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Wenn einem eine Energiesparlampe aufgeht...

Ende letztens Jahres ging noch eine Botschaft durch die Medien, die ich – nach reichlich einem Monat – noch einmal betrachten will: die EU will den Verkauf von Glühlampen innerhalb von drei Jahren restlos verbieten.

Das erste Kuriosum: die Fakten unterscheiden sich zwischen den unterschiedlichen Medien. Die Zeitung „Welt„ schreibt, daß ab 1. September 2009 „Glühlampen mit 100 Watt und mehr aus dem Handel verschwinden„, ein Jahr später dann alles ab 75 Watt. Nach der Linkszeitung verschwinden alle „alle Glühlampen mit matten Glaskolben sowie 100-Watt-Glühlampen mit klaren Glaskolben aus den Regalen„ ab September 2009. Radikaler scheint diese Verordnung bei der TAZ zu sein: hier verschwinden „alle Glühlampen mit 60 Watt und mehr aus den Läden„. Und der Lampenhersteller Osram klärt die Verbraucher mit einem Kompromiß mit „Glühlampen mit 80 Watt oder mehr„ auf.

Und schaut man sich die technischen Dokumente der EU an, so ist von matten Glühbirnen sowie Lampen über / gleich 100 Watt die Rede.

Das zweite Kuriosum ist die durchweg positive Berichterstattung zu dieser Botschaft. Nahezu euphorisch wird in nahezu jedem Blatt vorgerechnet, wie viel Energie mit dieser Maßnahme gespart werden kann, von ganzen vier Atomkraftwerken ist in der TAZ die Rede. Und natürlich auch eine Rechnung, wieviel Geld der Verbraucher mit einer Sparlampe sparen kann.

Enttäuscht bin ich von der Verbraucherzentrale NRW, denn wenigstens bei solchen Vereinen hätte ich eine etwas neutralere Position erwartet. Das dazugehörige Dokument ist aber leider verschwunden, vermutlich ist es auch besser so. Und so findet man nur in verschiedenen Portalen noch Aussagen wie dieser hier:

An der positiven Öko-Bilanz der Energiesparlampen und den finanziellen Vorteilen für Verbraucher gibt’s nichts zu rütteln. Denn die Leuchtstofflampen brauchen – bei gleicher Helligkeit – erheblich weniger Strom und zahlen sich oft nach einem Jahr schon aus

Und das dritte Kuriosum sind die schwachen Argumente in der gesamten Debatte um Umweltschutz, Energie und Schadstoffe.

Als erstes hätten wir die Energieverschwendung: 95 Prozent in Form von Wärme werden verschwendet. Dieses Argument mag für Lampen im Außenbereich zutreffen, im Innenbereich nutzt man zumindest im Winterhalbjahr die Wärme mit. Wenn man synchron minimal weniger heizt, ist das Ergebnis sogar ausgeglichen (wenn man die Wirkungsgrade bei der Energieerzeugung und die Kosten einmal unberücksichtigt läßt). Ob man einer britischen Studie Glauben schenken darf, daß Nutzer von Energiesparlampen aufgrund des kalten Lichtes die Räume bis zu 3° stärker beheizen?

Ebenso interessant ist die angebliche Haltbarkeit von Glühbirnen und Sparlampen. Die Süddeutsche berichtet, die Sparlampen „halten etwa sechsmal länger (bis zu sechs Jahre)„ als Glühlampen. Irgendwie fielen bei mir die Glühbirnen bisher weit seltener aus. Die Ökotest kommt jedoch zu anderen Ergebnissen: nur wenige haben zum Redaktionsschluß noch geleuchtet.

Ein weiteres schönes Argument ist das Quecksilber: Kritiker dieser Verordnung bemängeln den Quecksilberanteil der Sparlampen – und folglich die notwendige Entsorgung des Elektrosondermülls. Dem entgegen tritt der Verein „Deutsche Umwelthilfe” mit dem sogenannten ab April 2009 kein Quecksilber mehr enthalten darf, dagegen Sparlampen mit Quecksilber dem Verbraucher geradezu aufgezwungen werden. Übrigens kann der Titel des Beitrags durchaus mehrdeutig verstanden werden – mir ging letztens wirklich eine auf. Und da ist mir Quecksilber in einem Kraftwerk lieber als in einem Wohnraum. Und letztendlich frage ich mich, warum die Welt wieder einmal nur aus Schwarz und Weiß bestehen muß?

