zubetoniert wurde, könnte man meinen wir wohnen im Gazastreifen…nee es ist nicht alles toll, aber es könnte alles viel viel viel schlimmer sein…