Anstelle die Bevölkerung einseitig mit irrwitzigen Vorteilen von Sparlampen einzutrichtern, die – so die Zeitschrift ÖKO-Test – nicht alle stimmen, sollte man lieber aufklären, in welchen Fall welches Leuchtmittel am besten geeignet ist. Die Lampe oberhalb des Badspiegels habe ich (rein zufällig) am Tage der EU-Verordnung ausgewechselt: von einer 11-Watt-Sparlampe in eine 25-Watt-Glühlampe. Beim Rasieren will ich Licht auf Knopfdruck. Nicht eine halbe Stunde später, wenn die Lampe ihre Bestform erreicht hat. Ob ich damit nun minimal Strom spare oder verschwende – ich spare vor allen hierbei Zeit.

Auch wenn ich nun vom eigentlichen Thema abtriffte, hat mich dennoch eine Frage verfolgt: wieviel sollte man für Umweltschutz überhaupt tun? Im Extremfall gibt es nur eine Lösung: „Save the planet, kill yourself„ (vgl. Gastkommentar in der Welt). Sehr effektiv, nur leider etwas über das Ziel hinausgeschossen. Effizient ist in dem Kontext ein gutes Schlagwort, nur schwer ermittelbar. Und schon gar nicht in den Effizienzklassen der EU. Nur wenn ich am Telefon Rückkopplungen einer Sparlampe höre, läuft irgendwie genauso etwas falsch, wie wenn ich der Umwelt zuliebe im Winter in den eigenen vier Wänden friere.

Um diesem Beitrag noch zu einem Fazit zu verhelfen: Sinn macht diese EU-Verordnung nicht – wenn man mal von den künftigen Erlösen des Herstellers OSRAM und einiger naher Konkurrenten absieht.

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Bisherige Kommentare (4)

Kommentar von Nini

Danke, dass du den Ökotest ausgegraben hast. Da bleibt von den ganzen Versprechungen ja nicht viel übrig. Interessant ist auch:

Die elektrischen Wechselfelder sind bei Energiesparlampen viel stärker als bei Glühbirnen und überschreiten in 30 Zentimeter Abstand deutlich die Werte, die die TCO-Zertifizierung für strahlungsarme Bildschirme vorschreibt und die hier technisch machbar sind.

Als Schreibtischlampe wohl eher nicht zu empfehlen?!

100 Watt sind privat allerdings nicht so gebräuchlich, so dass es die meisten wohl nicht sehr schmerzlich treffen dürfte. Ich fage mich aber, was mit Spezialleuchten ist, z.B. wenn ich mir eine leuchtstarke Fotolampe kaufen, oder eine solche selber zusammenstellen will. Ich habe jetzt aber nicht geschaut, was für Leuchtmittel die verwenden.

Kommentar von Martin

Ob man einer britischen Studie Glauben schenken darf, daß Nutzer von Energiesparlampen aufgrund des kalten Lichtes die Räume bis zu 3° stärker beheizen?

Wieso überhaupt kaltes Licht? Hierzulande findet man doch fast nur solche Pufflichter mit 2700 Kelvin.

Ich frage mich eher, warum die EU auf der einen Seite verordnet, daß ein Thermometer ab April 2009 kein Quecksilber mehr enthalten darf, dagegen Sparlampen mit Quecksilber dem Verbraucher geradezu aufgezwungen werden.

Weil beim Thermometer Quecksilber nicht nötig ist? Bei Energiesparlampen konnte die eingesetzte Menge ja auch schon reduziert werden und es wird auch zurückgewonnen.

Kommentar von Martin

Ach ja, Flackern. Das konnte ich mit dem vorinstallierten Leuchtmittel an meiner Schreibtischlampe auch feststellen. Nach Austausch durch ein Markenprodukt nicht mehr. Ich hätte ja gedacht, das liege am Vorschaltgerät, aber dem ist offenbar nicht so (das ist ja fest in die Lampe eingebaut).

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